Verlag Langgaffe 21
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Mittwoch, 28. März ty!7.
Morgen-Nusgabe.
gen und Plätzeu wird keine Gewahr übernommen.
Nr. 159. ♦ 65. Iahrgang.
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Die ll-vootranträge im Herrenhaus.
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(Bon unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 27. März. (Eig. Dcahtbericht.) Im Oberhaus herrschte heute reges Leben und anscheinend nicht ganz leicht zurückgehaltene Ka m - f st i m m u n g. Man wußte sich im Mittelpunkt des innerpolitischen Meinungsstreits, den man selbst heraufbeschworen, und die Herrlichkeit, die vergehen wird, soll in Schönbeit sterben. So wirst man sich vorzeitig in Haltung der allerkönigtreue st en Opposition, damit es dem nen.en Kurie nicht an Gründen fehle, ein Ende zu bereiten. Auf den Tribünen drängten sich die Zu- schauer, darunter letzthin vielgenannte Heißsporne, damit sie gesehen würden. Auch die hohe Gestalt des Großadmirals v. T i r p i tz sah man, vielleicht nrehr, als ihm lieb war.
Zwei Anträge über den U>Bootskrreg standen sich gegenüber, der des Grcffen v. H o e n s b r o i ch, mitunterzeichnet von dem Fürsten zu Salm-Horstmar, der Graten von der Groben und zu Rantzau, v. Hertzberg usw. Die Liegnitzer. Bcomberqer und Breslauer Oberbürgermeister hatten ihre Unterschriften zurückgezogen, die des Königsberger Dr. Körthe war stehen geblieben. Dann der Antrag v. O l d e n b u rg - I a n ni chau, der dre Gegenzeichnung des Herzogs Günther zu Schleswig- Holstein, des Großadmirals v. Koester usw. hatte. | Beide Anträge drückten ihre Freude aus, daß wir jetzt den uneingeschränkten U-Bootskrieg haben, beide erwarten, daß keinerlei Einflüsse ihn abschwächen werden. Nur eine Nuance ist vorhanden: Hoensbroich richtet eine Aufforderung an die Regierung, der Januschaue: vermeidet das schlau, damit das ange- deutete Mißtrauen nicht al» Einmischung gedeutet werden kann.
Der Ministerpräsident war Persönlich nicht erschienen. Man kann auch nicht sagen, daß die Gesinnung, die diese Anträge eingab, es mit seiner Würde völlig nereinbar ließen, in irgendwelche Unterhandlungen einzutreten. Der Ausweg, den die Negierung gefunden hat. war so recht wenig stolz. Ter Vizepräsident des Staatsministeriums v. Breitenbach verlas eine Erklärung, das Herrenhaus dürfe überzeugt sein, alle Kriegsmittel würden vollkräftig eingesetzt werden: die kaiserliche Kommandogewalt habe sich auch niemals durch Rücksichten auf „irgendwelche Einflüsse" von der Anwendung abhalten lassen. Das Bravo der Reckten klang ironisch. Unter den ..irgendwelchen Einflüssen" verstanden die Antragsteller unzweideutig den Reichskanzler, gegen den heut? früh das konservative Parteiorgan, die „Kreuzzeitung", den aufsehenerregenden Angriff miss der unerhörten Anspielung auf die russische Revolution gerichtet hat Es hätte doch Wohl ausgereicht, wenn die Staatsregiernng sick) auf die mutigere Zurückweisung beschränkt hätte, die folgte. Die Regierung versagte sich ein weiteres Eingehen auf den Antrag, da das Herrenhaus selbst 1916 die Angelegenheit der kaiserlichen Kommandogewalk aus seiner Erörterung ausgeschlossen habe. Um aber nrrr sa bei den hohen Herren nicht Anstoß zv erregen, huste die Rcgienrng sogleich wieder zurück und erbot sich, in einer Ausschußberatung den Antrag und also die kaiserliche Kommandogewalt zu erörtern!
