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Blätter für nafiauische Geschichte und Kultur-Geschichte, mmsm

Monatliche Kreibeilage des Wiesbadener Tagblatts.

D Nr. 3.

rz. Jahrgang.

(Nachdruck sämtlicher Original-Beiträge verboten.)

Weinbau in Nassau und die herzoglichen Kabinettsweine.

Bon Th. Schüler.

(Schluß.)

Seit 1804 war nur für 1811er ein höherer Breis ge­zahlt worden, selbst der des vorzüglichen 1822er reichte an den des 1834er nicht heran. Die Durchschnittspreise für ein Stück Steinberger des Jahrgangs 1833 betrug 694V, Gutoen, 1832 : 319, 1831 : 984»/„ 1830 : 10o, 1828 : 407-/z, 1827 : £>99, 1826 : 848-/,, 182a : 600-/

1824 : 20 1 /r. (für 9 Stück ivurderi 181 fl. 50 kr gelost,

das billigste Stück kam für 18 fl. 38 kr. zum Zuschlag), 1823 : 46-/., (das billigste 37, das teuerste 82 fl. , 1822 : 0837, 1820 : 95 (das billigste 45, das teuerste 173 fl ;, 1819 : 815-/,, 1818 : 763-/2, l 815 : 86r ‘ s / 4 , LöU '• M82^/„

1807 : 905-/2, 1806 : 1423-/z, 1804 : 801 Gulden. Ta für

die 40 Stück Steniberger von 1834 : 116 03o Gnldert, für 20 Stück Hatte,theimer und Markobrunner von 183.4 : 86 345 ölulden und für 16-/z Stück Erbacher und Hatten- heimer Zehntweine von 1834 : 11 750 Gulden ein gingen und noch 21-, 2 Stück vorrätig blieben, die man zu 50 000 Gulden tarierte, so hatte die 1834er Ernte der Domäne das schone Sümmchen von 385 380 Gulden eingetragen, von der natürlich die Bau-, Lese-, Kelter- ufltx Kosten, die auch nicht gering waren, abgingen.

Tresen lieblichen 1834er wählte Herzog Wolf gern zu den von ihm beliebten Ehrengaben, wie sie nainentlrch zur Zmt feiner Vermählung mit der Großfürstin Elisabet von Rußland nach Petersburg flössen, aber auch rn der näheren und ferneren Unigebung oft zur Anwendung ge­langten. So suchte er 1842 den Festteilnehmecn zur Einsetzuna des Bischofs Blum, wre auch 1843 den zur Säkularseier des evangelischen Seminars zu Herborn Ver- famnielten mit je 30 Flaschen Steinberger von 1834 erne Freude zu bererten. Dem bayerischen Hofkellermeister zu München, der für die herzogliche Hoftafel das Münchener besorgte, ließ er je zwei Flaschen Markobrunner, tzoch- beimer, Rüdesheimer und Steinberger von 1834 überweisen. Besonder? freigebig zeigte er sich gelegentlich des zu ferner Bermählnngsseier im Wiesbadener Theater gegebenen Freiballs im Jahre 1844, zu dem er 7-/z Ohm «tern- berger von 1825 und 6 Ohm Rüdesheimer von 1831

^t^Ht dem 1834er scheint man die verwöhntesten Zungen befriedigt zu haben. Ms im Jahre 1845 der österreickrsche Gesandte Graf von Apponyi am Pariser Hofe sich 12 Fluschen Steinberger Kabinetlsweine „von dem besten Jahrgang, von der ausgesuchtesten Qualität und von dem treblrchllen Wohlgeschmack, ohne irgend eine Rücksicht auf den Prms," auSbat, sandte man ihm Steinberger 1834er, dre flasche zu 3 Brabanter Taler oder 8 Gulden 6 Kreuzer.

