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«ette 4. Montag. SS. MSez 1«».

Wiesbadener Tagblatt.

Morgen-NuSgabe. Erstes Blatt. Nr. ISS.

In Nassau übernah n, im Jahre 1816 der jugendliche Herzog'Wilhelm die Negierung seiner im Jahre 1806 zu einemunteilbaren souveränen Herzcgtum" vereinigten Erblande. Sein Regierungsantritt bedeutete für das ihm un­vertraute Land den Anbruch einer neuen Zeit, nachdem sich kurz zuvor die Fürstengruften in Usingen und Weilburg über Len beiden letzten Souveränen deralten Zeit" geschlossen hatten. Ein hcckbegabter junger Fürst. Kopf und Herz mit neuzeitlichen Gedanken und Zielsetzungen erfüllt, begann er alsbald eine umfaffende und durchgreifende Neuorganisatron seines jungen Staatswesens. Schon in den Jahren 1816 und 1817 erschien in rascher Folge eine ganze Reihe von Edikten, die. säurtlich von dem Geist eures freimütigen, aber ruhigen und zie^be,wußten Fortschritts durchweht, den gemein­samer? Zweck verfolgten, das aus so vielen, verschiedenartigen kleinen Länderaebieten zusammengesetzte Herzcgtum zu eine: geschlossenen inneren Einheit zusammenzufassen. Als dre be­merken? werteste Glanzleistung dieses für die damaligen Zeft- verhältniffe gerodezn mustergültigen Reformwerk«^ darf das Schuledikt vom 2 4. März 1817 bezeichnet werden, das noch heute, nach 100 Jahren, in Ermangelung eines preu­ßischen Schulgesetzes, die eigentliche landesgesetzliche Grund­lage unseres nassourschen Volksschulwesens ist. und vermöge seiner gesetzlichen Kraft schützend den Kern umschließt, der gerade diesem Edikt von Anfang an eine besondere bahn­brechende Bedeutung gab' die Simultanschule in speg'- fisch nassauischcr Ausprägung.

Drei Beweggründe waren es. die den Fürsten Wilhelm zu einer vollständigen Reformierung seines Schulwesens ver- anlaßten. Einmal herrschten auf diesem Gebiet damals auck) m Nassau durchaus keine erfreulichen Zustände, was deutlich genug aus den vom evangelischen Konsistorium und von 82 katholischen Geistlichen eing-forderten Berichten hervorging. Znm anderen waren die neuzeitlichen Erziehungsideale des großen Schweizers P e st a l o z z i, die gerade damals viel be­rechtigtes Aufsehen erregten, auch dem jungen Herzog von Nassau und s-'nen trefflichen Ratgebern Stoatsminister von I b e l l. Dr. Koch und Dr. Schellenberg nicht fremd geblieben, und eni'lich bedurfte er vor allem zur Erreichung der Ziele, die ihm hinsichtlich der inneren Verschmelzung seiner Landes linder zu einem auftiärtsitrebenden Volks- und Staatsgauzen vci'chwebten. eines von Grund aus neugestal- teten Sebulivesens. das. so weit als möglich, schon in seiner eigenen Organisation die Gedanken verkörperte, denen cs dienen sollre.

Zu diesem Zweck war erforderlich, daß die herzogliche Staatsregierung zunächst einmal das gesamte öffentliche Bil- dungswesen in die Hand bekam und ihm einen gemeinsamen grundsätzlichen Boden gab. Bisher waren die niederen Schulen Nassaus Beranstaltniigen der Kirche gewesen. Die einzelnen Kirchengemeinden hatten sie gegründet, unterhalten, nach ihrem Ermessen eingerichtet und der Leitung und Beaufsich­tigung der Geistlichen unterstellt, die ganz naturgemäß den kirchlichen Jntcressen in diesen primitiven Stätten der

Jugendbildung allen anderen gegenüber einen erdrückend weiten Spielraum gewährten. Das Edikt mochte dieser Vor­herrschaft der Kirche auf de.u Gebiet der Cchulc ciu Ende, unterstellte das gesamte Schulwesen des Herzogtums der Auf­sicht und Leitung des Staats und inachtc die äußere Einrich­tung und Unterhaltung der Schule», sowie die Besoldung ihrer Lehrer zur Sache der bürgerlicher: Gemeinden, so weit es sich nicht um rein staarliche Schulreformen handelte.

