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Eine eründlicheAbrechnuiig de§8taat§- fcitctärs Zimmermann mit Wilson.

Das Zerrbild des proklamierten

„Fair Dealin,;“.

W. T.-B. Berlin. 8. März. (Drahtbericht.) Die „Nordd Mg. Ztg." schreibt unter der Überschrift „k'sir X>ealing'.

Ein Wort aus der Adresse Wilsons fällt uns ir die Augen: „Fair Dealing" — Billigkeit, wie Amerikc sie für sich selber wünsche, sei eS bereit, sie für die ganz, Menschheit zu fordern.

Billigkeit, Freiheit zu leben, Schutz v»r dem organisierten Unrecht, das Wilson für dir ganze Menschheit zu fördern bereit ist, Deutschland räumte er es nicht ein.

Unsere ganze Politik Amerika gegenüber vom ersten Kriegs- tog bis zum Abbruch der Beziehungen war ein Kampf uni die Billigkeit des immer wiederholten Anspruchs eines vom neidischen Gegner zum Kampfe gezwungenen Volkes, in Gerechtigkeit und Freiheit zu leben, und Abwehr des organi­sierten Unrechts. Wie aber klang es von drüben z u r ü 4 f Kaum war der Wellbrand entzündet, der das durch die politische Einkreisung vorbereitende Werk der Vernichtung .Deutschlands gewaltsam vollenden sollte, da war eine laute Presseorganisqtion unenißftpkich bestrebt, in den Bereinigten Staaten die Volksmeiuüng gegen uns a u f z u - stacheln. Die Regierung Wilson« sah es in Ruhe an. wie «in Stück de« geltenden Seerecht« nach dem andern von England beseitigt wurde. Aber damit nicht genug. Die- selbe Regierung, die ti ohne Gegenwehr hingenommen hatte, daß der gesamte Handel Amerikas mit uns und unseren neutralen Nachbarstaaten, auch so weit ihn kein Kriegsrecht berühren konnte, der britischen See- thronnei zum Opfer fiel, erließ Protest auf Protest, ,o- . :It> wir England Gleiches mit Gleichem vergalten. So han­delte sie. obwohl ihr bekannt war, daß England mit ferner ..utalen Mißachtung neutraler Rechte nichts anderes be­zweckte. als unsere Kraft, die mit Waffengewalt nicht zu chrechen war. durch den Hungerkrieg gegen Frauen Und Kinder langsam zu zermürben.

jf Für die gouze Menschheit fordert Wilson die Freiheit zu ^ leben, nur dem deutschen Bolkr versagt er den Anspruch darauf.

Zugleich verwandelte sich die ganze Union in eine einzige große Waffen, und Munitionsfabrik. Nicht nur vorhandene Betriebe wurden erweitert, auch Fabriken, die im Kriege Friede,isgüter schafften, wurden umgestaltet. Um für Deutschlands Feinde Kriegsbedarf zu erzeugen. Die gesamte Industrie eines Volkes, das von den Schrecken des fernen europäischen KampftS völlig unberührt blieb, wurde damit zu einer Riesenwerkstatt des Tode«. Indem die Negierung der Vereinigten Staaten diese Auffassung von Neutralität bestätigt, verlangt sie von uns, für die Sicher­heit jedes einzelnen ihrer Bürger aufzukommen, der sich, dringender Warnung zum Trotz, in da« Kampfgebiet Mr Lee begibt.

!• Billigkeit für alle Welt, nur nicht für Deutschland, das x ist der rote Faden, der sich von jeher durch Mlsonö Politik hindurchzog.

