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Samstag» 3. März 1917.
klbend-klusgabe.
Nr. 114. . 63. Jahrgang.
Oeutschlanb und Amerika.
Ein deutsches vündnisangebot an Mexiko bei dem Kriegsfall mit der Union.
W. T.-B. Berlin, 2. März. Die amerikanische Presse enthält Mitteilungen über Anweisungen des Auswärtigen Amtes an den deutschen Gesandten m Mexiko für den Fall, daß es Deutschland nach der Erklärung des uneingeschränkten U-Bootskrieges nrcht gelingen sollte, die Vereinigten Staaten neutral zu erhalten. Diesen Meldungen liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Nachdem d°r Entschluß gefaßt war, am 1. Februar den uneingeschränkten U-Bootskrieg zu beginnen, mußte mit Rücksicht auf die bisherige Haltung der amerikanischen Regierung mit der Möglichkeit eines Konfliktes mit den Vereinigten Staaten gerechnet werden. Daß diese Rechnung richtig war, bewiesen die Tatsachen, denn die amerikanische Regierung brach alsbald nach der Bekanntgabe unserer Sperrgebietserklärung die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab und forderte die iibrigen neutralen Mächte auf, sich diesem Vorgehen anzuschließen. In der Voraussicht dieser Möglichkeiten war es nrcht nur das Recht, sondern auch die Pflicht der Reichsleitung, auch für den Fall eine? kriegerischen Konflikts mit den Vereinigten Staaten von Amerika rechtzeitig Vorsorge zu treffen, um den Zutritt eines weiteren Gegners zu unseren Feinden, wenn möglich, a-uszngleichen. Der kaiserliche Gesandte in Mexiko ist deshalb Mitte Januar beauftragt worden, für den Fall, daß uns die Vereinigten Staaten den Krieg erklären sollten der mexikanischen Regierung ein Bündnis anzubieten und die näheren Ein- zelheiten zu vereinbaren. Die Weisung verpflichtete im übrigen den Gesandten ausdrücklich, keinerlei Schritte bei der mexikanischen Negierung zu unternehmen, bevor er von der erfolgten amerkani- schen Kriegserklärung Gewißheit erlangt habe. Auf welche Art ttrtb Weise die amerikanische Regierung von der auf geheimem Wege nach Mexiko erteilten Wellung Kenntnis erhalten hat, ist nicht bekannt; doch scheint der Verrat — um solchen dürfte es sich handeln — auf amerikanischem Gebiete verübt worden zu sein.
Der angebliche Inhalt der Anweisung an den deutschen Gesandten in Mexiko.
Br. Berlin, 3. März. (Eig. Drahtbericht. zb.) Über die Entwicklung der Vorgänge in Amerika und die durch das Bekanntwerden der deutschen Vorschläge an Mexiko und Japan entstandene Lage wird dem ,.L.-A." von seinem Rotterdamer Berichterstatter gemeldet: Als Deutschland den unbeschränkten Unterseebootskrieg plante, schlug es Mexiko und Japan ein Bündnis vor für den Fall, daß die Vereinigten Staaten nicht neutral bleiben würden. Mexiko sollte bei Japan erwirken, daß dieses seine Alliierten im St i ch lasse und sich an dem Angriff gegen Amerika beteilige. Als Lohn sollte Mexiko Deutschlands finanzielle Unterstützung sowie Texas, Neumexiko und Arizona, weiter seinen Anteil an den Bedingungen des siegreichen Friedens haben, den Deutschland erreichen würde. Die Regelung der Einzelheiten wurde dem deutschen Gesandten in Mexiko v. Eckardt überlasten, der in einer vom Staatssekretär Zimmermann Unterzeichneten Anweisung von: 19. Januar beauftragt wurde, C a r r a n z a ein Bündnis mit Mexiko vnczuschlagen und ihm nahezulegen, daß Mexiko Japan in die Verschwörung