Auf dieser Grundlage baute sich nun nach den Be-stlin- mungen des Edikts das naffrutsche Gesaintschulweseu in einer Weise auf. die noch heute in mancher Hinsicht unsere Bewunderung erregt, ja die uns geradezu überrascht, wenn wir sie unter die Beleuchtung der Rcformideen rücken, die gegenwärtig alle pädagogisch und schuilpolitisch interessierten Kreise so lebhaft beschäftigen. Das Edikt gliederte das ge­samte Schulwesen des Landes in Volks- und Gelehcten- fchulen. Zu den Volksschulen gehörten die sogenannten Eie-' mentar schulen, die Realschulen, die Töchterschulen, die land­wirtschaftliche Schule und das Lehrerseminar, zu den Ge- lehrtenschvlen die Pädagogien, das Gymnasium und das Pre- digerseminar. DieElementarschulen" waren das. was die deutsche Lehrerschaft beute unter der Bezeichnung.Allge­meine Volksschule" erstrebt. Sie hatten die Aufgabe, allen Kindern des Landes, ob hoch, ob niedrig, ob evangelisch oder katholisch, die für jeden Menschen ohne Unterschied des Geschlechts, der Religion, des Standes und -der künftigen Be­stimmung notwendige allgemeine Bildung zu vermitteln. Sie bildeten den Grundstock, aus dem alle anderen Schulformen mit weitergehenden Bildungszielen gleichsam herauswnchsen, ganz wie es der Idee unserer heutigen Einbeitschulforderung entspricht. Die Pädagogien waren in diesem organisch ge­gliederten Zusammenschluß das Verbindungsglied zwischen der allgemeinen Grundschule und dem Gymnasium. Sie schlossen an das vollendete 4. -Schuljahr der Elementarschule an, vermittelten einerseits eine höhere Bildung denen, die sich nicht den eigentlichen Güehrtenberufen widmen wollten, waren andererseits aber auch zugleich! Vorbereitungsanst,l- ten für das Gymnasium und entließen ihre Zöglinge nach vierjährigem Schulbesuch mit dem 14. Lebensjahr. Für eine standesgemäße" soziale Absonderung der Kinder aus vorneh­meren Familien in Vorschulen hatten die geistigen Väter des Edikts vor hundert Jahren noch kein Verständnis, ebenso­wenig wie für die Notwendigkeit einer Zerklüftung des Schul­wesens nach extrem konfessionellen Rücksichten. Die durch oas Edikt geschaffene Schule war in allen ihren Formen und Stufen eine christliche Simultanfcbnle. Sie war interkonfessionell, aber nicht konfessionslos. Sie überließ hinsichtlich des Religionsunterrichts der Kirche, was der Kirche ist, gab im übrigen aber auch dem Staat, was des Staates ist. Ihr Grundgedanke war: Durch Einheit der Schule zur änne- ren E'nbest des Volks- und Staatswesens!

Möge der gegenwärtige Krieg 'ieäen Gedanken aufs neue über unserem gesamten deutschen Volk mit verstärkter Leucht­kraft als Leitste,» austtvablen lassen' Rektor A. Jung.

Unfälle. Am Samstag» ichnnttag stürzte im Hof einer Hauses an der Friedrichstraße die 68 Johre alte Monatsfraii Marte K durch en> Glasdach und erlitt ziemlich erheblich innere Verletzungen. D'e Sanitätswache brachte die Ver­unglückte in das städtische Krankenhaus. Die Sanitätswach, wurde gestern abend 7 Uhr nach einen: Hause in der Doft- straße gerufen, wo sich der zurzeit auf Urliwb befindlich, Landsturmmann Kurt Sauer bei seiner Mutter aufhiest, Beim Anzünden der Lampe fing ein Film, »ist >dem das ettvi 6 Jahre alte Sohnclien Heinz Sauer spielte. Feuer, wodurch das Kind Brandwunden an Gesicht und Händen davontruz, Beim Zuhilfeeilen erlitt auch der Vater Brandwunden ,t:i den Händen, so daß beide ins Krankenhaus gebracht werde» mutzten.

Wohltätigkeilsabend zum Besten der Kricgskinder. Äm

Saurstag, den 31. März, findet zugunsten der Kriegskind-, desWiesbodeuer Krippenvereins" ein Wohltätig^eitsabend im Festsaal derTuingesellschaft" statt. Die Veranstaltung ist im Rakmen eines bunten Abends gedacht, an dem nm Herrschaften aus unserer Stadt die künstlerischen Darbtet;:::, gen bestreiten werden.

Die Picnßisltie Verlustliste Nr. 791 liegt mit de: Säch-

tischen Verlustlisten Nr. 394 und 395 in der Tagblattschalter. Halle (Auskunftsschalter linkst sowie in der Zweigstell« Bismarckring 19 zur Einsichtnahme auf.

vorberichte Aber «unst, Dorträge und verwandter.

