Verlag Lnnggasse 21
„sagilaitftaH« 's
SSaltkr-Halle geSjfnrt DSU 8 tltjf morgens bis 7 Ui)l abends.
wöchentlich
S «»ngS.Pk«U IN« bei»« Slubgaben! MI. t.- monalüch, MI. S — vierteljährlich durch den Verlag sngaaA fl, »hs,e Bkingerlodu. Ml. 4.03 vierteljährlich durch alle deutschen Postanftalten. ausichliehlich »MllgKd --- Bezug-,Hetttllnnge»! nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zwei,stelle Bis- lmräring lg. sowie die Ändaadeslrllen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: die dortigen Aus- gadevelleii btt» in den benachbarten iiandoe n und im Rheingau die betreuenden Tagblatt-Träger.'
itln in u:
13 Ausgaben.
Fernruf;
„Tagtiatlhans" Nr. 6650-53.
Bon 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, anher Sonntags.
Anzeigen-PreiS sur die Zeile: iS Big. für örtliche Anzeigen im „Arbettsinarlt- und „Kleiner Anzeiger" in einheitlicher Eatzsorm: Ai Psg. in davon abweichender Satzausfübrnng. sowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen: 3a Psg. 'ur alle auswärtigen Anzeigen: l MI. für örtliche Rellamen: i Ml. für auiwärtige Reilaineit. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach defonderer Berechnung. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in lurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß.
Berlmrr Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin sf., Potsdamer Str. 121L. Feruspr.: »Mt Lütz°w6202 «. 6203.
Samstag» 3. März 1917.
Morgen-klusgabe.
Nr. 113. . 65. Jahrgang.
Neue grotze U-Vootsbeute.
V/. T.-B Berli«, 2. März. (Amtlich. Ctg. Drahtbericht.)
Zwei neuerdings zurückgekehrte U-Boote haben 15 Dampfer und 7 E'gler don insgesamt 84 500 Bruttoregistertonnen versenkt. Eines dieser U-Boote tras vor der Südküste Irlands einen als U-Bo»ts- solle eingerichteten Tankdampsor mit vier gut verdeckten Breitseit- grschützen, der auch seine Schifssbootr dazu benutzte, Wasserbomben gegen das U-Boot zu werfen. Nach dem Anstauchcn führte das ll- Boot uni 3 Uhr nachmittags bis zum Dunkelwerden gegen die U- Bootsfalle und einen hinzukommenden U-BootSjäger, der Foxglove- Klafse, eiu Artiüericgesecht, bei dem mindestens drei Treffer aus dem Foxglove erzielt wurden. Durch die Versinkung dieser Schisse sind u. «„vernichtet &800 Granaten, 3500 Donnen Getreide. 3000 Tonnen Leinsamen, ferner etwa 50 000 Tonne» Kohlen, 2500 Tonnet Kriegsmaterial, 3500 Tonnen Stückgut, 4300 Tonnen Heu, 1200 Tonnen Eisenerz und 1800 Tonncit Erdnüsse.
Versenkt!
W. T.-B. London, 2. März. Die „Times" gibt folgende G ch i f f s v e r l lt jt e an: Der Dampfer „Wattsekield" (2012 Tonnen), die Stakstbank „Inverc.ould" (1416 Tonnen) und der Motorjchoner „Tecwyn". »
Durch Mine oder durch Torpedoschutz^
W. T.-B- Christtania, 1. März. Einem Telegramm aus Havre zufolge ist der in Chrijtiania beheimatete Dampfer „S j o e st a d" am 28 Fckruar vor dem Kap DÄutiser durch eine Mine oder infolge eines Torpedoschusses gesunken.
Wohlwollende Warnung eines holländischen Fahrzeuges nach unvorsichtigem Einlaufen in die Gefahrzone.
W. T.-B. Rotterdam, 1. März. Da» kleine holländische Fischer- sahizeng ,.G. O. 24" aus Goeree wurde am Mittwoch früh m der Nordsee von einem deutschen bl - B o o t durch Schüsse angc- halten. Der Kapitän des U-Bootes machte das Fischerfahczeug oaraus aufmerksam, daß es sich zu weit non der Küste entfernt hätte, woraus das Fahrzeug nach der Küste zurückfuhr.
Die Aussichten des U-Vootkriege§.