Hatte der Berichterstatter v. Hertzberg die unveränderte Annahme des Antrags Hoensbroich angeraten, so bat jetzt Graf Hoensbroich selbst, den Antrag an einen Anschuß zu verweisen. Was will er mehr? Von einer Beerdigung erster Klaff- kann man nickt reden. Hat die Regierung nur die Hand zur Versöhnung bieten wollen, so muß man dazu schon sagen, daß ihre Diplomatie in weiten Kreisen einen bedenklichen Eindruck machen wird. Wenn das die Haltung des Herrn v. Bothmann Hollweg sein würde, der nur durch energisches Auftreten sich Achtung auch bei diesen rückschrittlichen Herren verschaffen kann, sähe es mit der Nenorientierrrng übel aus. Di? alten Schläuche würden für den neuen Dein verbleiben. Nach der Rede im Abgeordnetenbails will und darf man setzt im Herrenhaus nichts Abschwächendes hören oder aber dem Ministerpräsidenten und Reichskanzler wird ; der Wahl zwischen zwei Stühlen gerat c ^as q-^ckehm, was ihm von der Rechten von Herzen gewünscht wird. In dem Llaliede- rigen Ausschuß haben v Ticpih. Hoensbroich, Salm- Dorstmar, Dr. Körthe, v. Oldenburg, aber auch Fürst Lichnowski, Dernburg usw. eine Stimme — ein kleines U-Bootsparlament! Dort mag man die neuesten Fehdeschriften gegen den Kanzler verlesen und sich Aufklärung geben lassen. Bleibt der Austrag der Geschickten hinter den vier } Mauern, wollen wir uns darüber freuen. Inzwischen erfüllen unsere U-Bootslente ihre Pflicht und mehr ist nicht mehr vonnöten.
Versenkt!
W. T.-B. Christiania, 2/. März. Nach einem Telegramm aus Liverpool ist der Dampfer „K o r s n 1 8 " am 24. Marz vor Bardsev Island (Wales) von, einem deutschen llntersee- bl ot versenkt worden. Der Dampfer war von St. Malo nach Liverpool unterwegs. — Wie das Ministerium des Äußern mitteilt, wurde am 22. März die norwegische Bark „S i r i u s", vlit einer Ladung Korn von Buenos Aires nach Nyberg unterwegs, von einem deutschen Unterseeboot in die Lust ge- wrengt. Zwei an Bord befü dliche dänische Lehrlinge wurden gerettet. — Einem Telegramm an das Ministerium des Äußern zufolge wurde der in Chr'.stiania beheimatete Dampfer ,,G r e n m a r" am Samstag durch Geschützfeuer verlenkt. — Nach einem Telegramm aus Cherbourg wurde der Dampfer „Hugr n" von einem deutschen Unterseeboot versenkt.
Wie es im Sperrgebiet aussieht.
Br. Haag, 2 1. März, (zb.) „Allgemcen Handelsblaad" veröffentlich die Schilderung eines Handelsdampfer-Kaprtäas, der mit seinem Dampfer in Dmuiden angekommen ist. Darnach herrschte so gut wie gar kein Dampferverkehr. Man sichtete viele Wracks längs der englischen Küste. Berschiedenemal bemerkte man Mastspitzen und Schornsteine, die wie Grabmäler aus den: Wasser hervervagten. In Deal mutzte der Danipfer zwei Tage zur Untersuchung liegen bleiben. Marker Nebel schützte dos Schiff auf der Rückfahrt vor U-Booten, und doch hörte man verschiedentlich starken Kanonendonner. Als das Schiff aus Bristol abfahren wollte, wurde plötzlich die Ausfahrt aller Schiffe verboten, weil genieldet worden war, Latz ein oder Kvei deutsche Unterseeboote vor dem Hafen tätig ware:i. In Bristol wurden nur neutrale schwedische, dänische und norwegische Schiffe bemerkt, die von der ei glffchen Regierung auf alle mögliche Weise zu Fahrten veranlaßt wurden. Holländische Schiffe waren nickt dort. Nur in den Downs lagen sieben holländrsche Schisst, die die Ausfahrt nicht wagten.
