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Verlag Langgasse 21 „Tagbiriihaus".

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Dienstag, 20. März 1917. e

Morgen-Kusgabe.

Nr. 144. ♦ 65. Iahrgang.

Neuer Luftangriff auf Dover.

22 Zlugzeuge am 17.März abgefchosien.

\V. T.-B. Berlin, 19. März. Bei dem am Samstag herr- schenden guten Wetter war die beiderseitige Fliegertätigkeit an der Westfront äußerst lebhaft. Unsere kampferprobten Flieger bewiesen neuerlich ihre Überlegenheit. In er­bitterten Luftkämpfen büßte der Gegner nicht weniger als neunzehn Flugzeuge ein, wsvon sich sieben in unserem Besitze befinden. Und zwar wurden drei Flugzeuge bei Ipern, nenn in dem Raume zwischen Lille und Ar ras, zwei an der Sommefront niedergezwungen. Die anderen verteilen >'ich auf die übrige Front. Die altbe- wöhrterr Fliegerleurnants Frhr. v. Richthofen und B a l d a m u s siird an diesen Erfolgen hervorragend beteiligt. Drei weitere Flugzeuge der Gegner wurden durch das Feuer unserer Abwehrgeschütze abgestürzt, davon eins hinter unserer Linie. Demgegenüber haben wir nur den Be r ln st dreier Flugzeuge zu verzeichnen. Unsere Marineflieger Warfe» erfolgreich Spreng- und Brandbomben auf Hafen- ankagen und Gaswerke von Dover.

*

Der Angriff unserer Seeftreitkräfte auf die englische Küste.

Berlin, 19. März. Der bei dem Angriff unserer Seesft eitkräste auf die englische Küste versenkte ;e n g l i s ch e Zerstörer gehörte der K-Klasse an, die 1913 vom Stapel gelaufen ist. Diese Schifte haben eine Wasserverdrängung von 929 Tonnen, sind miij sehn Stücke 13 2-Zentimeter-Geschützen bestückt und laufen etwa 32 Seemeisim. Ihr» Besatzung beträgt 100 Mann. Der bei dem gleichen Angriff schwer- havarierte Z e r st ö r e r gehörte zu der 1913 und 19!4 vom Stapel gelaufenen L-Klasse. Diese Schiffe haben einen Gehalt von 950 Tonnen, lauten etwa 30 Seemeilen und haben dieselbe Bestückung, wje die Zer­störer der K-Klasse.

@tit englischer Bericht zu dem Angriff auf dir englische Küste.

W. T.-B. London, '9. März, (Drahtbericht.) Rach Mit­teilungen des Pressebureaus näherten sich feindliche Zerstörer um 12% Uhr der Küste von K e n t und feuerten Granaten auf die Küstenstädte. Personen wurden nicht getötet, drei Häuser sind leicht beschädigt.

Oer Tauchbootkrieg.

Drei Amerika-Dampfer versenkt.

W. T.-B : . London, 19. März. (Drahtbericht. Reuter.) Der Amerika-Dampfer „H e g e l n a u c e ö" (?) wurde ohne Warnung torpediert. — Der Amerika-Dampfer „I l l i n o i s" <5225 Tonnen), mit Ballast von London nach Port Arthur be­stimmt, ist versenkt worden. — Der Amerika-Dampfer „C i t y Vf Memphis" (5252 Tonnen) wurde durch Geschützfeucr versenkt. Er war mit Ballast von Cardiff nach New Jork bestimmt.

Weitere Versenkungen.

W. T.-B'. Christiania, 19. März. (Trahtbericht.) Einem Telegramm der norwegischen Gesandtschaft in London zu­folge wurden die norwegischen Dampfer „Ronald" (3221 Tonnen), „Solserino" (1155 Tonnen) und „Alfred' versenkt. (Es gibt mehrere norwegische Dampfer des Namens „Alfred".)

Oie militärische Lage.

(Don unserer Berliner Abteilung.)

D. Berlin» 19. März. (Eig. Drahrbericht. zb.) Im Westen hat sich gestern unsere große st rategische Bewegung werter entwickelt. Der Landstrich in der Gegend zwischen A r r a s und A i s n e wurde von uns plan- mäßig geräumt ohne Störung durch den Feind. Der Gegner folgte nur zögernd. Unsere Siche- rungsabteUungen verschleierten den Rückzug, Ein Teil der Bevölkerung blieb mit Lebensmitteln für fünf Tage im geräumten Gebiet zurück. Lebhaftere Gefechts- tätigkeit herrschte nur an der Ancre und auf beiden Maosufern. Im Wald von Malancourt, nordwest­lich bcn Verdun, und am Ostha-ng der Höhe 304 nahmen schneidig vorgehende deutsche Truppen französische Gräben in einer Breite von 500 und 800 Meter weg und brachten dabei 8 Offiziere und 580 Manu als Gefangene, so­wie Maschinengewechre und Minenwerfer als Beute ein.

