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Verlag Langgasse 21

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Sonntag» 11. März 1917.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 128. «- 65. Jahrgang.

ven Manen des Königs der Lüfte.

Klänge aus der deutschen Presse.

Ein Heldenleben hat geend et. Auf dem Höhepunkte der gewaltiosten Welttragödie feit den grauen Zeiten der Völkerwanderung ist ein deutscher Recke vom Licht geschieden, der in seiner ragenden Größe die Romantik zweier Jahrhunderte miteinander verband. In den fernsten Mären wird seine Gestalt sortleüen als die vollendetste Verkörperung des ^germanischen Edelmenschen, gleich. groß in der freien wagenden Tat wie im still umfriedeten Hag des schöpwri'chen Gedankens.

Deutsch sein, heißt eine Sache nm ihrer selbst willen tun, hat einst ein deutscher Schöpfergeist gesagt. Man könnte hinzufügen' Deutsch sein, heißt auch der als gut erkannten Sach- mit seinem ganzen Dasein, 'einem .ganzen Mut, deiner ganzen hellen Zuversicht bis ans letzte Ende zu dienen. Das höchste Beispiel solchen Deutschen Heldentums hat uns der schwäbische Graf vorgelebt.

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Wie der Shakespearische Held zur Erwählten sagt daß er sie um ihres Mitleids willen liebe, so liebte inan den Grafen Zeppelin auch um all der M ü h- Seligkeiten nid Nöte willen, an denen lein kleben reich gewesen war. Man liebte in ihm nicht nur den Mann, dem das Geschick es vergönnt hatte, ein Bahnbrecher zu ? etrt. Soviel warmes Empfinden hätte ihm nicht cntgegenftuten können, hätte er, wie andere Entd«cker an einem jähen Glückstage und ohne den Dornenweg bis zum letzten Ende zurückgelegt zu haben, das Ziel erreicht. Er stand vor den Blicken de?'Volkes als der Mann, der so ruhig und fest vorwärtsgegangen war, wie seine Flussschiffe unter den Wolken vorwärts- iehen. Er war der Mann, der heiter, bescheiden, urch kein Hindernis abgeschreckt, seinem Stern ge- olgt war, der Mann fröhlichen Vertrauens nnd natür- icher Energie. Wenn das Volk diesen kleinen, frischen) ebhaften Greis mit dem weißen Schnurrbart nnd dem selichteten weißen Haupthaar grüßte oder ihn im Bilde ublickte, grüßte und erblickte es, bewußt oder unbe- vußt, dieses ganze Leben, das nun der Tod geendet at Und darum legt ihm heute nicht eine vergängliche llolksgnnst, sondern eine unvergängliche Dankbarkeit >lütenvolle Kränze ans den Sarg.

*

, Damals, in jenen Tagen edelster Begeisterung, als jtrt wenigen Tagen das deutsche Volk seinem Helden Millionen bot mit vollen Händen, als seine weißen Lnftkreuzer zum erstmnial sieac-sich die deutschen Lande durchflogen, da warteten in einer süddeutschen Stadt 'geduldig ungezählte Taufende aus ihren Zeppelin. Als dann fern am Horizont das Luftschiff austauchte, da rief eine jubelnde Kinderstimme: Hoch König Zeppelin! Das wor die Wahrheit, ein König war uns der Schwabenaraf im Weißen Haar, ein Heerköni 7 , wie ihn unsere Vorväter kürten, wenn es zum Kampf ging, ein Volkskönig, an dem auch der Geringste von uns Anteil hatte, der König der Lüfte, der seinem Volk eine Waffe schenkte, die uns keiner nachmachen konnte. K ö n i g Z e p p e l i n. Er war unser. Die Mütter lehrten feinen Namen die Kleinen, die Buben aus der Straße jauchzten ihm zu. Großen glänzten die Augen, und di-> Alten freuten sich, ihn noch gei"hen zu haben, den König Zeppelin. In­mitten des wüsten Part-siftreiteS des häßlichen Klassen- kompfes, da war uns sein Name ein Symbol, gab uns die Zuversicht, daß dieses zerklüftete Volk aufsieben würde wie ein Mann, wenn Deutschland in Not sei. Graf Zeppelin, König Zeppelin.

