gftte S. MStwoch, 28. Februar 1917.
Wiesbadener Tagblatt.
Abend-Ausgabe. Erstes Blatt. Nr. 108.
Worden. Wir wünschen, daß er uns bald den Frieden bringt. » Die weitere Fclge wa: der Abbruch der Beziehungen zu | Amerika. Wir bedauern dies aufs tiefste. Wir werden gegen jeden neuen Gegner kämpfen, unser Volk und unsere Regierung müssen aber gemahnt werden zu nüchterner Einschätzung des Erreichbaren. Der Reichskanzler erklärt, nichts von seinen früheren Erklärungen foctzünehmen. Dazu gehört das Friedensangebot, durch das die Ehre, Dasein und Entwicklungsfreiheit aufrechter halten bleiben sollen. Graf Tisza hat wiederholt erklärt, Ungarn und seine Verkündeten seien auch jetzt zu Friedens- Verhandlungen bereit.
Bei «ns sind dagegen Kräfte am Werk, die von einem Koller befallen sind.
* Ae nennen es fälschlicherweise furor teutonicus, wenn sie blindlings um sich schlagen und immer noch zu wenig Fernde haben. Mit Frivolität wollen dies: Kräfte Militär- und Zivilbehörden verhetzen. Wir find Gegner des Polizeiknüppels im politischen Kampfe, wird er aber angewandt, dann mutz es gleichmäßig geschehen, auch gegen Kirdorfs und Knorr. (Sehr richtig!) Liebknechts Tot geschah aus ehrlich gemeinter Schwärmerei, verglichen mit dieser gemeingefährlichen Bombe.
Diese Vorgänge grenzen au Landesverrat. Abscheu und
Entrüstung herrschen gegen solches Treiben im Volke.
Die muen Steuern werden wieder dem Verkehr und oem Verbrauch auserlegt. Für eine solche Finanzkunst haben wir kein Verständnis. Wir müssen an ihre Stelle gerechtere Steuern stellen. Der Sturm gegen die Habgier der schamlosen Wucherer ist riesengrotz. Landesverrat treiben auch die, die das Volk auspowern und aus seiner Not Nutzen ziehen. Man spiele nicht mit dem Feuer! Typisch find die Malzschiebungen in Bayern. An den Pranger mit diesen Schiebern! Wir stehen jetzt vor dem kritischsten Monat in der Ernährung. Man greife r ü ck s i ch t S - los zu, um die Ernährung des Volkes sicherzustellen! Zugunsten des Güterverkehrs konnte nian den Personenverkehr tagelang ganz unterbrechen, nur den Zug sollte man bereitholten. der uns so bald wie möglich den preußischen Landwirtschaftsminister entführt. (Sehr gut!) Die Einbringung eines neuen Fideikommitzgesetzes ist ein Schlag ins Gesicht in einer Zeit, wo man vor derartig wichtiger! Dingen steht.
Die kleine» aber mächtige Partei will noch retten» was zu retten ist.
Sie hat mehr Angst als Vaterlandsliebe. Was wir und das dentfche Volk geleistet haben, geschah, weil alle die Pflicht für das Vaterland erkannten. Gleiche Pflichten, gleiche Rechte! Es heitzt auch nickt: Preußen erster Klasse tu den Schützengraben, die zweiter Klasse in die zweiten und die dritter Klasse in die bombensicheren Unterstände! (Sehr gut!) Unsere feldgrauen Helden wären Feiglinge, wenn sie in bezug auf das Wahlrecht auch nur einen Finger breit ihre Rechte preisgeben würden. (Sehr richtig!) Durch den Belagerungszustand werden Spitzel- und Denunziantentum grrtzgezogen. Schaffen Sie ihn ab! Er ist unerträglich! Was uns hält und trägt, ist die Einsicht unseres Volkes in die bitteren Notwendigkeiten, die ihm die Not der Zeit auferlegt.
Ich glaube an die Zukunft unseres Volkes. Wir gehe»
mit unserem Volk durch Rot und Tod. vorwiirts und aufwärts.
(Lebhafter Beifall.)
ES folgt die gemeldete Zurückweisung der Angriffe auf den Landwirtschaftsminister durch den Reichskanzler.
