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Montag, 12. März 1417.
Morgen-klusgabe. _ Nr. 129. . SS. Jahrgang.
erneute starke Angriffe der Franzosen auf die höhe 185 blutig abgewiesen.
Erfolglose französische Vorstöße zwischen Avec und Oise.
Tage. Leutnant Albert schoß bei Suipcs, Vizefeldwcbel M a n s ch v t t bei Belrupt je einen Fesselballon ab, die brennend abstürzten. Leutnant Frbr. v. R i ch t h o f e n de- siegte östlich von Reclincourt seinen 25., Leutnant Schäfer nördlich von Lens seinen 7. Gegner. Wir verloren durch das Feuer feindlicher Abwehrkanonen ein Flugzeug östlich von Galfingen.
Oer Tagesbericht vom 11. März.
W. T.-B, Großes Hauptquartier, 11. Marz. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Im Vorfeld unserer neuen Angriffssront kam es gestern zu lebhaften Artilleriekämpfen und bei Jrles zu Jnfanteriegefechten, nach denen die Nachhut- abteilnngen befehlsgemäß auf die Hauotstellunq aus- wicheu.
Zwischen Avre und Oise blieben nach heftigem Feuer einsetzende französische Vorstöße erfolglos.
In der Champagne erneuerten die Franzosen abends ihre Angriffe gegen unsere Stellungen auf dem Südhang der Hohe 185 und beiderseits der Champagne. Fe. Sie wurden trotz Einsetzens starker Kräfte und er. heblicher Munition überall blutig abgewiesen.
Östlicher Kriegsschauplatz.
In räumlich begrenzten Abschnitten lebte zeitweilig die Gefechtstätigkeit auf.
An der
Mazedonischen Front D die Lage uunerändert.
Der erste Gcaeralquartiermeistcr: Ludeudorff.
Der deutsche Abendbericht vom 11. März.
W. T.-B. Berlin, 11. März, abends. (Amtlich. Drahtbericht.) An der Ancre, zwischen Avre und Oise, in der Champagne und beiderseits der Maas ist die Feuertätigkeit lebhaft.
Aus dem Osten ist nichts Besonderes gemeldet.
Die Kämpfe an der Westfront.
W. T.-B. Berti», 10. März. Bei der Höhe 188 entspannen sich erneut hartnäckige Kämpfe. In einem gs'än- zend rcrgetragenen Angriff gelang es den Deutschen, die Champagne-Ferme mit den anschließenden Grabenstücken zurückzuerobern. Die Franzosen legten darauf ein mehrstündiges Trommelfeuer auf die zerschossenen Grabenreste und bei dem gegen Abend angesetzten Gegenstoß gelang cS ihnen, sich in diesen Teilen sowie in einzelnen Grabenstücken des vordersten Grabens am Südwestrand der Höhe einzunisten. Bei diesen wechselvollen Kämpfen verloren sie, außer schweren blutigen Verlusten, 1 Offizier und 25 Mann an Gefangenen. Der deutsche Vorstoß im Caurieres- W a ld , oer, wie gemeldet, 6 Offiziere und 200 Mann an Gefangenen einbrachte, wurde nach kurzer Artillerievorbereitung unternommen. Überraschend brachen die Sturmaoteilungen in die französischen Gräben ein. Wo die Verteidiger Widerstand leisteten, wurden sie niedergemacht. D:e übrigen warfen die Gewehre von sich und ergriffen eiligst die Flucht, so daß die Sturmtrupps ungehindert die feindliche Stellung zerstören und die Unterstände sprengen konnten. Weitere kleine Vorstütze wurden mit bestem Erfolg bei Flirey und in d:r Gegend ton Prunay gemacht, d'.e insgesamt 29 Gefangene eintrugen. Feindliche Erkundungs- Vorstöße scheiterten in der Gegend von Bucquoy, südlich der Avre, und in der Gegend von Avoucourt. Hier verloren die Engländer und Franzosen 20 Gefangene und zwei Schnelladeqewehce. Bei diesen Vorstößen erlitten die Angreifer empfindliche Verluste. An einer einzigen Stelle südlich der Avre, wo die Engländer vorübergehend in ein deutsches Grabenstück eingedrungen waren, ließen sie 30 Tote zurück.