®» kam der Lag. da nach der höhnischen Abweisung unsere» Friedensangebots der Entschluß zur Er. Mfnung des uneingeschränkten Tauchboots- Sieges ausgeführt wurde. Ein letztes Mal erging der Ruf um Billigkeit an den Präsidenten. Die Antwort darauf >°ur der Abbruch der Beziehungen und darüber hinaus so- g«r der Versuch, die sämtlichen neutralen Mächte gegen "U, aufzuwiegcln. Heute spricht der Präsident auch über- k' e « offen au«, daß eine unmittelbare Beteiligung m erikasandemKampfe möglich sei. Die Opfer, die ^dir dem Frieden mit den Bereinigten Staaten bringen Minen, erreichen dre Grenze, wo die Durchsetzung unseres ^«bensrechtes und die siegreiche Durchführung des uns auf- vezwungenen Daseinskampfes in Frage steht. Kein ameri- Wdisches Lebensinteresse zwingt den Präsidenten zu einem E'egerische,, Schritt. Die alten amerikanischen Grundsätze Tilden eö verlangen, daß Amerika die Völker Europas den Wveren Kampf allein durchfechten ließen, und tie Billig.

°'t würde eS gebieten, nicht gegen ein Volk Partei zu ^men, da« im Kampf umö Dasein steht und Amerika seit Friedrich dem Großen nichts als Freundschaft er- ^ * f * a hat. Aber was wir bisher von Amerika erfuhren. '

tarnte uns nicht ermutigen, dort auf eine direkte Würdigung unseres Entschlusses zu rechneu, und so war es ein

Schritt natürlicher Vorsorge, wenn wir zur rechten

Zeit gegenüber einem möglichen neue» Feind nach neue» Bundesgenossen Umschau hielten.

Nur schmale Saumpfade führten zu diesem Ziel. Gegen Verrat gib: es keine unbedingte Sicherheit, und indem di Negierung Wilsons sich eines Verräters bediente, räumte sie stillschweigend ein, daß wir a l I e n Gr u n d z u r ä u h e r st e n Wachsamkeit hatten. So stempelte sie selbst die Weisung an unseren Gesandten in Mexiko zu dem, was sie wirklich war: zu einer Handlung einfacher Selbstverständ- l i ch k e i t. Unser Bündnisangebot an Mexiko sollte ersi nach der amerikanischen Kriegserklärung an uns erfolgen Auch heute noch wünschen wir einen Krieg mit de: Vereinigten Staaten zu vermeiden. Teilt Amerika dieser Wunsch, so wird also Mexikos Kenntins von unserem Ange bot sich auf das beschränken, was die Regierung Wilsons selbst darüber veröffentlicht hat. Wie die Würfel fallen, steht bei dem Präsidenten, ihn allein trifft vor der Ge­schichte die Verantwortung, wenn sein eigenes Land, das bisher ncch den Segen des Friedens genießt, und dem Himmel dafür nicht dankbar genug fein könnte, nun ohn jede zwingende Not in die Schrecken des blutigen Weltkrieges mit verstrickt werden sollte. Wie in Wilsons Hand das Leber der amerikanischen Bürger liegt, die unser« Warnung vor dem Gefahrenbereich zur See mißachten, so hält er auch da- Schicksal all der vielen Tausenden in Händen, über die ei» weiteres Umsichgreifen des Krieges Verderbe», Trauer und Tod bringen würde.

Wie immer sich Wilson entscheiden wird, uns wird er,

ob er nun Krieg vder"Hchev»w» wählt, um keine Haaresbreite von dem Wege bringen!

Der wahre llrsizsgrund Amerikas grg n veutschlanb.

Die Entente-Schuldverschreibungen haben snr dir amerikanischen Finanz,nagnatcn nur Wert im Falle des Siegs unserer Feinde.

