Verlag Langgaffe 21
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Dienstag» 6. März 1917.
Morgen-ktusgabe.
Nr. 118. . 65. Iahrgang.
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Die militärische tage.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
* 1.. Berlin, 5 März. (Erg. Drahtbericht. zb.) Die Hochspannung, die an der Westfront nach den langen Wochen von der Witterung erzwungener Kampfftrüe herrscht und die sich jedesmal, wenn ein heller Tag kommt durch einige kräftige Aktionen äußert, hat auch gestern ivieder, diesmal im Maas-Abschnitt, die deutsche Schlagfertigkeit offenbart. Auf dem östlichen Maasufer wurden 3 deutsche Vorstöße ausgeführt, von denen einer in die französische Stellung in einer Breite von 1500 Meter hineinführte
l und 572 Gefangene erbrachte. Auch die Engländer zeigten sich rege, nach hartem Kampf gelang es ihnen auf dem nördlichen Sommeufer, auf der Strafte Bonchavesnes-Moinslains in unserer vor- bersten Stellung Fuß zu fassen. Als sie nachts versuchten weiter vorzustoßen, wurden sie z u r ü ck g e- sch lagen. Die SHllnng ist ab geriegelt worden. Die Fliegertätig^eit war rege, nicht weniger als 1 8 feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen, 1 durch Abwehrfeuer von der Erde. Wir verloren vier Flugzeuge.
* Im Osten gab es nur geringe Vorfeldtatrg- k e i t, was die grimmige Kälte bis 27 Grad unter Null hinreichend erklärt.
In Mazedonien wurde nur nordwestlich M o n a st i r etwas lebhafter gekämpft. Eines unserer Flugzeuggeschwader belegte ein feindliches Munitionslager, nördlich von Monastir, ausreichend mit Bomben und erzielte gute Wirkung.
Auf dem italienischen Kriegsschauplatz hatte ein österreichischer Vorstoß südlich von G ö r z Erfolg. 50 Gefangene wurden eingebracht. In Tirol wurden zwei italienische Vorstöße an der Fassaner Front abgewiesen.
Wie die Petersburger Telegraphenagentur meldet, sollen die Russen die persische Stadt H a m a d a n besetzt haben. Es ist möglich, daß die Türken diese Stadt räumten. Ein türkischer Bericht darüber liegt noch nicht vor.
Im Rückblick auf das Wochenende ist zu sagen, daß die E n g l ä n d e r bei ihrem Voraehen an der A n c r e seit 26. Februar außerordentliche Vorsicht zeigen. Das war nicht unbegründet, denn unsere Truppen machten, als die Engländer nochfühlten, ihnen die Aufklärung fehr schwer, rieben die feindlichen Patrouillen auf oder nahmen sie gegangen In kleineren! Maßstab glichen dies; Gefechte dem Bewegungskrieg, wobei die deutschen Soldaten wieder ihre große Überlegenheit zeigten. Sie gingen tapfer auf den Gegner los. Das gleiche Lob kann man denen drüben vielgerühmten britischen Patrouillen nicht erteilen. Sie haben eine ganze Woche lang nichts beinerkt, was an der Ancrestellnng vorgegangen war. Auch unsere Artillerie hat sthr geschickt gearbeitet. Obschon sie bei der Zucückverlegung der Stellung unablässig tätig war, kann der Feind doch nicht melden, daß er auch nur ein "inziqes Geschütz erbeutet hat. Ein englischer Vorstoß bei der Butte de Valeneourt war dem Feind besonders schlecht bekommen. Die gesamte Breite dieses Operationsfeldes beträgt etwa 20 Kilometer und liegt in der Gegend nordöstlich von Gomme- court. Für die Tatsache, daß die Engländer ihre Frontbesttzung nach Siiden bis zur Iure (Rohe) verlängerten, spricht auch die Angabe des deutschen Heeresberichts, daß englische Truppen bei E h i l l y, das in diesem Raume liegt, auftraten. Von der Ostfront läßt sich im Rückblick nur sagen, daß nach kurzer Wiederbelebung der. Gefechtstätigkeit e r n e n t Ruhe e i n g e t r e t e n ist. Auch in Mazedonien trat keine Veränderung ein. Über die Kämpfe in Mesopotamien weiß man nicht sehr viel. Treffen die Mitteilungen der englischen Berichte zu, daß die Briten von Knt - el - Amara bereits auf dem halben Wege nach Bagdad vorwärtsgekommen sind, dann wird es sich um Vorstöße von Kavallerie, über die der Feind recht zahlreich verfügt, handeln.