12 Flugzeuge »nid 2 feindliche Fesselballons abgeschossen.
W. T.-B. Berlin, 10. März. Bei wechselnder, meist mäßiger Sicht war am Freitag die feindliche Flugtätigkeit wieder in der Gegend über Arvas besonders lebhaft. Unter dem E-nsatz stärkster Kräfte dersnchte der Gegner Einblick in die Verhältnisse hinter u n s e r e r F r o n t zu gewinnen. Der Versuch bekani ilmi übel. Aus einem englischen Jagdgeschwader, das in Stärke von sieben Vikkers-Einsitzern nördlich van ArraS durchbrach, wurden von unseren Kampffliegern in der Gegend südlich von Lens nicht weniger als mer Flugzeuge herausgeschcflen. Die Insassen von dreien, sämtlich englische Offiziere, wurden gefangen. Das vierte Flugzeug konnte noch nicht gefunden werden. Im ganzer: verloren die Engländer im Luftkampf hinter unseren Linien fünf, hinter den ihren vier Flugzeuge, Zwei wertere Flugzeuge wurden hinter deir feindlichen Linien zu beschleunigter Landung gezwungen. Unsere Flugabwchrkarwnen holten außerdem hinter unseren Linien einen Cauiron- Doppeldecker herunter; die Insassen sind tot. Zusammen macht das zwölf feindliche Flugzeuge an einem
Die Kundgebung in der Sorbonne.
Ein Aufrüttcln zur letzten Krastanstrengung.
W. T-.B Berlin, }0. Mürz. Unter der Überschrift „Neunund- zwanzign.al" bespricht die „Nordd. Allgcm. Zig." dre Kundgebung in der Crrbonne rom 7. März und bemerkt u. a.: Die Einzelheiten dieser Äußcrunoen sind von keinem Belang, B i v i a n r hat auch diesmal wieder die Dreistigkeit gehabt, die Rückgabe von Elsaß- L o r h r i n g e n an Frankreich als selbstverständlich und einen wesentlichen Bestandteil des künsiigen Friedens zu bezeichnen. Aber das ist weiter nicht zu verwnnderii. Wenn das dein Weißbluten nahe frau-otikche Bolk zu oer letzten Krastanstrengung ausgeruttelt iverden soll, so bedarf es natürlich des Winlens mit diesem köstlichen Sieges« preis. Ei ist auch ganz richtig, wenn einer der spatereil Redner versicherte, es werde sich niemals mehr eine gleich günstige Gelegenheit dazu finden. Weim Frankreich die alten deutschen Lande zum zweiten Male an sich reißen will, muß es in der Tat jetzt gesckehen oder es wird nie geschehen. Da müssen die verbrecherischen Urheber dieses Krieges, die ihren und Frankreichs Zu» sen-menbruch vor ch sehen, das Äußerste daran setzen, um der durch tonende Worte immer noch leicht zu beeinflussenden französischen Volksseele züzurufen: Fetzt ist der Augenblick. „Jetzt oder nie"' Uns laß' das völlig gleichgültig, denn w,r wissen genau, daß es nie ge. kchehen wird. Im übrigen könnte man es vielleicht bemerkenswert finden, daß Bioiani ziemlich vorsichtig von der in die Ferne geruckten Niederlage und dem Näherkommcn des Sieges gesprochen hat. Man ha: bei ähnlichen Anlässen den Mmrd schon erheblich toller genommen und der Wahrheit »och stärker ins Gesicht geschlagen. Unter den in der Sorbonne gesprochenen Sätzen ist aber in ch einer, der aus mehr oder minder verbrauchten Phrasen wie ein Blitz Herr erleuchtet. Der Habasbericht läßt Zweifel darüber, wer von den drei illustren Rednern nach Biviani die wunderbare Feststellung gemacht hat, daß der deutsche Erbfeind seine ruchlosen Eigenschaften nicht erst neuerdings an den Tag gelegt hat, sondern daß ec sich im Lause der Jahrhunderte bereits neunundzwanzrg. mal aul Frankreich gestürzt hat/ Aber wer es nun auch gewesen sein mag, unser Schatz an geflügelten Worten ist um ein köstliches Kleinod bereichert worden. Der geschichtskundige Redner geht ossenbar mit der ganzen Gewissenhaftigkeit des Gelehrten und Forschers zu Werke. Grißinütig, wie der Franzose ist, hütet er sich außerdeni selbst dem Feinde unrecht zu tun. So bleibt es denn bei nennundzwanzigmal. Schließlich gcnügk za auch schon das, um die Engelsgeduld zu kennzeichnen, mit d:r Frankreich den ewig Unruhe stiftenden östlichen Nachbar durch Jahrhunderte hindurch ertrageir bat. Und es ist wahrlich an der'Zeit, daß den hervorragendsten und bestverleumdeten Vertretern dies:r unbegruflichen Langmut, einem Ludwig dem XIV. und Napoleon I., in den Herren Deschanel und Genossen ein 'Rächer erstehe. Das deutsche Volk ist im Grunde genommen nicht undankbar gegenüber einem so scherzhastcit Zwischenspiel, das auch um den vergraulten Mund ein Lächeln spielen läßt. Aber die Sach, hat doch eine ernste Seite, weil