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Verlag Laaggaffe 581

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Dienstag, 13. März 1917.

6bend-klusgabe.

Nr. 132. . 63. Jahrgang.

Amerika, Iapan und wir.»

O Berlin, 12. März

Lord Northcliff bezifferte jüngst in eine'' Tischrede die in Frankreich kämpfenden Amerikaner auf über 50000. An der Zabl dieser Freiwilligen könne man, so meinte er, ermessen, was die Amerikaner im Kriegsfall noch leisten würden. Gewiß, auch bei uns wird diese Möglichkeit nicht gering geschätzt aber da­mit ein großes amerikanisches Heer gegen uns kämp­fen kann, muß es erst einmal nach Europa heruberge- schastt worden kein, und wie das geschehen soll, rst ber der tüchtigen Arbeit uwerer Unterseeboote nicht ge- mioend klar. Von allen Schwierigkeiten, die uns durch einen Kriegszustand Mit den Vereinigten Staaten er­wachsen können, ist die Notwendigkeit, mit Amerikanern kämpfen zu sollm, wohl die geringste. Zur Beförderung großer Tcuppenmassen mitsamt ihrer Ausrüstung würde, auch wenn die U-Bootsgefa.hr nicht drohte, ein Frachtraum erforderlich sein, über den Amerika nicht entfernt verfügt und dessen Ergänzung durch die Verbandsflotten bei deren eigenen Fcachtraun'.naten ausgeschlossen wä'-e Aber nicht einmal M u u , 1 1 o n in größeren Mengen scheint fortan noch herubergebracht zu werden sollen Man muß freilich die Bestätigung der New Borker Meldung abwarten, wonach die Ende März ablaufenden Lieferungsverträge zwiscbi'n der englischen Negierung und deii amerikanischen Mnm- tionsfabriken nicht erneuert werden sollen. Trifft aber diele Nachricht zu. dann wird sie, man kann sagen selbst­verständlich, damit begründet werden, daß England allein inzwischen erzeugunqssähig genug geworden sein wird, und daß Amerika seine Munition für den Kriegsfall selber braucht: mitbestimmend wird gleichwohl auch die h-ilsame Rücksichtnahme aut das Walten unserer Seestreitkräfte sein, und mit dwser Wirkung des uneingeschränkten U Bootskrieges dürfen wir zufrieden sein. Nun stellt sich der Londoner Zeitungslord, »veil eben die T'wuben unter sind, gar nicht so begierig nach militärischer Hilfe der Vereivig- ien Staaten an. John Bull werde mit der Sacke schon allein fertig werden. Amerika möge sich aus tinan- ä ie He Unterstützung, namentlich Frankreichs, aus die „Abpatrouilliernng" des westlichen Teils Sn 3 Atlantischen Ozeans, cuf die Begleitn g von Schissen mit Nahrungsmitteln durch Kriegsschiffe, dann aber auch aus dw „Befreiung" Belg« ? n s beschränken. Was mit dieser letzten Redensart gemeint ist, bleibt dunkel; die übrigen Obliegenheiten jeden- falls die hier den Vereinigten Staaten zug-schrreben werden, nehmen sich b.-i Lichte betehen. ziemlich bescher, den aus, sogar die Hilfeleistung für Frankreich., Tenn io willkommen schließlich den Franzosen , die Öffnung des Neiv Vorder Anleihemarktes sein wird, io haben wir dach nie angenommen, daß die Republik den Krieg aus Manuel an Geldmirtelr, werde einstellen muffen. Die Notenpreffe kann überall orteiten, und die Geld- knavpheit wird nirgends den Enffchlnß znm Frieden herbeitühren. Zu den neuen Lehren, die dieser Krie^ entgegen allen früheren Berechnungen, gibt, gehört auch die daß die „silbernen Kugeln", so wichtig sie naturgemäß sind und bleiben, die Entscheidung n i m t bringen werden. Überdies, ob Frankreich sich selber oder den Vereinigten Staaten verschuldet blerbt, uns kann das nicht ionderlich kümmern. Ob, um . auf Nortbcliffs Programm zurückzukommen die Vereinig- ten Staaten ibre Kriegsschiffe nach den europal'chen Küst-n schicken werden, dimkt uns doch zweftelhast. Wilson kann die Flotte viel besser in der Nähe seines Landes brauckm. schon wegen der unumgäng­lichen Rücksichtnahme auf Japan, das trotz der angeblichen Überwindung verschiedener , Geoensätze zwischen Tokio und Washington ein un- sicherer Faktor in den Berechnungen des Präildenten bl°ibt Welche Stellung das von den Verbandsmächten kräftig bearbeit-che China noch gegen uns einnehmen wird, ist abzuwarten, aber soviel erkennt man bereits, daß die Interessen Japans in diesem Punkte mit denen Englands und aitch Amerikas keineswegs überein- stimmen. China soll nach dem Willen der japanischen Etaatslenke- ausschli-ß'ich den Weisungen ans Tokio folgen di- Fähigkeit, dos Rielenreich zur Ohnmacht Herab-udrück-n und als gefügiges Werkzeug der ngenen Jnteressenpolitik z» benutzen, trauen sich die Japaner, nicht ohne Grund, a l I e i n zu. dazu bedürfen sie keiner Deibilfe, die am Ende doch damit bezahlt nn-rden mützw. daß die Teilnehrmr mit aus der chinesischen Schüssel ess-n wollen. Hoben es sich die E n g l ä n d e r gefallen kaffen miiisen. daß sie wäbr-nd des Krieges wirtschaftlich ans mehr als einer Stellung in China sanft und n>eniger sanft h i n a u s g e d r ä n g t wor den sind, so wird Japan schwerlich darauf brennen sie jetzt ans dem Umwege über Cbinas Eintritt in den ßrieg wieder zurückzurnlen und wenn es in London die Absicht ist unsere Hände ls unter- tvehmauge» in d» Hake» m

