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Der Landschadt.

Vier Burgen hat sich der Landschadt erbaut;

Der Teufel, der hals sie ihm mauern,

Dem hat er sein Leben, seine Lieben vertraut; Versprach ihm die Hälfte der Bauern.

Sein Weib, seine Kindlein versprach er ihm gar: Sie alle sollst, Teufel, du haben.

Nur mußt du dafür mich noch fünfzig Jahr Mit Erdensegen begaben."

Das Weib und die Kindlein, die Bauern hat Der himmlische Vater gerettet;

Sie liegen begraben an heiliger Statt,

Er liegt in der Hölle gebettet.

Die Häupter der Burgen im Abendrot Wie trauernde Geister sich baden,

Der Landschadt liegt im Blute tot,

Nicht wird er dem Lande mehr schaden.

Die fünfzig Jahre waren entfloh'n,

Da hat ihn die Freiheit erschlagen;

Doch spukt sein Geist der Welt zuni Hohn Wotf) oft in unsern Tagen.

Wilhelm Äeiith t 1844 )

Nachbars Esel.

Kleine Geschichte aus Flandern von Gefr. H. Nuppel.

In dein Lande, >vo die Schuhe an den Bäumen loachsen, lebte ein wohlhabender Mann mit Namen Manasse Molinaro. Alle Nachbarn nannten ihn Mynheer und achteten ihn sehr wegen seines Reichtuins. Mynheer Molinaro hatte eine große Blockmakery (Holzschuhmacherei), die ihm viel Gold-und Silber­franken einbrachte. Auf dem Hofe hinter seinem Hauseloerkten" seine Leute, die jeden Wochentag ein halbes Schock Holzschuhe fertigstellten und sie zum Austrocknen an die Pslöcke der Haus­wand hingen. Denn in jenem Lande geht alles in zierlichen Holzschuhen: das Kind zur Schule oder zum Spiel auf die Straße, derSteenbacker" zur Ziegelei, der Hafenarbeiter zuin Scheldehafen und der Müßiggänger ins Wirtshaus. Sogar, >ver mit dem Rade zur Arbeit fährt, der hat Holzschuhe an.

Zweimal in der Woche fuhr Mynheer Molinaro mit seinein schwarzgrauen Esel anr dreiräderigen Wagen die fertige Ware fort, brachte sie an den Mann und kam mit straffem Geldbeutel in der Tasche wieder nach Hause.

Die übrige Zeit brachte er bei seine» Leuten in der Blvck- urakery oder auf dem Felde zu. Denn er besaß auch schöne Felder mit tiefgründiger Ackerkruine, lvo vortrefflicher Flachs, körnerreiche Wintergerste und mannshoher Roggen gediehen. Am Saume seiner Acker standen hochstänunige Pappeln, dort Kanada genannt, die ein schnelles Wachstum und weiches, schmalziges Holz haben, woraus die Holzschuhe geschnitzt werden.

Eines Abends ging Mynheer Molinaro zu seinem Nachbar Meersmann hinüber und bat ihn um seinen Esel, uni auderen Tages seine Gerstenstoppeln umzupflügen Er sagte das so von oben herab, als müsse sich's der kleine Nachbar zur größten Ehre anrechnen, daß sein Eselein dem ivohlachtbaren Mynheer helfen dürfe. Meersmann, der tagsüber für wenige kupferne Cente Kies und Sand fuhr oder seine paar Furchen Pachtland bestellte, hätte gern Nein gesagt, weil sein Grautierchen viel Arbeit und ivenig Futter hatte. Aber er fürchtete sich, dem

reichen Nachbar zuivider zu sein.Wenn du's tust," dachte er, hilft er dir auch mal einen Stein heben. Und eines reichen Mannes Arm reicht weit." Also sagte er Ja.

