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„TagblatihauS" Nr. 6650-53.
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Montag, 3. Mürz 1917.
kibend-klusgabe.
Nr. 117. . 65. Jahrgang.
Ser Zimmermannsche Gedanke.
Der jcipcini'che Premierminister Motono soll dem Korrespondenten der „Associated Preß" erklärt haben, die Vermutung. Japan könne sich mit Meriko gegen Nordamerika perständigen, also der Gedanke des deutschen Staatssekretärs Zimmermann, sei — lache r- I i ch. Nun. dann wäre alles lächerlich, was die Japaner, die sich von ihren Professoren gerne Abkömmlinge der alten Mexikaner nennen lassen, bisher an politischen Fäden in Mexiko gesponnen haben. Tann wäre alles lächerlich, was die Amerikaner bisher über die japanischen Absichten ausgekundschaftet und an die große Glocke gehängt hcib-n. Seit Jahr und Tag behauptet die ainerikanische Presse, daß Japan die M a g d a- lena-Bai in Niederkalifornien den Mexikanern ab- kaufen wolle, und aus dieser Besorgnis heraus hat ia der amerikanische Senat den Beschluß gefaßt daß Japan niemals in Mexiko einen Flottenstützpunkt erwerben dürfe. Seit Jahr und Tag jammern die amerikanischen Zeitungen über die japanische Masseneinwanderung nicht nur nach Hawai und den Philippinen, sondern auch über Mexiko nach, Kalifornien. Noch vor dem russnch-iapanrichen Kriege hatte der damalige Präsident Roosevelt, als er die Gestade des Stillen Ozeans besuchte, erklärt: „Di-ses Meer soll ein amerikanisches Meer sein, wen unser Volk die einzige Kulturnation ist, die seine Ufer berührt." Aber schon im Jahre 1909 schrieb der Amerikaner Homer Lea: „Jetzt bleibt die Ausschaltung nur noch einer einzigen Macht für Japan übrig, um es zum Herrn des Stillen Ozeans zu machen. Diese Nation sind die Vereinigten Staaten. Japans Zukunft hängt ab von sicher und weithin verteilten inarl- timen Stützpunkten, welche strategisch so liegen, daß von .ihnen aus die Handelsstraßen auf dem Still.n Ozean beherrscht werden." War nickt die Landung von 4000 bewaffneten Japanern in der Turtle-Bai, dem besten Hafen nördlich der Maadalena-Bai, der deutliche Der-- such einer japaaisch-merikanischen Verständigung und der Anfang zur Verwirklichung eines großjapamschen Programms? Es war im Herbst 1914. Der japanische Kreuzer „Aiama", der mit dem Schlachtschiff „Hitzen den Käsen tzonululu blockiert hatte, bis das kleine deutsche Kanonenboot „Gffcc" glücklich interniert war, fuhr von dort geradeswegs nach der Tnrle-Bai, und nnes Tag--s erfuhr die staunende Welt, daß er dort aut Grund gelaufen sei. Was hatte er dort zu suchen? Kohlen gab's nicht, Menschen auch nicht. Andere Schisse kamen, um den auf Schlamni (!) sitzenden Kreuzer zu schützen, „damit die deutschen Kriegsschiffe ihin nicht gefährlich werden könnten". Nach ein paar Wochen wurde das Kriegsschiff wieder abgeschleppt und fuhr Heini. Es war ein Versuchsballon, derr man bochaelassen hatte, um zu sehen, was die amerikanische Öffentlichkeit dazu saaen würde, wenn die Japaner dort unten sich eine Kohlenstation und erneu Flottenstützpunkt errichten würden. Der Japaner weiß, was er den Amerikanern bieten darf, ohne eine scharfe Antwort zu erhalten, die von den Kanonen der amerikanischen Marine gesprochen würde. Der Panamakanal nicht nur wäre durch solch einen Flottenstützpunkt an der mexikanischen oder südkallfornischen Küste leicht gesperrt oder wenigstens zu. kontrollieren, wenn man nicht gleich nach Ausbruch der Krisis ein dynaimt- beladmetz Schiff etwa im Culebraeinschnitt versenkte, so daß die gesrmte Schiffabrt wie setzt unterbrochen wäre, sondern auch die Verbindung von San Francisco mit Hawai und Manila wäre leicht zu. unterbrechen und die oereinzelten i'.nd schwachen amerikanischen Flottenteile im Stillen Ozean zu vernichten, ohne daß das Hauptgffckwader ihnen helfen könnte, weil es erst den langen Weg um Kap Horn nehmen mußte. Die Ionische Folge dieser ganzen jaMnischen Politik ist die V e r st ä n d i g u n g To k i o s mit Me r i k o, ja die festgeacündete Bundesgenossenichaff, ohne die Japan niemals in de>- neuen Welt Fuß fassen könnte. Auf diese javanisch-merikanischen Interessen mußte Deutschland rechnen als die Gefahr eines Konfliktes mit der Union wieder nabe rückte. Man hätte der deutschen Negierung einen Vorwuff machen können, weirn sie di? diplomatische Vorsorae in Meriko nicht a e- t"offen hätte. Der „Zimmermannsche Gedanke war der denkbar naheliegendste und ver- nünftiiste. Lächerlich macken sich nur die Leute, die ibn als einen mi-alückten Versuch am uniauglichen Objekt hinstellen möchten. ^
Das aufaesangene Schriftstück.
