Verlag Langgaffe 21
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Freitag. 2 ». März 1917 .
NlorgeN'Kusgabe.
Nr. 163. . 65. Jahrgang.
Der Tauchbootkrieg.
Oie Nationalität und die Ladung der im Februar versenkten 368 Handelsschiffe.
W. T.-B. Berlin, 29. März. (Drahtbericht.) Im Monat Februar sind, wie am 17. März beJamtfcgege&en. insgesamt 868 Handelsschiffe mit 781800 Bruttoregnstertounen durch kriegerische Maßnahmen der Mittelmächte vernichtet worden Davon waren 292 feindlicher Flagge, und zwar 169 englisch. 67 französisch. 28 italienisch, 8 russisch, 4 belgisch, 2 portugiesisch und 1 japanisch. Von 33 Schiffen konnten Namen und Nationalität nicht festgestellt we^en, mindestens 20 davon müssen als englischer Nationalität angenommen werden, so daß die englischen Verluste an Schiffsrau m im Februar ans rund 500000 Tonnen geschätzt werden kann. Von den 76 neutralen Schiffen waren 38 norwegisch. 14 niederländisch. 8 griechisch. 7 schwedisch. 10 spanisch. 3 amerikanisch und 1 peruanisch.
Von dem gesamten im Februar versenkten Handelsschiffs- raum von 781 500 Bruttoregistertonnen konnten die Ladungen bei 475000 Tonnen nicht festgestellt werden. Die verbleibenden 306500 Bruttovegistertonnen enthielten u. a. folgende Ladungen nach Art und Menge: 49000 Tonnen Kriegsmaterial. 91 500 Kohlen, 16 000 Öl und Petroleum, 16 800 S< lpeter, 4800 Eisen. 11 300 Erze, 550 Metalle. 90 000 Getreide. 14 800 sonstige Lebensmittel. 8700 Viehfutter, 36 500 Kubikmeter Holz, 23 100 Tonnen verschiedene Ladungen, darunter 1500 Ballen Felle, außer an Stückgut etwa 15 000 Tonnen Schwergut und 70 000 Kubikmeter Maßgut, ferner 300 Pferde und 3 Millionen Mark Gold. 0
Ein gesunkener englischer Zerstörer.
W. T.-B. Berlin, 29. März. Eines unserer kürzlich zurückgekehrten U-Boote fand vor einigen Wochen östlich Inner Gabbard W r a ck t e i l e, die von einem kurz vorher gesunkenen Schiff stammten. Eine Boje trug den Namen „M a n l y".' „Mauly" ist ein englischer im Jahre 1914 vom Stapel gelaufener Zerstörer von 1090 Tonnen.
Die in der Nacht zum 18. März vernichtete« englischen Zerstörer.
W. T.-B. Haag, 29. März. (Drahtbericht.) Das Korrespondenzbureau erfährt von gut unterrichteter Seite zu deui Reuterbericht vom 19. März über das Sinken der englischen Zerstörer in der Nacht zum 18. März, daß es sich um die Zerstörer »Pargo n" und „L l e w e l l h n" handelt, von welchen der erste gesunken, der zweite schwer beschädigt war- den sei.
Ein griechischer Transportdmnpfer auf eine Mine gestoßen.
Nr. Rotterdam, 29. März. (Eig Drahtbericht, zb.) Aus London wird gemeldet: Der Transportdampfer „T y n d * - reu s", mit einem Regiment Infanterie cm Bord, ist am 9. Februar bei Kap Azulhas auf eine.Mine gestoßen. Zwei zur Hilfe gesandte Dampfer holten die Truppen von Bord des „Thndorcus", der später schwer beschädigt in Simonstadt, südlich von Kapstadt, einlief. Als der „Tyndareus" auf die Mine stieß, herrschte sckuerer Sturm. Das Schiff fing sofort an, seinen Bug zu senken An Bord herrschte Ordnung. Der .Tyndareus" ist später unter eigenem Dampf nach Kap Azulhas zurückgekehrt.
