Einzelbild herunterladen
 

Wiesbadener TsgblZtt.

**■' Wöchentlich fSlxjsg?- 13 Ausgaben. „*«** 1 ««?«»“ «*. « 650 . 53 .

/.»iwhi.t um b iihr mnrn»im Ku 7 llKr >i»u ‘ » /A W Bon 8 Uhr Morgens bis 7 Uhr abends, außer Emirtags.

„Lagblarrhaus".

Echalter-Halle geöffnet von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abendl.

Bezugs-Preis für beide Ausgaben: Mt. 1.— monatlich, Mk. 3 — vierteljährlich durch den Verlag Langgahe st, ohne Bringerlohn. Ml. 4.0S vierteljährlich durch alle deutschen Poftanstalten, ausschließlich Besiellgeld. — Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bls- marclring 19, sowie die Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dortigen Aus­gabestellen und in den benachbarten Landorlen und im Rheingau die betreffenden Tagdlatl- Träger.

Auzcigen.Prets für die Zeile: lb Pfg. für örtliche Anzeigen im „Arbeitsmartt" und „Kleiner Anzeiger" in einheitlicher Eatzsorm: Lv Pfg. tn davon abweichender Eatzaussührung, sowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen: so Big. für alle auswärtigen Anzeigen: l Mk. für örtliche Reklamen; 2 Mt. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlausend, nach besonderer Berechnung — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß.

«ÜI- gs: w r' die M?rge°.«usg jhm lUir^nachminagz! Berliner Abteilung des Wiesbadener Taghlatts: Berlin W-, Potsdamer Str.121 K. Feruspr.: Amt Lützow 6202 U.6203. T a gen'u n d P l ätzen wird'kän e^«ew"abr^bmwmmen^

Montag, 12. März 1917.

Kbend-Kusgaoe.

KustaLt.

In wenigen Tagen wird die sechste deutsche Kriegs­anleihe zur Zeichnung aufgelegt werden. Diese Nach­richt ist für niemand eine Überraschung, denn die An­leihezeichnung ist eine regelmäßig wiederkehrende Etappe in unserer Kriegsgeldbeichaffung. Jeweils im Frühjahr und Herbst erging bisher an das deutsche Volk die Aufforderung, alles verfügbare Geld dem Vaterlande zur Deckung unserer Kriegskosten darzu­leihen. Immer hat dieser Ruf an die Opferwilligkeit des deutschen Volkes ein helles und freudiges Echo ge­funden. Die Milliardenzahlen der bisherigen fünf An­leihen beweisen es. NilN werden wir zum sechstenmal >zur Geldschlacht aufgerufen. Und wieder muß das Er­gebnis in alle Welt hinausleuchten und den uner­schütterlichen Siegeswillen des deutschen Volkes verkünden.

Wie steh-n wir?

Von 52 Milliarden Mark bewilligten Kriegskrediten hatten wir bis zum porigen Herbst 47 Milliarden durch fünf Anleihen gedeckt, das heißt in langfristige Schulden umgewandelt. Damit marschierten wir hin­sichtlich der Sicherheit der Finanzwirtschaft allen un­seren Feinden weit voraus, die immer wieder irgend­wo ein Loch aufmachten., unr ein anderes damit anfzu- fiillen, weil sie zur Opferwilligkeit ihrer Völker nur ge- ringes Vertrauen hatten und daher nur in unzuläng­lichem Maße zu einer Deckung kamen. Im Herbst *>516 bewilligte dann der deutsche Reichstag weitere 12 Mil­liarden Mark, so daß damit unsere Kredite auf 64 Milliarden Mark anqewachsen waren. Hiermit muß die Anleihezeichnung wreder in Einklang gebracht wer­den. Das ist um fa notwendiger, weil diefe 64 Mil­liarden Mark bald aufgebraucht sind, denn wir wisfen ja. daß der Reichsschah'ekretär vor kurzem bereits neue Kredite, diesmal in der noch nie dagewefenen Höhe von 15 Milliarden Mack, für die kommenden Monate ange­fordert und auch bewilligt erholten hat.

