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Verlag Langgaffe 21

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Mittwoch. 21. Marz 1917.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 147. . 65. Jahrgang.

Der strategische Rückzug an der weftstont.

(Bon unserem militärischen Mitarbeiter.)

Die rückwärtige Bewegung erstreckte sich auf das gesamte Gebiet von A r r a s bis in die Gegend von Caissons und nahm einen Frontraum von -etwa 135 Kilometer ein, bei einer Tiefen- siuLdehnung von etwa 5 Kilometer. Ver­gleicht man das Verhalten der Engländer und Fran­zosen, wie es im Ancrezebiet und jetzt in den südlich da­von gelegenen Abschnitten erftlgte, so sind die Fran­zosen schneller vorwärts gekommen als seinerzeit die Engländer. Es hängt dies damit zusammen, daß vas jetzige Gebiet nicht derart zerschossen und ver­wüstet war, wie das eigentliche Ancregebiet, und daß -er Rückzug auf demjenigen Abschnitt stattfand. der am weitesten nach Westen und Südwesten vorsprang. Un­sere Gegner befinden sich jetzt einer ganz neuen Lage gegenüber, und müssen neue- entscheidende ^Entschlüsse fassen. Es ist zwar anzunehmen, daß sie die Räumung des Geländes als einen großen Erfolg ihrerseits bezeichnen und den Rückzug der Deutschen !als eine unmittelbare Folge ihrer früheren Angriffs­tätigkeit hinstellen werden. Sie werden aber an dem Geländegewinn wenig Freude erleben.

Bei der Beurteilung der Gebietsräumuna muß vor allen Dingen berücksichtigt werden, daß eine starre Gebietsbehauptung namentlich bei ausgedehn­ten großen Fronten an und für sich niemals den Zweck des Krieges und der militärischen Opera­tionen bilden kann. Es kommt immer nur darauf an. den Kampf nach freien Entschließungen zu führen, am - gewä hlten Ort in gewähltem Augenblick unter möglichst günstigen Verhältnissen und unter Schonung der eige­nen Kräfte dem Feinde möglichst schwere Verluste zuzu- ' füoen und seine Kampflraft entscheidend zu schwächen.

Das ist auch durch den jetzigen deutschen Rückzug nach ' jeder Richtung hm geschehen. Das aufgegebene Gelände bedeutet auch seinem Werte nach keine Vercinge- t ung der in deuffcher Hand befindlichen F a u st- Pfänder. Im Gegen'atz zu dem Rückzüge an der Westfront haben die deutschen Truppen an der V er­ldun erfront einen erfolgreichen Vorstoß mff drei­sterer Front unternommen, in dessen Verlauf sie dem Gegner im Walde von Mal incourt am Ostbnng d-r Höhe 301 breitere Teile seiner Stellung von 800 «und 600 Meter Ausdehnung entrissen und dabei gegen 500 Franzosen gefangen nahmen. Dies zeigt, jdaß die Angriffskraft und Angriffslust der deut- scheu Truppen u n g e b r o ch e n ist, daß der innere Wert des deutschen Heeres auf derselben Höhe wie zu Beginn des Krieges steht, und daß der Rückzug an der Front Arras-Soissons lediglich auf strategische Er- Wägungen beruhte.

Im Kriege handelt cs sich in erster^mie um die Vernichtung der feindlichen lebendigen Streitkräfte und um das Niedcrringen des feindlichen Willens. Das haben weder die Engländer noch die 'Franzosen erreicht. Die Vorhand, die Op er a- tionSfreiheit, sind gänzlich auf deutscher Seite geblieben. Die deutsche Führung hat gerade durch den freiwilligen Rückzug ihrer Truppen dem Gegner das Gesetz des Handelns vorge- 'schrieben und sich die Vorhand gewahrt.