sie uns wieder ein- mal einen tiefen Blick in die französische Volksseele tun läßt. Zu derselben Zeit, wo wir von Ingrimm und Entrüstung beben über die s ch a:n l o s unwürdigen Mißhandlungen, denen unsere Kriegsgefangenen in französischen Händen ausgeseht sind, erkennen wir jetzt wieder, daß uns eine abgrundtiefe Kluft ron dieser eirtacteten Seele trennt, für die Lüge Wahrheit ist und G>menheit zum Heldentum wird, sobald die Leidenschaft die Gemüter erhitzt Gewiß haben unsere siegreichen Fahnen schon manchiwal aus den Schlachtfeldern Frankreichs, ja von den Zinnen seiner stolzesten Paläste und stärksten Festungen geweht, gewiß haben wir dem hochmütigsten und eingebildetsten Volke der Erde unsere militärische Übirlegenheit schon des öfteren blutig auf den Rücken geschrieben Aber darum bleibt die Politik Frankreichs dem deutschen Nachbar gegenüber doch durch Jahrhunderte hindurch eine ununterbrrchen: Kette von Herausforderungen und Gewalttätig, leiten. Mit ehernem Grisfel hat die Weltgeschichte das furchtbare Elend verzeichnet, mit dem die Ranbzüge französische,. Herrschsucht und Ländergier deutsche Lande heimgesucht hat, blüh'mde Fluren verbrannt hat, alles Menschenglück, bas sie all ihien, Wege fanden, unter ihre brutalen Füße getreten haben. Noch töni der Mordbrennerbefeql des „Bruler le Palatinal" beispiellos durch die Geschichte, noch ist Heidelbergs „Deleta" ein be- redtcs Denkmal des französischen Geistes. Jahrhunderte lang hat Deutschland, der unglückselige Schauplatz für alle Betätigungen fran- zöwschen Ehigeizes, ans diesen Wunden geblutet. Und nun kommt ein erlauchter Mann und belehrt uns, daß cs Deutschland oewcsen ist, dos sich ncunnndzwanzigmal auf Frankreich gestürzt bat. Wahr- lich mit diesem Worte hebt ein neuer Abschnitt an, wo nicht der Weltgeschichte, sc doch der geschichtliche,: Erkenntnis. Aber wenn die Franzosen und die Engländer vor dem Denkmal brr Jungfrau von baden, blühende Flure» verbrannt haben, alles Menschenglück, das Ne verkündete neue Wahrheit nicht Gläubige finden bei diesem Volkck, las nichts lernt und alles vergißt?
Ein französisch-englisches Abkommen über Aufhebung englischer Einfuhrverbote.
W. T.-B. Bern, 11. März. ;Drahtber:cht.) Eine offiziöse Note an die Pariser Presse besagt, daß die Erörterungen zwischen Clementel und dem englischen Arbeitsminister bezüg- I,d) der englischen Einfuhrverbote beendet sind und in zahlreichen Pulikten ein Abkommen ermöglichten, wonach die bauptsächlichsten Erzeugnisse Frankreichs doch nach England eingeführt werden dürfen. Die Einfuhr anderer Artikel wird noch einer Prüfung unterzogen, um e:g endgültiges-Abkommen zu erzielen, welches es ermöglicht, die Interessen der französischen Produktion zu wahren-
Verschärfung der Lebensmittelkrise in Frankreich und Spanien durch schwere Unwetter.
Wie die Pariser Blätter vom 9. März melden, herrscht in Frankreich und Spanien schweres Unwetter. Dre Mehrzahl der Flüsse in Spanien trat über die Ufer. In der Provinz Cordova wurden zahlreiche Städte und Dörfer überschwemmt und abgeschnitten. Auf den meisten Bahnen stockt der Veckebr. Man befürchtet zahlreiche Menschenopfer. — Romanones erklärte, daß das Unwetter die bereits ernste Arbeits- und Lebensmittelkrise noch schlimmer gestalte. Bei dem in S ü d fr o n k r e i ch herrschenden Un- tvetter wurde im Hafen von Marseille für inehrere hundert- lansend Franken Schaden angerichtet. In Mittel- und Nord- Frankreich schneit es. Paris hatte wegen des Schneesalls nur geringe Lebensmittelzufuhr.
Die Verpflegung der französischen Zivilbevölkerung im besetzten Gebiet
Nr. Berlin, 11. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Kriegsberichterstatter des „L.-A." drahtet vom westlichen Kriegsschauplatz: In Roy e hatte ich Gelegenheit, mich bei einigen Einwohnern nach dem augenblicklichen Stand der Verpflegung durch das spanisch-amerikanische Komitee zu erkundigen. Sie erklärten durchweg, daß die pünktliche Ausgabe der Rationen auch auf d'esem weit vorgeschobenen Posten trotz der schwebenden Krise mit Amerika bisher in keiner Weise beeinträchtigt worden sei. Die Rationen werden nach wie vor von 10 zu 19 Tagen gefaßt und unterscheiden sich bisher auch nach der stofflichen Beschaffenheit nicht von den Lieferungen aus einer weiter zurückliegenden Zert.
