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«ette «9. 8M*««, 30. M3rz 1S17.

Morgen-Tk«sg«be. Erstes Vlatt. Nr. 168,

Wies badener TagblaÜ.

Disconto-Gesellschaft in Berlin.

Geschäfts-Bericht für das Jahr 1916.

Brak den unvergleiehHchen Leistungen unseres tapferen Heeres nnd unserer schneidigen Marine konnte die deutsche Volkswirtschaft sich auch im Berichtsjahre ungestört von feindlichen Eingriffen entwickeln.

Mehr noch als in den beiden vorausgegangenen Kriegsjahren ist das Wirtschaftsleben des deutsehen Volkes im Jahre 1916 in alten Zweigen durch die vom Kriege erheischten harten Not­wendigkeiten bedingt worden. Seine Entwicklung weist daher Ijn vertieftem Umfange dieselben Erscheinungen auf, welche das vorauf gegangene Jahr kennzeichneten, und die wir in unserem vorjährigen Geschäftsbericht besprochen - haben. Die Länge der ! Kriegsdauer und die stärkere Einschnürung der Einfuhr haben zu einem vermehrten Verbrauch der Vorräte an Lebensmitteln und Rohstoffen jeder Art geführt.. Die Folge war die Zunahme .der allgemeinen Teuerung. Trotzdem blieben die Preise der meisten für die Volksernährung wichtigen Erzeugnisse hinter den Weltmarktpreisen zurück. Der im allgemeinen günstige lErnteausfaB wurde abgeschwächt durch das Mindererträgnis an 'Kartoffeln, welches durch die ungünstige Witterung verursacht ilwimte, und durch den Ausfall an Brotgetreide, der sich bei unseren Bundesgenossen ergab. Eine weitere Beschränkung des freien Handelsverkehrs und eine weitere Ausdehnung der staat­lichen Bewirtschaftung griff Platz. Wenn auch der Erfolg der obrigkeitlichen Maßnahmen den Erwartungen nicht immer ent­sprach, so hat die Bevölkerung die ihr zugemuteten Unbequem­lichkeiten nnd Entbehrungen doch wil' g auf sich genommen. Die in der eroberten Walaehei gemachte Kriegsbeute hat dann gegen Ende des Jahres die Schwierigkeiten der Verpflegung für uns und unsere Bundesgenossen gemindert nnd dahin geführt, daß die Grundlagen der Voiksernährung bis zur nächsten Ernte jetzt vollkommen gesichert erscheinen.

Aähnliche Schwierigkeiten wie bei der Volksernährung er­gaben sich zum Teil bei der Versorgung Deutschlands mit den wichtigsten Rohstoffen. Besonders machte sich die 'Knappheit der Vorräte in den Gewerben fühlbar, die auf die /jetzt abgeschnittene oder stark erschwerte Zufuhr von Mate­rialien aus dem Auslände angewiesen sind, namentlich in ver­schiedenen Zweigen der Textilindustrie. In glänzender Weise Und in zunehmendem Maße gelang es der Wissenschaft und Technik, hier Ersatzmittel zn schaffen, welche uns auch für die Friedenszeit in nicht unerheblichem Umfange vom Auslande unabhängig machen und unsere - Handelsbilanz vorteilhaft beein­flussen werden.

Alles da» erforderte ein Maß von Arbeit, das noch weit über das in den beiden ersten Kriegsjahren geleistete binaus- gebt. Zn ihrer Organisation wurde das Kriegshilfsdienst-Gesetz geschaffen und mit seiner Durchführung der Anfang gemacht. Belastet mit wohlgemeinten, aber zweckwidrigen Bestimmungen sozialpolitischer Fürsorge hat dies Gesetz den erhofften Nutzen leider bisher nicht in vollem Umfange geschaffen und die schon zu zahlreichen und zn sehr zersplitterten Organisationen unserer Kriegswirtschaft um weitere vermehrt.

Die Heranziehung aller Arbeitskräfte, sei es zum Kampf Vnit der Waffe, sei es für die Ausrüstung des Heeres oder für sonstige Arbeit daheim, hat zur Folge gehabt, daß auf dem Arbeitsmarkt die Arbeitslosigkeit fast ganz verschwun­den ist.