Seit Monaten hat die, Entente umfangreiche Vorbereitungen für eine neue, große Offensive getroffen, mit dercn Beginn jederzeit ge­rechnet werden mußte. Durch alle diese Angriftspläne 'bat der deutsche Rückzug einen dicken Strich gemacht. Wollen die Gegner ihren Angriff weiter führen, so müssen sie alle ihre Vorbereitungen von neuem treffen. Sie sind gezwungen, ihre gesamte Artillerie vorzubringen, die Munitiousdevots zu ver­legen, neue Stellungen und rückwärtige Verbindungen auszubauen. Sie müssen den deuffchen Trupp-m in Gelände folgen, das durch die vorhergegangenen Kämpfe verwüstet und zerstört ist. Die Deutschen werden auch bei ihrem Rückzüge dafür gesorgt haben, daß der Geg­ner keinen Vorteil aus dem neuen Gebiete ziehen kann, jede Deckung wird rechtzeittg beseitigt, jeder Weg un- brauchbar gemacht sein. Die Gegner müssen btc neu- deutsche Stellung erst wieder in allen Einzelheiten er­kunden und sie artilleristisch Niederkämpfen ehe sie den eigentlichen Angriff ansetzen können. Mit der Front­verkürzung ist zugleich eine Truvpen- ersparnis verbunden, durch die die deutsche Füh­rung -ine weite Kraft -erhält. Noch lassen sich die letz­ten Ovscarionszi-ie des deutschen Rückzuges und der Frontverkürzung nicht erkennen. Er ist aber nur als eine vorbereitende Maßnahme zu beurteilen, die die Grundlage für neue Kampfhandlungen schafft und der deuffchen Führung die volle Operationsftechestt Und die Möglichkeit gibt, aus dem starren Stel­

lungskampfe wieder zu größerer Be­wegung zu gelangen.

Das deutsche Volk kann und muß das volle Ver­trauen zu seiner Führung, im besonderen zum Gene- ralfeldmarschall v. Hindenbnrg und seinem be­währten treuen Ratgeber und Gehrlfen, dem Gen-ral Ludendorff haben, daß die rückwärtige Bewegung eine zweckmäßige auf strategischen Gründen und Er­wägungen beruhende Operation gewesen ist, deren ent­scheidend- Folgen sich erst in der Zukunft zeigen wer­den. Darin wird es sich auch durch di- zu erwartenden Siegesnachrichten und Siegesberichts der feindlichen Heeresberichte und Presse nicht beeinflussen lassen. Wir können der weiteren Entwicklung mit voller Ruhe und Zuvertranen entgegensehen.

*

Einzelheiten über die jüngsten Ereignisse an der Westfront.

Der starke Feind durch schwache Patrouillen- und Sicherungs - Abteilungen irregesüyrt und im Vorgehen ausgiebig aufgehalten.

W. T.-B. Berlin, 20. März. Nachdem am 22. Februar, abends, unsere Stellungen beiderseits der Ancre rn die un­gefähre Linie Monchh - Achtet le Petit bis Trans- l o Y ohne Einwirkung des Feindes zurückverlegt waren, wurde in der Rächt zum 12. März mit der Rückverlegung der süd­lich anschließenden Abschnitte begonnen. Diese Bewegung wurde völlig unbemerkt vom Gegner vollzogen. Roch am 12. März nahmen die Engländer die bereits geräumten Stellungen bei G r e v i I l e r s westlich von Bapaume den ganzen Tag über unter heftiges Artilleriefeuer und griffen abends mit sacken Kräften an. In dem Glauben, daß wir uns weiter in Rückwärtsbewegung befänden, stießen sie so­dann am 13. März ohne Artillerievorbereitung erneut vor und wurden mit starken Berlust-en abgewiesen.