Die englischen Schiffsverluftc von»
18. bis 25. März.
Angabe der Londoner Admiralität.
Br. Haag, 29. Mäi z. (Eig. Dralhtbericht. zb.) Die englische Admiralität macht bekannt: In der Woche vom 18. zum 25 März wurden 18 englische Dampfer mit über 1600 Tonne-i. darunter die „Asturia", 7 englische Schiffe unter 1600 Tonnen und 10 Fischereifahrzeuge, darunter 9 Segelschiffe, in den Grund gebohrt.
Versenkt!
W. T.-B. Amsterdam, 29. März. (Drahtbericht.) Aus Ämuiden wird gemeldet, es gehe das Gerücht, daß wieder zwei Dampftrawler* torpediert seien, nämlich .Richard Jjm 195" und „Piter Carnelis Jjm 146". Bestätigung liegt keine vrr.
W. T.-B. Amsterdam, 29. März. (Drahtbericht. Reuter.) meldet aus London, dag ein britisches U-Boot zwei Rettungsbooten eines holländischen Dampfers begegnete, der 24 ^Stunden vorher torpediert worden war. Das U-Boot nahm die Boote in Schlepptau und übergab sie einem norwegischen Schiss, das in Sicht kam.
W. T.-B. Christiania, 29. März. (Drahtbericht.) Die Gesandtschaft in London drahtet, daß der norwegische Dampfer >Marschall" aus Narvik laut m-nvr Meldung der Admi
ralität in der Nordsee versenkt worden ist. — Der Vizekonsul in Aberdeen meldet: Der Dampfer ,L a n d r i c" und der Bergener Dampfer „N a v a" sind versenkt worden.
Französische Einsicht der Ohnmacht gegenüber dem deutschen U-Bootkrieg.
W. T.-B Bern, 29. März. (Drahtbericht.) Zur Versenkung des Großkampfschiffes „Santo n" erklärt die „Liberte", Deutschland habe das Problem der Unsichtbarkeit des Periskops sowie der sofortigen Untertanchung gelöst, wodurch die Verteidigungsmaßnahmen der Ententemächte hinfällig geworden feien. Es sei notwendig, daß neue Abwehrmaßnahme« gefunden würden. Das Blatt bedauert» daß die „M ö v e" unversehrt nach Deutschland zurückkehren und ungestraft eine so große Zahl der für die Verbündeten notwendigen Schiffe versenleu konnte.
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Eine Erweiterung des englischen Nordseesperrgebietes.
W. T.-B. Haag, 28. März. Das Ministerium des Äußern macht bekannt, daß die britische Regierung mitteilte, daß am 1. April das von England für abgeschloffen erklärte Deegebiet e r w e i t-e r t wird. Von diesem Datum an wird es mit Ausnahme des dänischen und niederländrschen Territorialgewässers das Gebiet umfaffen, das folgendermaßen begrenzt wird: Im Norden durch oen Parallelkreis von 56 Grad nördlicher Breite westlich vcn dem Punkte, der 3 Seemeilen.von der Küste von Jütland liegt, im Westen durch die Verbindungslinie folgender Punkte: 56 Grad nördlicher Breite und 6 Grad östlicher Länge, 54 Grod 45 Minuten nördliche. Breite und 4 Grad 39 Minuten östlicher Länge sowie 53 Grad 23 Min. nördlicher Breite und 5 Grad 1 Min. östlicher Länge; im Süden durch die Linie, die durch den letztgenannten und in 58 Grad 2b Min. nördlicher Breite und 5. Grc-d 5 Min. 5 Sek. östlicher Länge gelegenen Punkt verläuft, dann im Osten der Grenze der niederländischen Terri- torialgewäffern folgt.
Das Befinden des Prinzen Friedrich Karl.