Den von Monat zu Monat steigenden Ansprüchen der Heeres­verwaltung hat unsere Industrie in vollem Umfange ent­sprochen, und die hierfür erforderlichen umfangreichen Erwei­terungsbauten nnd Kapitalaufwendungen wurden ohne Schwie­rigkeiten durchgeführt. Eine Einschränkung der Produktion haben nur diejenigen Industriezweige eintreten lassen müssen, welche durch die Knappheit der Rohstoffe dazu gezwungen waren. So hat sich das deutsehe Wirtschaftsleben dank der hingebenden Tätigkeit aller Beteiligten, Arbeitgeber und Arbeit­nehmer, Männer nnd Frauen, in geordneten Bahnen entwickeln und abspielen können. Wenn seit der letzten Jahreswende eine mit mannigfach!!) Unznträgiichkeiten verbundene Knappheit an Heizmaterial hervorgetreten ist, so lag der Grand nicht in dem IMangel an geförderter Kohle, sondern in der ungenügenden Zahl jder für die Verfrachtung bereitstehenden Transportmittel, die durch die infolge unserer Eroberungen ständig zunehmende Er­weiterung des Versorgungsgebietes bedingt -wurde.

Die* Tätigkeit der Industrie, insbesondere der Schwerindu­strie, wurde nach und nach ganz auf den Krieg und seine Er­fordernisse eingestellt. Die Anspannung aller Betriebe und die Notwendigkeit, die Leistungsfähigkeit zu steigern und an Roh­stoffen nnd Arbeitskräften zu sparen, führte zu zahlreichen Ver­einigungen kleinerer, bisher selbständiger Betriebe mit größeren, namentlich in der Montanindustrie. Dieser Verschmelzungs­prozeß wurde noch beschleunigt durch die Steuergesetzgebung, welche bei erheblicher steuerlicher Mehrbelastung es verab­säumte, der Doppelbesteuerung des von Gesellschaften verein­nahmten Gewinnes aus Beteiligungen an anderen Gesellschaften In genügendem Maße vorzubeugen, und er hat in neuester Zelt laneh auf andere Gebiete übergegriffen. Es ist dringend zu wünschen, daß Wer durch die Gesetzgebung baldigst Abhilfe durch Freistellung bereits besteuerter Gewinne geschaffen nnd der künstliche Antrieb für eine weder im volkswirtschaftlichen tooch im kommunalen Interesse wünschenswerte Bewegung be­seitigt werde, ehe diese noch größere Ansdehnung angenom­men hat.

Ans dem Gebiet der Syndikatsbestrebnngen ist als wichtigstes Ereignis neben der bis 1920 erstreckten Erneue­rung des Roheisensyndikats die Erneuerung des rheinisch-west­fälischen Kohlen-Syndikats auf fünf Jahre hervorzuheben, nach­dem nn Jahre 1915 eine vorläufige Verlängerung des Vertrages bis zum 1. April 1917 stattgefunden hatte. Die preußische Re­gierung ist dem Syndikat mit ihrem Bergwerksbesitz in tthein- !land-Westfalen beigetreten, den sie jetzt durch fast vollständige Erwerbung der Aktien der Bergwerksgesellschaft Hibernia wesentlich verstärkt hat. Im Stahlwerksverbände haben die Verhandlungen zur Syndizierung der sogenannten Produkte B, die in früheren Jahren nicht herbeigefiihrt werden konnte, mit mehr Aussicht auf Erfolg begonnen. Ebenso steht nach langen schwierigen Verhandlungen der Abschluß eines deutschen Zejnent-fiysdikats bevor.

Die Ergebnisse dieser aufs höchste angespannten Tätigkeit der Industrie waren außerordentlich günstige. Wenngleich ein bedeutender Teil des Gewinnes auf Grund des Kriegssteuer­gesetze« nnd der erheblichen Erhöhung der staatlichen und kom- nraalea Bteoerbelastung für öffentliche Zwecke in Anspruch ge­nommen wurde, so hat doch im allgemeinen eine bedeutsame Steigerung der Dividendenausschüttungen stattgefunden. Ob hierbei der gesteigerten Abnutzung der Anlagen nnd Maschinen sowie den bei der Ueberleitung in die Friedenswirtschaft erfor­derlich werdenden Aufwendungen in genügender Weise Rech­nung getragen worden ist, wird erst die Zukunft lehren.

