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Mittwoch. 7. März 1917.
Oie Flamen.
O Berlin, 5. Marz.
Mitten im Kriege und während unsere Feinde sich an die Darstellung klammern, daß g an z Belg ren ohne Unterschied der Bevölkerung von glühendem Hatz gegen uns beseelt sei, kommen die Flämen und erklären in einer vedeutungsvollen Kundgebung, daß üe rhc Schicksal vertrauensvoll in die deutsche Hand legen wollen. Der st a r k e Schritt vorwärt s, den dre flämische Frage gemacht hat, wird überall in Deutschland bei allen Parteien und allen noch ’o eigdntutlitgeit politischen Richtungen mit gleicher Genugtuung oe- grützt werden. Der tt n t e r s ch; e b zu den p o l n r- scheu Dingen liegt aus der Hand. Das polnische Problem war und ist eine harke N u ß,_ und wir wollen die Wiederholung nicht scheuen, daß, wie man dieser Frage auch nähertreten mag, jede Lösung dre Quelle neuer Fehler sein wird. Deshalb wurde die Errichtung eines selbständigen Königreichs Polen mit manchen Zweifeln ausgenommen, die sich durch die bisherige Entwicklung leider nicht haben widerlegen lassen. Mit dem Flamentum steht es anders. Es ist keine Richtung bei uns vorstellbar, deren Anhänger nicht die herzlichste Befriedigung dar- über empfinden müßten, wenn dieser tüchtige germanische V o l k s st a mm endlich zu seinem Rechte kommt, wenn er endlich die Aussicht erhält, sich national nach seiner unvergänglichen Eigenart zu entwickeln und freizuwecden von der drohenden Ver- welschuny. zumal nach dem kräftig betonten Entschluß der Flamen selber, eine Brücke zu uns zu schlagen und zu betreten, kann von Bedenken gegen die Wendung, vor deren erfolgverheißendem Beginn wir nunmehr stehen, an keiner Stelle mehr die Rede sein. Mit geduldiger Zuversicht hat man bei uns zwei Jahre gewartet, bis unter den Flamen die Einigkeit hergestellt war, die wir als erste Bedingung für das Gelingen des großen national-kulturellen Werkes zu beanspruchen hatten. Den Flamen ist nichts aufgedrungen worden, sondern alles, was bisher von uns zu ihrer Befestigung gegenüber wallonisch-französischen Bestrebungen geschehen ist, war stets nur die Folge von Wünschen und Anregungen, die von jener Seite kamen. Erst jetzt, wo erne flämische Abordnung in Berlin erschien, wo zwischen ihr und dem Reickskanzler eine bedeutungsvolle Aussprache stattfand, kommt die Wichtigkeit der Zusammenfassung des flämischen „Aktivismns" auf dem F l a m e n t a g e in Brüssel vom 4. Februar uns Deutschen zum vollen Bewußtsein. An jenem Tage waren in Brüssel mehr als 250 Obmänner und Vertrauensleute sämt- licher aktiven flämischen Gruppen von der gemäßigten bis zu der radikal-nationalen Richtung versarumelt. die sich auf ein Mindestpcogramm der Ansprüche einigten. Man darf heute, wo die Dinge aus dem Rahmen der Bocb-reitungen schon herausgetreten sind und wo ein kraftvolles Handeln sowohl unserer Verwaltung wie der entsprechenden flämischen Bestrebungen begonnen hat, an die entscheidenden Sätze dieses Manisests erinnern. „Wir wollen es nicht länger leiden", so heißt es in der Kundgebung, daß der belgische Staat es mit allen Machtmitteln, über die ein Staat beifügt, daraus anlegt, das flämische Volk seiner Muttersprache zu berauben und es zu ver- franschen. Ta amtliche einflußreiche Kreise in Havre fortdauernd drohen, das fläinische Volk nach dem Kriege zu vernichten, müssen wir auf entschiedene Sicherheit und feste Bürgschaften dringen gegenüber solchen auf unser Volk geplanten verbrecherischen An schlägen." Die Kundgebung fordert weiterhin Ab ttennung der Verwaltung, uiid sie widerseht sich bestimmt dem Treiben der belgischen Imperialisten, die fremdes Gebiet, darunter neutrales und unabhängiges Land wie Holland und Luxemburg. annektieren wollen. Auf dieser Tagung zu Brüssel wurde denn also der national-flämische Block errichtet. dessen Ziel es ist, der flämischen Landeshälste Selbstverwaltung und Selbstregierung zu erwirken. Welches auch die künftige Stellung Belgiens sein inag, so wird das, was wir den Flämen verschaffen werden, weil wir die Macht dazu haben, es zu tun, dauerndes Besitztum dieses Volkes bleiben, die Flämen werden fteiw-rden von dem wallonisch-französischen Druck, und das Belgien der Zukunft wird deshalb ein überwiegend germanisches Staatswdftn auch nach außen hin und in allen Betätigungen staat- lichen Lebens sein. Der Firnis der Französterung wird weggetilgt werden, niederdent s ch e Wesensart wird bis zur flandrischen K ü st e ihr Eigenleben ftihren können. Was wird nun aus der Lüge, die unsere Feinde Tag für Tag verbrei teten. datz ganz Belgien im Flanimen des Hasses gegen uns steht? Zerstoben und verflogen ist sie vor der Wirklichkeit, vor der Entschlossenheit, mit der die aanitimt bas Siek her Verwaltung rerrelüen und aut
Morgen-Kusgabe.