Auch unsere Rückwärtsbewegung zwischen Avre und Oise geschah völlig unbemerkt vom Feinde. Zurück- gelaffene Patrouillen verschleierten unseren Abmarsch voll­ständig und fügten kleineren varfiihlenden Abteilungen schwere Verluste zu. Erst nach Artillerievorbereitung gelang es am 13. März den Franzosen, an einzelnen Stellen in unsere vordere Linie einzudringen. Infolge unseres Artilleriefeuers räumten sie jedoch die besetzten Teile wieder, so daß am Abend des 14. März sich der ganze vordere Graben von nördlich der Avre bis zur Oise im Besitze unserer Patrouillen befand. Erst im Laufe des 15. verdrängten feindliche Erkundungsabteilungen unsere Patrouillen aus den vordersten Gräben. Bereits in der Nacht zum 14. räumten wir unbemerkt vom Gegner Perönne unter Zurücklaffung von Offizierspatrouillen, die Erkundungsvor­stöße bei Rancourt und östlich von Bouchavesnes abwiesen. Rur in der Gegend des St.-Pierre-Paast- Waldes wichen unsere Patrouillen am 14. vor starken Er- kunduvgsbvrstötzen plangemäß zurück. Dagegen hielt der Gegner am 14. unsere Stellungen beiderseits der Somme unter starkem Artillerieftuer, ohne in sie einzu- dringen. Erst als am 16. unsere Patrouillen zurückwichen, besetzte er unseren ersten und zweiten Graben bei Sailly. Auch an diesem Tage blieb unsere ehemalige Stellung beider­seits der Somme in den Händen unserer Patrouillen. Im Laufe der Nacht zum 16. setzte sich der Feind vollständig in den Besitz unserer ehemaligen Stellung zwischen Avre und Oise. Über diese Linie hinaus ging er jedoch in das von unseren Patrouillen fteigegebene Gelände erst am 16., nach­mittags. Dabei rücktet! die Engländer nur sehr zögernd vor und erlitten ebenso wie die etwas schneller in der Gegend von Rohe folgenden Franzosen durch unser zusammengefaßtes Feuer erhebliche Verluste. Am 17. erreichten die Franzosen, unsere schwache Sicherungs- abteilung zurückdrückend, die Linie Carrapuis - Roig- lise - Margny und die Höhe westlich von Beau liem Zum Vorgehen südlich hiervmi bedurfte der Gegner aus­giebiger Artillerievorbereitung.

Aus alledem ergibt sich daß unser Rückzug ohne jede Einwirkung des Feindes von statten ging, und daß unsere Patrouillen dem Gegner nach und nach nur so viel Gelände freigaben, als es ohne Störung unseres Abmarsches geschehen konnte.

Die blutige Abweisung der französischen Sturmangriffe am westlichen Maasufer.

Nachhntgefechte südlich von Arras für die Engländer un­günstig verlaufen. Erbeutung von 6 Maschinengewehre» bei dem zusammengebrvchencn französischen Sturmangriff in Mazedonien.

V/. T.-B. Berlin, 20. März. Nach heftiger Artillerievor­bereitung unternahmen die Franzosen verschiedene ver­gebliche Versuche, die am 18. März von den Deutschen er­oberten Stellungen arn westlichen Maasufer zurück- zuerobern. Mit großer Heftigkeit vorgetragerie Sturman­griffe wurden blutig abgewiesen. Es gelang den Franzosen nicht einmal, die deuffchen Stellungen zu erveichell. Vom Feuer gefaßt, fluteten sie in ihre Ausgangsstellung» zurück.

Auch gestern folgten die Engl-änder dem deutschen 8lb- marsch südlich von Arras nur zögernd. Nachhutge- fechte, in die sie verwickelt wurden, verliefen für sie ungünstig. Mit größerer Energie drängten die Franzosen aus der Gegend zwischen Avre und Oise nach, während sie süd­lich der Oise chrie jeden Nachdruck folgten. Deutsche Kavallerie bält Füblung mit dem Gegner. Bei dem zusammenge- brcchenen französischen Sturmangriff in Mazedonien wurden 6 Maschinengewehre erbeutet.

Krater neben Krater zwischen Avre und Aisne.

Nr. Genf, 21. März. (Eig. Drrhtbericht. zb.) General F a y o l l e, Leiter der französischen Streitkräfte zwischen Avre und Aisue, gesteht in seinem heutigen Bericht zu, daß die Unterbrechung der von ihm geplanten Bewegun­gen vernehmlich den von den Deuffchen systematisch durchge­führten Zerstörungen aller wichtige n Ver­kehrsstraßen zuzuschreiben ist. In dem Bericht eines Augenzeugen heißt es: Allenthalöen sieht man Krater n«b«r Krater, eine wahre Mondlandschaft.