* . Der belgische Neutral itätsbrnch.
Ausreden des Barons Beyens.
W. T.-B. Stockholm, 10 März. Der französische Korrespondent nun .Dagens Nyheter" hatte in Havre ein Gespräch mit dem.belgischen Minister des Äußern über die Angaben der „Nordd. Allst Ztg/' vom 20. Februar 1916, betreffend das belgisch-englische Bündnis. Baron Beyens erklärte, die sogenannten neuen Aktenstücke seien nichts anderes als Beilagen zu dem längst bekannten Bericht des. belgischen Generalstabschefs Tucacnes die man erst jetzt veröffentliche, um die Neutralen wieder auf die ganze Angelegenheit aufmerksam zu machen. Die ganzen Verhandlungen zwischen dem englischen Militärattache in Brüssel, Barnadiston, und General Duoarnes erklärten sich aus der Furcht vor einem plötzlichen deuffchen Einfall m Belgien. Man habe nur für den Fall der Verletzung der belgischen Neutralität ducch Deutschland Vorbeugen >r ollen. Die wahre Absicht der Deutschen mit der Fabel von dem heimlichen englisch-belgischen Bündnis sei, auf Fiiedensbodingungen vorzuberetten, die Belgien nur eine illusorische Freiheit lassen sollten. Man wolle die pangermanische Ero> erungsgier hinter dem einfachen Programm von neuen Garantien verstecken, die die Sicherheit des Deutschen Reiches erforderten. Die jetzigen Behauptungen der „Nordd Allg. Ztg." widersprächen den früheren Versuchen desselben Organs, den Neutralen zu beweisen, daß während der DreimächteverbanL den AngriffZ- trieg gegen Deutschland vorbereitet babe, die belgische Diplomatie von 1905 bis 19l4 der Meinung gewesen sei, Frankreich und England feien viel mehr zu fürchten als Deutschland.
(Notiz: Von einem engl'fch-belgischen „Bündnis" ist deutscherseits niemals die Rede gewesen, sondern nur von der Verletzung ihrer Neutralitätspflich- t eir durcb die belgische Regicrung. Die „Nordd. Allg. Ztg." stellte in ihren Veröffentlichungen einmal fest, daß Belgien im Verein mit England Bertel rvngen gegen die Möglichkeit eines deutschen Einfalls getroffen, und dann, daß es gegen die ihm von England und Frankreich drohenden Gefahren nichts getan hat. Beide Feststellungen stehen nicht mitein- ander im Widersprucb sondern ergänzen in logisch-c Weise das Bild von dem ncutralitätswidrigen Verhalten der belgischen Regierung. Gerade Bebe n s rst durch seinen bekannten Bericht vom 24. April !914 ein klassischer Zeuge dafür, daß sich Belgien der englisch-französischen Gefahr voll bewußt gewesen ist..
Oer Krieg gegen England.
Bittere Eingeständnisse Carsons.
W. T-.B- Berlin, 11. Marz. Ter .Berliner Jokal-Anzeiger'. rerössentlicht em Telegramm des Mailänder „Cocriere dclla Sera' aus London, wonach die Rebe Carsons int Unterhaus? über den U-BoolSkrieg wesentlich düsterer geklungm bat. als in dev ersten Berichten darüber zu lesen gewesen war. Der Marine,ninister laore u. a.: Er sei weder Pessimist noch Optimist, man müsse aber die Lage so schauen, wie sie ist. Der U - B o o t i r r e g schädige die englische Schiffahrt schwer. Dazu komme, daß es den Dculschcu gelungen sei, überall, sowohl am Kap d'.r Gute» Hoffnung wie im Golf von Aden und an der indischen Küste, Mine» zu legen Die Aufgabe der englischen Marine, die ihre Aufnlerksani- kcst allen Piceren zuwendeu nmsse, sei schwer mid bleibe ernst. Mittel zur Be k ä m p f u n g der barbarischen Krnipstiiethode de« Feindes seien bis jetzt noch nicht gefunae», und es sei daher die Mitwirlung des ganzen Landes notwendig, um dt- Schwierigkeiten des Angenülickes zu. überwinden. Der Korrefpoirdew des Dlaiiandec Blattes fügt hinzu, daß die Rede als AnkündigUlw weitercr Beschränkungen der Einfuhr angesehen werde.
