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Donnerstag. 22. Zebruar 1917.
Morgen-klusgabe.
Nr. 96. . 65. Jahrgang.
Oer eiserne Ring um England.
Vertrauliche Mitteilungen der Staatssekretäre ttit Hauptausschutz des Reichstags.
Die an den hemmungslosen U-Bootkrieg geknüpften Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern üdertroffen. — Seit einziger Truchbootsverlust seit dem 1. Februar. — Die Nordsee völlig reingescgt. — Die britische Versorgung mit den nnentbehrlichen Bedarfsartikeln dicht an den Gefahrpunkt
herangerückt.
W.T.-B. Berlin, 21. Febr. (Drahtbericht.» Der Hauptausschuß des Reichstags ist heute vormittag zusammengetreten. Die Beratungen, denen auch die Staatssekretär H e l f f e r i ch, v. Capelle, Graf von Rödern und Zimmermann beiwohnten, waren zunächst vertraulich.
Der Staatssekretär des Auswärtigen machte vor Eintritt in die Tagesordnung eingehende vertrauliche Mitteilungen über die Entwicklung der politischen Lage seit deni 31. Januar. Er behandelt« die Haltung der verschiedenen neutralen Staaten und stellte ein Weiß b u ch mit den gewechselten diplomatischen Schriftstücken in Aussicht. Der Staatssekretär ging dabei ausführlich auf die Lage ein, di« Amerika gegenüber durch den Abbruch der diplomatischen Beziehungen eingetreten ist. Zum Schluß sprach er unter dem Beifall des Ausschusses seine feste Zuversicht aus, daß wir durch die Anwendung der U-Bootswaff? das Vorgesetzte Ziel erreichen! werden.
Der Staatssekretär des Reichsmarineamts betonte in längeren, vom Hause mit lebhaftem Beifall begrüßten Ansführungen, daß die Er w a r t u rrg e n, die die Marine in den uneingeschränkten N-Bootskrieg gesetzt babe, nicht nur erfüllt, sondern übertroffen worden seien. Bei der systematisch durchgeführten Der- schleierung, deren sich vor allem die englische Presse in bezug auf Schiffsversenkungen auf Veranlassung der Regierung befleißigt, sei es naturgemäß schwierig, schon jetzt mit sicheren Zahlen hervorzutreten. Die vor einiger Zeit in einer großen Berliner Tageszeitung gebrachte Zahl von versenkter Tonnage sei — dafür hätten ftvir bereits Beweise in Händen — keineswegs zutref- send. Wir würden out tun, derartige summarische Zusammenstellungen, die von unseren Feinden nur dazu benutzt würden, gegen uns • zu agitieren und die !großen Erfolge des Ü-Bootskrieges zu verkleinern nnd zu verschleiern, lieber zu unterlassen, bis die amtlichen Feststellungen vorliegn. Er könne, obgleich eine Reibe von Unterseebooten entsprechend ihrem »großen Aktionsradius und den ihnen erteilten Weisungen von ihrer Streife noch nicht in ihre Ausrüstungshäfen zurückgekehrt sind, schon jetzt versichern, daß das Ergebnis die von der Marine gehegten Erwartungen übertresse. Sehr erfreulich sei, daß keine Veranlassung vorliege, mit dem V e r l u st a n dj nur eines Bootes s->it dem Beginn des uneingeschränkten U-Vootskrieges zu rechnen. Die Abwehrmatznahmen, von denen in der englischen Presse und im »englischen Parlament so viel Wesens gemacht wird, palten sich nach d->n Meldungen der zurückgekehrten U-Boote in normalen Grenzen In der Nordsee herrsche so aut ww gar kein Schiffsverkehr, die neutrale Schiffahet sei offenbar so gut wie einae- fchränkt. Zusammenfasiend könne die Marine, bemerkte |ber Staatssekretär, mit der größten Zn verficht der weiteren Entwickelung des U-Bootskrieges ent- lgegenseben. Die Erwartungen, die das deutsche Volk an sie knüvfe, seien durch die bisherigen Ergebnisse voll gerechtfertigt worden.