Abg. Dr. Wiemer (Vpt):
Auch wir sehen unsere Dezembertagnng als eine Sitzung von historischer Bedeutung an. (Unruhe im Hause. — Vizepräsident Dove ersucht die Mitglieder, sich außerhalb des Saales zu unterhalten. — Viele Abgeordnete v e r l a s s en den Saal.) — Wir haben für das Friedensangebot volle Zu- sttmmung. Unser Friedensangebot ging nicht darauf aus, unsere Gegner zu zerschmettern und zu zersplittern. Wir danken dem Kaiser und seinen Beratern, dotz sie bemüht waren, da? Ende des Krieges, des Blutvergießens herbeizn führen. Mihgriffe im Belagerungszustand und in der Schutzhaft verurteilen wir entsckiedcn. Wir verwerfen diese Art des Militarismus. Tie Gegner benutzen den Hinweis auf den preuhischen Militarismus, um Zwietracht zu säen zwischen Nord und Süd. Die Bayern empfinden dies als eine Beleidigung ihrer Bun- deStreue. Für uns gibt es nur ein Kämpfen und Siegen.
Ter Nntersecbootskrieg soll die Freiheit der Meere bringen. Menschenleben müssen noch Möglichkeit geschont werden. In Amerika stimvren weitere Volkskreise der Politik WUsons nicht zu. Ebenso sind sie Gegner der Munitionslieferung gewesen. Ein Zurück gibt es für uns nicht, nur ein Vorwärts. Die Kriegskredite haben wir bewilligt. da müssen wir auch für die Deckung sorgen. Der Milliardensegen aus der neuen Kriegsgewinn - st e u e r mutz bald in die Erscheinung treten. Verkeyrssteuern halten wir aber für hcch st bedenkIich. Die Einbringung des Fideikommitzgesetzes bedeutet einen Bruch des Burgfriedens, an dem der Kanzler unschuldig ist.
Ans dem Kriege wird ein Volk erstehen mit gesteigertem Staatsbewußtsei» und Staatswillen.
Wir geben der neuen Zeit mit unbeirrbarer Zuversicht en!gegen. Aber gegenwärtig heitzt es alles einsetzen, draußen, in der Heimat, mit eisernem Willen, bis der Sieg errungen ist. Wir hoffen, datz uns bei der nächsten Etatsberatung die Senne des Friedens beschieden sein möge zum Segen für dos deutsche Volk uud die Menschheit. (Beifall.)
Abg. Graf Westarp (kons.):
Inniger Dank gebührt unserem Volke drautzen und in der Heimat, auch dem stillen Heldentüm, mit dem unser Volk alle Schwierigkeiten erträgt. Wir alle sind mit Stolz und Befriedigung erfüllt für die Bereitschaft, mit der auch die breiten Massen für das Vaterland initwirken. Das gilt für alle, ohne Unterschied, ob arm, ob reich. Treu find alle Söhne unseres Volkes.
Wie unser Heer vom Kanal bis zum Schwarzen Meer» so häuft unser Unterseeboot Erfolg auf Erfolg.
Dabei vergessen sie nicht die Schonung von Menschenleben. Kein Wort des Dankes kann innig und tief genug empfunden werden. (Bravo!) Der Etat entfernt sich immer mehr von ,der Wirklichkeit. Zu begrühen ist die Vermehrung des (Fonds für die Änfiedlung der Kriegsbeschädigten. Mit der ^einfachen Redewendung von der Abschlachtung deS BieheS
zur Erleichterung der Volksernährung ist es nicht getan. Wo soll die Milch dann Herkommen? Unter Neuorientierung wird vielfach nichts anderes verstanden als die Demokratr- sierung unserer Verwaltung, und dafür sind wir nicht zu haben, wenn auch weitgehende Neuerungen notwendig sind. Was sich im Kriege bewährt hat, mutz erhalten bleiben. Über das preußische Wahlrecht sprechen wir im preußischen Abgeordnetenhaus und nicht hier. Sie (nach links) erblicken >n dem Fit eikomm itzgc setz einen Bruch des Burgfriedens, nicht aber in der Erörterung des Wahlrechts. Der Reichstag mutz seine Rechte vcll wahren, aber auch die Rechte anderer anerkennen. Die Kränkung unseres Kaisers uud des deutschen Volkes, die darin liegt, datz die Feinde unser Friedensangebot als ohne Aufrichtigkeit und ohne Bedeutung bezeichnen, braucht sich unser Volk niemals bieten zu lassen.