Die naturgemäße Folge dieser Erscheinungen war, daß die Bewertung aller direkt oder indirekt an der Kriegekonjunktnr freteBigten Unternehmungen ein» aufwärts gerichtete war, wie Nte» deK vcWS Reichskanzler auf Grand von tatsächlichen Ver­

käufen und von amtlich vorgenommenen Schätzungen festgestellte Steuerkurszettel vom 31. Dezember 1916 dartut.

Auch die festverzinslichen Werte, welche infolge der Steige­rung des Zinsfußes für langsichtige Anlagen während der vor- anfgegangenen Kriegszeit eine erhebliche Kurseinbuße erlitten hatten, haben sieh im Berichtsjahre im Kursstände wieder ge­hoben. Besonders gilt dies für die guten Industrieobligationen, für welche sich trotz der gewaltigen Summe der zur Ausgabe gelangten hocbverzinslichen Kriegsanleihen dauernd eine rege Nachfrage erhielt, nnd für eine große Anzahl ausländischer Schuldverschreibungen, welche unter dem Einfluß der für sie günstigen Wechselkurse zum Teil zu erheblich gestiegenen Preisen ans dem Markte genommen wurden.

Im Vergleich mit der französischen Rente» und den eng­lischen Konsols kann auch die KursentWicklung der deutschen Staatspapiere als eine günstige bezeichnet werden. Seit Ende Juli 1914 sind 3% deutsche Reichsanleihen von 72% auf 66 %, also um 6%, im Kurse gesunken! englische Konsols jedoch von 707, */ auf 55'/»°/«, also um 15% %. französische 3% Rente von 77 % auf 62 %, also nm 16 %.

Der Geldmarkt hat die Flüssigkeit der Jahre 1914 und 1915, von einigen kurzen Schwankungen abgesehen, auch im Jahre 1916 behauptet. Der Reichsbank-Diskont betrug unver­ändert 5%, während der Durchschnittssatz des Privat-Diskonts sich auf etwa 4*/. % gegen 47,% im Jahre 1915 stellte. Die von uns in den früheren Berichten näher gekennzeiohneten Ur­sachen für das Znsammenströmen gewaltiger Mengen fremder Gelder in Banken und Sparkassen in den beiden ersten Kriegs­jahren sind ijn dritten Kriegsjahre in gleicher Weise wirksam gewesen und haben so auch bei den Berliner Wechsel­stuben nnd Zweigstellen der Piseonto-Gesell- schaft ein weiteres, fast ununterbrochenes Steigen der Depo­siten zur Folge gehabt. Den bisher veröffentlichten Tabellen zufolge war der zum 15. Juli 1914 mit 100% angenommene Be­stand der Depositen am 31. Dezember 1914 auf 119 % und am 31. Dezember 1915 auf 128 % angewachsen. Die Entwicklung im Jahre 1916 ist ans folgender Tabelle ersichtlich:

Bestand am 31. Dezember 1015

128»/.

##

16. Januar 1916

143«/.

31. ..

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143»/.

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16. Februar

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148«/,

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29. ..

151»/,

15. März

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Vom 31. Marz bis 18. April erste Einzahlung auf die

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31. ..

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136»/.

IV. Kriegsanleihe

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15. April

148°/.

29. ..

143»/,

Bis 24. Mai zweite Einzahlung

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15. Mai

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159%

auf die IV. Kriegsanleihe

31. ..

9

156»/.

Bis 23. Juni dritte Einzahlung

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15. Juni

99

162%

auf die IV. Kriegsanleihe

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30. ..

99

158«/,

Bis 20. Juli letzte Einzahlung

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15. Juli

162»/,

auf die IV. Kriegsanleihe

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31.

165»/.

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15. August

176«/,

31. ..

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171 '/.