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Graf Zeppelin! Die Schauer einer ernsten Feier­stunde kommen uns wieder in Erinnerung, wenn wir an den Tag zncückdenken, da wir zum ersten Male fein Luftschiff sahen, da wir es erlebten, was wir bis­her nur gelesen und gehört, daß einer im Luftschiff ruhig und sicher, fast unabhängig von Wind und Wetter feinen Weg wählen konnte, weithin über die Lande. Als der alte Kaiser Wilhelm einst gesraaf wurde: „Majestät, es muß doch ein stolzes Gefühl der Genugtuung sein, wenn das Volk Eurer Majestät zu- jirbelt . ", da fügte er, in Gedanken an die harten

Jahre des Kampfes, ernst: „Es hat aber auch lange gedauert." Dasselbe konnte Gr ft Zeppelin von sich sagen. ,

, Graf Ferdinand von .Zeppelin hat nach einem Leben, reich an Arbeit und Erfolgen, seine Augen zunr letzten .Schlummer geschlossen. An seinem Totmbetr steht ein Ealh. Dankbarkeit und tiefe Trauer irn Herzen. In

seinem Herzen wohnt aber auch die Erinnerung an den stolzen Sonnentag des Glückes, da sein silberner Sturmvogel der Lüfte zum ersten Male bei uns erschien. Graf Zeppelins Werk stirbt nicht mit ihm, sein Erb? ruht in den starken und erprobten Hän­den der Männer, die in seiner Schule ausgewachsen, der Männer, die den fliegenden Schrecken über England gebracht und di; es weiter hegen werden.

Von der Bescheidenheit, die Graf Zeppelin bei allem Selbstgefühl stets in ganz wunderbarer Weis? gewahrt hat. ist schon >üel erzählt worden. Vielleicht kennzeich­net aber nichts difte Eigenschaft besser als eine Äuße­rung, die er bei unserer letzten Unterredung tat. Er hatte das Stolzeste erlebt, was der Mensch erleben kann:-das Werk seines Geistes und seines Herzens, das Luftschiff, im Dienste des Vaterlandes tätig zu sehen, die Nordsee überkreuzend und denSchrecken mitten nach England hineintragend. Sein Name wer ein Sym­bol geworden, er selbst schon fast eine Sagengestalt. Er sprach von einem Freund und Altersgenossen, der be­klagte, daß ihm, deni alten Offizier nnd Mitkämpfer von 1870, seine Jahre verbieten, noch einmal das Schwert für das Vaterland zu ziehen, und fuhr fort: „Ich kann mich doch wenigstens noch mit­telbar nützlich machen." Ich wagte die Gegen­frage: „Wenn Eure Exzellenz das nur eine mittelbare Tätigkeit nennen, dann möchte ich wohl wissen, was eine 'unmittelbare genannt zu werden verdient." Dar­auf erwiderte Graf Zeppelin - „D i e deutsche Presse kämpft unmittelbar für Deutsch­land' ich wünschte, es würde überall ver­standen, wieviel für den Sieg von der deutschen Presse abhängt." Mit blitzenden Augen sprach Graf Zeppelin dieses Wort, das mir immer als das höchste Lob erschienen ist, das der deut­schen Presse überhaupt in diesem Kriege gespendet wurde nnd gespendet werden konnte. Es ist zugleich der klassische Ausdruck für die Gesinnun.gS- und Den­kungsart des Mannes, der heute von uns schied. Das deutsche Volk steht.trauernd an der Bahre eines der besten Deutschen und es ist stolz darauf, daß er einer der Unseren war! nnd wenn wir ihm an feinem Grabe für das Vorbild seines Lebens danken, das ganz und gar der Größe des deutschen Namens gewidmet war, dann werden wir ihm und seiner Persönlichkeit am besten gerecht werden' ihm wi-d nicht nur Ruhm und Preis, sondern vor allem die Liebe der Nation in alle Zukunft folgen. #