hineinziehen sollte. Jene Anweisung wurde Herrn v. Eckardt vom Botschafter Grafen Bernstorff zugestellt, der damals sich anschickte, mit freiem Geleit nach Deutschland zurückzukehren. Deutschland stellte es Mexiko gegenüber so dar, als ob England geschlagen sei und als ob Deutschland durch den unbeschränkten Unterseebootskrieg die Welt beherrsche. Eine Abschrift der Anweisung sei in den Händen der amerikanischen Regierung. — Nach Reuter- Depeschen aus Washington hat das Mittel gewirkt. Der Kongreß stellt sich jetzt vorbehaltlos auf die Sette des Präsidenten, tie Republikaner im Senat verzichten auf ihre Opposition und unterstützen den Präsidenten. Im Abgeordnetenhaus brachte, obgleich schon der Regierungsantrag vorlag, der Abgeordnete Flcod einen Antrag zur Bewaffnung der amerikanischen Handelsschiffe usw. ein. Lauter Beifall ertönte, als er für das Recht der Amerikaner, aus dem Ozean frei zu reisen, eintrat, und sagte: „Wir hoffen, dieses Recht in friedlicher Weise aufrecht zu erhalten, wenn das aber nicht möglich ist, werden wir es mit den Waffen versuchen," Der demokratische Führer Kitchin, ein Mitglied der sogenannten pazifistischen Gruppe, teilte unter Beifall mit, daß die pazifistische Gruppe die Gesetzesvorlage unterstützen werde. Rach weiteren Mitteilungen leugnet ein in Washington veröffentlichte amtliche Mitteilung Japans, daß die japanische Regierung sich jemals mit einer Aufforderung die Deutschland ihm nach Pressemeldungen durch Mexiko übermitteln sollte, befassen würde. Zu der Enthüllung wird weiter gemeldet: 'Das Dokument war in den Händen der amerikanischen Regierung von dem Augenblick an. wo Wilson die Beziehungen zu Deutschland abbrach.
Es wurde geheim gehalten, als Wilson den Kongreß ersi cbte, ihm Befugnisse zu erteilen und der Kongreß noch zögerte. Es war auch in Wilsons Hand, als Herr v. Beth- mann Hollweg erklärte, daß Amerika den Unterseebootskrieg in einer Weise ausgelegt habe, die Deutschland nie beabsichtigte (?) und daß Deutschland immer die guten Beziehungen mit Amerika pflegen wolle. Nach einer Reuter-Depesche sagte Lansing: Wir glauben nicht, daß Japan davon wußte, oder daß es irgendwelche Vorschläge Mexikos berücksichtigen wird. Ich vertraue, daß Mexiko sich nicht dazu hergeben wird, wegen der freundschaftlichen Beziehungen (!) zu dieseul Lande unter der jetzigen Regierung von Mexiko. Was die Verschwörung im allgemeinen betrifft, so wissen wir, daß sie tatsächlich besteht, aber wir können nicht alle Einzelheiten veröffentlichen, ohne das Leben derer, die uns diese Mitteilungen verschafft, zu gefährden. — Als die Ziwn'ermann-Note im Senat erörtert wurde, teilte Snawson mit, daß. der Präsident ihn ermächtigt habe, zu sagen, daß der Wortlaut, wie ec in der „Associated Preß" übermittelt wurde, der Hauptsache nach richtig gewesen sei.
Noch kein Gedankenaustausch zwischen den Bereinigten Staaten und Mexiko.
Bv. Rotterdam, 3. März. (Eig. Drahtbericht. zb.) In Washington wird amtlich mitgeteilt, daß die Regierung keine Botschaft irgendwelcher Art über den Brief des Staatssekretärs Zimmer mann an Deutschland gesandt hat. Über diesen Gegenstand hat auch noch kein Gedankenaustausch zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko stattgefunden. Aber das werde vermutlich geschehen.
Eine angebliche Erklärung Japans gegenüber deutscher Lockung.