An der Ostfront hat gestern der Frost nachgelassen. Keine Ereignisse von Bedeutung wurden verzeichnet. In Mazedonien setzten die Franzosen ihre Angriffe zwischen O ch r i d a - und P r e s p a s e e, sowie nördlich von Mon astir fort, wurden aber zurückgeschlagen. Nur im Norden Monastirs hatte, der Gegner örtliche kleine Er­folge. Östlich des Doiransees wurde der Bahnhof von Poroh wieder den Engländern entrissen.

Vcm italienischen Kriegsschauplatz wird nur auf der Karithochfläche geringe Gefechtstätigkeit gemeldet.

Zusammenfcssend läßt sich noch von der Lage an -den Fronten bis zum Ende der letzten Woche sagen, daß die Entwicklung im Räumungsgebiet ganz den plan mäßig e^n Verlauf nahm, der in eiwgeweihten Kreisen vorausgesehen wurde. Die Engländer verhalten sich nach weiter mißtrauisch und rücken nur zögernd nach. Ihr Heeresbericht meldet zwar von der Besetzung z a b l r e i ch e r Dörfer, aber aus der Karte zeigt sich der von ihnen eingenommene Raum als sehr gering. Mißt man die Front aus, so findet man in diesem Ope­rationsgebiet eine Gesamtlänge von 7 5 Kilometern von den Engländern besetzt. Daran anschließend kommt der französische Teil bis zur Aisne, was das Ausrmrß auf 135 Kilometer erhöht. Die Franzosen hatten am 17. März erhebliche Vorstöße gemacht; sie sind zwischen A v r e und Oise e-ngedrungen und überschritten stellen­weise die Straße Raye-Noyon. Am 18. März ist die französische Kavallerie im Städtchen R e s l e eingerückt. Da­mit ist schon die große Ausbuchtung, die zwischen Peronne und Noyon hier mit der Westspitze -vor Rohe bestand, zur Linie Peroune-Nesle-Novon abgeslacht. Das Los- lösen der deutschen Front war glänzend ge­glückt -Es handelt sich um so beträchtliche Räume, daß man zum erstenmal seit langer Zeit wieder vom Vorgehen der Kavallerie hört. Obwohl die Kanonen noch bis kurz zu­vor dein Feind ihre Grüße sandten, vermag er nicht von einem einzigen eroberten Geschütz zu reden. Auch die Gefangenenziffern sind gering. Daß bei einer solchen Frontzurückziehung in einer Breite von 135 Kilometer eine Anzahl Leuie weggenommen wird, ist natürlich nicht zu verwundern, aber nur große Gefangen enzisfern, so wie wir sie heute wieder aus den Kämpfen bei Verdun angeben, würden den Raumgewinn der Franzosen und Engländer als einen tatsächlichen Erfolg hinstellen. Der gestrige Abend bericht unserer Heeresleitung war in die­ser Hinsicht besonders bezeichnend. Es hieß da, daß wir noch an wenigen Stellen in Gefechtsberührung mit der feindlicken Kavallerie stünden. Das widerlegt die feindlichen Heeresberichte, die von schweren Kämpfen reden, damit die Einnahme der neugenannten Dörfer beldenliaft erscheine. Bei der Summ e-O ffensive war der Geländeobschnitt hinter der englischen Front stark verwüstet worden, so daß. hier der Nachschub viel mehr Mühe verursacht. Weiter ist zu berücksichtigen, daß mit Rohe un­sere Linie am, weitesten nach Westen hine^nragte, daß die Franzosen im Bogen konzentrisch Vorgehen konnten, wobei sie aus ihrem Stellungszentrum Mo n d i d i e r bessere Berkehrs­straßen hatten.

Vom Osten läßt sich im Rückblick -wenig sagen. Wäh­rend bis zum 12. März .viederholt lebhafte Artilleriekämvse gemeldet wurden, folgten seitdem keine größeren Kämpfe- Die Rückwirkung der russischen Revo­lution auf die Front wird mit Interesse zu beobachten sein. Als Vorspiel zu den gestern auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz zwischen Ochrida - und Prespa- s ee, sowie »eidlich Dionastir abgeschlagenen Angriffe hatte sich in den letzten Tagen bereits der Beginn einer französischen Offensive, bemerkbar gemacht. Ob­schon die Kämpf? »ich nicht abgeschlossen sind, dürste der Fernd kaum mit den Ergebnissen seines Einsatzes zufrieden sein. Das Reutersche Bureau hatte sich am 16. März von seinem Vertreter drahten lassen, südwestlich des Doirau- s -e e s wäre ü'-e englische Front um 3500 Meter vorgetragen worden; es fanden in diesem Gebiet überhaupt kein«

K ä m P f e statt.

Der deutsche Abendbericht vom 19. März.

W. Berlin, 0 März, abends. (Amtlich, Drahtb»- r'cht.) Im Somme- und Oise-Gebiet mehrfache Gefechte unserer Sicherungen mit englischen und französischen Streifabteilungen.

Aus dem Osten ist nichts Besonderes gemeldet.

Westlich des Prespasees und nördlich von Monastir sind neue Angriffe der Franzosen gescheitert.