Wir müssen an die Zukunft denken und wir wollen deshalb die Daseinsbedingunge» unseres Volkes für dir Zukunft sichern.
Die Voraussetzungen für die Friedensbedingungen haben sich geändert. Wir werden abermals andere Bedingungen stellen müssen. Nach dem Kriege inüssen bei uns Industrie, Handel und Verkehr konkurrenzfähig bleiben und nicht unier englisch-amerikanischen Einfluß kommen. Wir dürfen daher unser Wirtschaftsleben nicht mit den ungeheuren Summen belasten, die der Krieg verursacht hat.
Unser Volk und unsere Krieger verlangen nach Siedlungsland und dies muh in den mit unterem Blute cr- »berten Gebiete» geschaffen werden, in Kurland und Pole».
Zum Kriegfühceu gehören in erster Linie Erz und Kohlen, und beides finden wir in den eroberten Gebieten. Den Antwerpener Hafin haben wir unbedingt nötig zur Verteidigung gegen England, und Ostpreußen mutz gegen einen neuen Einfall der Russen geschützt werden. Auch wir haben den Wunsch, daß die Beziehungen zu Amerika uicht verschärft werden, es darf aber nicht der Anschein erweckt werden, als ob unsere Seesperre eingeschränkt wird. Die Verantwortung für die Versenkung der holländischen Schiffe fällt auf England. Bei dem Unterseebootskrieg kommt es uns nicht auf die Versenkung neutraler Schisse an. sondern darauf, datz die neutralen Schiffe aufgelegt werden. Dre Taten unseres Heeres und feiner genialen Führer geben uns die Zuversicht, datz das deutsche Volk rricht untergehen kann, datz unsere tapferen Kämpfer den vollen und uneingeschränkten Sieg erringen, den unser Volk ersehnt und den wir nötig haben, um zu dem Frieden zu kommen, der uns Dasein, Sicherheit und EntwicklungSmöglrchkeit für alle Zukunst verbürgt.
Darauf vertagt sich das Haus auf Mittwoch 1 llhr.
Schluß 5% Uhr.
Der Tauchbootkr-eg.
Neue Taten unserer U-Boote.
W. T.-B. London, 27. Febr. Lloyds meldet: Die britischen Dampfer „Seagull" und „Haetley" wurden versenkt.
W. T.-B. London, 26. Febr. (Meldung des Reuter- schen Bureaus.) Der englische Dampfer „Algiers" (2361 Tonnen) und der maltesische Segler „Nostra Signora bei Porto Saldo" (136 Tonnen) sowie zwei Kutter „Agnes" imb „George Beuson" find versenkt worden.
W. T.-B. London, 27. Febr. Lloyds meldet, daß der englische Segler „Hannah Crosdill" (161 Brutto- registertonoen) versenkt wurde.
W. T.-B. Amsterdam, 27. Febr. Das Haager Korrespondenz-Bureau erfährt, datz von den Dampfern „Eemland". „Bandoeng" und „Zaendfik". die nach der Torpedierung treibend blieben, keine neue Nach- richten eingetraffen sind. Man hat von den Schiffen keine Spur mehr entdeckt. Die britische Admiralität vermutet, datz fie gesunken sind.
Eine große französische Fischerflottille versenkt.
W. T.-B. Bern, 88. Febr. (Drahtbericht.) Ei« Mitarbeiter des „Matin", der mit Fischern des Kanal» eine Unterredung hatte, teilte mit, vor einige» Tagen sei eine große Fischerflottille von einem Unterseeboot versenkt worden.
Das „Petit Journal" meldet aus Feeamp: Infolge des Steigens der Seeversicherung und der Gefahre« des Unter- seebootskrirges werden in diesem Jahre nur 14 französische Segelschiffe zum Fischfang nach Neufundland fahren.
Der Angriff eines deutschen U-Boots auf ein englisches Kriegsschiff.