zerstören, so wird es Japan wenig behagen, die Eng­länder dort als Erben zu üben wo die Japaner 'elber sich sestsetzen wollen. Wir muffen fteilich bei illen sol­chen Betrachtungen drmit rechnen, daß aus der Gegen­seite doch wohl auch andere Momente in den Kreis der ausschlaggebenden Erw'ionngen eingestellt werden könnten, und so gebietet sich Vorsicht. Aber Geschichte und Politik haben ickiießlich ihren logischen Zwang in sich, und es ist nun einmal keine Not­wendigkeit erkennbar, aus der heraus Japan für alle Zukunft die Möglichkeit die es durch die Gewinnung eines besseren Verhältnisses zu uns nach dem Kriege nutzbar machen konnte, schon jetzt und -gerade jetzt fallen lassen sollt-. Der Kiiea ist ja nicht die geeignete Zeit, um die Politik die durch die Linie Berlin-Peters- burg-Tokio ausgedrückt wird, in jede Einzelheit hinein zu bestimmen, nur dürren wir uns durch die Wider­stände, die sich während des Kampfes diesem Gedanken e"^aegenstellen, nicht beirren lassen. Die Stunde wird kommen, wo sich diese, heute noch unmöglich erschemen- den Dinge anders arffehen werden. Deshalb können w i r auch ohne die Beklemmungen, mit denen man in London und Washington cnf den Aufstieg Japans blickt, die Entwicklung des fernen Jnielreichs beob­achten. Je w e n i g e r es in Zukunft R e i b u n g §* flächen zwischen uns und Japan geben wird, desto freier wird die Vabn für eine großzügige Ost- asienpolitik Deutschlands werden.

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Graf Bernstorffs Ankunft in Kopenhagen.

W. T.-B. Kopenhagen, 12. März. Das Eintreffen des Dampfers „F r e d e r i k VTII." im hiesigen Freihafen wurde von einer großen Meiischenmenge erlvartet. Nachdem gegen lOy^ Uhr die Verbindung zwischen dem Schiff und dem Lande hergestellt worden war, begab sich der d e u t s ch e Gesandte Graf Brockdorff-Ranhau mit den Damen und Herren der Gesandffchaft sofort cm Bord zur Begrüßung des Botschafterpaares, das vorzüglich aussah und die lange be­schwerliche Seereise gilt überstanden zu haben schien. Nach elnstündigcm Aufenthalt verließen der Gesandte und die Mitglieder der Gesandffchaft das Schiff. Gegen 1 Uhr bega'o sich das Botschafterpaar nach dem Hotel d'Angleterrr, wo das Frühstück eingenommen wurde. Darauf unternahm es eine Spazierfahrt in die Stadt und Umgebung. Abends 7y? Uhr gab Graf Brockdorff-Rantzau zu Ehren des Grafen und de» Gräfin Bernstorff eine Festtafel, wozu die Damen unv Herren der früheren Washingtoner Botschaft und der hiesigen deuffchen Gesandffchaft geladen worden waren. Die A b- reise nach Berlin im Sonderzug ist für morgen früh 7% Uhr festgesetzt worden.

Keutzerungen des Grafen vernstorff.