15. September

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17»»/.

Vom 30. September bis 18. Oktober erste Einzahlung

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30.

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178%

auf die V. Kriegsanleihe

14. Oktober

169»/.

81.

163%

Bis 24. November zweite Ein­zahlung auf die V. Kriegs­

15. November

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anleihe

30.

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15. Dezember

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Bis 9. Januar 1917 dritte Einzahlung auf die V, Kriegs­

II

30.

99

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anleihe

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15. Januar 1917

199»/.

Bis 6. Februar 1917 vierte Einzahlung auf die V. Kriegs­

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31. ..

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207»/,

anleihe

15. Februar

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15. März

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226»/.

Die Kapitalkraft Deutschlands

hat sich auch

im

abgeiau-

fenen Jahre durch die Zeichnungen auf die vierte Kriegs­anleihe von 10 768 Millionen Mark nnd auf die fünfte von 10 699 Millionen Mark erwiesen. Von dem durch den Krieg verursachten Geldbedarf des Reiches sind mit­hin iu ganzen bereits 47 Milliarden Mark durch langfristige innere Anleihen vollkommen gedeckt worden, und es kann mit Sicbertheit erwartet werden, daß auch der Zeichnung auf die sechste Kriegsanleihe, bei welcher neben der fünfprozentigen Rentenanleihe in neuer, eigenartiger und anziehender Form eine viereinhalbprozentige, innerhalb fünfzig Jahren tilgbare An­leihe zur Ausgabe gelangt, ein großer Erfolg besebieden sein wird. Die anhaltende Geldflüssigkeit brachte es mit sich, daß auch bei den (Aen erwähnten beiden Kriegsanleihen die Einzah­lungen erheblich früher geleistet wurden, als es nach den Zeich- nnngsbedingungen erforderlich war. Die Darlehnskassen sind für diese Kriegsanleihen wiederum nur mit verhältnismäßig ganz geringen Beträgen in Anspruch genommen worden, die sich zu den verschiedenen Zahlungsterminen zwischen 0.61 und 3.64 % der Einzahlungen bewegten. Einen weiteren Beweis für die Finanzkraft des deutschen Volkes bietet die Tätigkeit der Spar­kassen hn Jahre 1916. Die Gesamtznnahme der Sparkassen­einlagen weist dem Amtsblatt der deutschen Sparkassen zufolge, ohne Berücksichtigung der auf die Kriegsanleihen abgebuchteq Summen, den großen Betrag von 2 430 Millionen Mark (2 49t Millionen Mark im Jahre 1915) auf. Rechnet man noch die er­sparten Jahreszinsen in Höhe von 700 Millionen Mark hinzu, so würde sieh am Ende des Jahres wieder ein Zuwachs der Spar­kassenguthaben von über drei Milliarden Mark ergeben Da aber im Laufe des Jahres aus den Sparkassenguthaben rund drei Milliarden Mark auf Kriegsanleihen gezeichnet nnd eingezahlt worden sind, so hat sich ihr buchmäßiger Bestand am Ende des Jahres nur nm 250 Millionen Mark auf 20 450 Millionen Mark gehoben. Die aus Sparkasseneinlage« auf die fünf Kriegs­anleihen abgehobenen Summen betragen im ganzen 7 350 Million. Mark. Im Januar 1917 haben die Sparkassenguthaben aufs neue einen Zuwachs von 600 Millionen Mark erfahren, gegen 500 Millionen Mark im Januar 1916 nnd 420 Millionen Mark im Januar 1915.

In dem von uns im August 1916 herausgegebenen zweiten Nachtrage zn unserer Denkschrift über diedeutsche Volke- Wirtschaft tat Kriege ist bereite auf die Gründe hin gewiesen