In zielbewußtem Schäften und mit unbeugsamer Kraft allen Hindernissen trotzend, hat Gras Zeppelin se'ne Absicht in die Tut umgesetzt. Und er ist der Stolz und die Zierde de? deutschen Volkes geworden, das auf ihn hörte, baute und vertraute. Er war berufen, ihm noch bei der letzten Kriegsanleihe an Geinnt zu führen, wie ohne Millionen kleinster Quelle!l kein mächtiger Strom sich bildet, wie kein deutscher Mann, keine deutsche Frau dem Heer die Mittel zur Erringunc, des endlichen Sieges vorenthaften könne. „Wenn ich an Echterdingen denke, bin ich des Er­folges gewi ß."

So war und dachte und fühlte und handelte Graf Zeppeffn. Und deshalb trällert das deuftche Volk an der Bahre dieses echten Deutschen und denkt der schönen Worte, die einst Anastasius Grün gesungen'

Deutsch sein heißt sinnen ringen, schaffen,

Gedanken sä'n, nach Sternen 'päh'n

Und Blumen ziehn, — doch stets in Waffen

Für das bedrohte Eigen stehn.

*

Als im Hochsommer des vergangenen Jahves „U - D e u t s ch l a n d" heimkam von siegreicher Fahrt, da war auch Zeppelin in Bremen, um das tapfere Schiff einzuholen. Vor dem Rathaus in Bremen, in dem die Stad: die wackere U-Bootsmannschaft feierte, standen die Massen bis in die sinkende Nacht, sie wollten König sehen, den tapferen Kommandanten, und Zeppelin, Und um die mittcrnächrige Stunde kam der Graf zum letzten Male auf den Balkon des Rathauses, Arm in Arm mit König, und rief den Wartenden zu „Nun laßt uns schlafen gehen, gute Nacht." Da wurde es still auf dem Platz und ans tausend und abertausend Stimmen, scholl ihm entgegen: „Gute Nacht,

Z e p p e l i n."

Gute Nacht, Zeppelin. Dein Tagewerk ist voll- oracht, d u bist zur Ruhe gegangen, w i r werden wachen, Wachen, bis der Morgen kommt, der uns kün­det den deutschen Tag. Tu sollst schlafen, denn deiner Tage Last war groß. Größer aber ist dein Werk. Und aus deinem Grabe — er soll ruhen auf deutscher Höhe im deutschen Wald — da steigt empor der deutsche Adler aus mächtig"! Fittichen, empor zur Sonn? und lenkt den Flug nach ß uglands zitte rüder

Küste, weist uns den Weg aus Not und Tod zum Sieg: König Zeppelin.

*

Laßt d i e Glocken, die ein st den Leben­dengegrüßt, läuten, wenn Ferdinand von Zeppelin zu Grabe getragen wird.

Ausländische Nachrufe für den Grafen Zeppelin.

(Drahtbericht unseres Kn-SonderberichterstatierS.)

Kr. Genf, 10. März, lzb) Die neutralen Nekro­loge über den Grasen Zeppelin sind durchweg höchst sym­pathisch gehalten. Das hiesige „Journal" rühmt die per­sönliche Güte sowie den energischen und ausharrenden Er­findergeist des Verstorbenen. Sein Name bleibe in der Ge­schichte bestehen als der eines Bereicherers der Menschheit, tank seiner Idee und der von ihm trotz aller Ungunst mit so großer Vcllkommenhest ausgeführten, die Luft beherrschen­den Maschine. — Von italienischen Stimmen ist die des „Giornale d'Jtalia" vemerkcnswert. Das Blatt sag: In FriedenSzeitea wäre die>er Todesfall ein universeller Verlust gewesen. Bewunderung gebührt diesem Manne, weil er aus eigenen Mitteln nnd Kosten das Problem der Lustschiffayrt gelöst hat._

Amerika sucht Carranza einzuschüchtern

Eine drahtlose Verbindung zwischen Berlin und der Stadt Mexiko.