uns als Helfer zur vollen Durchführung ihres nationalen Willens bauen. Nun aber kommt etwas Wichtiges hinzu' die flämischen Führer werden -im einzelnen freilich nicht wissen, wie sich.unsere politische und militärische Leitung das künftige Verhältnis zwischen uns und Belgien denkt, aber darüber werden sie unterrichtet sein, daß das.Verhältnis, wie es bis zum Kriege bestand, unter k e inen Umstanden wiederhergestellt werden wird. Sie werden sich also sagen müssen, daß wir für das Wohlverhalten Belgiens Bedingungen stellen werden, die es vor allem verhindern sollen, daß dies Gebiet wtederiim em
Einfallstor für unseren Hauptfe in d wird.
Obwohl die Flämen das wissen, wenden sie sich freundschaftlich und mit dem besten Willen zu einer engeren politischen wie kulturellen Beziehung an uns. Keiner von ihnen wird den ©tcicti, dem er an gehört, Qufgeden wollen, aber keiner auch braucht zu besorgen, daß wir uns Belgien ekstverleiben möchten. So ist es möglich geworden, Beziehunaen anzuknüpfen, deren Wert für beide Teile um so größer und um so schneller erreichbar sein wird, je mehr das Moment der Freiwrllrg- keit, der Schonung und des Vertrauens m Kraft tritt. Unter den günstigsten Vorzeräzen beginnt der neue Abschnitt im geschichtlichen Leben unserer wackeren Stammesbrüder zwischen Maas und Meer.
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Die Flämen in der belgischen Armee.
Belgische Soldaten schreiben — nach den Pressemitteilungen des „Vereins für das Deutschtum im Ausland" — dem „Nreuwe Rotterd. Courant", datz eine belgische Kompagnie von 110 Mann 70 Flämen, welche kein Französisch tonnten, 20 zweisprachige Flämen und 20 Wallonen zählte. In der Feldbücherei dieser Kompagnie, die als typisch angeführt wird, sei das Verhältnis flämischer Bücher zu den französischen wie 1 zu 100. Dies ist die „Freiheit der kleinen Völker", welche die Entente verkündet: freilich nur für
„Ti'ckechoslowaken", Serben und Rumänen, nicht aber für die den Franzosen wehrlos ausgelieferten Flämen.
Die Botschaft Mlsonr beim Wiederantritt seines Amtes.
W.T.-B. Washington, 5. März. (Meldung des Reuter- schen Bureaus.) In der Inaugurations-Botschaft des Präsidenten Wilson an das Land heitzt es:
Die letzte, 64., Session des Kongresses zeigt bei ihrer verfossungsmätzigen Schlietzung eine Lage, die wohl ohnegleichen in der Geschichte unseres Landes dasteht, ja wohl ohnegleichen in der Geschichte irgendeiner modernen Regierung. Die Lage zeig! sich uns unmittelbar vor einer Krisis, die me.br trügerische und weitreichende Möglichkeiten einer nationalen Gefahr in sich trägt, als irgendeine andere Regierung in der ganzen Geschichte der internationalen Beziehungen sich gegenübersah. Der Kongretz war nicht in der Lage, das Land zu schützen oder die gründe legenditen Rechte seiner Bürger zu wahren.