Die Mldung des neuen französischen Kabinetts ein schwieriges Problem. Poincnrc in Nöten um den geeigneten Mann.

W. T.-B. Paris, 19. März. (Drahtbericht. Agence Havas.) Präsident Poincarö beratschlagte vormittags mit Des- ck,an el und du Bost und darauf mit B rian d über die Ministerkrisis. Deschanel lebnte das Ersuchen Poincarüs, das Kabinett zu bilden, ab, weil er es für seine Pflicht halte, auf dem ihm von den Vertretern des Landes anvertrauten Prsten zu bleiben. Darauf ersuchte Poincare Ri bot, ein Kabinett der vatriotischen Vereinigung zu bilden. Ribot be­dielt sich die Antwort vor, bis er sich mit mehreren Paria- menismitgliedern habe besprechen können.

Nochmals Briand?

lDrahtbericht unseres Lr.-SonderberichtersiatterS.)

Xr. Genf, 19. März, (zb.) Die Kabinettskrisis stellt sich nach übereinstimmenden Meldungen des „Gaulors", „Eclair" urid „Figaro" als ein außerordentlich schwieriges Problem dar. Daß der greise Ribot außer dem Finanzmiuisteriunr auch noch der Leitung des Kabinetts fähig sein soll, wird an« gezweifelt. Die Presse Poincares hofft, Painleve werde seine Weigerung, in ein Ministerium Ribot einzutreten, zu­rücknehmen, falls Ribot dem neuen Kabinett nur das Prestige seines NamenS gebe, dagegen die Arbeit jüngeren Kräften überlassen wolle. Die Kombination mit B a r t h o u uni» Doumerque gelte als aussichtslos. Man glaubt, Princare werde, falls die Kabinettsbildung Ribot scheitert» irrchmals Briand berufen.

wird die russische Revolution unseren Sieg aufhalten?

Bei der plötzlich in Rußland ausgebrochenen Revo- lution interessiert vor allem jeden die Frage, ob da« durch die Kriegführung in irgend welcher Weise ent­scheidend beeinflußt wird, oder ob der Krieg in der bisherigen Weise von Rußland fortgesetzt wird. Eine erschöpfende Antwort läßt sich auf diese Frage zurzeit noch nicht geben, da die über den Verlauf der inneren Unruhen eingelaufenen Nachrichten noch zu unsicher lind, und man den Zusammenhang der einzelnen Er­eignisse noch nicht mit Sicherheit übersehen kann. Zu­nächst muß aber festgestellt werden, daß jede derartige revolutionäre Bewegung, die so großen Umfang ange- nommen hat, auf die innere Widerstands- kraftdesHeeres und aufdieGeschlossen- heit derFührung von nachteiligem Ein­flüsse ^ein muß. Mag die Revolution nun verlaufen, wie sie will, ihre Einwirkunaen können bei d-r Weiter­führung der Kämvfe sich für die Russen nur un un- günstigen Sinne äußern. Es ist auch nicht anzu­nehmen, daß die neue zur Macht gelangte Partei, wenn sie tatsächlich die Regierung behalten und ohne Kampf überall anerkannt werden sollte, deni Kriege neueKraft verleihen würde wie das wohl in trübe­ren Kriegen unter gleichen Verhältnissen der Fall ge-, wesen ist. So konnte im Jahre 70 der Sturz des napoleonrschen Reiches und Errichtung der Republik neue Volkskräfte *itm Kampf gegen Deutsch­land entfesseln, und erst die nationale Regierung hat damals den Krieg aus breiterer Grnndlaac gestellt und das ganze Volk zum Widerstande aufgeruten. Diele Verhältnisse lassen sich aber mit der ietziaen Lage in Rußland in keiner Weise vergleichen, denn auch die alte Zarische Regierung hatte 'amtliche verfüg­baren Kräfte zum Kampf aufqerufen und Millionen- Heere aufgestellt. Sie hatte bereits die sämtlichen vor- handenen Volkskräfte herangezogen, so daß der neuen Revolution?'regierung keine weiteren Hilfsmittel und Reserv->n mehr zur Der- ügung sieben. Stärker als es bisher überhaupt schon geschehen ist, kann sich bas russische Volk am Kriege nicht mehr beteiligen, größere Truppen Massen nicht mehr e in setzen. Auch die zahlreichen Mängel und M i ß st ä n d e die im russischen Reiche owohl im Heere wie im Innern des Landes iestanden haben und noch bestehen, und die sich hanpt- ächlich auf den Mangel an Lebensmitteln an unge­nügenden Transportmittel ans nicht zureichende Bar- orgung mit Munition und anderen Kriegsmitteln be­ziehen, liegen in der augenblicklichen Kriegslage und in den örtlichen Verhältnissen Russlands begründet und können daher auch nicht in kurzer Zeit ge­hoben werden. Also selbst wenn die neue Revolu- tionsrcgierung nach allgemeiner Anerkennung und Be- eitiaung aller Widerstände mit voller Kraft an die Beseitigung dieser Mißstände gehen sollte, würde sie schwerlich in der Lage sein, innerhalb kurzer Zeit einen