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Sonntag, 25. März 1917.
Morgen-5lu§gabe.
Nr. 154. . 65. Jahrgang.
Unsere Volksernährung.
Es ist vor einiger Zeit davon gesprochen worden, daß der Staatskowmiisar Michaelis in seiner vielbe- rufencn Landtrgsrede vielleicht noch kräftigere Wendungen gebraucht haben würde, wenn er damals schon seine Vermutungm. in bezug auf unsere Brotversorgung ans die Ergebnisse der letzten Bestandsaufnahme hätte stützen können. Inzwischen sind diese Ergebnisse im Kriegsernahrungsamt eingelaufen und die Wirkung zeigt sich jetzt: wir werden vonr 15. April ab nur noch drei Viertel der jetzigen Brotration haben. Was das bedeutet, weiß jeder. Zum Glück aber wird die Möglichkeit gegeben sein, einen Ausgleich zu schaffen, wobei wir nur hoffen wollen, daß ec auch wirklich hinreicht. Die Kartoffel- .ration soll auf 5 Pfund wöchentlich hinauigcsetzt werden, di? Fleisch ration soll auf das Dovvelte erhöht werden. Außerdem wird, freilich nicht offiziell, also auch nicht verbindlich, eine vermehrte Lieferung !von Grütze, Graupen und G e m ü s e k o n s e r- v e n verheißen. Hieran dürfen wir uns aber nicht Ihalten, diese Lebensmitteln müssen erst vorhanden ffe'm, um in ausreichendem Maße jedermann zur Verfügung gestellt zu werden und man wird besser daran tun, sie zunächst ans der Betrachtung anszuscheiden. Die Hauptsache bleibt, daß wir fiir das fehlende Brot mehr Kartoffeln und mehr Fleisch bekommen sollen. Wir haben uns darauf einzurichten, daß ©er neue Zustand eine Reibe von Monaten, bis zur sie neu Ernte, dauern wird; es gilt'also, sich an- Unpassen. Daß das geschehen kann, nehmen wir als sicher an, nur muß dafür gesorgt werden, daß zede un- ,lliebsame Übergangszeit vermieden wird. Mit anderen Worten: von dem Tage an. wo wir itnTTtTfftim Viertel der jetzigen Brotmenge begnügen sollen, müssen die lErsatzlebensmittel auch wirklich gewährt weredn können, obne daß irgendwo Stockungen eintreten.
Das Kriegsernährnngsamt wird selbstverständlich einen durchdachten Plan ausgestellt haben, wie die neuen Verteilungen unmittelbar nach dem Ablauf des jetzigen Modus durchzufüh^en sein werden. Wir geben den Bedenken recht die sich gegen die Neuregelung für das ganze Reich an einen, und demselben T'^e wenden. Es ist gewiß richtig' bis zum 15. April jfc'cr'yn Reichsverteilungssiellen und Gemeinden eine ungeheure Arbeit zu bewältigen haben Berechnirngen jmüssen ausgestellt werden, Güterzüge müssen hin- und cherrollen, lokale Verteilungspläne müssen ausge- ^arbeitet werden. Wenn eine einzelne Provinz oder ^eine einzelne Gemeinde mit ihren Borbereitungen zurückbleibt und trotzdem am Verfallstage die Kürzung der Brotration eintritt, so ergibt das Zustände, deren ^Schilderung man sich besser erspart Wie gesagt, das sind einwandsfreie Bedenken, und so mag es sich emv- fehlen, den neuen Zustand mit lokalen A b st u f u n - |ß e n berb-Mführen so daß nirgends ein Mangel befürchtet wetten müßte. Aber vielleicht haben die- '.Herren v. Batocki und Michaelis bereits gut vorge- sorat, und es geht alles überall wirklich nach Wunsch.