Br. Hamburg, 13. März. (Elg. Drahtbericht, zb.) De: Haupffchriststeller des „Hamburger Fremdenblattes" v. Eckardt hatte in Kopenhagen eine Unterredung mit dem Grafen Bernstorff. Der Botschafter äußerte sich in folgender Weiset „Mit Stolz und Freude sehe ich, wie das deuffche Volk in seiner nicht leichten Lage den Folgen des Bruchs mit Am erika erhobenen Hauptes entgegensieht. Ich hatte den Eindruck, daß es an Verständnis dafiir auch in den neutralen Ländern nicht fehlt. Allerdings bin ich schwer betroffen durch die erst in Lhristiania zu mir gelangte Nachricht, daß die durch meine Hand gegangene Weisung an den kaiserlichen Gesandten in Mexiko zur Kenntnis der amerikanischen Regierung gekommen fft. Auf weichem Weg die amerikanische Regierung in den Besitz der Instruktion gekommen ist. weiß ich nicht. Es bleibt nur die Annabmc übrig, baß entweder der englische oder der ameri­kanische Geheimdienst sich aus irgend welche Weise Kennt­nis der Geheimschrift erworben hat in welcher das Telegramm von Washington nach Mexiko weiter befördert wurde. Wenn aber von deutschen Intrigen in amer:- kanischen Ländern gesprochen wird, so möchte ich heworhebrn, daß wir es stets auf das entschiedenste abgelehnt haben, uns in die Politik des amerikanischen Festlandes e i n zü­rn i s ch e n. Alle amerik iniichen Behauptungen über deutsche Intrigen in Haiti, Kuba. Columbien sind Märchen. Ich kann aus das bestimmteste versichern, daß, so lange ich den Posten des kaiserlichen deuffchen Vcffchasters in Washington begleitete, niemals auch nur das leise st 0 Anzeichen zu niemer Kenntnis gelangt ist, daß die kaiser­liche Regierung die Politck der genannten und anderer süd und mrttelamerikanischer Staaten in einem der Union feindlichen Sinne zu beeinfluffen gesucht hat. In ganz Süd- und Mittelamerika und ganz beson­ders auch in Mexiko, haben wir stets ausschließlich wirtschaftliche Ziele verfolgt, und selbst die gro. ßen wirtschaftlichen Interessen, die wir in allen diesen Län- dern haben, res öfteren bewußt hinangesetzt, um die Empfind­lichkeit der Vereinigten Staaten zu schonen. Selbst in dem Augenblick, wo die deuffche Regierung den Entschluß faßte, den uneingeschränkten U-B 0 0 t s I r i e g zu de- ginnen, hat ihr als wichtigstes politisches Ziel die Aufrecht erhaltung der Neutralität der Vereinigten Staaten vorze- schwebt. Ebenso deutlich sagt die Instruktion in bezug auf Mexiko, daß der Gesandte von ihr nicht eher Ge­brauch mache» darf. «AS bis er die Gewiß-ert erlan g t hat.

daß die Vereinigten Staaten uns den Krieg erklärt haven. Ich glaube, daß es kaum möglich ist, korrekter zu ver­fahren.