Br. Basel, 3. März. (Eig. Drahtbericht. zb.) Havas meldet aus Washington vom 2. März: Ein amtliches Kommunique erklärt, Japan werde im vollständigen Einvernehmen und in innigen Beziehungen zu den Ententemächten, mit denen es durch formelle Verträge verbunden ist, einer Einladung, wie der von deutscher Saite durch Vermittelung Mexikos ihm zu- geganqenen, kein Gehör schenken. Die Beziehungen zwischen Japan und den Vereinigten Staaten seien gegründet auf diese Freundschaft, Aufrichtigkeit und Herzlichkeit.
Amerikanische Dumdumkugeln für die Mexikaner!
Eine interessante Feststellung.
W. T.-B. Berlin, 2. März. Nach einer Meldung des „Deutschen Journals" in New Dork vom 8. Januar hat das amerikanische Kongreßmitglied Julius Kahn aus Kalifornien bei einer Reise nach der mexikanischen Grenze festgestellt, daß amerikanische Firmen Dumdumgeschosse an mexikanische Soldaten geliefert haben. Kahn hat diese Geschosse selbst gesehen und festgestellt, daß sie von amerikanischen Firmen stammten. Die Patronen trugen die Fabrikmarke der Remington Arms Company, der Union Metallic Cartridge Company, der Winchester Repeating Arms Company und der United States Cartridge Company.
Berliner Pressestimmen.
— Berlin, 3. März, (zb.) Den amerikanischen S e n s a t i o n s- und Tendenzberichten, so schreibt der „Lokal-Anzeiger", setzen die deutschen Amtsstellen eine sachliche Darstellung entgegen, aus der heroorgeht, daß es sich bei deni deutschen Biindnisanqebot an Mexiko um die Vorbereitung einer diplomatisch- militärischen Vorsichtsmaßregel gehandelt hat, zu der die deutsche Regierung nicht nur das volle Recht, sondern vom Standpunkte der besseren Verteidigung gegen einen möglichen Angriff geradezu die vaterländische Pflicht hatte.
Der „Vorwärts" schreibt: In der Politik Wilsons wiederholt sich das hinreichend bekannte Spiel; die Verantwortung für eine Kriegserklärung kann am wenigsten die Regierung eines demokratischen Staatswesens auf sich nehmen. Sie wartet auf den Fall, der den hilfreichen Furor der Krieasleidenschaft als politischen Faktor des Tages obenauf bringt, denn in solchem Stadium fallen den Staatslenkern diktatorische Befugnisse in den Schoß, die sonst bei der Demokratie schlechte Zeit haben.
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Die Zustimmung des Repräsentantenhauses zur Bewaffnung der Handelsschiffe.
W. T.-B. Washington, 1. März. (Meldung des Reurer- schen Bureaus.) Das Repräsentantenhaus hat mit 403 gegen 13 Stimmen die Bill angenommen, die den Präsidenten ermächtigt, Handelsschiffe zu bewaffnen, aber ihm nicht das Recht gibt, andere Mittel in Anwendung zu bringen, die Wilson besonders wünscht. Wenn die Bill, des Repräsentantenhauses morgen an den Senat gelangt, wird die Bill des Senats, die die Regierung en jeder Beziehung enipsiehlt, an'ihre Stelle'gesetzt werden. Man erwartet, daß sie schließlich von beiden Häusern angenommen wird.
Die Bewilligung von Rüstungsausgaben im amerikatlischen Senat.
W. T.-B. Washington, 3. März. (Drahtbericht. Reuter.) Der S-e n a t nahm die Vorlage an, die 150 Millionen Dollarbons für den Aushilfsfonds, 115 Millionen für den Präsidenten zur Beschleunigung des Schiffsbaues, 35 Millionen für die Vermehrung der Unterseeboote vorsieht.
Streichung der Klausel, nach der Amerika seine internationalen Streitigkeiten schiedsgerichtlich beizulegen hat.