Der Staatssekretär des Innern wies auf die starke Verschlechterung der Versorgung Englands mit unentbehrlichen Bedarfsartikeln — Lebensmitteln, Grubenholz — und der Kohlenversorgung der Alliierten und Neutralen durch England im Dezember 1916 bin. Der Rückgang gegen Dezember 1915 sei erheblich größer als der Durchschnittsrückgang des ganzen Jahres 1916 gegen 1915. Die Zahlen zeigten, daß die britische Versorgung d i ch t a n d e n G e- fahrpunkt heran gerückt sei. Auch vom wirtschaftlichen Standpunkt könne mit aller Bestintmtheit aui die vollste Erfüllung aller an den U-Bootskrieg geknüpften Erwartungen gerechnet werden. (Beifall.)
Nach Eintritt in die Tagesordnung ergriff der Staatssekretär des Reichsschatzamts Graf v. Rödern das Wort zu eingehenden vertraulichen Ausführungen über die finanzielle Lage.
*
Versenkt!
W.T.-B. Sfttbott, 21. Feer. (Drahtbericht. Reuter.) Der englische Segler „Centurio" (1828 Tonnen) ist versenkt
Worten.
Ein verständiges schwedisches Sachverständigenurteil.
W. T.-B. Stockholm, 21. Febr. (Drahtbericht.) Der Militärschriftsteller Ernst L i j e d a h l behandelt im „Astonbladed" die rechtliche Grundlage des deutschen U-Boots- kriegs. Er weist nach, daß England das Land war, das zuerst alle Völkerregeln mit Füßen getreten ba!be. Im Anschluß daran erklärt Lijedahl: die Lage ist jetzt so, daß England seit zweieinhalb Jahren die Hungerblockade aufrecht erhält, aber keine Morrl kann das deutsche Volk zwingen, zu verhungern. Es hat lange genug Rücksicht auf die neutralen Schiffe nach England genommen. Jetzt aber hat dre große Entscheidungsstunde geschlage.i. EnAa.id hat die Hungerblockade als Waffe geführt, Deutschland antwortet mit der gleichen Waffe. Das ist auch sein Volksrecht. Kants Volk kommt hiermit zu den kategorischen Imperativ, der befiehlt, England zu besiegen. Das bedeutet für uns Schweden vor allem, daß Rußland nach Asien gedrängt wird. Wir hatten vor dem Krieg nichts gegen England, aber dies Reich kämpft für die Ausdehnung der russischen Unterdrückung in Europa, deshalb müssen wir Englands Niederlage wünschen. Wir können nichts Besseres tun, als unsere Schiffahrt nach England so viel wie möglich zu unterbrechen, um das Loben der eigenen Matrosen zu retten. Dabei können wir über die Ostsee mehr Fühlung mit Deutschland gewinnen. Wird England darch die N e m e s i s erreicht, so wird die Entente geschwächt, so daß hie Neutralen sich zu den Mittelmächten hinzngezcgen fühle i. Dadurch kommen auch Schwedens Interessen in eine bessere Lage. •
Lord Fisher als Retter aus der Not?
17. Rotterdam, 21. Febr. (zb.) Im englischen Unterhaus sagte McNamara, die Regierung gebe nie an, wie oder wo die verlorenen Handelsschiffe gesunken seien. — Holt bemerkte, die Regierung untersage der Presse, Meldungen zu bringen, aus denen hervorgehe, daß die gesunkenen Schiffe versenkt worden seien. — „Manchester Guardian" erklärt, die Nation rufe zur Bekämpfung der Unterseebootsgefahr wieder nach Lord Fisher, dessen große Kenntnisse man jetzt nicht entbehren könne. Die Northcliffe-Blätter protestieren dagegen, daß Lord Fisher wieder zurückgerufen werden könne.,
Die Sperrung englischer Häfen.