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De« deutsche Abendbericht vom 5. März.
IV. T.-B. Berlin, 5. März, abends. (Amtlich. Drayt- bericht.) Im Westen bei Schneefall, im Osten bei strenger Kälte keine besonderen Ereignisse.
Hsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien 5. März. (Drahtbericht.) Amtlich berlcnrtet vom 5. März, mittags:
Östlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts zu melden.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der kü st en ländischen Front war das Artillerie- und Minenwerferfeuer nach Aufheiterung
des Wetters wieder lebhaft. Abends beschoß dir italienische Artilleri > Cosbanievica besonders heftig. Nächst Dolje bei Tolmein stießen Patrouillendes Infanterieregiments Nr. 37 bis in einen rückwärtigen Laufgraben des Feindes vor, überwältigten die Besatzung und beichten ohne eigenen Verlust 10 Gefangene zurück. An der Tiroler Ostfront griffen die Italiener nördlich San Pelegrinotales gegen Ei m a dü Costabella an. Nach wechselvollem Kaurpf gelang es ihnen, eine Vorstellung in Besitz zu nehmen. Der Kampf ist noch nicht abgeschlossen.
. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer. Feldmarschalleutnant.
Versenkt!
W. T.-B. Rotterdam, 5. März. Die englischen Dampfer „H u n t s m a u" (7160 Brnttoregistertonnen), „Clan Farquhar" (5853 Bruttoregistertonnen), „I o l o" (4000 Bruttoregistertonnen), „Longhnr st" (3V53 Bruttoregistertonnen), die französischen Dampfer „Elorn" (603 Bruttoregistertonnen), die Bark „L a m e n t i n e" (725 Bruttu- registertonnen), das Bollschiff „La Bayonne" (2589 Bruttoregistertonnen), der Schoner „M a r i e Joseph" (192 Bruttoregistertonncn), 11 französische Fischkutter und 2 Fischdampfer sind versenkt worden.
Der englische Damprer ,,C l e a r f i e l d" (4229 Bruttoregistertonnen) und der Schoner „Susan E. I n c p e n" sind als überfällig gemeldet.
Die Abschiebung von 18 feindlichen Flugzeugen am 4. Marz.
W. T.-B. Berlin, 5. März. (Drabtbericht.) Das klare Wetter am Sonntag führte ans der ganzen W e st f r o n t zu lebhafter Fliegertätigkeit. Die englischen Flieger waren besonders rege in Flandern und in Artois. Unsere Flieger waren mit großem Erfolg an der Ancre und über der Somme tätig. In zahlreichen erbitterten Luftkämpsen zwangen sie nicht weniger als 12 feindliche Fl ugzeuge zur Erde. Weitere 6 Flugzeuge verloren die Gegner an anderen Fronten, eins davon durch Feuer unserer Abwehrgeschütze. — Bizefeldwebel Manschott schoß nördlich von Verdun seinen 8. Gegner, einen Coudron-Doppcl- decker, ab und nachmittags desselben Tages einen feindlichen Fesselballon, der südlich des Belleville-Rückens brennend abstürzte. Im Osten wurde der Bahnhof von Molodetno mit über 500 Kilogramm Bomben belegt. Einschläge im Ziel wurden einwanosfrei beobachtet.