Mehr als 5ÜÜ von den 531 Mitgliedern der beiden Häuser sind bereit, willig zu handeln.
Das Repräsentantenhaus handelte mit einer über- wältigenden Mehrheit, aber der Senat war dazu nicht in der Lage, weil eine kleine Gruppe von elf Senatoren beschlossen hatte, datz er nicht handeln solle. Der Senat hat keine Regeln, durch die die Debatte beschränkt oder beendet weiden kann oder wodurch irgendwelche verschleppenden Manöver verhindert werden können. Ein einzelnes Mitglied kann sich jeder Handlung in den Weg stellen, wenn es nur körperlich die Ausdauer besitzt. Im jetzigen Falle ist das Ergebnis die völlige Lähmung sowohl des gesetzgebenden ln" des auSsührenden Zweiges der Regierung. Die Unfähigkeit des Senats, zu handeln, machte einen der notwendigsten gesetzgeberischen Akte der Session zu einer Zeit unmöglich, da seine Notwendigkeit am allerdringendsten war. — Nachdem der Präsident die Mahregeln beschrieben hat,'die nicht erledigt werden konnten, fährt er fort: Ich würde die Schwierigkeit nicht beseitigen, wenn ich den 65 Kongreh zu einer auherordentlichen Tagung einbc- rufen würde. Die Lähmung des Senats würde weiterbestehen.
Der Wille und der Geist zum Handeln fehlen nicht.
Fch kann wohl sagen, datz der Kongreh augenblicklich fester in seinen Gedanken und seinem Wollen geeint ist, als er es m Gedenkzeiten irgendeines jetzt lebenden Mitgliedes war. Es besteht nur ein völlig geeintes, patriotisches Wollen. Die Ziele, die die Mitglieder vor Augen haben, sind völlia klar und bestimmt, aber der Senat kann nicht handeln, wenn st ine Führer nickt die einstimmige Einwilligung erhalten. Seine Mehrheit ist machtlos uns hilflos- inmitten einer Krise voll außerordentlicher Gefahre», wenn nur ein bestimmtes und entschiedenes Handeln die Nation sichern oder sie vor einem Krieg durch einen Angriff anderer schirmen kann, ist ihr dos Handeln zur Unmöglichkeit gemacht Oboleich tatsächlich die Nation und ihre Be-'- treter mit n o ck nie dagewesener Einmütigkeit hinter der ausführenden Regierung stehen, wird natürlich der im Ausland hervorgerufene Eindruck der sein, datz dein liicht st, ist und datz andere Regierungen tun können, was sie wollen,
Nr. 120. . 63. Jahrgang.
ohne befürchten zu müssen, datz unsere Regierung irgend etwas tun kann. Ich glaube, datz man sich darauf verlaßen kann, datz der Senat die Mittel zum Handeln finden und das Land vor einer Katastrophe bewahren wird. ~'Ct Präsident gab außerdem die Ermächtigung, eine Erklärung zu veröffentlichen, welche besagt, datz die Lage dadurch noch ernster geworden sei, als man annahm, datz rnan entdeckte, datz der Präsident, zwar aus Grund der allgemeinen verfassungsmäßigen V c l I m 8 ch t e n viel von dem tun kann, wofür er vom Kongreß die Vollmacht verlangte, datz aber gewisse alte, ui.widerrufene Bestimmungen bestehen, die praktisch unüberwindliche Hindernisse bilden und dre Boll- mi'cht zunichte machen können.
Ein 1810 angenommenes Gesetz, durch welches man den Widerstand amerikanischer Handelsschiffe gegen Kaperschiffe von Privatpersonen zu regeln beabsichtigte, schloß Schifte aus, die vrn einem „staatlichen bewaffneten Schisst einer Natron, die mit den Vereinigten Staaten in Freundschaft ist, angegriffen würden.
In technischem Sinne ist Deutschland nicht im Kriege mit den Vereinigten Staaten und die Unterseeboote sind „bewaffnete staatliche Schiffe" Deutschlands.
Von Anfang drückte das ungeheure Völkerringen unvermeitlicherweise unserem Geiste, unserer Industrie, unserem Handel und unserer Politik seinen Stempel auf.