Br. Stockholm» 29. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Siach hier eingetrofsencn Meldungen, die aus authentischer Quelle stammen, ist da- Befinden des Prinzen Friedrich Karl, der in seinem Flugzeug schwer verwundet wurde, und in englische Gefangenschaft geriet, bedeutend besser. Die Operation in dem englischen Lazarett ist glücklich verlaufen, so daß man anuimmt, daß eine Lebensgefahr nicht mehr vorhanden ist. Das Allgemeinbefinden des Prinzen ist gut.
Reichskanzler und Ministerpräsident.
(BonunsererBerlinerAbteilung.)
L. Berlin, 29. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) De: deuffche Reichskanzler hat heute dem preußischen Ministerpräsidenten verabschiedend die Hand gereicht. Herr v. Bethmann Hollweg dem Herrn v. Bethmann Hollweg. Die beiden wollen einander auf längere Zeit nicht Wiedersehen. Zu solch schwierigen Stücken kann die Doppelrolle führen. Eine lange Geduldsprobe gab es für die Tribünengäste, die sich wie an allen großen Tagen eng zusammendrängten. Sie mußten fünf ausgiebige, wenn auch fesselnde Reden der Parteiführer über preußische Fragen hören. Daß der Kanzler die spätere Stunde abwartete, war gut berechnet. Er knüpfte nicht an die allgemeine Aussprache an sondern machte auch wichtige Mitteilungen über das Drei- gestirn der Aktualität: Rußland, Amerika,
China.
Zur russischen Erklärung des Kanzlers kann man nur bedauern, daß sie nicht schon früher erfolgt ist. Taffächlich war England und Frankreich Zeit geblieben, in ganz Petersburg den Glauben zu erwecken, als beabsichtige man in Deutschland, sich in die inneren Angelegenheiten Rußlands einzumischen. Eitel Lüge' ries der Kanzler. Man wird den Revolutionären vielleicht erzählen wir sagten das nur aus politischer Berechnung, aber wenn sie eS lesen, werden sie Wohl den Groll heraushören, den wir Deutsche gegen das kriegsichuldige Zarentum hegen das auf keinen Rat hören wollte, nnd das dürfte sie überzeugen, daß das denffcke Interesse an einem friedlich ausgestalteten Rußland viel größer ist, als z. B. das englische, dem nur ein Autokratenstaat die ^urchlbare Dienste leisten konnte, die Nikolaus II. John Bull geleistet hat. Zn einem ehrenhaften Frieden sind w'r bereit — der Kanzler erklärte es ausdrücklich. Man konnte es auch nicht mißverstehen, das- er bei der Schilderung der militärischen Lage auf die „W itte run g sv erhält n i s s e" berwies, die jetzt im Osten größere Qpe-
Was weiter dann über die Drohung der Vereinigten Staaten getagt wurde, war nur eine Wiederholung. dessen, was wir vergebens schon dutzendmal in Washington vorbrachten, ohne die parteiischen Entschließungen Wilsons zugunsten Eng-, lands damit zu verhindern. Die U-Bootswaffe, die auch neue Gegner nicht fürchtet, soll auf dem Erfolgswege ungehindert fortfahren. Als willenloser Staat hat sich > China dem Drucks unserer Feinde unterworfen. Me Nachsicht, mit der dieser neueste Gegner behandelt wurde, entspricht dem Gefühl unserer Stärke — die fernen Probleme werden auf den Schlachtfeldern mitgelöst werden.
In der inneren Politik meinte der Reichskanzler seine früheren Ausführungen »nicht wiederholen und nicht paraphrasieren" zu tollen. Der lang« Krieg hat zwar die Regierung, wie gestern im Herrenhaus ofsimbart wurde, zur Ansicht gebracht, daß Wohl einiges im Kriege in der Politik (Polen!) geändert werden kann. Doch an die Wahlreform heranzu- treten, „während Millionen Männe: draußen känipfen, zu bestimmen, wie sie wählen sollen", davon ließ der Kanzler die Hand.