Vor etwa zwei Jahren hat Rudyard Kipling einmal erklärt, die Menschheit bestünde aus menschlichen Wesen und Deutschen. Wir können uns den Ausspruch gefallen lassen, denn die richtige Deutung kann nur sein, daß'die Deutschen übermenschliche Wesen sind, und der Londoner „Daily Telegraph" spricht tatsächlich vom Deutschen als dem „Übermenschen". An anderer Stelle freilich erzählt der Artikel auch von dem „verzweifelten Wahnsinn" des besagten Übermenschen. Aber darüber brauchen wir uns nickt zu erregen. Denn man hat ihn schon seit 2y 2 Jahren der ganzen Welt als wahnsinnig geschildert, und jede deutsche Maßnahme war stets „die letzte Verzweiflungstat eines Wahnsinnigen"/ die nicht mehr überboten werden konnte. Auf jede letzte Verzweiflungstat ist jedoch eine weitere letzte gefolgt, und die Erfahrung zeigt, daß dieser „Wahnsinnige" niemals vernünftiger war, als wenn die Psychologen der Londoner Fleet Street ihm den Verstand absp rachen. •
Der verschärfte U-B o o t k r i e g ist eine reiflich nach allen Seiten hin erwogene und sorgfältig vorbereitete Maßregel. Hindenburg ist nicht ein Mann, der ins Blanc hineinredet, und wenn er sagt, wir könnten alle Folgen unserer Sperrgebietserklärung auf uns nehmen, so wird es damit wohl seine Richtigkeit haben. John Bull scheint cL auch gar nicht mehr recht wohl in seiner Haut zu sein. Natürlich suchen die leitenden Persönlichkeiten die Gemüter zu bc- schixichttgen. Die besten Kräfte beschäftigen sich damit, Aü- wehrmittel gegen die grüße Gefahr zu finden, die dem englischen Brotkorb droht, aber daß man eins gefunden hat, davon verlautet nichts. Die Hoffnung ist alles, was man den täglichen Zahlenangaben über versenkte Schiffe entgegenstellen 'kann. Kraftgusdrmke, wie „verrückt gewordener Prussianis- mus, Seepest, Piratentum", mögen die Schreibereitelkeit befriedigen, aber sie heben kein versenktes Schiff, bringen keine neuen Vorräte in die Speisekammer.
Und diese Speisekammer ist keineswegs so geMt, daß England der nächsten Zukunft mit Gleichmut entgegensehcn könnte. Wir wollen uns nicht auf Schätzungen einlasseu, selbst wenn sie sich auf Angaben des „Economist" oder anderer volkswirtschaftlicher Fachblätter Englands stützen; denn durch Streckung läßt sich die Zeit des Aushaltens mit den vorhandenen Vorräten verlängern, und unsere eigene Erfahrung lehrt, was sich durch systematische Zuteilung erreichen läßt.
Mit Sicherheit wissen wir nur, daß in Friedenszeiten bei dem Rückgang der englischen Landwirtschaft fünf-Sechstel aller Lebensmittel von außen em- gefühct werden mußten, und daß während des Kriegs die angebaute Fläche nicht nur nicht größer geworden, sondern sogar etwas eingeschrumpft ist, obgleich Hunderttausend« von Hektaren des besten Werzenbodens verfügbar waren, die nur als Viehweide dienen. Es ist fiir England eben unmöglich, die eigene Erzeugung von Lebensmitteln zu vermehren, we:l es auf dem Lande an Arbeitskräften fehlt. Die immer mehr fortschreitende Industrialisierung hat dein Ackerbau viele MerrfchLN entzogen, und bei dem herrschenden Landsystcm,
das dem Arbeiter eine Verbesserung seiner Lage, ein Selbständigwerden, unmöglich macht, sind die jungen Leute, die noch Schneid hatten, ausgewandcrt, zum größten Teil nach den Vereinigten Staaten, und so der alten Heimat verloren gegangen. Im Vergleich zu Deutschland -war die englische Auswanderung geradezu ungeheuerlich groß.
Die Lage ist nun so, daß England für die Ernährung seiner Bevölkerung zum größten Teil auf überseeisch« Zufuhr angewiesen ist, und wenn diese unterbunden wird, muß eine Gefahr entstehen, wie sie größer gar nicht gedacht werden kann. Die Entziehung des beiten Blutes der Nation durch Auswanderung hat bereits ihren Einfluß auf die allgemeine Gesundheit ausgeübt; in neuerer Zeit ist z. B. die Zahl der Geisteskranken bedenklich gestiegen. Bisher hat England noch keinen Mangel an Lebensmitteln gehabt. Bei den hohen Frachtsätzen fanden sich immer noch genügend neutrale Schiffe, die das Wagnis unternahmen, England mit Korn und Fleisch zu versorgen. Jetzt aber scheint den Neutralen der mögliche Gewinn nicht mehr in Einklang mit der Gefahr zu strheu, und sie ziehen vor, ihre Schiffe aufzulegen. England selbst braucht von seinem eigenen Schiffsraum mehr als die Hälfte für Heer und Flotte, so daß für andere Zwecke nicht genügend übrig bleibt, und dieser Teil ist nicht minder dem Versenktwerden nusgeseht. Wenn England nicht sehr große Vorräte aufgespeichert hat, und um für 45 Millionen Menschen zu genügen, müßten sie schon sehr groß sein, so liegt die Gefahr wirklichen Mangels in nicht allzu weiier Ferne.