In der Frühe des nächsten Tages rief Mynheer seinen jüngsten Blockmaker vom Hofe und hieß ihn den Esel anspannen. Franz ließ Schnitzmesser und Hohlbohrer aus de» Händen, legte dem Esel seines Herrn das Kummetgeschirr an, zog ihn aus dem Stall und führte ihn an den Wagen. Aber der störrische Esel wollte nicht, stieg auf die Hinterbeine, ivälzte sich vor Übermut auf dem Boden und schlug wild mit den Beinen um sich. Dabei schrie er, daß der Nachbarschaft die Ohren weh taten. Indessen kam Mynheer mit des Nachbars hellgrauen, Eselchen herüber, spannte es an und half Franz den wider­spenstigen Gesellen ins Geschirr bringen. Dann fuhren sie mit dem Eselgespann zum Dorfe hinaus.

Auf dem Felde spannte Franz auf Geheiß des Herrn die . Tiere an den Pflug. Mynheer machte sich noch ein Weilchen an der Wage und an den Sielen zu schaffen. Als Franz zu pflügen begann, sah er, was Mynheer Gutes zurechtgebastelt hatte. Er hatte die Wage nicht in der Mitte eingehängt, gleich­mäßig verteilt, sondern so, daß ein Ende länger war als das andere. Am langen Ende zog der schwarzgraue Esel Molinaros, am kurzen der aschgraue des Nachbars. So verschaffte er dem eignen Tiere den Vorteil, dem fremden den Nachteil.

Mynheer stand zwischen den Furchen, hatte die kurze Stummelpfeife zwischen den Zahnen, die Hände im Hosensack und sah seinen Knecht pflügen. Auf seinem breiten, bartlosen Gesicht, das wettergebräunt und von hundert listigen Fältchen durchfurcht war wie rissige Eichenrinde, lag ein zusriedenes Lächeln.

So ging Molinaros Esel immer vorn,«trug den Kops hoch und schaute sich selbstgefällig um oder rupfte in, Vorbeigehen ein maulvoll Disteln ab. Er hatte nichts zu ziehen. Des Nach­bars Esel dagegen blieb stets hinter ihm zurück, wie ein Gepäck­träger im grauen Nesselkittel hinter dein vornehmen Herrn im schwarzen Staatsrock zurückbleibt, hing den Kopf und quälte sich; denn er hatte alles allein zu ziehen.

He, Manneke!"*) rief Mynheer über den Acker,du mußt dem faulen Meersmann Beine machen!" »nd er schnitt einen Stecken aus der Hecke und reichte ihn Franz, wie wenn der ein solcher Tausendkünstler wäre, der damit einem müden Eselchen flinke Beine machen könnte. Franz nahm den Stecken, ohne ein Wort zu sagen, brauchte ihn aber nur dann, weun er dem fetten und faulen Molinaro ungesehen eins auswischen konnte.

Mittags spannten sie aus und fuhren nach Hause. Franz führte die Tiere an die Krippe; denn sie sollten die begonnene Arbeit noch selbigen Tages vollenden.

Den da bindest du lang an!" befahl Mynheer und zeigte auf seinen Esel,damit er tüchtig fressen kann, und den anderen kurz!"

Werd's schon tun, wie'S recht ist," erwiderte Franz.

Grünfutter und Hafer streust du nicht alles dem gefräßigen Meersmann vors Maul, mehr auf die linke Seite, vor meinen Esel!"

Damit ging Mynheer Molinaro hinaus, uni sich au seine vollen Schüsseln zu setzen.

Nach einer Weile kam ein donnerndes Getöse aus dem Stall. Mynheer stürzte hinaus und wäre vor Erstaunen fast auf den Rücken gefallen. Denn was er da sah, das inachte seine Augen tellergroß und riß seinen Mund sperrangelweit auf. Sein eigner guter Esel >var mit dem Schwanz au dir hölzerne Krippe gebunden und schlug mit den Hufen dawider, daß es krachte, lvährend der frenide Halunke vergnüglich schmauste.

Wer hat das getan?" schrie Mynheer. Franz schwieg und ivollte sich zur Türe hinausdrücken.

*; Burlchc.