Verlag Langgaffe 21
„Tagblatthaus".
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„Tagblanhaus" Nr. 6650-53.
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„ . _ _ ^ ^ ft, , ,... '~% r ^vV .. 1An nnAo Für dre Aufnahme von Anzeigen an vorgeichriebenea
hm 'iät »aamtoag» verlmer Abteilung des Wiesbadener Togblnt ts: »rrlin n .. Potsdamer S tr.121 fL Frruspr.: Amt Lutzow b202 u. b203. Lage» UN» Blase» wird keine Gewahr ade-aomm-u.
Samstag, Sl. März 1917.
Morgen-ktusgabe.
Nr. 165. . 65. Jahrgang.
Ver Tauchbootkrieg.
Weitere 50 Schiffe mit insgesamt 90 000 Tonnen im März versenkt.
W. T.-B. Berlin. 30. März. (Amtlich. Drahtoericht.) An neuen U-Bvotserfolgen kommen nach Meldungen zurückge- kehrter U-Boote zu den bisher im März veröffentlichten hinzu:
34 Dampfer, 2 Segler, 14 Fischerfahrzeuge mit insgesamt 90000 Bruttoregistertonuen. und zwar 24 englische, 3 französische, ein portugiesisches, 13 norwegische,
1 holländisches, 1 dänisches und 7 Schiffe, deren Namen sich nicht feststellen ließ, darunter ein englischer Hilfskreuzer von mindestens 8000 Tonne«.
Französischer Wutschrei über die Nutzlosigkeit der großen Flotte gegenüber dem U-Boot.
-st- Berlin, 30. März. Ein Mitglieds, der fr an- zösischen Flottenkommission schreibt m der Märznnmmer der „Revue": Das tl°Dool warf alle alten Lehren aller Flotten um. Ohne Rucksicyt auf diele tut daher schnelles Handeln not. Was nutzen heute noch die gewaltigen Flotten von Schlachtkreuzern und schwimmenden Festungen, di: Linienschiffe, die uns bisher dre Seeherr- schast sicherten' Nutzlos liegen sie rm Schutz der Reeden und der hernmstreifend? Feind sperrt sie ein. Wenn wir den Gegner sich noch weiter entwickeln lasten, dann werden diese Einzelpiraten eines Tages die Schlachtflotts besiegt haben.
Zur Versenkung des französischen Grotz- kampsschiffes „Danton".
Br. Lugano, 30. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach der „Sarda", einem in Gagliari erscheinenden Blatte, ist der Untergang des ftanzöstschen, öctt einem Unterseeboot torpe- tieti u Krieosschifses „D antr n" sc schnell erfolgt, daß keiner der gewöhnlichen Rettungsversuche der Mnnnjchast möglich war. Das Schiss wurde von zwei Torpedos g e t r o f s e n. Der Kapitän blieb an Bord und versank ml lern Schiffe. Von den mit den Wellen Ringenden wurden etwa 500 durch den begleitenden Torpedojäger „Massue gerettet._
Das qrohte und eritscheidunqrveWe Rückzugs-lNeiftersiöck all r Zetten.
Der Raum von Slrras bis Soissons.
Di- Laae beginnt sich zu klären. Zwar kann über das Wichtigste, die Dinge, die kommen müssen, immer noch nichts gesagt werden Aber gewiß ist. daß wir mft jedem Tage immer mehr erkennen, welche nngeahnt entscheidende Bedeutung der genial erdachten und meisteihast durchgeführten Rücknahme der Front im Raume Acras-Soissvns znkommt. Dre Verwunderung und der oersrühte Jubel der Entente beginnt sich zu legen und eine Art von Unsicher- heit und Bestürzung tritt dafür in di? Erscheinung. „
Durch die Rücknahme der deutschen Front liegen mit einem Schlage die Offensivabsichten der Engländer und Franzosen vor uns. Es sch.eint festznstehen, daß der Angriff an der Ancre, also die Ancre-Schlacht, dre Einleitung der grasten Entente-West-Ossen- s i v e 1917 hatte bilden sollen. Angeichlosten daran hätte sich eine Offensivausdehnnng nach Süden hin, wahrscheinlich auch n'ch nach Norden über Acras hinaus. Die Franzosen hätten sich deni englischen Angriff Schulter an Schulter angeichlosten und ihr Gelände wäre der Raum im Gebiete der Aore gemest-n. Mit de: Frontznrücknahme der Korrektion der deutschen Frontansbnchtung an der Ancre, wich die deuftche Oberste Heeresleitung der Schlacht aus: als weitere Folae ihres eigenen Planes (dies läßt stch ja gar nicht verkennenl wurden dann die ganze Front von Arras bis Soissons regelrecht abaebant. Diele Tatsache. in die Erscheinung getteten im Bereich des völlig schlagbereiten fertig montierten englisch-französischen Offensive-Apparates, wurde mit einer genialen Berechnung und Ausiühruno vollzogen, der wir kein zwei- tes Ereignis von gleicher Größe und Be- deutung aus der Kriegsgeschichte aller Zeiten zur Seite stellen können. Ohne alle Verluste an Mannschaften und Material geschah der Rückzug planmäßig. Ans einer Fronte reite von über 135 Kilometer und heute noch nicht genau bekannten Tiefe wurde zwischen die alte Linie und die ausgewählte neue ein sogenanntes totesGelände, glacisartig, gelegt. Dieser tote Raum, eigentlich eine Schutzzone, ist gespickt ifmt Hindernissen und kann erst nach langer Vorbereitung erster provisorischer Sicherung und dem erneuten Kommunikationseinbau wieder für größere Angrifss- zwecke bereitgestellt werden. Dmnit ist der Otfen- siv-Aufmnrkch der Entente im Westen dollig desorientiert.