Die einmütige Zustimmung in der deutschen Presse.
— Berlin, 5. März, (zb.) Das „Berliner Tageblatt" schreibt: Irgend eine indiskrete Person hat das L-chreibeu des Staatssekretärs Zimmermann an den, deutschen Gesandten in Mexiko aufgefangen. Ein Anlaß zur Verwunderung über den Reiseunfall des streng geheimen Staatsdokuments besteht. wenn man cs
recht erwägt, wohl nicht. In Amerika sind so viele deutsche Schriftstücke vom geraden Weg abgekommen, daß man dort, wenn man will, ein Manuskriptenmuseum errichten kann. In taktvoller und vorschriftsmäßiger _ Zurückhaltung hat die deuffche Presse wenig von diesen Dingen erzählt. Der Griff in fremde Aktentaschen gehört zu denen, die auch in früheren Kriegszeiten fleißig geübt worden sind. Den Mexikanern für den Kriegsfall ein Bündnis anzubieten, ist nicht unmoralisch und es wäre selbst nicht unsittlich, Japan zu fragen: Schäre Gelbe, willst du mit mir gehen? Wer so handelt, ist noch lange nicht das, was man einen Machiavellisten zu nennen pflegt.
In der „Bossischen Zeitung" wird gesagt: Wenn man von einigen Gruppen in Deutschland absieht, die es einmal zum Dogma ihrer Weltanschauung gemacht haben, daß unsere Feinde Krieg gegen Deutstblaird, wir aber nicht gegen unsere Feinde Krieg führen dürfen, so bat sicherlich die gefaulte deutsche Nation s e lt e n s o e i n m ü ti g h i n t e r un s e r e n Diplomaten gestanden, wie in der mexikanischen Allgelegenheit. Ist ihr offenbart sich wieder mit erffeulicher Deutlichkeit die starke Tatkraft des neuen Staatssekretärs.
Die authentische Note im Besitz der amerikanischen Negierung?
# New York, 4. März, (zb.) Die Associated Preß" meldet aus Washington: Auf Ersuchen des Senats nach Mitteilungen über die Zimmermann-Note übersandte der Präsident dem Senat einen Bericht Lansings, der erklärt, die Regierung sei im Besitz von Beweismaterial, welches die Tatsache feststelle, daß die erwähnte Note authentisch sei, daß sie sich im Besitz der Regierung der Bereinigten Staaten befinde und daß sich die Regierung während der laufenden Woche dieses Beweis material verschafft habe, daß es aber seiner Meinung mit dem öffentlichen Interesse unvereinbar sei, dem Senat gegenwärtig irgendwelche weiteren Jnformationen'zu übersenden bezüglich der Note, die die Regierung besitze.
Wilsons äusrerste Vorsicht.