An der mazedonischen Front griff ein beut- sches Geschwader ein feindliches Munitionslager nördlich von Saloniki an. Es wurden mehrere Brände und eine Explosion festgestellt. Einer unserer Flughäfen wurde von 12 feindlichen Flugzeugen ohne jeden Erfolg mit Bomben angegriffen.
Der Angriff deutscher Flieger auf die feindlichen Lager bei Saloniki.
IV. T.-B. London, 5. März. (Drahtbericht.) D'e „Times" melden aus Saloniki: Am Dienstagabend warfen 15 deutsche Albatrotzflugzeuge auf die Lager der Allneri, n in der Umgegend von Saloniki Bomben ab. Es sei nur geringer Schaden angerichtet worden.
Falsche Gerüchte holländischer Blätter.
W. T.-B. Berlin, 5. März. (Drahtbericht.) Verschiedene holländische Blätter verbreiten die Nachricht, daß Deutschland bei Holland wegen Abtretung ein 's Landstreifensin der Provinz Limburg vorstellig wurde.
(W. T.-ß. bemerkt dazu: Wir sind amtlich ermächtigt, zu erklären, daß diese Meldung auf freier Erfindung beruht.)
Wilsons „bewaffnete Neutralität".
Nach ergänzenden Meldungen aus Amerika will Präsident Wilson dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Deutschland die Politik der „bewaffneten Neutralität" folgen lassen, um so den amerikanischen Standpunkt in der Frage des Unterseebootkrieges zu wahren. „Von bewaffneter Ne"/ tralität spricht man, wenn ein Staat Truppen aufftellt, um seine Neutralität zu schützen", schreibt P. Heilborn in der' Holtzendorff-Kohlerschen „Enzyklopädie der Rechtswissenschaft". Da die Neutralität der Vereinigten Staaten, wie auch Schwedens Antwort auf Wilsons Versuch, es zum diplomatischen Bruch mit Deutschland zu bestimmen, erkennen ließ, in der einseitigen Parteinahme für England bestanden hat, bedient sich Wilson der bewaffneten Neutralität als eines Mittels, das die Fortdauer jener Parteinahme den Vereinigten Staaten sichern soll. Ob Wilsons zur Schau getrogene Hoffnung, „daß es nicht nötig sein werde, die bewaffnete Macht irgendwo in Tätigkeit zu setzen", unter den bestehenden Verhältnissen mehr als ein Wort ist, bleibe jetzt unerörtert. Erinnert aber darf nur daran werden, daß gerade Wilsons Ankündigung der „bewaffneten Neutralität' aus geschichtlichen Gründen auf die Parteinahme für England öön neuem hinweist. Denn die „effte bewaffnete Neutralität", die im Jahre 1780 von Rußland mit Schweden und
Dänemark zum Schutze des neutralen Handels abgeschlossen wurde, beruhte ans den nachstehenden Grundsätzen:
1. Der neutrale Seehandel mit den Plätzen der krieg- führenden Staaten ist frei. 2 Nur Kriegsmaterial ist Kriegskonterbande. 3. Mit Ausnahme der Kriegskonterbande ist ferndliches Gut aus neutralen Schiffen frei. 4. Ein Hofen gilt nur dann als blockiert, wenn das blockierende Geschwader in seiner Nähe sich aufhält, so daß die Einfahff cffensichtlich mit Gefahr verbunden ist. 5. Neutrale Schiffe dürfen nur aus gerechtem Anlatz und aus offenkundige Totsochen hin aufgehalten iverden.
Die gröblichste Verletzung aller dieser Grundsätze durch England ist der notgedrungenen deutschen Abwehr brrhergegongen, ohne das; die Vereinigten Staaten deswegen daran dachten, England gegenüber die „bewaffnete Neutralität" zu erklären oder die von anderen neutralen Staaten für den Schutz des neutralen Handels gewünschten Vereintarungcri zu treffen! Im Lichte der neuesten Redeweise Wilsons tritt also die Parteilichkeit der amerikanischen Politik besonders klar hervor.
Wilsons Entschlossenheit znm bewaffneten Schutz der amerikanischen Schiffahrt.
