NitMem TsMt.
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„Tagblatthaus" Nr. 6650-53.
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Mittwoch, 21. Zebruar 1917.
INorgen-klusgabe.
Nr. 94. . 65. Jahrgang.
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Der 5llp des Schreckens.
wieviel U-voote bewirken die Sperre?
Von besonderen Seite wird uns geschrieben: Nach dem ersten Schreck iiber den „höchsten Wutanfall der Banditen im Solde des Kaisers" („Matin") begann bei unseren Feinden das große Rätselraten über die Zahl unserer U-Boote. Jede der Vierverbandszeitun- gen machte ihre gehsimnisvollen Andeutungen und wollte aus sicherer Quelle eingehend unterrichtet sein. Der „Temps' berichtete von neuen Typs.^die 4000 Tonnen Tragfähigkeit besitzen, und der „Spectator" erzählte von einem Tauch k r e u z e r, der monatelang draußen bleiben und dazu durch andere Tauchboote verproviantiert werden kann. „Vielleicht bestehen auch versteckte Stützpunkte", munkelte er, natürlich bei den immer noch nicht gefügigen Neutralen. Uns beweist dies Kopfzerbrechen, welch einen furchtbaren Schlag wir den Feind-n mit dem unbeschränkten U-Bootstriege beigebracht haben, und wie hilflos sie sich fühlen, ihn zu parieren. Während sie sich die Höhe der Gefahr ausrechnen und sich an niedrigen Zahlen trdften, geben wir ihnen durck> die Tat neue Gleichungen auf, deren Lösung die nackte Wahrheit ihrer Unterlegenheit ist. Der „Spectator" vertt'eisi die Beherrscherin der Meere bereits aus die Notwendigkeit des Landsieges, da es in dem „Wettrennen, das jetzt zwischen den Deutschen und den Eugländ-:rn auf dem Meere beginnt", für Großbritannii'n keine Aussicht auf Erfolg erblickt. Der italieni'che „Eorriere della Sera" wiegelt die Aufregung ab. indem ec behauptet, daß auf den deutschen Werften während des Krieges monatlich höchstens fünf Tauchboote gebaut würden, affo zusammen 160 Boote. Zähle man die 39 schon vorher vorhandenen und die 28 österreichischen hinzu, so ergebe sich eine Gesamtzahl von 217 Tauchbooten, von denen bisher etwa 100 verloren sind. Es bleiben also 117 Boote, die in drei Schickten arbeiten müssen, so daß immer nur 39 gleichzeitig operieren könnten. „Sie werden Schaden stiften, aber den Verband nicht aushungern." Die „Tribuna" findet diese Berechnung denn doch etwas optimistisch und meint, daß der „Eorriere" wohl nur an die großen Boote gedacht habe. „Wir kennen die Zahl der U-Boote, die allein im Ägäischen und im Mittclmeer im letzten Monat tätig waren, es muß daher daneben eine beträchtliche Zahl kleinerer Boote an den Küsten arbeiten." Dos Kopfzerbrechen der französischen Blätter ist yoch- interestant. Clemenceaus „Homme Euch.uns" gibt „nach Ansicht der Sachverständigen" die Zahl unserer U-Boote auf über 200, in allergünstigstem Falle auf 250 an. „Das Gebiet, das als Sperrgebiet erklärt wurde, hat eine Langsausdehming von 10 000 Kilometer, so daß ans etwa 80 Kilometer ein Tauchboot kommt Schon di°s zeigt, daß nur die bisherigen Methoden der Jagd auf Handelsschiffe übrig bleiben und wesentlich höhere Ei folge als bisher ausgeschlossen sind." Der „Rappel' machte eine lange, eingehend beleche Rechnung auf, bei der er sich am Schluss» in der Addition versehentlich oder absichtlich verrechnet. Er nimmt als Summe 160 Boote, führt aber nur 160 auf. Er diktiert uns Boote von 160 bis 3600 Tonnen zu. Auch er sieht nicht den