Die „Möve" an Hamburg.
Himtburg, 26. März. Auf das an den Führer der „Dköve" gerichtete Glückwunschtelegramm ist folgende Antwort erngegangen.
„Dre Begrüßung Lurch Leu Senat und die Bevölkerung Hamburgs ist Ler Besatzung der „Möve" eine besondere Ehre und Freude Wir sreren uns, Anteil zu haben an der Vernichtung der feindlichen Handelsflotte, wodurch jetzt England endgültig zu Boden geworfen w i r d." G r a f D v h n a.
Die englische Regierung „sehr befriedigt" über ihre Blockade-Politik.
Eine Erklärung Bonar Laws im Unterhaus.
W T.-B. London, 27. März. (Reuter.) Im Unterhaus stagte Houx, ob das Kriezskabinett die gegenwärtige Blockadepolitik erwogen habe und zu irgend einer Entscheidung gekommen sei B o n a r L a w anworte-te: Ja, die ganze Blocka.-efroge wurde vom Kabinett mrt Marinesachverständigen gründlich in Erwägung gezogen. Mau ist sehr bestiedigt, -dotz die Blcckadepolitik im Prinzip rich- t i g und in der Durchführung wirksam ist. Die Berichte, die uns aus Deutschland zugehea, scheinen diese Ansicht zu bestätigen.
Ein Regierungs-Feldzug zur Ei«, schmeichelung des Hienaergürtels bei« englischen Volk.
iDrahtbericht unseres C.-Sonderberichterstatters.)
II. Rotte, dam, 27. März, (zb.) Der „Nieuwe Rotterd. Courant" meldet: Heute eröffnet« der Ausschuh, der zur Einschränkung des Lebensmrttelverbrauchs eingesetzt wurde, einen grohen Feldzug im Lande, um da« Volk zu überzeugen, daß eine freiwillige knappe Rationierung nötig geworden sei.
Das Liebrswerben um freiwillige Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion in England.
W. T.-B. Rotterdam, 27. März. Der „Nieuwe Rotterd. Courant" meldet aus London, daß gestern eine große Kampagne zu dem Zweck eröffnet wurde, um das Publikum von der Notwendigkeit der einschneidenderen freiw'lligen Verproviantierung zu überzeugen. Die Landwtrtschastskommiffion Lovd Selborne, die im August ernannt worden ist, hat jetzt anempfohlen, das Laad, das nicht ordentlich bebaut wird, vorübergehend zu ent» e i g n e ii.
Übereignung der „Appam" an die Engländer!
W. T.-B. Washington, 27. März. Der Oberste Gerichtshof hat die sofortige Übergabe der „Appam" an die britischen Eigentümer angrordnet.
Die neue Kera in Rußland.
Die regierungsfeindliche Haltung der Arbeiterschaft.
(Drahtbericht unseres L.-Sonderberichterstatters.) Allgemeiner Streik in den Putilow-Werken. — Ermordung der Direktoren. — Losung: „Freiheit, Frieden und Arbeit!"