Trotz aller Beschwichtigungsversuche verhehlt man sich in England den Ernst, der Lage nicht, daß nämlich England endlich am eigenen Leib zu spüren haben wird, was Krieg bedeutet. Deutschland ist entschlossen, den ungehemmten U-Voot- krieg durchzusühren. Was das heißt, kann nicht besser gesagt werden, als mit den Worten der „Morning Post":
„Gelingt es Deutschland, England zur See abzuschließen und die Stimmen der Neutralen unbeachtet zu lassen, so wird es den Krieg gewinne^!" —
*
Erfolgreicher Flugzeugangriff auf Handelsdampfer und Bahn Ramsgate.
W. T.-B. Berlin, 2. März. (Drahtbericht. Amtlich.) Deutsche Wasserflugzeuge haben am 1. März, vormittags, auf die in den Downs liegenden Handelsdampfer und die Bohnhofsanlagen Ramsgate insgesamt 21 Bomben mit beobachtetem gutem Erfolg geworfen. Sämtliche Flugzeuge sind unbeschädigt zurückgekehrt.
Au; den verbündeten Staaten.
Wechsel im Ami des österreichischen Generalstabschefs.
W. T-.B. Wien, 2. März. (Drahtbericht.) Ein kaiserliches Handschreiben enthebt den Fcldmarschall Conrad v. Hötzendorff unter Verleihung des Grotzkrenzes des Maria Thercsiaordens behufs Verwendung in anderweitiger Stellung von dem Posten als Chef des Generalstabes. Ein weiteres kaiserliches Handschreiben ernennt den Freiherrn A r z von Strausenberg zu seinem Nachfolger.
Yer amtliche bulgarische Bericht.
W. t..b. Sofia, 1. März. Bulgarischer Generalstab sbericht vom 1. März.
Mazedonische Front: Auf der ganzen Front schwache Artillerietätigkeit. -Im Ce rna bogen nahmen deutsche Truppen gestern beim Scheitern eines italienischen Angriffes fünf Offiziere und 31 Mann von dem italienischen Infanterie- Regiment Nr. 162 gefangen. In der Serres- Ebene PatrouiLengefechte. Im W a r d a r - Tal und an der S trnma Fliegertätigkeit.
Oer amtliche türkische Bericht.
W. T.-B. Konstantinopel, 1. März. Amtlicher Heeresbericht. In Persien versuchte am 26. Februar starke feindliche Kavallerie, begleitet von Infanterie, an unsere vorgeschobenen Stellungen an der Straße von Hemedan (Hamadan?) nach Kaswin heranzukommen. Durch Feuer wurden sie abgewiesen. Am 27. Februar land nur ein Gefecht von Aufklärungspitrouillen statt.
K a u k a s u s f r o n t: Auf dem linken Flügel wurde in Her Nacht zum 28. Februar ein it b e r r u m p e - I u n g s v e r s n ch des Feindes a b g e w i e i e n. An den anderen Fronten hat sich am 28. Februar nichts begeben, was einer Erwähnung wert wäre.
Der stellvertretende Oberbefehlshaber.
Die Lage im Westen.
Schamlose Behandlung deutschen Sanitätspersonals und deutscher Verwundeter durch die Franzosen.
Sannätsseldwebel Fritz B. berichtet unter Eid, daß er rm Mai 1915 bei Carrency in einen: Saiiitätsunterltande von den Franzosen gefangen genommen wurde. Im U n t e r it r n d e befanden sich auch noch etwa 15 schwer verwundete Deuiscpe und Franzosen. Vor dem Unterstände crichün ein französischer Arzt -nit einigen Soldaten, erklärte B sur gesange» und fragte sofort die franzojlschen Verwundeten, wie sie von B. behandelt worden seien. Trotzden, die Antwort für B. günstig aussiel, überließ der tranzönsche Arzt, nachdem er V. die I n sl r u m e n t e und das Verbandszeug sortgenommen und die französischen Verwundeten batte sortschassen lassen, ihn und die übrigen deutschen Verwundeten ihrem Schicksale. Nach zwei Tagen erschien ein französischer dirtillerielapitän mit einigen Soldaten. Als er B. vor dem Nnterüande stehen sah, ging er auf ihn zu und schlug ihn, ohne ein Wort zu sagen, vre : mal mit der Reitpeitsche ins Gesicht. B. machte aus seine Rote -Kreuz -Armbinde aufmerksam, erhielt jedoch als Antwort von dem Kapitän mit der Reitpeitsche auf Arme und Hände weitere Schläge.