W. T.-B. Washington, 3. März. (Drahtbericht. Reuter.) Der Senat nahm einen Z u s a tz a n t r a g zu _ dem Schiffsgesetz an, nach dem alle Bewilligungen sofort, anstatt erst im Juli, in Kraft treten. Senator L o d g e, der init Nachdruck für die Forderungen eintrat, sagte dabei: Das Land ist-in einer Lage, die den Krieg in kürzester Frist bringen kann. Der Senat nahm ferner einen Znsatz- antrag zur Errichtung einer weiteren Schiffswerft an der Küste des Stillen Ozeans an. Er billigte einstimmig die Streichung der Klausel, nach der die Bereinigten Staaten ihre internationalen Streitigkeiten durch ein Schiedsgericht beiznleaen haben. Der Senat nahm endlich ein Gesetz an, das die Bewilligung von 8 35 Millionen Dollar ausspricht.
Bryans Friedeustätigkeit.
(Drahtbericht unseres Kr.-SonderberichterstatterS.)
Kr. Genf, 2. März, (zb.) „Matin" meldet aus Washington' Neben Bryan arbeitet Senator La Follette eifrig am Frieden. Er hat eine Gruppe Senatoren für sich gewonnen nnd man will die Erteilung von Vollmachten an Wilson unter allen Umständen verhindern. Das erste Opfer La Follettes sei der Anhänger der Kriegspartei Senator Stone, dessen Antrag auf unbestimmte Zeit vertagt wurde. „New York Herald" meldet, Brvan werde heute in Washington erwartet, er werde eine sehr rührige Propaganda gegen Wilson inszenieren.
Der „Lnconia"-Fall — die .gefürchtete offene Tat"?
(Drahtbericht unseres v.-SonderberichterstatterS.)
II. Rotterdam, 2. März, (zb.) Die „Times" meldet aus Washington: Die im Westen erscheinenden Blätter bezeichnen den „L a c o n i a"- Fall als die g e- fü richtete „offene Tat". Die Blätter im Osten zeiaten sich entrüstet. Wilson werde vorläufig aber nur mit der Bewaffnung der Handelsschi f f e antworten.
Die bevorstehende österreichisch-ungarische
Antwort aus die amerikanische Note.
(Drahtbericht unseres Ni.-Scndevberichtevstatters.)
Ni. Wien, 3. März, (zb.) Die Antwort Österreich-Ungarns auf die Note Amerikas dürste im Laus der nächsten Woche überreicht werden.
Der Tauchbootkrieg.
Versenkt!
W. T.-B. Groningen, 1. März. Nach dem „Nieuwc Groningsche Courant" wurde der Segler „Marie A d r i a n a" aus Groningen, der am 24. Februar von Havre nach Teignmouth fuhr, wahrscheinlich versenkt. Aus Havre traf nämlich die telegraphische Meldung ein, daß die Schiffs- besahung gerettet und in Havre gelandet sei.
XV. T.-B. Lugano, 2. März. Die italienischen Dampfer „Prudenza" (3307 Br.-R.-T.), „Cromerne (3132 Tonnen), die italienischen Segler „Nr. 5" und „Nr. 101“ sowie der russische Schoner „M o r y" (178 Tonnen) wurden versenkt.
W. T.-B. London, 2. März. (Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Birk „G a l g o r m - C a r t l e" (1596 Br.- R.-T.), aus Belfast, wurde am Dienstagaachmittag von einem deutschen Unterseeboot versenkt. Eines der beiden Rettungsboote mit einem Teil der Besatzung, darunter zwei Amerikaner, Wird vermißt.
Mittelchen gegen die Unterseebootsgefahr.
V/. T.-B. Rotterdam, 2. März. Nach dem „Nieuwe Rotterd. Courant" fordert eine Zuschrift an die „Times" die Belohnung von 20 Pfund Sterling für jeden an Bord eines Schiffes, der den Kapitän zuerst aas ein feindliches Unterseeboot aufmerksam macht.
Ein brasilianischer Dampfer überfällig.
Br. Karlsruhe, 3. März. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die „Berner Nachr." melden ans New Jork: Nach
einer Meldung der amerikanischen Agentur aus Ria de Janeiro fehlt >eit einiger Zeit jede Nachricht von dem brasilianischen Dampfer, der vor 14 Tagen in See gegangen ist. In den brasilianischen Reederkreifen ist man darüber sehr beunruhigt und man befürchtet seine Versenkung.