Br. Amsterdam, 10 März. (Eig. Trahtbericht. zb.) Die amerikanische Regierung hat Carranza mit­geteilt, daß er dafür verantwortlich gemacht werden würde, falls Deutschlands Bemühungen, in Mexiko Unruhe» hcrvorzurufen, Erfolg haken scllten. Wie Reuter aus Washington erfährt, wurde der mexikanischen Regierung weiter mitgeteilt, daß über die Angelegenheit der deutsch- mexikanischen Funkenoerbindung ton amerikanischer Seite oine Untcri'.lchung eingeleitet werden ist. Eine weitere Reut-rmelduny bestätigt, daß noch in Washington einge­laufenen Berichten zwischen Berlin und der S t a 0 t Mexiko eine d r a I-11 1 i c Vcrkindung hergestellt ist und daß Th ap ulte per, d-e stärkste Station in Mexiko, verschiedene Berichte erripastchea Stationen weitergab. Chapultevec steht unter Regier.-ngskontrolle und ist privaten Zwecken unz-igürplich Diese Tristchen fährt Reuter fort, rufen in Washington Beunruhigung hervor, wo man fiirchtet. daß die dersichen Tzeoukaper und Unterseeboote über die Bewegung amerikanischer und andever Schiffe unter­richtet werderi könnten. ^

Abreise Villas nach Japan!

(Drahtbericht unseres Kr.-SonderbcrichtcrstatterS.)

K>. Genf, 10. März, (zb) Ter Pariser „Gaulois" schreibt: Der seltsame Eindruck, den vian schon seit längerem über. Mexiko haben mutzte, wird jetzt dadurch verstärkt, baß die Abreise Villas nach Japan gemeldet wird.

Hindenburg-Schreck bei den Mnzosen.

„Wir haben keinen furchtbareren Feind."

W. T.-B. Bern, 10. März. Die Pariser Militärkritiker lassen hin und wieder eine gewisse Beunruhigung Wer die Pläne der deutschen Heeresleitung durchblicken, so Polybe Reinach 'm ..Figaro", der auf einige beachtenswerte Vorzeichen hinweist, indem er schreibt: Es ist möglich, dast H i n d e n b u r g zu einer neuen ■ oder doch erneuerten Kriegs form kam. Reinach hebt, wenn auch widerwillig, und nicht ohne boshafte Ausfälle, die Feld Herrn gaben H indenburgs und Ludendorffs hervor. Hinden- burg nennt er den bei weitem bemerkenswertesten deutschen General des Krieges. Er schreibt:

Unter Bewahrung der berühmten Traditionen des Moltkeschen Generalstabs, bereitete Hindenbnrg mit viel Sorgfalt und ohne Überstürzung und Verzögerung den rumönischen Feldzug vor. Dies ist ein Mann, für den die Lehre» des Kriegs nicht verloren find. Wir haben keinen furchtbareren Feind. Der Mann ist hart und erbarmnngs» los, aber stark. Er hat nicht das Vorurteil der Vornehm- heit einer Offensive, noch erkündet er, daß das letzte Wort der militärischen Kunst sei, Armeen in betonierten Unter­stünden und Schützengräben zu vergraben.

-b

Die vergeblichen Zurüftcroberungsversucste gegen die Höhe 3V4.

XV. T.-B'. Berlin, 9. März. Die Franzosen erneuerten gestern ihre wiederholt blutig gescheiterten Versuche, die Höhe 185 zurückzuerobern. Nachdem starkes Feuer auf den deuftchen Stellungen südlich von R i p 0 n t gelegen hatte, steigerte es sich gegen 8 Uhr punt Trommelfeuer; um 4 Uhr brachen die Franzosen gegen die ganze Front der am 15. Fellr. von den Deutschen eroberten Stellung vor, wobei es. itznH»