Aus dieser letzten Ziffer erkennen wir schon, daß unsere 5t riegskosten gegenüber den beiden ersten Kriegsjahren im Wachsen begriffen find. Das ist natürlich, denn wir hab°n ja auch unsere A n st r e n- g u n g e n g e st e i g e r t. haben nicht nur die Kämpfer an der Front vermehrt, sie besser ausgerüstet, ihnen mehr Geschütze, mehr Munition, mehr Flieger gegeben, sondern wir haben auch das Heer der Heimat aufye- rufen und haben vor allem ,'etzt unsere N-Boote hinaus­gesandt, um unseren stärksten Feind an seiner ver­wundbarsten Stelle zu packen. Immer länger werden unsere Fronten, immer größer unsere Anstrengungen. Daher muß auch unsere Opferwilligkeit wachsen. Wir müssenGeld schaffen, denn fonst sind unsere Braven an den Fronten wehrlos gegen den Anprall der Über­zahl. Wir können es auch, denn untere Wirtschafts­kraft ist u n g e b r o ch e n, die Sicherheit des dem Vaterland geliehenen Geldes felsenfest verankert in dem gewaltigen deutschen Nationalvermögen und nicht zuletzt in den Faustpfändern, die wir in dem von uns besetzten feindlichen Gebiet besitzen. Und wir wollen auch Geld schaffen, weil wir den Sieg wollen.

Jeder, ob in der Heimat oder an der Front, muß mittun und geben, was er irgendwie vermag, auf daß die sechste Anleihe ein verheißungs­voller Auftakt werde zum Siegesjahr 1917!

wieder jb feindliche Zlugzeuge erlegt!

Oer Tagesbericht vom 12. März.

W. T.-B. Großes Hauplanartirr, i 2 März. (Amtlich.)

Westlicher 5trieg-sschanplatr.

Sehr klare Sicht hatte o« vielen Stellen der Front gesteigerte Tätigkeit der Fernwaffen und Flieger zur

Besonders stark war das Feuer im Ancregebirl »wischen Bncquoy und Le Transloh. lebhafter in manchen Abschnitten längs der Aisne und in der Champagne. Südlich von Ripont griffen die Franzosen heute morgen Teile unserer Stellungen an; sie wuiden algrwiesen.

t

Durch Luftangriffe unserer Flieger verloren die Gegner 16 Flugzeuge und 2 Fesselballons, durch Ab­wehrfeuer 1 Flugzeug.

kstlicher Kriegsschauplatz

Bei vielfach reger Artillerie- und Borfeldtätigkeit keine größeren Kampfhandlungen.

Mazedonischen Front

Zwischen Ochrida- und Prefpa-See haben sich kleine Ge­fechte vor unseren Linien abaesvielt.

Der erste Gcneralquartiermeister: Ludcndorff.

Bagdad von den Engländern besetzt.

W. T.-B. London, 12. März. (Drahtbericht.) Engli­scher Heeresbericht aus Mesopotamien: Wir

überraschten den Feind, indem wir beim Mondschein am Dienstag den Diala überschritten. Auf dem rechten Nfer richteten wir an der Tigrisbrücke unterhalb der Mündung des Diala einen starken Posten ein. Eine starke Abteilung marschiert.' ans dem rechten llfer stromaufwärts, fand den Feind 6 Meilen südöstlich von Bagdad und warf ihn 2 Meilen zurück. Wir erzwangen den Übergang über den Diala. Am Freitag rückten wir 4 Meilen in der Richtung auf Bagdad vor. Unsere Strcitkräfte auf dem rech­ten Ufer warfen den Feind aus der zweiten Stellung und schlugen auf dem gewonnenen Gelände ein Lager auf. Es herrschten Sandstürme und heftiger Wind. Wir drängten die Türken am Samstag 3 Meilen westlich und südwestlich von Bagdad zurück und besetzten Bagdad am Sountag- morgen.

Besetzung von Kowgevnr in Persien durch die Russen.

Russischer Heeresbericht vom 8. März.

Westfront und Rumänien' Wechselseitiges Feuer und Tätigkeit der Aufklärer. An der Kaukasusfront verfolgten unsere Truppen die Türken in der Richtung Ham ad an . und besetzten K o w g e v o r. In Richtung B i d j a r und Tevlet Jbat gehen ö : e militärischen Unternehmungen , weiter vorwärts.

Ein türkischer Nachtraqskredit.

W. T.-B. Konstantinopel, 11. März. Die Kammer hat nach dem Bericht des Kriegsministers über die militärische Lage einen Nachtragskrevit von 15 Millionen Pfund zum Budget des Kriegsministeriums genehmigt.