Br. Berlin, 27. Febr. (zb.) „Politiken" meldet, laut „Nat.-Ztg." aus Amsterdam: Drei englische Dampfer mit Paket- und Briefpost sind in Rotterdam angelangt. Die Schiffe wurden bis zur holländischen Territorial - grenze von englischen Kriegsschiffen eskortiert. In offener See wurde der Konvoi v e r > ch i e d « n e m a I heftig von eineut deutschen U-Boot angegriffen, und erst nach einem außerordentlich erbitterten Km m p f. bei den: »as deutsche U-Boot ständig auf- und niedertauchte, glückte es denr englischen Kriegsschiff, den energischen Feind zu vertreiben. der aber keinerlei Schaden genommen hat.
De-e amerikanische HeraltSfordernngS- dampfer „Orleans" tatsächlich entkommen.
w T.-B. Bordeaux, 27. Febr. (Mfidung der Agence Havas.) Der Dampfer „Orleans" ist auf der Reede von Pauillac eingetroffsn.
Das Renommieren mit dem großen „Erfolg" des „Orleans".
Aus Basel, 27. Febr., meldet die „Franks. Ztg.": An den Schiffswänden des „Orleans" stehen in riesigen Lettern, umrahmt von amerikanischen Fahnen, die Worte „Bordeaux-Rew Uork". Schiffskommandcmt Trucker erklärte auf Anfiaqe, das Fahrzeug habe New Uork am 10. Februar verlassen. Die Reise sei ohne Zwischenfall verlaufen. „Wir waren nichtbewaffnet und fuhren nur unter dem Schutz unserer nationalen Flagge. Die Besatzung war ohne jede Erregung tri See gegangen. Natürlich waren alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, da wir eine Torpedierung befürchteten. Trotz heftigen Sturmwinds, der die Reife verzögerte, verlies die Reife glücklick. Das Schiff erreichte die Sperre schon am
23. Februar, 10 Uhr früh, wurde aber in keiner Weise belästigt." — Die „Agence Havas" meldet aus Paris: Die Ankunft des Dampfers „Orleans", der nach der „Philadelphia" und zwei brasilianischen Schiffen die -Sperrzone durchbrach, wird als ein neuer und unbestreitbarer (?) Beweis dafür angesehen, oatz es den Deutschen nicht möglich ist, die Blockade der französischen Küsten in wirksamer Weise durchzuführen. — Die Zeitungen sind von Einzelheiten über die Reise und der Ankunft des amerikanischen Schiffes und von Kundgebungen der Begeisterung zugunsten Amerikas sowie von Interviews mit Kapitän Trucker angesnllt. Sie begrüßen in dem mutigen Akt der Amerikaner die stolze Antwort der großen Republik .ruf die Tanchbootkampagne und der Bestättgung des Willens der amerikanischen Regierung und des amerikanischen Vglkes, ihre Freiheit zu verteidigen.
Zur Torpedierung der „Lcrconia".
W. T.-B. London, 27. Febr. (Meldung des Reuter- schen Bureaus.) Die Cunard-Gesellschaft teilt mit: Alle Personen an Bord der „Laconia" sind gerettet worden.
W. T.-B. London, 27 Febr. „Daily Chronicle" meldet aus Oueenstown: Die „Laconia" ist bei verhältnismäßig ruhigem Wetter torpediert worden und überholte stark. Die Boote konnten nur mit großen Schwierigkeiten herabqelasien werden. Es gab keine Panik. Noch den Schätzungen der Passagiere sind 10 bis 22 Personen ertrunken, darunter zwei Amerikaner. Im ganzen waren etwa 300 Menschen an Bord, darunter sechs Amerikaner. Die Torpedierung geschah am Sonntagabend 1410 Uhr.
(Notiz des W. T.-B.: Dem widerspricht die Meldung der Direktion der Cunard Line, daß alle Personen, die sich an Bord der „Laconia" befanden, gerettet sind. Es läßt sich vorläufig nicht festsiellen, welche Meldung die spätere ist.)
Bei der Torpedierung der „Laconia" 2 Amerikanerinue» umqekommen.
W. T.-B. L-ndon, 28. Febr. (Drahtbericht.) Es wird bestätigt, daß bei der Torpedierung der „Laconia" zw« Amerikanerinnen umgekommen sind.