Es war unmöglich, ihm gleichgültig oder unabhängig gegenüberzustehen. Trotz vieler Meinungsverschiedenheiten wurden wir einander nähergebracht. Man fügte uns zur See großes Unrecht zu. Wir hatten nicht den Wunsch, «nt Unrecht und Beleidigung zu antworten. Obgleich einige uns zugefügte Taten unerträglich warm, waren wir uns stets bewußt, daß wir nichts f ü r u n s selbst wünschen (außer Milliardengewinnen aus unneutralen Kricgslieferungen für die Entente! Schriftl.), was wir nicht für die ganze Menschheit zu foickern bereit waren, nämlich ein rechtschaffenes Handeln, Gerechtigkeit und Freiheit zu leben und den Schutz vcr organisiertem Unrecht. I« diesem Geiste und mit diesen Gedanken gelangten wir mehr und mehr zu der Überzeugung, daß es unsere Aufgabe sein muh, auf Erhaltung und Stärkung des Friedens zu arbeiten. Wir mutzten uns bewaffnen, um unsere Ansprüche auf ein gewisses Mindestmaß von Recht und Freiheit des Handelns durchzu- sctzen. Wir stehen fest in bewaffneter Neutralität, weil es scheint, daß wir auf keine andere Weise ausdrucken können, worauf wir bestehen und was wir nicht missen können. Es kann sogar sein, datz wir durch die Umstände zu einer aktiven Verteidigung unserer Rechte und zu \ einer mehr unmittelbaren Teilnahm ean dem großen Kampf veranlaßt werden. Aber nichts wird unsere Idee und unsere Zwecke ändern. Wir wünschen, weder zu erobern noch Vorteile zu erringen, wir wünschen, was nicht auf Kosten anderer Völker erreicht werden kann. (Aber auf Kosten Deutschlands und seiner Verbündeten sind die Milliardengewinne und eine Verlängerung des Krieges um mebr wie zwei Jahre erreicht worden! Schriftl.) Wir sind nicht länger Provinzler. Die tragischen Ereignisse dieser Monate des- Kampfes auf Leben und Tod haben uns zu Weltbürgern gemacht.
Wir können nicht zurück.
Unser eigenes Geschick als Nation steht auf dem Spiel. Das Folgende ist es, für das wir einstehen, daß alle Nationen gleich viel Interesse am Weltfrieden und an der politischen Stabilität der freien Völker haben und daftir in gleichem Matze ver- ar.twortlich sind. Daß das wichtigste Prinzip des Friedens, die wirkliche Gleichheit der Völker in allen Rechtsfragen ist, datz der Friede sich nicht in sichererer und gerechtem* Weise auf ein scheinbares Rechtsgleichgewicht stützen kann, das die Regierungen aller gerechten Mächte von der Zustimmung der Neaierungen ableiten, daß das Meer gleich frei und licher für alle Völker sein soll nach dem Gesetz das durch ein gemeinsames Abkommen festgesetzt wird, datz die R ü st u n g d e r V ö l k e r ans der inneren Ordnung eir^s Bottes und auf seine häusliche Sicherheit beschrankt wc'rdei' scll und datz es Pflicht eines jeden Volkes ist, darauf „u achten, datz jeder Versuch, in anderen Landern einer Revolution beizustehen, streng und wirksam unterdrückt und verhindert wird. (Hat Wilson etwa das brutcle Unternehmen der Entente, in Griechenland der Revolution des Venizelos nicht nur beizustehen, sondern das Land aus eigener Initiative zu revolutionieren, zu verhindern nur Miene gemocht? Schrift!,) Zu diesen Grundsätzen sollten wir uns einträchtig bekennen. Zu dieser neuen Einigkeit werden wir zusammengeschmiedet. Von Parteiungen und Uneinigkeit befreit, finden wir uns sowohl in der Er- fassuno unserer Pftickten als ,n deni erhabenen Entschluß, sie ' ii erfüllen, zusammen. Wir wollen uns im Angesicht aller Menschen der große» Aufgabe, welche wir jetzt zur Hand nehmen müssen, weihen.
Wieder ein Anschlag auf Wilfo» entdeckt.
kr Haag, 6. März. lEig. Drahtbericht. zb.) Die „United Preß" meldet: In Hoboken wurde cm
B o m b c n a n s ch l a g e n t d c ck t. Em.gewisser K o r d.
der verhaftet wurde, befand sich ,m Besitze emer großen Anzahl von Bomben und soll emacitanden, haben, daß er nach Washington wollte, »m W il sov um das Leben zu bringen. Nach wetteren AK1-