Zu einem bemerkenswerten Ergebnis führte ern Rück­blick derTomänen-Direktion auf ihre Weinbauverwaltung der Jahre 1816—1844. Da sich unter diesen 29 Zähren 14 Fehliahre befanden, erntete sie in ihren Weinbergen nur 13 017 Ohm 7 Viertel 3 Maß (1 Ohm = ?0 Vierte , 1 Viertel - 4 Maß. 1 Maß = 2 Liter) oder 1735-/. Stück, im Jahre durchschnittlich 448 Ohm 17> '2 Mertel.

Der durchschnittliche -Naturalertrag vom Metermorgen be- trug 1 Ohm 17 Viertel 3 Maß. Den reichsten Ertrag lieferten die Rüdesheimer Weinberge, nämlich 2 Ohm 155/ M-ertel auf einem Metermorgen, dann folgte der Steinberg mit 2 Ohm !-/» Viertel und der Markobrunner mit 1 Ohm 17-/,, Viertel. Die Domänenweine der 29 Jahre repräsentierten einen Bruttogeldertrag von 1442 613 Gulden, dem die Bau-, Kelter- usw. Kosten von 804 769 Gulden gegenüberstanden. Der angegebene Brnttogeld- ertrag setzte sich wie folgt zusammen: Auf Versteigerungen wurden für Hochheimer der 29 Jahrgänge erlöst 157 OOo Gulden, für Steinberger und Hattenhcimer 802 452, für Markobrunner 100 917, für Gräfenberger 2525, sür Rudes- heimer 118 716, für Atzmannshäuser roten 71 685, für Aß­mannshäuser weißen 14 551, für Neroberger 2372 Gulden; aus der Haird wurden abgegeben für 26 586 Gulven; der Konsum der Hofhaltung hatte den Wert vor: 24 213 Gulden, der Lagervorrat an Tafelweinen den von 18 958 Gulden und der Vorrat an Kabinettsweinen der 29 Jahre den von 102 603 Gulden.

Ein großer Teil der Baukosten, nämlich 27 626 Gulden, entfiel auf den Neroberg, obwohl man ihn erst 1840 aus dem Pachtverhältnis in eigene Verwaltung zurückgenomr.ien hatte. Die Neuanlage von 7 Morgen und der Neubau der Hauptmauern erforderte so bedeutende Ausgaben, daß der zu 7853 Gulden angegebene Wert der fünfjährigen Ernten eine Zubuße von 19 773 Gulden nötig machte. Aber man brachte vertrauensvoll ein Opfer, da das dritte Verwaltungsjahr von 1842 bereits ein so vorzügliches Pro­dukt gezeitigt hatte, daß es im vollen Ninfange für die herzogliche Hofhaltung reserviert werden konnte. Tie ge­schützte, nach Süden gekehrte Lage des Nerobergs und seine Bodenverhältnisse ließen init Recht die größten Hoff­nungen gerade auf diesen noch zu wenig bekannte,: We,n- gutsbesiü bauen. Schon der Jahrgang 1816 zeigte, daß man sich nicht getäuscht hatte; eine Probe desselben fand bei den im Oktober 1849 zu Mainz versammelten Land- und Forstwirten Deutschlairds die ungeteilteste Anerken­nung, ja, man stellte ihn dem gleichzeitig Vorgesetzten Hochheimer und Steinberger desselben Jahrgangs fast gleich. Das wollte viel heißen; denn der Steinberger hatte s:cb so köstlich entwickelt, daß schon im September 1817 Her­zog Adolf dem in Münster weilenden König von Preußen eine Probe in eigenartiger Weise übersandt hatte. An:

Sonntag den 26. September früh 7 Uhr hatte er fernem Obertellermeister den Auftrag erteilt, eine Anzahl von Flaschen des 1846er Steinbergers durchweinen Krrrier so nach Münster abzusenden, daß sie am 27. September un­fehlbar die Königliche Tafel mittags 2 Uhr erreichten. Sofort begab sich der Beauftragte nach Eberbach, füllte und verpackte 8 Flaschen und übergab sie dem nn-eldcssen eingctrofseilen Kurier, der um 11 3 /4 Uhr in Ostrich ein Schiff bestieg, das abends 11 Uhr in Düsseldorf eintcaf; Von dort fuhr der Kurier am nächsten Tage mit dem