Schweizerische Bewunderung der strategischen Riickzngsbewegung im Westen.

Das Urteil des hochaugesehrnen Militärtritikers Stegemanu.

W. T.-B. Bern, 20. März. Stegemann bezeichnet im Bund" die von Hindenburg vollzogene Umgruppie­rung als glänzend geglückt und sagt: Der anr

17. März zur vollen Sichtbarkeit gediehene Entschluß Hrndenkurgs, den entscheidenden Zug im Endspiel zu tun, indem er die Arineen zarücknimmt, ist die Probe auf das Exempel, wer die besseren Nerven hat in diesem unberechenbaren, aber dennoch von geistigen Gesetzen beweg­ten Krieg. Im strategischen Simr ist Hindenburgs Entschluß, zurückzugeben, eine erlösende Tat; denn diese deutsthe Rekouzentration stellt das alte Spiel auf denr alten Haupt- breit neu und damit zur Entscheidung frei.

Die Verluste an feindlichen Kriegsschiffen.

ZV. T.-B. Berlin, 21. März. (Drahtbericht.) Mit der Bernichtnng des gestern gemeldeten Schisses derDanton". Klasse erhöhten Nch die Berluste unserer Feinde 'an Kriegs­schiffen (ausschließlich der Hilfskreuzer und HilfSschifft) aufruud8»0vaüTonnen Wasserverdrängung. Das ist so viel Kriegsschifftonurngehalt wie Rußland und Japan zu- sammen zu Beginn dieses Krieges besäße», oder nur 6800 Tonnen weniger als der Tonnengehalt der Flotte der Ber­einigten Staaten, der drittgrößten der Welt, zu Anfang des Krieges.

*

Versenkt!

W. T.-B. Ehristiania, 20. März. Stach einer Mitteilung der englischen Admiralität ist der S t a v a n g e r Dampftr E x p e d i t" (680 Tonnen) in der Nordsee versenkt worden.

ZV. T.-B. London, 21. März. (Drahtbericht. Reuter.) DaS französische SegelschiffUules Gomes" ist «nt 12. März versenkt worden.

Br. Rotterdam, 21. März. (Eig. Drahtbericht. zb.) Nach einer Meldung aus Southampton ist der englische DampftrPandion" mit Stückgut von Rotterdam nach Liverpool unterwegs, bei einemZusammenstoß ge­sunken. Die Besatzung wurde gerettet.

England; begründete Angst vor den Taten unserer U-voote.

Englische Marine-Geheimerlasse.

(Schluß.)

Über das Verhalten der englischen Handels­schiffe in Sicht von englischen Wachtfahr- zeugen gibt nachstehende Verordnung Raffchläge' Es'artn nicht eindringlich genug den Kapitänen bri­tischer Handelsschiffe ans Herz gelegt werden daß sie scharf Ausschau halten müssen nach Wachtfahrzeugen und daß sie alle Befehle, die ihnen von diesen erteitt werden, aufs strengste zu befolgen haben. Neuerdings ist es im M i t t e I l ä n d i s ch e n Meer vorgekommen, daß britische Handelsschiffe gestoppt und sich dem feindlichen Unterseeboote ergehen haben, trotzdem eigene Wack> tfahrzeuge deutlich in Sicht waren. In solchen Fällen dürfen die Han­delsschiffe auf keinen Fall ihre Geschwindigkeit mäßi­gen oder gar stoppen. Werden sie angegriffen, so sollen sie die Anwesenheit des Unterseebootes sofort signali­sieren, ferner müssen die Führer unbedingt jeden Ver­such machen, sich der Gefahr zu entziehen, d h. auf Land zuzuhalten oder andere zweckmäßige Schritte zu er­greifen."

Voni Mai 1016 stammt nachstehende Warnung ms Gibraltar:Die Handelsschiffs-Kapitäne der verbün-.