worden, welche diese großen finanziellen Leistungen den sehen Volkes ermöglicht haben. Im wesentlichen von Verkehr mit dem Auslande abgeschlossen, hat die de Volkswirtschaft die außerordentlich hoben für die Kriegfuk wie für die Voiksernährung erforderlichen Kapitalien nicht das Ausland abgeführt, sondern nur im Kreislauf in Bew*- gesetzt und zu einem erheblichen Teile rieh erhalten. Kapitalkraft Deutschlands hat somit ins Vergleich zu derjenim unserer Feinde, die ihre Volks- und Kriegswirtschaft danj, Aufnahme gewaltiger Anleihen im Auslande auf rechter halte, | haben, nur eine verhältnismäßig geringe Einbuße erlitten. Sein, finanzielle Leistungsfähigkeit hat aber ferner eine sehr wese«*.'; liehe StäAknug dadurch erfahren, daß durch die Abstoßung des bedeutenden deutschen Besitzes an fremdländischen > eit- » papieren, die noch keineswegs beendet ist, durch die namhafter Guthaben im neutralen Anslande und ausländischer industrieller Unternehmungen oder Beteiligung* an solchen neues Kapital seiner binnenländisehen Volkswirtschaft ^ zugeführt, wurde, Zuflüsse, welche angesichts des Standes dsr e Wechselkurse auf das Ausland mit namhaftem Gewinn verknüpft waren.

Zu diesem Zustrom der in die Heimat fließenden Kapitaliss gesellte sich das beschäftigungslos gewordene Betriebs kapital vieler heimischer Unternehmungen, die desselben nicht mehr be­durften, nachdem seit Kriegsausbruch durch das Eintreten dm Staates als Hauptabnehmer das Kreditsystem durch das Systen tjer Barzahlung ersetzt worden war und die geräumten Läget \\ einstweilen keine Ergänzung erfuhren.

Hat die uns auf gedrungene Kriegswirtschaft somit eine Ver­stärkung nnd Zentralisierung unserer finanziellen Kräfte be­wirkt, so bat sie nach anderer Seite hin zu einer beachtens­werten Verschiebung in der bisherigen Vertei- lang des Volksvermögens geführt. Nicht nur habe»! einzelne Gesellschaften und Privatpersonen erhebliche Gewinn! aus Heereslieferungen erzielen können, während andere dnr^f den Krieg in ihren Verhältnissen zurückgegangen sind, sonder» es hat sich auch nicht vermeiden lassen, daß Landesteile, welche die besten Bedingungen für schnelle und allen Anforde-1 »rangen entsprechende Deckung des Heeresbedarfs boten, vor anderen, in denen diese Bedingungen fehlten, begünstigt wurde» »ind. Dadurch wird u. a. eine Wandlung der stenerlichmT Leistungsfähigkeit weiter Gebiete herbeigeführt, deren Bede»-i tung für die Allgemeinheit nnd für die Einzelnen in vollem Umj fange erst nach dem Wiedereintritt friedlicher Verhältnisse ar­messen werden kann, sieh aber auch jetzt bereits geltest machen maß.

So gewaltig sieb auch die finanzielle Leistungsfähigkeit dar deutschen Volkswirtschaft im Kriege erwiesen bat und m günstig unsere Finanzlage im Vergleich mit derjenigen anserefj Feinde erscheint, ist doch im Auge zu behalten, daß die VerzivJ sung und Tilgung der Kriegsanleihen, die Fürsorge für 4k 1 Hinterbliebenen nnd Kriegsbeschädigten sowie die Wiederhael Stellung des Kriegsmaterials dem deutschen Volke für die Priel denszeit Lasten aufbiirden werden, deren Umfang vor dem Krieg») für unmöglich gegolten hätte. Eine fühlbare und wesentliche Erleichterung kann nur dadurch erreicht werden, daß bei» Friedensschluß wenigstens ein Teil der Kriegskosten auf di« Feinde abgewälzt wird. Von der Lösung dieser Frage werdd Inhalt nnd Umfang der bevorstehenden Finanzreformen im Reich und in den Bundesstaaten abhängen, die für die Volkswirte 'schaft Deutschlands nach dem Kriege von maßgebendem Ghi fluß sein werden. Mehr noch als die Höhe der Kriegsentschä­digung wird aber für die Zukunft Deutschlands dl« Frage ent­scheidend sein, ob es gelingt, diese Finanzreform derart durch- znfiihren, daß der Unternehmungsgeist nicht erstickt und der Intelligenz freie Bahn zur Entfaltung belassen wird. Dazu wird ; es erforderlich sein, die uns durch die Kriegsnot aufgezwnngeaa staatliche Verwaltung zahlreicher Betriebe ehestens wieder s» beseitigen und unter Vermeidung aller Monopole soweit «te nicht ans anderen als finanziellen Gründen geboten erschein«»

den freien Wettbewerb wieder eintreten zn lassen, Nnr dass wird das deutsche Volk in der Lage sein, die unvermeidlich« hohe Steuerbelastung ohne Gefährdung seiner Zukunft s» tragen.