W. T.-B. London, 21. Febr. (Drahtbericht.) Die Londoner „Gazette" teilt mit, daß bis auf weiteres nur britische und alliierte Schiffe Plymouth anlaufen dürfen. Die Admiralität hat verboten, daß fremde Lotsen in den Häfen und Territorialgewässern des Vereinigten Königreichs von Darmouth bis Abberead tätig sind.
Vernünftiges Verhalten spanischer Reeder.
W. T.-B. Madrid, 21. Febr. (Drahtbericht. Funk- spruck des Vertreters des Wiener Korrespondenzbureaus.) Di« Reeder Valencias haben beschlossen, die Sperrzone zu meiden, und sobald als möglich den Schiffsverkehr mit den neutralen Ländern aufzunehmen. — „Action" meldet, daß die Schiffsbauer in Ba r c e l o n a in einer Generalversammlung bei der Regierung gegen das Vorgehen einiger Reeder protestierten, die beabsichtigten, spanische Scbiffe in das Sperrgebiet zu schicken und sie dadurch der Unterseebootsgefahr auszusetzen.
Zum Stillstand der dänischen Schiffahrt.
Br. Kopenhagen, 21. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie „Berlingske Tidende" mitteilt, besteht Aussicht, daß der Konflikt zwischen den dänischen Schiffahrtsgesellschaften und den Organisationen der Seeleute, der zum vollständigen Stillstand der dänischen Schiffahrt geführt hat, noch im Laufe des heutigen oder morgigen Tages beigelegt wird. Die Seeleute werden in der Frage der K r i e g s z u l a g e, die zum Abbruch führte, neue ermäßigte Vorschläge machen.
-i-
Holländische Mißstimmung über die englische Seetyrannei.
(Drahtbericht unseres ^.-Sonderberichterstatters.)
17. Rotterdam, 21. Febr. lzb.) Der „Reue Rotterd. Courant" protestiert in einem Leitartikel gegen die englische Willkür gegenüber den holländischen Schiffen. Kohlen abzu- geoen, könne England ablohnen, oder auch sie nur unter gewissen Bedingungen liefern, aber die Schiffe festh alten, bis andere holländische Fracht für England abzuholen sichverpftichten, sei eine Prellerei.
Die irischen Autonomie-Ansprüche.
W. T.-B. Rotterdam, 21. Febr. Der „Nieuwe Rotterd. Courant" meldet aus London: In der gestrigen Unter hauZ- sitzung fragte der Nationalist Lynch den Staatssekretär des Äußern, ob er daftir sorgen werde, daß entsprechend beglaubigte Vertreter Irlands in der internationalen Konferenz, die die Friedensbedingungen fesffetzen würde, eine unabhängige Erklärung über das Recht Irlands aut Selbstverwaltung abgeben könne. Balfour antwortete verneinend. Bvnar Law sagte in Beantwor
tung einer Anfrage des Abgeordneten Lynch, ob die Autonomie auf der Reichskonferenz zur Sprache gebracht werde, daß die Beratungsgegenstände der Konferenz vermutlich erst nach der Ankunft der Vertreter der überseeischen Dominions feistgesetzt werden würden. Über Fragen, die die Verwaltung des Vereinigten Königreichs beträfen, könnte einzig und allein das Reichsp arlament entscheiden. Aber man werde den Auffassungen der irischen Vertreter Rechnung tragen.
Deutschland und slmevika.
Keinerlei Eile in Amerika, mit Deutschland zu brechen!