Durch Monate legten Engländer und Franzosen ihre ganze Arbeitskraft von vielen 100 000 von Männern auf den Aufbau und die Organisierung des Aufmarsches und dessen Raumes vor dem heute toten Gclande. Eiift Aufmarsch aber, wie ihn der Stcllungskrftg bedingt ist eine gigantische Arbeit. Ist diesem Aufmarsch einmal di- Richtungs gegeben, dann muß diese Richtung beibehalten werden. Für die Eng!änd-r und Franzosen gibt es demnach setzt nur zwei Dinge: erstens sie bauen im Raunie zwischen Arras-Soissons ihre Truppen, und . noch viel mehr, was der allererste Teil ist. das Material ab, uni dasselbe nach einem neuen Abschnitt zu bringen, dort zu organisieren, oder sie versuchen zweitens: das tote Gelände im Raume Arras- Soissons wieder a u s z u b a n e n, zu festigen, um dann die Angriffsmaschine weiter nach vorn, gegen die neue deutsche Linie, zu führen. Beide Versuche jedoch verbrauchen viele Wochen und vielr-^underttausende von Mannschaften.
Wählend so auf der Serie der Entente im Westen sich eine völlig neue Lage gestaltet hat, die auch mit der größten Genialität nicht so ra'ch, wie dies sein müßte (wenn die Entente selbst an der Westfront ini Jahre 1917 die Entscheidung sucht), erfolgen kann, hat die deutsche Heeresleitung eine jetzt schon als entscheidend anzusprechende, aber noch nicht völlig zr, übersehende Reihe von Vorteilen erzwungen. Erstens ist der deutschen Führung mit einem Schlage die Führung, die unbestrittene Initiative zugesallen Zweitens wurden aus dem alten aufgcgebenen Schlachtraume soviel Kern truppen frei, die be» den kommenden Ereignissen mitziweden be'ttmmt sind. Drittens hat die deutsche Führung als Auswirkung ihres Rückzng-s die Zeit, nach ihrem Blanc und Willen das zu tun, was sie zur Herbeiführung der Entscheidung tun will.
Es ist gewiß daß die Führung der Entente-Westfront alles andere eber erwartete als gerade einen Rückzug in dieser Art. wie der zwischen Arras und Soissons stattgefundene. Und weiter ist gewiß, daß wir heute nicht genau wissen, was kommt, daß aber die deutsche Führung mit dem gelungenen Rückzüge, der die englisch-französische Jnitiatine aus- schaltete, sich nicht zusiieden gibt, sondern daß wir große Ereignisse erwarten müssen.
Dev deutfrfte Abendffericlit vom 30. März.
IV. T.-B. Berlin, 30. März, abends. lAmtlich Drachtüe- richt.) Nördlich oon Roisel und südlich von Ripont (Champagne) lebhafte Gefechtstätigkeit.
Im O st e n nichts Wesentliches.
Oer Krieg gegen England.
Aushebung weiterer 100 000 Mann aus den bisher Untaugliche».
Churchill verlangt eine Geheimsitzung.
(Drahtbericht unseres bl-Sonderberichterstatters.)
17. Rotterdam, 30. März, (zb.) Aus London wird dem „Nieuwen Rotterdamschen Courant" gemeldet: Bonar Law reichte im Unterhaus eine Gesetzesvcrlage auf Aushebung weiterer 100 000 Mann für das Heer ein. Sie sollen aus den früher untauglich Befundenen bei einer Nachmusterung zusammengebracht werden. Die Armee steht vor einem ö e - deutenden Ausfall, weil viele Soldaten von der Front zurückgekehrt seien, die für die Landwirtschaft, den Schiffsbau und die Bergwerke unentbehrlich sind. Ohrre neue Aushebung können die Krngspläne gefährdet werden. Ja der Debatte führte Churchill aus, die Regierung lasse unverheiratete 42- und 45jährige Männer frei umberlauft,,, und die Invaliden zwinge sie, zum Frontdienst znrnck- zukehren. Er verlangte eine nach Ostern abzuhaltende Geheimsitz nng, in der über die Mannschaftsfrage beraten werden s,ll. Bonar Law wendete dagegen nichts ein. Die Vorlage wurde darauf in erster und zweiter Lesung ange- r ommen.
Der Krieg gegen Italien.
Der dringende Ruf Italiens nach den alliierten Nothelfern.