W. T.-B. Amsterdam, 27. Febr. „Algemecn Handelsblatt" meldet aus London, daß aus den Berichten über die Torpedierung der „Laconia" hcrvorgeht. daß das Schiff zweimal getroffen wurde. Der zweite Torpedo traf 20 Minuten nach dem ersten, nachdem die Boote Herabgelasien worden waren. Tie acht Boote trieben von Sonntag 10 Uhr abends dis Montag früh umher. In einem Boot, das leck war, starben einiqe Passagiere an Erschöpfung.
Sabotage auf einem englischen Dampfer au- Angst vor de« U-Booten.
W. T.-B. Rotterdam, 27. Febr. Der englische Dampfer „Tosca". der am 26. Februar in See gehen sollte, konnte nicht auslaufen, weil die eigene Mannschaft die Maschinen zum Teil zerstört hatte.
Ein französischer Mmensucher zerstört.
W. T.-B. Bern, 27. Febr. „Tenips" zufolge 'st der Minensucher „Nnelle" bei einer Patrouillensahct auf eine Mine gestoßen und gesunken.
Amerika vor der Entscheidung über Arieg und Zrieden.
Unzufriedenheit der Kriegspartei.
Die Bersevkung der „Laconia" — die entscheidende „offene
Tat"?
(Drahtbericht unseres v.-SsnderberichterstatterS.I
17. Rrtterdem, 28. Febr. (zb.) Der „Nieuwe Rottecd. Courant" meldet: Nach den New Yorker Meldungen der
Londoner konservativen Presse scheint die Krieg-Partei in den Vereinigten Staaten unzufrieden mit Wilson zu sein, da sein Zögern befürchten läßt, daß der Präsident dem Kongreß keine offene Kriegserklärung an Deutschland in Vorschlag bringen will. So läßt sich „Daily Telegrapb" aus New York kabeln: Niemals sei erne Botschaft des Präsidenten mit sc wenig Wärme empfangen worden, als seine letzte, weil sie keine prakttschen Vorschläge zur Aufklärung der Lage enthalte, die das ganze amerikanische Volk erniedrige und für die Handelsinteressen ganz unerträglich werde. Rur die deutschfreundliche Presse sehe gern, daß die Entscheidung über Krieg und Frieden in oic Hände Wilsons gelegt würde. Die Volkskreise verlangten, daß der Kongreß Wilson irgendwelche diktatorische Macht verw'eigern solle.
„Daily News" meldet aus Washington: Wilson konferierte mit Lansing über die Versenkung der „Laconia". Der Presse wird mitgcteilt die Regierung erachte die Versenkung als eine offene Tat. in dem Sinne, den Wilson vor dem Kongreß als feindselig charakterisiert hatte. Wilson erklärte jedoch, weitere Nachrichten abwarten zu wollen, bevor Entscheidungen gefaßt würden.
Deo Präsident verkannt unter Betonung seiner Friedensliebe alle Machtbefugnisse zum Eintritt in den Krieg.
IV. T.-B. Washington» 26. Febr. (Meldung des Reuter- scheu Bureaus.) In seiner Botschaft an den Kongreß sagt Wilson: Wir machen kritische Zeiten durch, in denen ich verpflichtet bin, in enger Fühlung mit den beiden Kongretzhäusern zu bleiben. Die am 1. Februar angrkündigte deutsche Taktik ist jetzt fast vier Wochen angewendct, ihre praktischen Folgen sind noch nicht ganz übersehbar. Der Handel der anderen neutralen Länder ist ernstlich geschädigt, obwohl vielleicht n'cht mehr als vor dem 1. Februar, da die neue Kriegführung anfing. Wir haben die übrigen neutralen Regierungen aufgefordert, mitzuarbeiten, diese Zerstörung zu beendigen. Aber ich fürchte, keine von ihnen erachtete eine gemeinsame Aktion mit den Bereinigten Staaten für ratsam. Unser eigener Handel leidet ebenfalls mebr durch das Abwarten als durch die eigentlichen Ereignisse, mehr durch das ängstliche Liegenblerben so vieler unserer Schiffe in den amerikanischen Häfen als dadurch, daß so viele Schiffe in den Grund geboxt werden.