# Bern, 8. März. Der New Jorkw Korrespondent des „Petit Journal" schreibt Der oerichärkte U-Boots- krieg war nur der äußere Anlaß kür den Bruch, die eigentliche Ursache li-gt außer den proich- soralen Anschauungen Wilsons in der F i n a n z w i r t- schaft der Vereinigten Staaten. Einer der New Forker Bankmagnaten hat sich dem Korre­spondenten des ..Petit Journal" gegenüber kyi^nder. matzen geäußert- Allein im Jahre 1916 haben mir den Alliierten für über 10 Milliarden Franken verkauft. waZ wir nur verkanft-n konnten. Allein aus unserem Pferd-Handel mit England und Frankreich hüben wir in einem Jahre f a st eine halbe Milliarde einkassiert. Der Farmer in: Westen ist reich oen>orden, der Industrielle in, Lsten bat glänzende He'cbcifte gemacht, der Bergarbeiter in Pennsylvania ha^ Zeinen Lohn verdoppelt. Um die Munitionsfabriken sind neue Städte ans dem Boden gewachtz-n. Der geringste unserer Hafen­arbeiter in N-w Perk bezieht 8 5 Franken den Tag für die Verlad,,:,i der für eint, bestimmten Waren. Die Pulverfabrik Dnpont in New J.-rfty bat im Jahre 1916 101 v. Hundert Dividende verteilt. Der erste Ab^luh der Betblebem-Stahlwerke bat sich durch den Kr' und eure Bestellungen n-i-vielsticht „nd so mit allem übrigen. Tie unzähligen Anleihen nnser°r Banken an die Alliierten und die Privatzeichnungen aift all- eure auf-'inanderfolgenden Anteil,en habe "ich dabei nicht mitg-»rechnet. Euer Papier hat also nur Wert in dem Falle des Siege 3 . Wir werden ans euren Triumph eine Hypothek aufnehmcn. Die Alliierten müssen auf jeden Fall Sieger sein, da­mit sie unS bezahlen können. Das amerikanische Kapi. tnl stand hinter d?m Präsidenten, als er dem Grafen Bernstorff die Pässe überarben ließ.

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Finanzielle Krirflsrüstuna in Amerika.

Nr. Genf, 8. März. (Eig. Drakitbericht. zb.s Lyoner Blättern wird a.iS New Dorker Fincinzkreisen gemeldet, daß die amerikanischen Großbanken sich große Gyld- r e s e r v c n beschaffter, um für den Kriegsfall vorbereitet zu sein.

Bulgarien kästt es auf Abbruch mit Amerika ankvmmcn.

Köln, 7. März. (,jb.) Die „Köln. Ztg.' meldet «w» Amsterdam: Staatssekretär Lansing teilte nach einer

Meldung aus New Aork an ein hiesiges Matt mit. daß B u l.

garien den Vereinigte,- Staaten eine Note überreicht habe, die zum Abbruch der diplomatischen Begebungen führen dürfte. Iller de» Inhalt ist nichts angegeben.' inre« soll die Vervteemlich'mg bald erfolgen. Mittlerweile ta hauptet die Radio-Agentur in Genf, daß dcr bulgarische Ge­sandte in Washington auf Befehl seiner Regierung seine Pässe verlangt habe.

Wilsons verhänenisvolle llriegspolNik ocr einem säwcrr» Hemmnis!

Ein anfgefundrnes altes Gesetz wider dke Bewaffnung von Handelsschiffe« ohne Kriegsfall.

Sr. Haag, 8. März, (zb.) Nach eurer New Dorker Depesche des „Matin" gingen nach der SenotSsihung zahlreiche Sena­toren zu Wilsen, um ihn zu bitten, ohne Ermächtigung Set Senats Ha n de lt s ch: ffe zu bewaffne n. Am nääisteu Tage veröffentlichte die M-nrnebehürde ein Kommunique des Inhalts, daß die Bewaffnung der Handelsschiffe am Diens­tag beginnen werde. Am Abend berief Mlfon die Staats­sekretäre der Marine und der Finanzen sowie den Präsi­denten des demokratischen Komitees, den Obersten House und seinen Sekretär zu einer Konferenz. An die Journalisten wurde darauf die Abschrift einer Botschaft Wilsons an Die Nation verteilt, in der die Handlungsweise d - s senatS als ein Akt verurteilt wird, der die Ver­einigten Staaten der Verachtung durch die anderen Völker preisgcbe. Diete in der amerikanischen Geschichte bei- spiellose Botschaft erreg: ungeheure« Aussehen. Kawui aber hatten die Journalisten sie obtelegraphiert, so wurden sie wieder nach dem Weißen Haus berufen.