geringsten Erfolg, und zwar aus dem Grunde, weil wir wegen unseres drohenden Verhungerns vorzeitig mit dem Tanchbootskrieg begonnen hatten! .Petit Paristen" tut die Frage nach der Anzahl der U-Boote mit der Handbewegung ab: „Dazu nämlich zum durchgreifenden Erfolge, ist die Zahl der Schiffe zu gering." Herväs „Victoice" behandelt in einem langen Artikel unsere Tauchbootsstärke, sie ivill uns wie der ..Rappel" 160 Boote zugestehen. „Von den verfügbaren U-Booten müssen stets Vs bis 14 zur Proviuntierung und zur Ausbesserung im Hafen lieoen. Deshalb kommen sür die Blockade immer nur 100 bis 120 Fahrzeuge in Betracht und dies unter der Voraussetzung, daß doppelte Bemannung für die Boote vorhanden ist. Der Umfang der zu blockierenden Länder beträgt 23 600 Kilometer, für deren Absperrung 100 dis 120 U-Boote unzulänglich sind." Auch Hervä weiß bestimmt, daß wir die Blockade zu trüb begonnen hab-m, ehe uns die genügende Anzahl von U-Booten zur Verfügung stand. Der „Matin" ratet um 300 Boote herum, „aber was sind 200 U-Boote, dies ist die Höchstziffer, um jede Schiffahrt auf dem ungeheuren Gebiet, das sie zu blockieren vorgeben, zu unterbinden? Nicht die Gefahr, sondern den Alp des Schreckens wollen sie ant ihre Feinde und besonders die Neutralen drücken lassen." Ter Alp des Schreckens? Wem: wir viel zu wenig U-Boote baben, wenn wir mit tödlicher Sicherheit rein gar nichts mit unserem höchsten Wutanfall ausrichten können, wenn wir den U-Bootskrieg zu früh und ans Angst zu verhungern begonnen haben! Wie mutz es bei solchen Widersprüchen um die Überzeugung des Endsieges bei ihnen stehen. Sie mögen ihr großes
Rätselraten fortsetzen. Wenn sie sich auch über die Zahl unserer U-Boote nicht klar werden, so vielleicht über die Zahl der versenkten Tonnen.
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Eine Erklärung Lloyd Georges über die U-Bootsgefahr?
W.T.-B. London, 20. Febr. (Drahtbericht.) Lloyd George gibt am 22. Februar im Unterhaus eine Erklärung über die Einschränkung der Einfuhr ab.
Versenkt!
W. T.-B. Bern, 20. Febr. „Petit Parisern" meldet aus Havre: Der Frrchtdampfer „H e r m i n e" der Compagnie Generale Trans- otlanlique ist versenkt worden; die Mannschaft wurde gerettet.
W. T-B. Bern, 20. Febr. „Mattn" meldet aus Caen: Der Dampser „Niob e" wurde versentt.
W. T.-B- London, 20. Febr. Lloyds meldet: Der englische Dampfer „Okocment" (4349 Bruttoregistertonnen) ist versenkt worden.
Der U-Bootskrieg in der bayerischen Kammer.
W. T.-B. München. 20. Febr. (Drahtbericht.) In der Kammer der Abgeordneten gaben bei der Besprechung der militärpolitischen Lage die Parteiführer Erklärungen dahin ab, daß sie den Beschluß der obersten Heeresleitung und der Reichsregierung, den Krieg durch den unbeschränkten U-Wootskrieg gegen unseren Haupt- gegner England zu einem raschen Ende zu bringen, begrüßen, und daß die Verantwortung über weiteres Blutvergießen auf unsere Feinde falle, nachdem sie das deutsche Friedensangebot abgelehnt hätten. Der sozialdemokratische Redner erklärte außerdem: Möge trotz des Mißerfolgs des Reichskanzlers mit dem Friedensangebot keine Gelegenheit versäumt werden, einen baldigen, die Unabhängigkeit und Unversehrtheit des Reichs verbürgenden Frieden zu erreichen. Dieser Redner forderte die Regierung noch auf, den durch den Krieg hervorgerufenen Notstand zu mildern und scharfe Maßnahmen gegen den Wucher zu ergreifen.