# Berlin, 12. März, (zb.) Der Vertreter des „B. T." hatte in Kopenhagen eine Unterredung mit dem Grafen Bernstorff an Bord des „Frederik VIII.". Der Korre­spondent berichtet darüber u. a.: Graf Bernstorff sieht aus Stimmen der Presse, daß seine A b j ch i e d s g r ü ß e ,m Amerika mißdeutet worden seien. Er sagt: Btan hat rrnL Tausende von Telegrammen und Hunderse von Blumenspenden an Bord gesandt. Dafür dankte ich und man vergißt, daß es eine große deutschfreundliche Partei in Amerika gibt, der war ich wohl auch Grüße schuldig. Sechzig amerikanische Journalisten hatten mich um Unterredungen gebeten, denen übertrug ich meine Grüße. Die amerikanischen Zeitungen, so sagte der Graf, haben aus uns herauszubekcmmen versucht, was unsere Ansicht ser. E n t st e l lt kamen diese Berichte dann nach England und noch entstellter dann nach Deutschland. Es gibt ja wohl kaum ein Verbrechen, das mir nicht angedichtet worden wäre. — Ich weiß nichts, gar nichts, meinte dann der Graf. Aller­dings bin ich vier Wochen ohne Zeitungen gewesen. Ich bin fett dem 1. Februar ohne Verbindung mit Berlin. Seit diesem Tage ging alles vnrck die Sckweizer Gesandtschaft. — Und die Verbindung Österreich - Ungarns mit Amerika?, fragte der Korrespondent. In welcher Form besteht sie noch, und besteht sie überhaupt nocb in diplomatischer Form? — Graf Bernstorff zuckte die Achsel. — Haben Exzellenz noch den Grafen Tarnowski getroffen? — Ich bin mit ihm 14 Tage zusammen in Wailnngton gewesen. — Und ist es wahr, drß Graf TarnoNski »m Weißen Hause noch nicht empfangen wurde? — So lange ich noch da war, mar er allerdings noch nicht empfaugen — Auf die Frage, ob eS zum Kriege mit Amerika kcmmen wird, erklärte Graf Bernstorff: Ich kann es so wenig wissen wie ein anderer. Das hängt den unseren Unterseebooten ab. Wenn toir ainerikaniscke Schiffe versenken, kommt es wohl zum Kriege, sagte Graf Bevnitorsf — Und englische Schiffe m:r Amerikanern an Bord? fragte ich. — Das ist wohl doch nicht das selbe. — Man che Zeitungen haben berichtet, daß es ein Bote des Träsen Berniwrli gewesen sei, der mit einem Schriftsrück bewaffnet die i'ieiie nach Mexiko angetreten habe und daß er von dem Beten der Vereinigten Staaten abgefaßt werden sei. Es klang schon in den Meldungen nach Erfindung. — Die Antwort des Grafen darauf ist ein kurzes Anflachen, doch er ist im nächsten Augenblick wieder ernst. Was. passiert ist, ich weiß es rächt. — Es fällt zum Schluß auch neck ein Wort über das deutsche Anerbieten an Mexiko selbst. Man spreche davon, daß eS verschieden ge­deutet worden sei. — Es war ein Projekt für den Kriegsfall, sagte Graf Bernstorff. Wer will da etwas dagegen sagen.

Die abgefangene chiffrierte Anweifnng.

ZV. T.-B. Berlin, 12. März. Die „Nordd. Allg. Mg." schreibt zur mexikanischen Angelegenheit: Obgleich aus bene Bericht über die Verhandlungen des Hauptausschusses des Reichstags bekannt ist, daß die Instruktion für unseren Ge­sandten in Mexiko als chiffrierte Weisung n-rch Washington ging, wird in der Preffe wiederum von einem „Zimmermannbrief" gesprochen und die Unvorsichttg- keit des brieflichen Verfahrens erörtert. Wir möchten daher erneut ausdrücklich feststellen, daß die Instruktion über­haupt nicht auf brieflichem Wege abging, tveder von hier nach Washington, noch von Washington nach Mexiko.

Offizielle Bekanntgabe der Bewaffnung der Handelsschiffe Amerikas.

Br. Haag, 13. März. (Eig. Drahtbericht. zbJ Der „Matin" meld't aus New Aork, die Admirali­tät habe jetzt offtziell Befehl gegeben, alle ameri« kanischen Sckifse, die nach dem Sperrgebiet fahren, zu bewaffnen. Dieser Beschluß habe in der ganze» Presse große Begeisterung hervorqerusen. Lansing bereite die Veröffentlichung offizieller Dokumente voa»: die aufsehenerregende Enthüllungen bringen werden. Die Organisationen des Roten Kreu­zes und der übrigen Sanitätskorps, sowie die Mobil­machung der Frauen und Arbeiter für die Munitions­fabriken werte beschleunigt. Die Blätter bezeichnen die Bewaffnung der amerikanischen Schiff- als die An­kündigung von Feindseligkeiten der Vereinigten Staaten gegen Deutschland.

Bau einer amerikanischen Frachtflotte.

— Berlin, 13. März, (zb.) Am 15. März soll in Washing­ton ein Kongreß der tereinmten Reeder Nordamerikas vom Atlantiscken und Stillen Ozean stattfinden, welcher über den Bau einer großen Flotte von hölzernen Schiffen Dort 3= bis 3600 Tonnen beschließen wird. Diese Schiffe sollen haupffächlich für die transatlantische Fahrt dienen, zur Lebensmittelfracht nach Häftn solcher Nanonen, deren Jnteresien mit denen der Vereinigten Staaten im Falke! eines Krieges im Einklang sieben.

Rrgierungsseitiqe Fahndung auf paziftstische Postkarten in Anrerika.

ZV. T.-B. Bern, 12. März. Der „Matin" meldet ans New Dort: Tie amei'kanckchen Postbehörden lassen die in großer Zahl im Umlauf befindlichen pazifisffWen Postkarten

, besthlagnahmen uab vernichten.