Der Kanzler schloß seine gewiß eindringlichen und schönen Worte, die zur Eintracht wie an der Front aufforderten, ohne jeden Anklang an die heißen, prachtvollen Versprechungen, die ec im Abgeordnetenhaus gemacht hatte.
»
Die der Kanfferantwort vorangegangenen Bnrtei-
reden waren bis znm Zentrum hinüber durch die Not- wendigk-it, ans'die, Herausforderung des preußischen Herrenhauses ein starkes Echo zu geben, auf die allerschärfste Tonart gestimmt. Die Forderungen, die erhoben wurden, stellte nian ebenfalls mit solchem Nachdruck, weil man wußte, daß. wer wenig verlangt, nicht, wer alles verlangt, wenigstens. etwas erreichen wird. Die Rede des Abgeord- neten Dr. Spahn war die mildeste;, man weiß, daß es nicht viele Abgeordneten gibt, die weniger Zurückhaltung geübt hätten. Trotzdem sagte Dr. Spahn dem Herrenhaus ganz grob, daß es vor der eigenen Tür kehren soll. Der Mehrheitssozialsist N o s k e trat mit dem Aufttag seiner Partei auf, der Regierung ein« Warnung zu überbringen. Der Gegensatz der Ein- leittmg seiner Rede und des weiteren Inhalts war berechnet. Daß der Genosse der neuen Anleihe einen großen Erfolg wünschte», sollte zeigen, daß für die Vaterlandsverteidigung seine Partei das Nötige nicht vorenthält. Darnach wirkte die Erklärung, das denffche Volk könne nicht länger auf die Neuorientierung warten, der Kanzler dürfe - nicht weiter tatenlos znsehen, wie die Volksunmut wachse, um so mehr, da der Abgeordnete ans Anzeichen dieses Volksnnmntes Hinweisen zu müsi-n glaubte. Der Volksparteiler Müller-Meiningen schloß sich in gewissem Sinne den Ausstihrunqen des Abgeordneten Ncske über die russische Revolution an. Abgeordneter Noske hatte gesagt, Deutschland werde sich nicht in die titrterffi Verhältnisse Rußlands einmischen. Abgeordneter Müller-Meiningen fügte deni hinzu, daß Deuffchland jeden Tag bereit sei, mit Rußland einen unserer Sicherheit gewährleistenden Frieden zu schließen. Der nationalliberale Redner stand im Ausmaß seiner Forderungen kaum um ein Jota hinter den volksparteilich-n Wünschen zurück. Selten hatte der Abgeordnete Strelemann einen besseren Tag. Der Reichskanzler, welcher der ganzen Debatte sehr aufmerksam folgte, konnte dann feststellen, daß drei Vierte! des Hau:es die Ansicht vertrat, daß die preußische Wahlrechtsfrage eine deutsche An gelegenheit-geworden ist, eine „deutsche Fahne"., Dr. Stresemann sagte den Herren der Rechten, die demokratischen Weststaaten hätten sich im Kriege nickt allzu schwach gezeigt; sie hätten jedenfalls diplomatisch den K r i e g gewonnen, ehe er noch militärisch begonnen hätte. Darauf wirkte die gewiß rednerisch vortreff- liche Rede des Abgeordneten Grafen W e st a r p, der die altvrcutzische Vergangenheit aus dem Kriege in die Zukunft retten möchte, dock sehr schwach.
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Sitzungsbericht.
(Eigener Drahtbericht des «Wiesbadener TogblattS".)
# Berlin, 29. Mörz.
Am Bundesrats tisch: die Staatssekretäre Dr. Helfferich und Graf Roedern sowie Reichsbankpräsident Havenstein.
Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 11,08 Uhr.
Auf der Tagesordnung steht als erster Gegenstand die
Beratung des Not-Etats.
Abg. Bernstein (S. A.-G.) erklärt namens seiner Fraktion, daß sie, wie den Häusl altSetat, auch den Rist-Etat «felelne« iw ferne Freunde dadurch die Ablehnung