W. T.-B. Washington, 5. März. (Drabtbericht. Reuter) Man erfährt von hoher Stelle, daß Wilson die Handelsschiffe bewaffnen und ander« Maßregeln ergreifen wird, um di« amerikanische Schiffahrt zu schützen, selbst wenn der Senat den Gesetzesantrag für die bewaffnete Neutralität nicht annehmen tollte. Wilson vertraut, daß er Vollmacht hierzu habe, und betrachtet die Abstimmung und allgemeine Haltung des Senats als einen Beweis, daß der Kongreß hinter ihm ist.
Eine Erklärung Wilsons bevorstehend.
W. T.-B. Amsterdam, 5. März. (Eig. Drahtbericht.) Das „Allg. Handelsblaad" meldet aus London. Tie feierliche In au zu- ratron Wilsons werde chm heute Gelegenheit zu einer Erklärung übet seine Haltung geben.
Ein Plan Wilsons zur Deportation lästiger Angehörigen der Mittelmächte.
(Drahtbericht unseres Kr.-Sonderberichterstatters.)
Kr. Genf, 5. März, (zb.) „Progres" aus Lyon meldet aus New Dork, Wilson arbeite an einem Plan für dre mögliche Ausweisung (Deportation) lästiger Angehöriger der Mittelmächte, welche die Sicherheit des Heeres und der Flotte bedrohen könnten.
Die österreichisch-ungarische Antwort an Amerika.
Sr. Bern, 5. März. (Eig. Dvahtbericht. zb.) In hiesigen diplomatischen Kreisen kennt man seit vorgestern den Wortlaut der Antwort Österreich-Ungarns auf die amerikanische Note über den Unterseebootskrieg, Sie gibt eine historische Darstellung des Unterseebootskrieges von Beginn des Krieges und schließt mit der Äußerung, daß Österreich-Ungarn sich mit Deuffchland solidarisch fühle und seinen Anteil an der Blockade im Mittelmeer und an der Adria auf sich nimmt.
Der prophetische Blick des Majors vriant vor 15 Zähren.
England und Frankreich — einst und jetzt.
Die in Frankreich bestehende „Sociötn Franklin", deren Aufgabe die Unterstützung von Talks- und Soldatenbüchereien ist, hat auch die Übersendung französischer Bücher an die in Deutschland befindlichen französischen Kriegsgefangenen übernommen. Unter diesen Büchern nun befindet sich eins, das in der Zeit des ungehemmten U-Bootskrieges nicht nur hochaktuell ist, sondern auch ein grelle» Schlaglicht aus das überlieferte, wahre, auch durch die gegenwärtige Entente- Verbrüderung nicht ganz zu erstickende Gefühl des französischen Patrioten gegenüber dem alten „Erbse i n d", jetzigen Verbündeten England, wirst. Es ist ein v o r e t w a 15 I a h r e n von einem Kapitän Drinant geschriebenes Buch „Helöenfahr- ten eines Unterseebootes", dessen Inhalt sich naturgemäß, da die Technik des Unterseebootsbaues derzeit noch nickt sonderlich entwickelt >var, nur als phan- tasievolle Erzählung darstellt. Das Interessante an dem Buch ist aber das Vorwort, das von Major Driant vom ersten französischen Jägerbataillon zu Fuß im Jahr; 1002 verfaßt worden ist. In diesem Vorwort heißt es:
Das Unterseeboot ist heute schon der uneingestan- dene Schrecken ber Nationen, deren Machtstellung einzig auf ihrer Seemacht beruht; demnach der Schrecken Englands. Morgen kann das Unterseeboot der Vernichter dieser Machtstellung, dieser Seemacht sein, die vor 10 Jahren noch unbesiegbar erschien, und die jenen Imperialismus erzeugt hat, an dem heutzutage so viele Völker leiden, die von Großbritannien geprellt, gedemütigt und be*, droht werden. Nun, gegenwärtig ist Frankreich die einzige