Nr. Lugano, 21. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Washingtoner Berichterstatter der „Morning Post" schildert die überaus delikate Lage Wilsons. Falls dieser die Ermächtigung zur Kriegserklärung verlangen sollte, würde sie das Parlament verweigern; mindestens wäre vorher ein derartiger parlamentarischer Kampf nötig, daß das Land in eine für eine wirksame Kriegsführung einfach verhängnisvolle Verwirrung gestürzt wird. Auch der Londoner Berichterstatter des „Corriere della Sera" warnt vor übertriebenen Hoffnungen auf Wilson. Der Präsident zeige keinerlei Eile, mi: Deuffchlcmd zu brechen, denn er scheue den Kongreß, wo auch Deuffchfreunde und Friedensparteiler zahlreich und gewalttätig seien.
Wie Wilson sich die „kraftvolle" Ausrechterhaltung der „Neutralität" Amerikas denkt.
Aus dem amerikanischen Senat.
Br. Rotterdam, 21. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) L a »s i u g forderte den juristischen Ausschuß des Senats auf, die Vorlage schnell zu erledigen, die den Präsidenten ermächtigt, die bewaffnete Macht zu benutzen, um die Verpflichtung der Neutralität kraftvoll zu erhalten für den Fall, daß ein bewaffnetes Schiff eines kriegführenden Staates, das in einem amerikanischen Hafen interniert ist, zu entkommen ver- suchen sollte. Der amerikanische Senat nahm mit 60 gegen 10 Stimmen t-ie Vorlage gegen Spionage an. Ein Teil der Vorlage ermächtigt den Präsidenten, Schisse und Fahrzeuge mit Munitionstransporten, die für den Feind eines Landes, niit dein Amerika in Frieden lebt, bestimmt sind, zu beschlaguahnren, anzu- halten oder sequestrieren.
Ter Nachrichtenverkehr zwischen Deutschland und Amerika.
Eine Anfrage au den Reichskanzler.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 21. Febr. (Eig. Meldung, zb.) Der fortschrittliche Abgeordnete Dr. Heck sch er hat folgende Anfrage an den Reichskanzler gerichtet: Seit Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland ist der Nachrichtenverkehr zwischen den beiden Völkern auf gefälschte und verhetzende Reutermeldungen beschränkt. Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, ob von amerikanischer Seite irgendwelche Maßnahmen getroffen worden sind, einen von Reuter und der englischen Regierung unabhängigen Nachrichtendienst zwischen Amerika und Deutschland aufrecht zu erhalten?
Ernstliche Volkskrawalle in New Port.
W. T.-B. Rotterdam. 21. Febr. (Drahtbericht.) „Daily News" melden aus New D o r k : Gestern brachen in zwei Volksvierteln ernstliche Krawalle aus wegen der Preissteigerung in Lebensmitteln, namentlich in Kartoffeln. Tie Knappheit der Lebensmittel sei verursacht durch die deutsche Blockade. Auch die Städte an der Atlantischen Küste seien von einer Hungersnot bedroht. Die Polizei New Dorks mußte zahlreiche Verhaftungen vornehmen.
Der Krieg gegen England.
„Wenn wir nicht genug Arbeitskräfte haben» tvird die Politik Hindenburgs siegen."
W.7.-B. Rotterdam, 20. Febr. Zu der in den Rorth- clifse-Blättcrn vorgeschlaaenen Maßregel, das militärische Dienstalter bis ruf 80" Jahre zu erhöhen, schreibt, wie ..Nievwe Rotteidamsck: Courant" meldet, „Daily News" in einem Leitartikel: Wir brauchen nicht so sehr mehr Männer, in den Schützengräben als Männer auf dem Lande, in den Schiffswerften und in den Maschinenfabrikcr. Wenn wir nicht genug Arbeitskräfte anftreiben können, dann wird die Politik Hindenburgs gesiegt haben, gleichgültig, inie viele Millionen Männer wir in Uniform steckeii.
Weitere englische Anstrengungen für den Mannschaftsersatz.
Erhöhung des militärischen Alters auf 50 Jahre?
W. T.-B. London, 20. Febr. Die „Times" schreibt, daß es vielleicht nötig werde» das militärische Alter auf 50 Zatzre