Die Uontinentalsperre alten und neuen 5tilr.
In seinem dieser Tage veröffentlichten Gespräch mit dem Schriftsteller Hans Müller hat Kaiser Wilhelm die gegenwärtige Form unseres U-B o o t k r i e g s mit der Kontinentalsperre Napoleons I. verglichen. In der Tat: Schon die Entstehungsgeschichte beider — so lesen wir in einem Dr. K. Str. Unterzeichneten Aufsatz des „Frkf. Gen.-Anz." — drängt zu einem Vergleich: Beide sind durch völkerrechtswidrige Maßnahmen der britischen Regierung veranlaßt, als völkerrechtlich zulässige Repressalie r e ch t s m ä ß i g geworden. War jene üurch die englische Blockadeerklärung der französischen Küste von der Elbe bis Brest vom 16. Mai 1806 veranlaßt, so die deutsche vom 31. Januar durch den englischen Aushungerungskrieg, wie durch die Sperrgebietserklärung der Deutschen Bucht durch die Entente.
Wegen des größten Interesses sei das Berliner Dekret vom 21. November 1806, auf dem die Kontinentalsperre beruht,
in feinem Wortlaut hier abgedruckt, so loeit es die dort an geknüpften Maßnahmen Napoleons begründet.
„Wir Napoleon, Kaiser der Franzosen, Königvon Italien, haben erwogen:
1. daß England das von allen Kulturvölkern allgeuiein anerkannte Völkerrecht nicht anerkennt,
2. daß es jede dem feindlichen Staate rugehörende Person als feindlich betrachtet und demgemäß zu Kriegsgefangenen nicht nur die Mannschaften vcn Kriegsschissen, sondern auch von Handels- und Kauffabrtcischiffen, ja sogar di« Handelsbevollmächtigten und Kaufleute macht, di« ihrer Geschäfte wegen reisen,
3. daß e» sem Beuterecht, das sich nur auf feindliches Staatseigentum erstrecken darf, auf Gebäude, Handelswaren und Eigentum einzelner ausdehnt,
4. daß es das Blockaderecht aus Städte und mtbefestigte Handelshäfen und aus Flußmündungen ausdehnt, das Blockuderecht, das sich nach Vernunft und Übung aller gesitteten Völker nur aus feste Platze erstrecken darf,
daß es Plätze sür blockiert erklärt, vor denen es auch nicht ein einziges Kriegsschiff hat, obgleich doch ein Platz nur blockiert ist, wenn er so umklammert ist, daß man es ohne drohende Gefahr nicht wagen kann, sich ihm zu nähern,
daß es sogpr Plätze, ganze Küsten und ein ganzes Reich in Blockadezustand erklärt, die alle seine vereinigten Kräfte unfähig wären, z» blockieren,
5. daß dieser ungeheuerliche Mißbrauch des Blockaderechts nur das eine Ziel hat, die Verbindungen zwischen den Völkern zu hindern und Hantel und Industrie Englands auf dem Ruin des Handels und der Industrie des Festlandes aufzubauen,
0. daß bei solckieni offenkundigen Ziel Englands jeder, der auf deni Festland Handel mit englischen Waren betreibt, dadurch Englands Pläne begünsttgt und zu seine»! Mitschuldige» wird,
7. daß dieses Verhalten Englands, in allem der ernsten Zeiten der Barbarei würdig, dieser Macht zuin Nachteil aller übrigen genützt hat,
8. daß es natürliches Recht ist. dem Feind mit denselben Waffen entgegenzutreten, deren er sich bedient, und ihn ebenso zu bckänrpjen,
wie er kämpft, wenn er alle Ideen der Gerechtigkeit und alle liberalen Gefühle, das Ergebnis der Zivilisation unter den Menschen, verkennt.
Demgemäß haben wir beschlossen, auf England die Grundsätze zur Anwendung zu bringen,' dre es in seiner Seegesetzgebung festgelegt hat."