Aus der französischen Presse.
w. T.-B. Bern, 4. März. Die Pariser und die Lyoner Presse veröffentlichen eine anscheinend halbamtliche Note, welche dementiert, daß Oberst H o u s e in Paris eingetroffen sei und daß der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland bevorstehe. Dies könne noch die Frage oon Tagen oder Wochen sein, da es nicht von Wilson allein abhänge, sondern von der gesamten öffentlichen Meinung Amerikas, welchen Verlauf die Ereignisse nehmen. Wilson gehe mit äußerster Vorsicht vor und werde nur Entschlüsse fassen, wenn er sicher sei, daß die Gesamtheit hinter ihm stehe. Diese moralische Einstimmigkeit, welche sich jetzt zu bilden scheine, sei die unumgängliche Vorbedingung für den äußersten Beschluß Wilsons
Noch kein deutsches Anerbieten an Mexiko!
Br. Genf, 5. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Parisec Blätter melden aus Washington: Das Staatsdepartement hat von dem mexikanischen Minister des Auswärtigen die Vefficherung empfangen, daß der mexikanischen Regierung kein Anerbieten einer Allianz mit Deutschland zuging.
Vorstellungen bei der mexikanischen Regierung?
Br. Amsterdam, 5. März. (Eig. Drahtüericht. zb.) Aus Washington wird gemeldet, das amerikanische Staatsdepartement wird die für den deutschen Gesaridten in Mexiko von Eckhard bestimmte Instruktion. zum Anlaß nehmen, um bei der mexikanischen Regierung vorstellig zu werden. Bisher hat Staatssekretär Lansing jedoch noch keine Schritte nach dieser Richtung hin unternommen.
Eine Sammlung von Dokumenten über den Geheimverkehr politischer Agenten durch Lansing.
Br. Genf, 5. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach einer Washingtoner Radiomeldung bereitet Lansing eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten mit bisher unbekannten Einzelheiten über den geheimen Verkehr politischer Agenten in Amerika und Asien vor. Die Veröffentlichung indes soll bis zum Eintreffen der aus M e x i k o, K u b a und Japan erwarteten amtlichen Erklärungen vertagt werden.
Die geringe übriggebliebene Opposition gegen die Bewaffnung der Handelsschiffe.
W. T.-B. Bern, 4. März. Die Agence Havas meldet aus Washington, daß der Gesetzesantrag bezüglich der Bewaffnung der Handelsschiffe im Repräsentantenhaus von neun Republikanern, drei Demokraten und einem Sozialisten bekämpft worden ist.
Die Abstimmung des Senats über das Gesetz der bewaffneten Neutralität vereitelt!
W. T.-B. Washington, 4. März. (Drahtbericht. Reuter.) Mittags vertagte sich der Senat. ohne eine Abstimmung über das Gesetz der bewaffneten Neutralität vorgenommen za haben, da die Geschäftsordnung des Senats, die keine Beschränkung der Debatte vorsteht, es einer Handvoll von Pazifisten und Deutschfreundlichen ermöglicht halte, die Debatte bis mittags fortzufetzen, wo die gegen
wärtige Session des Kongresses von selbst erlosch. Aber 83 von 96 Senatoren Unterzeichneten eine Erklärung, daß sie sich entschieden für das Gesetz aussprechen und die Unmöglichkeit beklagen, es noch durchzubringen. l2 Senatoren verweigerten ihre Unterschrift, während einer wegen Krankheit abwesend.war.
Roosevelt als Vorsitzender des amerikanischen Kriegskomitces?
Steuerfreiheit der von Amerika gewährten Krieqsanlcihen.
Nr. Genf, 5. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach einer Meldung des Pariser „Journal" verlautet, daß Roosevelt der Vorsitz in dem zu bildenden Kriegskomitee ange- boten werden soll. Ob dieses Kriegskomitee sofort als eine kriegvorbereitende nationale Vertretung oder erst an einem späteren Zeitpunkt seine Wirksamkeit beginnen wird, ist noch unentschieden. — Nach einer Meldung des „Petit Parisien" werden die in Amerrka aufzunehmeudcn Kriegsanleihen, gleichviel ob für Zwecke der Vereinigten Staaten cder den europäischen Zehnerbund, Steuerfreiheit genießen, deren Dauer der Gesetzentwurf bestimmen wird. Der beantragte Termin beträgt drei Jahre nach Frtedens- schluß.