* Königliche Schauspiele. Lesiings TrauerspielEmilch Galotti" gelangt nach mehrjähriger Pause heute zur Auf. fübrung. Die Titelrolle spielt Fräulein von Hansen; all Claudia" gastiert Fräulein Jmmisch aus Berlin auf Am stellung. Beginn 7 Uhr. Abonneni-ent B.

* Das Spangenbergsche Konservatorium für Musik der.

anstaltet Dienstag, abends 8 Uhr, in der Aula der böhero» Mädchenschule den fünften musikwissenschaftlichen Vortrag, den Gymnosialdirektor Dr. Preising halten wird. Dal Thema lautetDaS Kunstwerk Richard Wagners".

VlettsrvorllussLZs kür Montag, 26. März 1^17

Meteorologischen Abteilung des Physikal Vereins so Frankfurt *. M.

Wechselnd bewölkt, noch trocken, tagsüber ziemlich mild, Nachlassen des Nachtfrostes.

Die Morg en-Ausgabe umfaßt 6 Seiten _1

Hauptlchriftleiter-. S. Hkgerhorft.

SerantwortliS, für deutsche Politik! A. tz e g e r h o r st; sür Auslands»»»««, Dr phil ff Sturm; für de» Unterfial'unqSteil: B ». Nauen dort; für Nachrichten -US Wiesbaden und den Nachbarbezitlen: I Bat, Diefenbach; für Gerichtdsaal! tz. Dietenbach: iür Gvort und Lustiahrt: I. V C Losaller; , lür BermiichieS und den Brieftasten C LoLacker; für den HandelStci! W St! - sür die Anzeigen und Retlamen: H. Dorn aus; iämilich in Wiesbaden.

»ruck und «erlag der L Schellenberg'ichen Hok-Buchdruckerei in Wiesbada» ^

SorechSunde der Schristleitung! lg bi» t Udo

Die Verlobung unserer Todtier Irmgard mit Herrn WaUtjer Tischer von Weikerstljal, Oberleutnant u.

Adjutant des Grenadier-Regiments Königin Olga (i. Wärt- tembergisdtes) No. HQ, zeigen wir an

Ludwig Fritsch , Konsul a. D. Jeannette Fritsch-Stemels

Mclrz 1917.

Meine Verlobung mit F äulein Irmgard Tcifsd), zweitenToditer des Herrn Konsul Fritsch und seiner Frau Gemahlin, yeannette Fritsdt-Stevels, zeige ich an

Walther Fischer von Weikersthal

Oberleutnant u. Adjutant des Grenadier-Regt. Königin Olga (1. Württembergisches) No. 119.

Wiesbaden, Bodenstedtstrass* 7.

K.

Stuttgart, Arminstrasse 7 (s. Zt. im Felde).

Zdcbonogen imf die Kriegsanleihe

werden kostenfrei entgegengenommen bei unserer Hauptkasse (Rheinstrasse 44) den «amt­lichen Landesbankstellen und Sammelstellen, sowie den Kommissaren und Ver­tretern der Nassauisehen Lebensversicherungsanstalt.

Für die Aufnahme von Lombardkredit zwecks Einzahlung auf die Kriegsanleihen werden 6Vs 0 /# und, falls Landesbankschuldverschreibungen verpfändet werden, 5°/o berechnet.

Sollen Guthaben aus Sparkassenbüchern der Nassauischen Sparkasse zu Zeichnungen ver­wendet werden, so verzichten wir auf Einhaltung einer Kündigungsfrist, falls die Zeichnung hei unseren vorgenannten Zeichnungsstellen erfolgt. F210

Die Freigabe der Spareinlagen erfolgt bereits zum 31. März d. J.

Ven eingeführt:

Kriegsanleihe - Dersidienmg

(Steigerung der Zeichnung auf den 5 fachen Betrag ohne augenblickliche Mehr­aufwendung.)

Direktion der Nassauischen Landesbank.

Todes-Anzeige.

Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Onkel,

Herr

Friedrich GMelbach»

Kur-gehttfe,

im fast 73. Lebensjahre sanft dem Herrn entschlafen ist.

Die trauernden Hinterbliebenen:

galt!« Grirdelliach Louise Grüdei ach Auguste Grudeldach Iohauua Mayer,

geb. Criidelbach

Rosa Grüdeihach, geb. R«tter

Hermauu Mayer.

z. Zt. im Felde.

Miesdadeu. den 24. März 1917.

Nikolasstraße 15. 3.

Die Beerdigung findet am Dienstagnachm. 3 Uhr aus dem Südsriedhof statt.