Mit nahezu denselben Worten, mit denen damals die französieren Maßnahmen (insbesondere umfassende Blockade, Verkehrsverbot, Konfiskation englischer Waren) begründet wurden, hätte man heute unsere S p e r r g e b i e t s e r k l ä r u n g rechtfertigen können.
Oer glückliche Vorstoß in der Champagne.
Das gefürchtete Vorzeichen der deutschen Generaloffensive.
„Man müsste taub» blind oder vertrettelt sein, um daran zu zweifeln."
Herde ist in seiner „Victotre" besorgt über den deut- schen Vorstoß in der Champagne. Er erblick: darin ein Vorzeichen der deutschen Offensive und schreibt, daß die Deutschen einen gewaltigen Angriff vorbereitet haben, mit den furchtbar st en materiellen Mitteln, welche ihnen die Z i v i I m ob i l m a ch u ng gegeben hat, die man in Frankreich verspottete, anstatt sie nachzuohmen. Man müßte taub, blind oder vertrottelt sein, daran zu zweifeln. Herve wendet sich gegen die, welche wie Tardieu vor einer verfrühten Offensive warnen, indem er ousfichrt, daß bei der heutigen Artilleriewirkung die Defensive verlustreicher, als die Offensive sei.
Unsere Kartenskizze führt unsere Leser in das Gebiet südlich Ripont, in dem die Truppen der Armee des Kronprinzen die Kuppe 185 und Ferme Maisons de Champagne ini wuchtigen Ansturm genommen und gegen die verzweifelten Anstrengungen des Feindes, sie wiederzunehmen, gehalten haben. Wir haben daniit die Halste des Gebietes, das wir bei der großen französischen Offensive des vorigen Jahres in der Champagne verloren hatten, wicdererobect und es stedt zu erwarten, daß uns hier noch weitere Erfolge be- schieden sein werden. Wie der Blick auf die Karte zeigt, haudelt es sich hier uni ein welliges Hügelland mit reichem Waldbestande, welch letzterer aber größtenteils schon den Flammen oder dem Feuer der Granaten zum Opfer gefallen ist.
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Die sehr zurückhaltende Beurteilung des Ergebniffes der englifchen Kriegsanleihe durch Bonar Law.
W. T.-B. London, 20. Febr. (Drahtbericht. Meldung des Reliterschen Bureaus.) Im Unterhaus gab Bonar Law über die Kriegsanleihe folgende Erkläung ab: Tie Zahl der am letzten Tage einge-
gegangenen Zeichnungen ist so groß, daß sie, obwohl dieBeamtenTag und Nacht arbeiten. 200 000 oder 300 000 Zeichnungen noch nicht erledigt werden konnten. Weitere Zeichnungen aus dem ganzen Lande sollen im Anlauf sein, die hei den Banken noch nicht eingetroffen sind. Unter diesen Umständen, ist es unmöglich, vor Anfang nächster Woche Einzelheiten zu geben. Ich treue mich indessen, sagen zu können, daß die Anleihe erfolgreich gewesen ist. (Beifall.) Ich hoffe aber, daß das. was ich soeben gesagt habe, nicht Anlaß zu übertriebenen Schätzungen wird, die bei dem Bekanntwerden der wirklichen Zahlen zu der Gefahr sichren können, daß das, was ich als erstaunlich für die Anstrengungen des Landes betrachte, geringer bewertet wird. Um das Gefühl für das richtige Verhältnis zu bewahren, wird es gut sein, sich zu erinnern, was erwartet wurde, als die Anleihe aufgelegt ftuirde. Bei meinen Besprechungen mir Vertretern der Finanz in der Cito wurde ich gefragt, welche Summe ich für notwendig hielt, um die Anleihe zu einem Erfolg zu machen Ich nannte die Zahl, die zwar meine Erwartilngen nickst, aber meine Hoffnung überstieg. Diese Zahl war 600 Millionen, ohne die direkten Beträge von den Banken zu berücksichtigen.
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