Die Pariser Zensur und Amerika.
Der den Franzosen unbequeme „Verrat'' gegenüber der Geheimnote.
# Bern, 4. März, (zb.) Die deutsche Aufklärungsnote in Sachen Mexiko wird von der französischen Presse in der Übersetzung de: Schweizer Depeschen-Agentur veröffentlicht, jedoch ist der Schlußsatz: „doch scheint Verrat usw.", weg- gelassen. So weit die Blätter Privaimeldungcn veröffentlichten, ist dieser Satz von der Zensur a u s g e - strichen.
Japans Treue gegen die Entente?
Lansings Erwartungen gegenüber Mexiko.
W. T.-B. New Usrk, 1. März. (Funkspruch vom Vertreter des W. T.-B.) Staatssekretär Lansing gab in einer amtlichen Mitteilung bekannt, die Vereinigten Staaten glaubten nicht, daß Japan von dem Plane Deutschlands Kenntnis gehabt habe oder an ihm teilnehmen würde. Lansing gab dem Vertrauen der Regierung Ausdruck, daß Mexiko sich nicht beteiligen werde. Die japanische Botschaft erklärte amtlich, der deutsche Vorschlag werde von der Regierung in Tokio unter keinen U m st ä n d e n in Erwägung gezogen werden. Sie versichert von nenein Japans Tveue gegen die Bündnisse mit der Entente und seine Freundschaft für die Vereinigten Staaten.
Ein ganz vernünftiges holländisches Urteil über den Lärm drüben.
# Amsterdam, 4. März, (zb.) Der Bericht Reuters über die deutsche Instruktion an den Gesandten in Mexiko wird von der holländischen Presse mit Vorsicht ausgenommen. Sie ist erstaunt über das Geschrei, das von einer so ganz selbstverständlichen Sache gemacht wird. „Nieuwes van den Dag" schreibt: Genau dasselbe hat England getan, als es mit belgischen Offizieren Besprechungen abhielt für den Fall eines deutschen Überfalles auf Belgien. Das Blatt meint jedoch, daß die Angelegenheit in Amerrka gründlich ausgenutzt werde und daß dadurch der Krieg zwischen Amerika und Deutschland beträchtlich nähergerückt sei.
Lin amerikanisch-englisches Geheimabkommen?
Unter diesem Titel hatte schon am 8. Mai 1916 der „Verein für das Deutschtum im Ausland" in seinen Pressemrttei- lungen auf das im März 1915 in New Dort von The Century Co. veröffentlichte Werk des Herrn Roland G. Usher, Dr. pH l., Professor Ser Geschichte an der Washington Universität in St. Louis hingewiesen, das folgende Ausführungen enthält: Die wahre Politik der Vereinigten Staaten hat daber ohne Zweifel in einem festen Bündnis mit der grüßten Seemacht zu bestehen, di-? in ihrem eigenen Interesse unsere Verteidigungsschlachten für uns schlagen und als Entgelt fiir unseren wirtschafüichen Beistand unsere berechtigten Bestrebungen in Südamerika und im fernen Osten fördern würde. Eine derartige Verständigung besitzen die Vereinigten Staaten bereits mit England. Kraft ihrer sind wir heute maßgebend in der westlichen Hemisphäre, sind wir die Eigentümer des Panamakanals, die Besitzer der Philippinen und üben starken Einfluß aus in den Angelegenheiten des lateinischen Amerika... Durch ein solches Bündnis haben wir bereits mehr erreicht, als wir durch eine wahrhaft ungeheure Rüstung hätten erringen können. Die Seemacht war in der Lage, uns zu geben, was wir wünschten, ohne daß wir selbst dafür zu kämpfen brauchten, und ohne daß sie von uns den Kamps für seine Erlangung oder Behauptung forderte. So lauge wir mit der Seemacht für alle Möglichkeiten verbündet sind — mag dieses Bündnis schriftlich niedergelögt sein oder nur als ein stillschweigendes Einvernehmen bestehen, da» in jedem Augenblick abgeändert werden kann —, können wir davon ganz 'dieselbe Geltung erwarten, die wir vernünftigerweise hoffen könnten durch Waffenrüstung zu erlangen."
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