Der Tauchbootkrieg.

Ein weiteres englisches Eingeständnis. Noch weitere Einfuhrbeschränkung als einziges Mittel gegen das Schiffsraumschwinden.

W. T.-B. Bern, 11. März. Laut „Petit Parisien" hat Roville Chamberlai:: in einer Rede in Bradford erklärt: Es ist uns vollkommen u n m ö g l i ch, durch den Schiffs­raum, den die Wersten fertigstellen, die Tonnage zu e r - setzen, die den feindlichen Unterseebooten zum Opfer fäll:. Die einzige Lösung, die wir ins Auge fassen können, ist daher, die C i n f u h r z i s f e r noch weiter herabzufetzen.

Dir Besorgnisse der französischen Reeder.

W. T.-B. Bern, 11. März. Laut „Temps" besprach der Zentralkongreß der französischen Reeder vorgestern die Frage der staatlichen Seeversicherung gegen Kriegs­schäden. Seit einem Jahr habe der U-Bootskrjxg die Seeversicherungen derart' in die Höh e getrieben, daß trotz der augenblicklichen ungeheuren Frachtraten die Reeder nicht mehr auf die Kosten kämen. So sei kürz­lich für einen Kohlendampfer von England nach Frank­reich eine Seeversicherung van 129 009 Franken der- langt worden, während der Taxwert nicht 60 000 Fran­ken Überschriften habe. Diese Umstände müßten zur Lahmlegung der gesamten Handels­schiffahrt und in deren Gefolge zu Mangel und Teuerung führen. Das Zentralkomitee sei der An­sicht, daß durch den von der Regierung in der Kammer eingeörachten Antrag auf staatliche Beteiligung von 3 Proz. für Danipfec imd 4,5 Prozent für Segelschiffe keine Besserung erzielt werden könne, weil der Aus­gleich zwischen den Kosten und den Einnahmen nick: < hergestellt werde. Andererseits halte es das Zentral­komitee für unbedingt notwendig, daß auf gesetzlichem Wege Abhilfe für eine Lage ge'chaffen werde, die auf die Teuerung und Lebenshaltung einen fo schweren und direkten Einfluß haben könne. Man stehe daher vor der Wahl, entweder eine obligatorische billige Staatsvcrsichernng einzurichten oder neue Teuerung aus sich zu nehmen.

D-L italienische Marineminisler über die U-Vootsgefahr.

Br. Lugano, 12. März. (©iß. Drahtbericht, zb.) Der italienische Marineminister gab Erklärungen über die U-Bootsgesahr ab. Was zunächst die Küstenverteidi- g u n g betreffe, so habe man Zufluchtspunkte geschaffen, fer­

Nr. 130. ♦ 65. Jahrgang.

ner einen zweckmäßigen Uberwachungs- und Sicherheitsdienst eingerichtet und dafür gesorgt, daß auf die in der Nähe der Küste signalisierten U-Boote Jagd gemacht werde. Der Kanal von O t r a n t o werde von etwa 200 kleinen Kriegsschiffen seit Monaten andauernd überwacht. Weiter habe man be­reits etwa 60 Prozent der Handelsschiffe mit Ge­schützen versehen und viele mit Marconiftatio- n e n ausgerüstet. Tatsächlich sei festgestellt, daß 75 Prozent aller bewaffneten Schiffe der Torpedierung entgingen, von den nicht bewaffneten dagegen kaum 24. Heute seien in Italien über 1000 Geschütze gegen U-Boote in Verwendung. Ferner kündigt der M'nister an, daß in Zukunft die Handels­schiffe in einem Konvoi und begleitet von Kriegsschiffen aus- reisen würden.

Steigen der japanischen Frachttarife wegen der Unterseebootsgefahr im Indischen Ozean.

# Stockholm, 12. März 2. -b.) Die „Rußkoje Wjedo- mosti" berichtet aus Wlrdiv rftck' Aus Tokio wird mitgeteitt, daß anläßlich der Gerüchte über das Auftreten feindlicher Unterseeboote im Jildtscheu Ozean die japanischen Reedereien ihre Frachttarife erhöht haben.

Die Schiffahrtsgesellschaft Nlppon-Uusen-Kaisha ver­mehrte ihr Kapital um 100. Millionen Uen und bestellte zehn große Dampfer, weil anläßlich des Unterseebootskrieges m Europa der japanischen Schiffahrt eine große Zukunft be- vcrstehe.