Dort wurde ihnen erklärt» Präsident Wilsvn habe da« B«»steb«« alter, aber nvch gültiger Gesetze entdeckt, die ein unüberwindliches Hindernis darstellen und sogar die Vorrechte des P r «i s i d o n te n-a » fl, e be n Bor allem aber we>87*dadurch die Bewaffnung b"^r Handelsschiffe gegen die Kriegsschiffe einer Macht, mit der Amerika noch nicht im Kriege sei, verboten. Wils»« habe deshalb beschlossen, den Befehl der Bewaffnung zw« rückzuziehen, bis der oberste Gerichtshof entschieden habe, ob angesichts der obwaltenden Verhältnisse die Bundes­regierung sich über diese Gesetze hinwegsetzen könne. Weiter wurde dann erklärt, daß. wenn dir Entscheidung für Wilso» günstig auSfalle, der Präsident sofort die Bewaffnung der Handelsschiffe anvrdnen weide. Im entgegengesetzten Fa« würde er jrdoch den neuen Senat zu eiurr Sonder­sitzung einbervfc», um dir Vollmacht zu erhalten, die dk« Obstruktion vereitelte. Sollte Wilson durch die Entscheidung des obersten Gerichtshofes gezwungen werden, zu dieser Maß­nahme zu greifen, s, werden mindrstensnoch 4Ü Tage vergehen, bis der neue Senat zufammentreten könne.

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Hinweftsetzuna WilsonS über alle per. fassunasrnä fügen Bedenken?

B*. Köln, 8. März, (zb.) Die „Köln. Ztg." meldet mifc Amsterdam: Nach einem Telegramm unseres Amsterdamer Berichterstatters meldet die „United Preß" aus Washington, daß Wilson infolge der Kundgebung der 83 Sena­toren der Mehrheit — die sich für die von ihm gewünschte bewaffnete Neutralität ausgesprochen hatten — sofort den Befehl der Bewaffnung der Handels» schiffe gegeben habe. Wenn diese Meldung der iw allge­meinen zuverlässigen „United Preß" zutrifft, so hätte Wilson sich also über alle verfassungsmäßigen Bedenken sowie über das Gesetz von 18! S binweggefetzt. nur um der deutschen Seesperre mit Gewalt entgegen treten zu können, obwohl ec damit nach der Meinung neutraler Amerikaner den K lieg», zu st and mit Deutschland heraufbeschwort. Man könnte au» diesem Schritt auch schließen, daß Wils« die Lage, in die England durch den deutschen Untersr«- bootSkrieg zu geraten droht, für so bedenklich ansieht, dat ihm ein sofortiges Vorgehen unumgänglich erscheint.

Tie geplante Brechung der Obstruktion km amerikanischen Senat.

IV. T.-B. Washinston, 8. März. (Dratitbericht. Reuter.) Der auS Demokraten und Republikanern bestehende ver­einigt- Kongreßauölchuß kam überein, eine Ände. rung der Geschäftsordnung des Senat« in stt Richtung zu empfehlen, daß jede Debatte mit ZiveidriUesi Mehrheit beschlossen werden kann.

IV. T.-B. Amsterdam, 8. März. (Drahtbericht.) W-Il man der englischen Presse glauben, so befindet sich Amerrla ,n'vollem Aufruhr llber die Obstruktion des Senat» D-k englischen Pressevertreter behaupten, daß die gesetzgebendes Körperschaften der einz-lnen Staaten den Rücktritt ihrer obstruierenden Senatoren verlangen. In dev Staaten Washington und I d a h o sollen gestern berdr Häuser den Entschluß gefaßt haben, ihren -Senatoren ei« Rüge zu erteilen. In Oregon bestehe eine Bewegung, den Senator zum Rücktritt zu zwingen.