Am sünstei: Tage endlich wurden die deutschen Schwerverwrm- deten, deren Verwundung schon sieben Tage zurücklag, nach rückwärts geschasst und erhielten dort erst durch den gefangenen deutschen Stabsarzt Dr. L. einen richtigen Verband. In den Wunden fast aller Deutscher befanden sich Maden, da B nach Wegnahme der Instrumente und des Verbandskastens seine Kameraden nicht mebr hatte verbinden können. Nach Fertigstellui:g der Berbände wurde Tr. L. in eine Zelle gesteckt, wahrend B. mit noch anderen deutschen Gefangenen aus dem Gesüngnisbose warten mußte. Endlich kamen sie nach einem Ort in der Nahe. Hier wurden sie desinfiziert, mußten ihre Unterkleider waschen und diese sofort wieder naß anziehi». Mit den nassen Unterkleidern angetan wurden sie noch am gleichen Tage in Viehwagen >n das Gefangenenlager Delle Ile übergesührt.
*
Wenn die Belgier die deutsche Regierung nicht hätten!
Eine in Uccle bei Brüffel wohnhafte Belgiern schrieb am 10. Februar 1917 an ihren in deutscher Kriegsgefangenschaft befindlichen Sohn, einen Bankbeamten, u. a.: „...Hier geht noch immer alles- sehr gut, und ich hoffe, daß Du so wohlauf bist wie wir und es Dir an nichts fehlt. Das ist alles, was wir für den Augenblick wünschen können, indem wir das baldige Ende des Krieges erwarten. Ich bin der besten Hoffnung, mein Kind, daß es nicht niehr laiige dauert. Alle Welt hat genug vom Kriege; nur die Wucherer möchten, daß er noch recht lange währe; denn sie machen dabei ihr Glück. Wenn wir nicht die deutsche Regierung hier bätten, wären wir schon lange vor Hunger ge st orben. ..."
20 000 Personen wegen drohender Hungersnot aus Reval verwiesen.
V/. T.-B. Christtania, 2. März. „Astonposten" meldet aus Petersburg: 2 0 000 Personen würben vor kurzen: wegen Mangels an Lebensmitteln und infolgedessen drohender Hungersnot aus Reval ausgewiesen.
welchen Charakter soll der 5riede haben?
Es ist eine Ironie der Tagesgeschichte, daß Herr v. Heydebrand sich von Blättern seiner Richtung heftig tadeln lassen mußte, weil er auf eine Anfrage vor kurzem erklärt hatte, üö-r den künftigen Frieden lasse sich doch eigentlich nichts sagen, da alles von dem Bilde abhängen werde, das am Tage der Einstellung von Feindseligkeiten da sein werde. Herr v. .Heydebrand verzichtet also kür seine Person darauf. Kriegsziele aufzustellen, von denen er nicht wissen kann, ob wir die Macht haben werden, sie zn erzwingen. Das ist vernünftig gedacht, es ist aber keineswegs zaghaft. Die Alldeutschen, die den konservativen Führer wegen seiner Äußerung angriffen, legen ihm ganz gewiß zu Unrecht den Gedanken unter, daß wir uns von vornherein enge Schranken ziehen sollten. Das kann Heydebrand nicht, gemeint haben, vielmehr läßt seine Auffassung sehr wohl die weitestgehenden Absichten in bezug auf die Sicherung unserer Weltsteüung zu, nur daß er als kluger Wann die Überzeugung hat, is sei mit den Absichten nichts getan, wenn man nicht die Kraft habe, sie auszuführen. Deshalb also, so wird er weiter gedacht haben und noch denken, müßten wir die äußersten Anstrengungen macken, jedoch vorher davon reden und uns aus Ziele festlegen, deren Erreichung erst vom ferneren Verlauf des Krieges abhängen kann, dies gerade will er nicht, und das ist verständig. Wir sind genau derselben Meinung. Wir können es deshalb al'.ch nicht billigen, wenn die Richtungen, die für einen sogenannten DerstänLigungsfrieden sind, den konservativen Führer für sich in Anspruch nehmen. Mit diesem Verständigungsfrieden ist es überhaupt eine besondere Sacke. Nur bei uns und in Österreich-Ungarn wird die Formel gebraucht, bei unseren Feinden treffen wir sic nirgends an. nicht einmal inner halb jener spärlichen Gruppen, die sich dem überragenden Der- nichtungswillen der Regierungen und der Völker ent- gegenstdm.men. Auch sie wollen keine Ver ständigun g