8. Stockholm, 27. März, (zb.) Aus Petersburg wird gemeldet: Die Arbeit i» den meisten Fabriken ruht. Fortwährend kommen Ausschreitungen gegen die Fabrikleitungen vor. In den Putilow-Werken herrschen gänzlich chaotische Zustände. Sämtliche Fabriken sind seit 15. März geschlossen. Angeblich wegen hoher Lohnforderungen. Die Arbeiter begaben sich trotzdem in die Fabrikgebäude und hielten dort Versammlungen ab, in welchen als die Ursache des Streiks die Herausford ernde Haltung der Regierung gegen die Arbeitervertreter bezeichnet wird. Der Arfstand sei von der Regierung veranlasst, die unnötigerweis eben Krieg fortsetzen wolle. Nach dem Staatsstreich versammelten sich die streikenden Arbeiter täglich und beschlossen schließlich, sämtliche Direktoren der Putilow -Werke als Gefangene in die Duma zu führen. Der Transport wurde von einer riesigen Volksmenge begleitet, die die Direktoren auf das brutalste niißhandelten und sie endlich in der Nähe des baltischen Bahnhofs ermordete». Die Frage» wer jetzt die Leitung der Werke übernimmt» wird als äußerst schwierig angesehen, so daß die neue Negierung in eine peinliche Lage geraten ist. Laut „Rußkoje Wollja" durchziehen noch immer den ganzen Tag über Zehntausende von Arbeitern die Straßen mit riesigen Schildern: „Es lebe die demokratische Republik, die der Erde Freiheit, Frieden u n d A r b e i t g i ü t!"
Bahnpost und Telegraph in der» Händen der Extremen.
W. T.-B. Amsterdam, 27. März. In dem Zuge, in welchem der Kricgsminister und der „Tlmes"-Korre- spondent nach Pskow ffthr-n, befand sich eine Menge aufrührerischer Literatur, darunter eine Nummer der „Fronde" mit Aufrufen und Beschlüssen des sozialdemokratischen Komitees. Der Korrespondent bemerkt, unglücklicherweise haben die Anhänger der äußersten Richtung noch die Vahnpost und den Tele- graph in Händen- Auf der Reise nach Pffow und Riga hörte der Korrespondent viel über die letzten Ereignisse sprechen.
Das Verlangen der extremen Revolutionäre» daß der Zar unter Anklage gestellt werde.
Das „Journal de Peuple" meldet aus Petersburg, daß die Delegierten der gemischten Ausschüsse, besonders die Revolutionäre, verlangen, daß gegen den Zaren und seine Familie Anklage erhoben wird.
Überführung der Zarenfamilie «ach England?
Das Schicksal der Großfürsten.
B*. Stockholm, 27. März. (Eig. Drchtbericht. zb.) Laut „Rußkvje Wollja" erfolgt die Überführung der biSherkgen russischen Zarrnfamilie nach England, sobald die erkrankten Kinder wiederhrr gestellt sind, unter persönlicher Aufsicht des Justizministers. Die Familie des Zaren soll urit der Mnr- manbah.l bis zur Hanpfftadt Romanow und von dort unter Begleitung englischer und russischer Kriegsschiffe nach New Castle gebracht werden.
Der m Haff befindliche Herzog Karl Michael von Mecklenburg wurde auf Anordnung des Minister- rats freigelassen. — Großfürst Michael Alexan- drowitsch bleibt vorläufig Geueralinspekteur der Kavallerie. Alle übrigen Großfürsten verlieren ihre militärischen Chargen.
Der ttrieg gegen Italien.
Die italienische Front Hauptfront für die Entscheidungsschlachten?
# Lugano, 26. März. Die halbamtliche „Agencia Jtalia" beklag: das Vrrhandensein einer weitverbreiteten lln zufrieden heit und einer Bewegunggegen den Krieg, die sogar die Stimmung der Kämpfer beeinflussen wolle. Eine skrupellose und geschickte deutsche ropaganda verstehe es, alle Ereignisse, sogar den deutschen Rückzug in Frankreich und die glorreiche russische Revolution dem italienischen Volk in einem ententefeindlichen Sinne darznstellen. Die Note bcschtiört das Volk, sch durch derartige hinterlistige Manöver des Feindes nicht irreführen zu lassen. Rußland, England, Frankreich und Italien bereiten eine Offensive von höchster icht!gkeit vor, und dre italienische Front werde iogar die H a u p t f r o n t für dre E n t s ch e i d u n g s- schlachten werden. Die Regierung müsse daher verlangen. dag das Volk das Vertrauen auf den Endsieg der Entente bewahre.