'■'•»©er Ersatz für Brot durch Flei'ch wird für jeden Haushalt Mehrkosten bedingen, die allerdings dadurch verringert w-rden sollen, daß das Reich kür Minder-bemittelte zuzahlt. Wer aber ist „minder- bemitwst"? . Vielmehr, wo beginnt die Erschwinglichkeit? Es wird b-chanptet, daß viel Fleischmarken schon !l e tzt ans den Hinterhäusern in die V o r d c r h ä u s e r wandern. Das möchte mit angehen, solange diejenigen, die auf Fleuch cationen verzichten, einen Ersatz an Brot wenigstens einigermaßen batten. Wird abT die Brotration verkürzt, so wird die Notwendigkeit wachsen, die Fleischration zu beziehen, und wenn es gewiß richtig ist, daß teure Lebensmittel besser sind als gar feine, so ist es doch nicht weniger richtig, daß teure Lebensmittel eben teurer bezahlt werden müssen.
Wir würden es für nicht angemessen halten, uns über die Schwierigkeiten des neuen Zustandes mit billigen Tröstungen hinwegtänschen zu wollen: Man ,mnß offen sagen, daß unserem Volke keine lerchte Zumutung gestellt wird, aber man kann das auch ohne Verschleierung darum aussprechen, weil wir uns schließlich wirklich und ernstlich mit der Gewißheit beruhigen können, daß es auch ans diele neue Weise gehen wird, wofern nur die in Aussicht gestellten Lebensmittel als Ersatz für das Brot da sind. Bei der Vorsicht, die die Reichsgetreidestelle, die beste unserer Organisationen, stets beobachtet hat, dürfen wir überdies hoffen daß ansehnliche Bestände für alle Fälle in R e s e r v^e gehalten werden, so daß eine spätere Erhöhung der Brotration, wenn sie notwendig werden sollte, doch wohl noch vor der neuen Ernte würde eintreten können.. Durchhalten jedenfalls werden wir. und wir werden es um so besser ie williger die Bevölkerung, die bisher schon w beivnndernswerte .Fähigkeiten zur Opferbereitschaff gezeigt hat, den ver
änderten Zustand als eine u n u m g ä n g l i ch e Notwendigkeit in ihr Bewußtsein aufnimmt und ihn sich selber dadurch erleichtert, daß sie sich mit steter Hingabe an die gemeinsamen großen Ziele sagt, es muß so sein.
Wir haben es bisher bewiesen und werden der Welt es aufs neue zeigen, daß wir, wenn auch bei knappem Zuschnitt, von der eigenenErzeugunq leben können. Die Engländer, die das nicht können werden bald genug andere und schlimmere Erfabrungen als wir macken. Sie sollen am eigenen Leibe verspüren, was ein Aushungerungskrieg bedeutet.
Der Abbruch der diplomatischen veziehungen mit China.
(Bon unserer Berliner Abteilung.)
L - Berlin, 24. März. (Gig. Drahtbericht, zb.) Der Abbruch der diplomatischen Veziehungen mit China galt hier fchon seit 14 Tagen als unabwendbare Tatsache. Die Note, die heute überreicht wurde, scheint von einem englischen Gesandten geschrieben zu sein. Chinesische Schiffe haben wir nicht versenkt, und wenn sich chinesische Kulis auf torpedierten feindlichen Transportdampfern befanden, was wahrfcheinlrch ist, da die Engländer zu Tausenden solche Kulis für ihre und französische Munitionsfabriken, ja auch für Arbeiten in ihren Schützengräben an- warben, haben wir nicht, sondern die chinesischen Regierungsleute die Schuld, da ihnen, wie allen Neutralen, e»n- für allemal die Warnung zugleich mit unserer Sperr- gebietserklärung zugegangen war. Militärisch ist das Ereignis für uns vollkommen bedeutungslos Wirtschaftlich, das müssen wir zugeben — ist die Schädigung, auf die England und Amerika es absehen, leider nicht zu verkennen. Weil man uns in der Nähe nichts anhaben kann, sucht man uns in der Ferne zu trefftn. Aber die chinesische Frage, wie die amerikanische, muß in unserem Unterseebootskrieg, der si? her rufbeschwor, entschieden werden, im Sperrgebiet von England.
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Das Telegramm der chinesischen Regierung an de» Berliner Gesandten.