Der Bedarf an Zahlungsmitteln hat einen fortwährend wadb'3 senden Umfang angenommen. Diese Erscheinung hängt summen mit der eingetretenen Vermehrung der Kriegskost«« für die technische Ausrüstung von Heer und Flotte, mit der er­heblichen Preissteigerung aller Produkte, der Ausschaltung des Wechsel Verkehrs nnd der bedeutenden Erweiterung des Ver­kehrsgebietes im Westen nnd Osten, das durch die Eroberung] der Walachei eine weitere Ausdehnung erfahren hat. Durch die Errichtung einer Notenbankabteilung bei der SociAtA GAnAral# in Brüssel sowie der Darlebnskassen ip Polen nnd Kurland und ferner im laufenden Jahre einer Notenahteilung in Rnmäpiea bei der Banca Generala Romana soll der Reichsbank die Sorg») für die Befriedigung des Bedarfs an Umlaufsmitteln in den be­setzten Gebieten erleichtert werden. Bisher ist dies nur i» recht geringem Maße geschehen, da diePolnische Landes-j darlehnskasse ihren Geschäftsbetrieb noch nicht aufgenoraw« und die Notenabteilung in Rumänien ihn erst vor kurzem be­gonnen hat. Am 31. Dezember 1915 batte der N o t e n u m 1 a »l-i der Reiehsbank 6917,9 Millionen Mark betragen, von de» 36,8 % durch Metall- darunter 35,2 % durch Gold gedeckt waren. In den nächstfolgenden Monaten verringerte sich 4® Notenumlauf, während der Goldbestand von 2 445,2 Million«« Mark vom 31. Dezember 1915 stetig, wenn auch immer sanier stieg. So besserte sieb das Decknngsverhältnis bis April, dann aber nahm dAr Notenumlauf so stark zn, daß er * 30. Dezember 1916 mit 8 054,6 Millionen Mark ausgewi«M wurde, dem 2 536,8 Millionen Mark Metall darunter 2! Millionen Mark Gold gegenüberstanden. Damit war zu» ersten Male seit Kriegsbeginn die Dritteldeckung des Notes- Umlaufes durch Metall unterschritten' die Metalldeckung betrsl nnr noch 31,6 %, die Golddeckung 81,8 %. Es war also der b® Kriegsausbruch vorausgesehene Fall eingetreten, für den d»ro»ß durch eine Bankgesetznovelle bestimmt worden war. daß aoß® Gold, Silber und Reichskassenscheänen aueb die im Besitze 4® Reichsbank befindlichen bekanntlich mit eigener vollwertig® Deckung versehenen Darlehnskassenscheine als Metalldeckutf gelten sollten. Einschließlich der Darlehnskaasenseheine be­trug die gesetzliche Bardeckung des Notenumlaufes am 30. P<* 1916 36.7 %. Die Unterschreitung der Dritteldeckung dufi Gold nm die Jahreswende ist an der Geschäftswelt völlig e' B " druckslos vorübergegangen. Sie hat das Vertrauen in 4** Reichsbank nnd die Güte unserer Währung in keiner Weise schüttert.

Verfehlt wäre es, aus dieser Erscheinung den Schluß zieh«® zu wollen, daß die Goldwährung sich überlebt habe, und 4a»; wir auch im Frieden der Einlösnngspflicbt für unsere Ba» noten würden entraten können. Mehr denn je wird es zur haltung des Kredits und zum Schutze unserer Währung erfor lieb sein, die unbedingte Verpflichtung zur Einlösung der in Gold so schnell als möglich wieder bereust eilen,

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