Br. Lugano, 30. März. (Eia. Drahtbericht, zb.) 2as Organ der konservativen Partei „Perseveranza tzließt sich dem Geschrei nach den alliierten Nothelfern in. So lehr die Italiener danach lechzten, nach den Österreichern auch die Deutschen daö italienische Zajonctt fühlen zu lassen, so bedenklich scheine andcrer- -its die Konzentration deutscher und öfter- eichifcher Heeresmaisen an der italieni- chen Front. Die verbündeten Generalstäoe sollten >och ja die furchtbare Gefahr erwägen, welche m iner etwaigen Absprengung Italiens von der Entente äge.
Dir Militarisierung der italienifchen Handelsmarine.
W. T. B. Bern, 30. März. (Drahtbericht.) Wie „Secolo" meldet, wurde dort verfügt, daß die Mann- schäften der Handelsschiffe den militärischen Strafgesetzen unterstehen. Mle H e u e r- verträge wurden bis Kriegsende verlängert. Kein, Mitglied der Besatzung kann an Land gehen, außer bei Krankheit und Untanglichkeit, sowie bei Erreichung der Altersgrenze.
Revolutionäre Stimmung in Italien?
Bi*. Karlsruhe, 30. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der römische Berichterstatter des „Zürcher Taqesanz." meldet von der italienischen.Grenze* Sowohl ln Rom wie im ganzen Lande herrscht eine Stimmung, die an die Vorgänge in Rußland erinnert. Von überall kommen Nachrichten über große Nahrnngsschwierigkeiten als un- mittelbare Folge des deutschen Tauckibootskrieges. Wichtige Maßnahmen der Negierung lasten erkennen, daß man der Lage gegenüber nicht unvorbereitet gewesen wäre.
Oie neue ftera in Rußland.
Zunahme der extremen Strömung in Petersburg!
Berlin, 30. März, (zb.) In Petersburg fanden hundert Volksversammlungen statt, in denen die demokratische Republik verlangt wurde. Eine bedenkliche Zunahme der extreme» Stcör»m.g sei nicht zu verkennen.
Der Arbeiter- und Soldatenausschutz für
Sicherung der rufsifchen Eroberungen.
\V. T.-B. Petersburg, 29. März. Die Petersburger Telegrophenagentur meldet: Das offizielle Organ des Arbeiter- und Soldatenausschusses schreibt in einem Leitartikel über die Nctwcndigkeit des Verteidigungskriegs gegen Deutschland unter dem 27. März folgendes: Rußland darf den Hohenzollern und ihren Parteigängern nicht als leichte Beute erscheinen. Das monarchische Deutschland soll wissen, daß die Revolutionäre Rußland alle ihre Kräfte zur Sicherung seiner Eroberungen wechen werden.
Oie Neutralen.
Die Lage in Spanien Hochernst.
(Drahtberichl unseres Lr.-SonderderichterilatrerS.I
Kr. Genf, 30. März. (Etg. Drvhtberrckst. zb.) „Eclair" meldet: In den Großstädten Spaniens wird die Verhängung des Standrechtes geplant. Der „Temps" berichtet aus Madrid, die Lage >ei infolge der allgemeinen Gärung Hochernst. In dem Bezirk Bevriona seien schwere Unrilhen ausgebrochen. Am traurigsten erscheine die Lage auf den Kanarischen Inseln, wo die Bevölkerung buchstäblich vom Hungertod bedroht iei. Die Maniftstc des Madrider Arbeitersyndikats seien direkt hochverräterisch, weshalb sie beschlagnahmt worden seien. Die plötzliche Agitation unter den Eisenbahnern beunruhige die Renierung. Die radikale Presse lagt, die Teuerung sei nicht der alleinige Grund für die Unruhen, sondern auch die russische Revolution, welche in Barcelona begeisterte Anhänger besitze und diese Nachahmer derselben werden wollten.
Deutscher Reichstag.
(Eigener Drahtbericht des „Wiesbadener Tagblatts'.s
# Berlin, 30. März.
Am Bur.desratstisch: Reichsschatzsekretär Graf Roedern.
Präsident Dr. Kacmpf eröffnet die Sitzung um 11,02 Uhr.
Aus der Tagesordnung steht die zweite Lesung des Gesetzes zur
Herabsebnng der militärischen Mindeft- srrafen.
Die Kommiffwn 'empfiehlt eine - Resolution, in der gewünscht wird, daß vor dem Inkrafttreten des Gesetzes ver» hängte Strafen erlaffen werden sollen.
Abg. Landsberg ,Soz.) befürwortet einen Antrag auf Straffreiheit der Notwebr und auf Streichung des 8 152, Abs. 3, betreffend Jnnehaltung des Dienstweges.
Abg. Stadthagen (-2. befürwortet unter allge
meiner^ Unruhe des Hauses einen langen Antrag seiner Fraktion, der sich im allgc meinen mit den! Antrag der sozialdemokratischen Mehrheit deckt.
General Langermann v. Erlen camp: Den Antrag auf Freilaffnug der Notwehr bitte ich aus Gründen der Disziplin