*

Ein weiteres dänisch-englisches Kabel unterbrochen.

W. T.-B. Kopenhagen, 11. März. Wie hiesige Blätter melden, ist abermals ein Telegraphenkaüel zwischen Däne­mark und England unterbrechen, so daß der dänstch-englische Telegraphenverkehr nur noch durch das letzte Kabel zwischen Hirtshals und Newbiggin bei Newcastle durchgeftihrt werden kann. Es bestand zwar noch ein anderes Kabel, dieses ist jedoch ausschließlich dem englisch - russischen Durch­gangsverkehr Vorbehalten. Wie beim Kabelbruch vor fünf Wochen, so befindet sich auch diesmal die Bruchstelle an der englischen Küste innerhalb der Gefahrzone, so daß von einer Ausbesserung des Kabels abgesehen werden muß.

Deutschland und Amerika.

Die Stimmung in Washington.

Br. Christiania, 12. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der mit dem „Frederit VIII." zurückgekehrte Journalist Karl v. Wiegand äußerte sich über den Eindruck der deutschen. Seesperre-Erklärung in Washington: Die Nachricht habe dort alle, auch die eingeweihteven Kreise, wie ein Bkitz aus heiterem Himmel getroffen. .Jeder, der hinter die Kulissen zu schauen Gelegenheit hatte, war — in -Washington — (?) davon überzeugt, daß man gerade damals auf dem besten Weg zum Frieden (?) war. Hätte man nur noch vier Woche:: das Terrain nach Verhandlungsmöglichkeiten sondieren können, so wäre man zu greifbaren Ergebnissen ge­kommen. Unabhängig von Wilson breitete sich in beiden Häusern des Kongresses und insbesondere unter den Katholiken, eine Bewegung aus, Spanien zu einer Initiative zu bewegen, falls der Versuch Wilsons, Frieden zu stiften, mißlingen sollte. Deutschlands Entschluß, den uneingeschränkten U-Bo-otskrieg zu beginnen, konnte man in diesem Augenblick nicht verstehen. Man wäre vielleicht auf ihn vorbereitet gewesen, falls alle Sondierungsmäglich- keiten erschöpft gewesen wären. Man nahm in Washington an, daß man in Deutschland die Antwort der Alliier­ten zu tragisch und zu wörtlich genommen habe. Eine Wilson sehr nahestehende Persönlichkeit sagte zu Wiegand wörtlich: „Hätte Deutsch! :nd ooch nur nocki vier Wochen gewartet!" (Auch diese Mitteilung des amerikanischen Berichterstatters über hie Stimmung in Washington zeigte das geringe Ver­ständnis, das man drüben für europäische und besonders für deutsche Dinge hat. Schrift!.! Nach Wiegands Überzeugutrg bat jedoch den Bruch zwischen Amerika und Deutsch­land hauptsächlich der Umstand verschuldet, daß es Kutschen Berlin und Washington keine direkte sichere Verbindung guv, daß vielmehr alles auf Umwegen gehen mußte. Wiegand betont schlwßlich. daß Deutschlands Auf­fassung von W : l s o n, als wolle er den Krieg haben,' und Deutschland besiegt sehen, d u rch a u s f a Isch sei. Seine Friedensbestrebu:igen seien weder von Heuchelei, noch von Eitelkeit diktiert, sondern wirklich ehrlichem Wollen entsprungen. Sein Bruch mit Deutschland war nach der „Sussex'-Note zur Aufrechterhaltung seines Prestiges als Präsident einfach unumgänglich notwe::dig. Er denke mehr denn je amerikanisch, und nicht ententefreundlich. (Und was w:rd Herr v. Wiegand sagen, wenn er von den letzten Äußerungen W: l s o n s hört, die an Klarbest nichts zu wünschen übrig ließen'' Schriftl.) Wiegand faßt seinen Eindruck über die Stimmung des amerikanischen Volkes ein­schließlich der maßgebenden Kreise dahin zusammen: AmerikaistdesKriegsübermüde. Es will keinen Krieg, weder mit Deutschland, noch mit einem anderen, wenn man nicht geradezu in einen Krieg hineingezwungen werde:: sollte. Die heutige würdige Haltung der Deutsch-Amerikaner und der dortigen Reich sdeutZ