W. T.-B. Berlin, 24. Marz. Der hiesige chinesische Ge- jandlc hat deni Auswärtigen Amt folgendes Telegramm seiner Regstrung mitgsteilt:
elin g, 14. März. Das folgende Dekret des Herrn Präsidenten wurde heute veröffentlicht: Seit Beginn des
europäischen Kriegs hat China st r e n g e N e u t r a l i t ä t bewahrt. Zu unserem lebhaften Erstaunen erhielt die chinesische Regierung am I. Februar die Note der deutschen Regierung, in der der Beginn ernes neuen U-Voctkriegs angekündigt wurde mit Sperrgebieten, in denen neutrale Schiffe vom ob-gem Datum an nur auf eigene Gefahr fabren könnt->n. Nun hat aber der U-Bootkrieg gegen Handelsschiffe, wie er bis ba-hin vcn der de^tsch^n Regierung geführt wurde, bereits schweren Schaden an ch i n e s i s ch e m Leben und G u t angerichtet, und die neue Form des U-BootkriegS wird die Schaden :n stärkstem Matz »ergrößern. Von der Absicht bewogen, dem Völkerrecht Geltung zu verschaffen und Leben und E.gentum der chinesischen Staatsangehörigen >u schützen, rötete unsere Regierung einen scharfen Protest an die Kaiser!, deutsche Regierung mit dem Bemerken, 'daß, falls. L-iefe ibre Politik nicht aufgeben würde, sich die chinesische Reg.crung gezwungen sehen würde, die bisherigen diplomatischen Beziehungen mit Deutschland abzu- bveckEn. Wir hatten uns der Hoffnung hingegeben, daß die deutscke Regierung nicht strikt an ihrer Politik festhalten und ihre freundliche Haltung China gegenüber beibehalten würd- Seit unserem Protest ist nunmehr leider über ein M o u at verflossen, obne daß die deutsche Regstrung ibre neuen Methoden der Kriegführung zur See ausgegeben hätte. Biele Handelsschiffe sind v e r s e u k t worden und zahlreiche chinesische Staatsangehörige baben bei biejer Gelegenheit ihr Leben eingebützt. Vor einigen Tagen, am 11. März, bat die deutsche Regierung uns ihre sormelle Antwort zukom- men lassen, welche besagt, daß es -hr nicht möglich wäre, den U-Bootkrreg mir Sperrgebieten aufzugebem Diese Antwort entspricht durchaus nicht unseren Hoffnungen urrd Wün- schen. Ihn unstre Achtung vor dem Völkerrecht zu bcwelseu uird unt Leben und Gat unserer Staatsangehörigen zu schützen, verkünde ich hierdurch, daß die chinesische Regierung vom heutigen Tage an keine diplomatischen Beziehungen znm Deutscher Rech mehr unterhält.
Holland übernimmt den Schul; dev deutschen Interessen in China.
Br- Berlin, 24. März. (Eig. Dr-chtbericht zb.) Den Schutz unserer Interessen in China hat die hollärrdische Diplomatie übernommen Ter „L.-A." schreibt: Der nunmehr ans Berlin abberufcne chinesische Gesandte, der gleichzeitig bei dc-
Reglerurig von Dänemark und Schweden beglaubigt ist, wird seinen Wohnsitz in Kopenhagen nehmen. Seine in Deutschland lebenden Landsleute werden ihm gleichfalls da- hm in der Meinzahl folgen, obwohl sie wohl selber keinen Zweifel darüker b,ab»n, daß sie hier völlig ungestört so lange verweilen können, wie den deutschen Staatscmgehör:- gen in China kein Haar gekrümmt wird.
Die Meinung in Washington.
W. T.-B. New Kork» 24. März. (Drahtbericht. Furrk- spruch des Vertreters des W. T.-B. Verspätet eingetroffen.) Ein Bericht aus Wash'ngton besagt, man erwarte hier nicht, das- China den Abbruch der Beziehungen zu Deutschland zunächst zu weiteren Entwicklungen führen werde. Wenn Deutschland nickt selbst e>ne Änderung erzwinge, werde die chinesische Regstrvng auf ihrer jetzigen Haltung beharren, wenigstens bis die Vereinigten Staaten einen anderen Schritt unternommen haben, glaubt man hier nicht, daß China die Ein- ladung der Entente, aktiv am Krieg teilzunehmen, anneb-' men wird, es sei denn, daß die von der Entente angebotenen Bedingungen s o einladend wären, daß der Widerstand gegen einen solchen Schritt unter den jetzt gebotenen Bedingungen überwunden würde.
Oer Tauchbootkrieg.
Versenkt!
W. T.-E. Christians«,, 24. März. Dev Bergener Dampfer „Malmanzer", ein Schiff von 5400 oder von 1442 Registertonnen, das von New Aork nach Avon- mouth unterwegs war, ist am 22. März fünf Meilen westlich von Falniouth durch eine Mine oder ein Torpedo zum Sinken gebracht worden.
W. T.-B. Nmuiden, 24. März. (Meldung der Nederlandfch Telegttaf Agenffchap.) Der niederländische Dampfer „Amstelslroom" (1413 Tonnen), der am Donnerstagabend von P.nuidcn nach London abgefahren war, ist versenkt worden.
Fühlbare fcinsiliclie Sclüffsverlnste im Mittelmeer.
Die Saloniki-Expedition aufs schwerste gefährdet.
W. T.-B. JJugaito, 24. März. (Trahtberickl.) Wie aus gut unterrichteter Quelle aus Brindisi verlautet, sind in den letzten vier Wochen aas Saloniki zehn Dampfer überfällig. Der Bervflegungs- und Munitionsnachschub leiden dadurch 'ehr. Trotzdem denkt die Entente nicht daran, die Salmnki- Erpeditivn auszugek^n. da hierdurch Englands Prestige stark leiden werde .
Neue besorgte englische Stimmen über die Unterseebootsgefahr.
„Der UnterseebootSfeldzuq der Angelpunkt des Krieges!"
ZV. T.-B. London, 24. März. (Drahtbericht.) Die „Nation' vom 10. März schreibt in ihrer Wochensckau: Trotz Carsons Versprechung wird die Lffentlichkeit jetzt wen ich er als früher über den Stand der Untersecbootsblockade aufgeklärt. Es fehlt jede Angabe des versenkten Tonnen- rauins, auch für englische Schiffe. Die Verluste der Ver- l andsgenossen und der Neutralen werden nicht bekanntgegeben. Carson hatte anfangs den Mut, Gesamtzahlen zu gebeii. Bedauerlich ist es, daß er das nicht mehr tut. Wir müssen uns aber doch darüber klar werden, daß der Unterseebootsfeldzug der Angelpunkt des Krieges ist. — Das .Liverporl Council of Commerce" vom 16. März meint. Hütte sich Carson noch deutlicker über den Ernst der Lag« äußern dürfen, so wäre es nicht seine Schuld gewesen, weim es uns Engländern eiskalt über den Rücken gelaufen wäre. Unsere Lebensmittelvorräte sind unbedingt schwerer als je zuvor bedroht, doch haben wir ohne allzu grotzen Optimismus Grund zu der Hoffnung, in der Abwehr der Unterset boote und der Minen Fortschritte zu machen, eye die Knappheit zur wirklickei- Lebensmittelnot wird. Aber auch wenn diese Hoffnung sich nicht erfüllt, müssen wir eben durchhalten.
Deutschland und Amerika.
kleine uferlosen Kriegsrüstungen in Amerika.
Br. Ge»tf, 24. März (Eig. Drahtbericht. zb.) Das Washingtoner Kabinett schloß sich, wie Pariser Blätter inelden, vollinhaltlich der Auffassung Wilsons an, daß man die Kriegsrüjtungen der Vereinigten Staaten nicht ins Uferlose treibe, sondern die Hauptsache im Auge behalten solle: Schutz der amerikanischen Interessen und der neutralen Staaten zur See. Mit der Entente fühle sich Wilson ohne formelles Bündnis hinsichtlich der wirffchaft- lichen Hauptfrage einig. Die Tätigkeit der Untersee- l o o t c mit allen Kräften zu bekämpfen, sei das n ä ch ft e Ziel der Bereinigten Staaten. Der „Herald" erfährt, daß der Verwalter der amerikanischen Staatsreservr Harding erklärte, die Vereinigten Staaten sollten keinen Augenblick zögern, der Entente aus britischen und sran- zösilchen Staatsobligationen einen Kredit von einer Milliarde Dollar zu eröffnen.
