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„Tagblatthaus" Nr. K8SO-53.
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Dienstag, 20. Zebruar 1917.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 93. - 65. Jahrgang.
Der Tauchbootkrieg.
Gute Äeveit der Unterseeboote im Mittelmeer.
W.T.-B. Berlin, 10. Febc. Im Sperrgebiet des Mittelmeeres wurde in den letzten Tagen durch Unterseeboot? eine größere Anzahl wertvoller feindlicher Schiffe versenkt, darunter ein vollbesetzter großer italienischer Trnppentransportdampfer, zwei bewaffnete Dampfer von 3000 und 4500 Tonnen mit wichtiger Ladung für Saloniki, der italienffche Dampfer „Oceania" (421. Br.-R.-T.), der französische Dampfer „M out 23 <fti t a u K (3235 Br.-R.-T.) und der französische Segler „Aphrodite" (000 Br.-R.-T.) mit 736 Tonnen Eisen für Italien.
Weiter« Versenkungen.
W.T.-B. London, 20. Febr. (Drahtbericht.) Lloyds meldet: Das englische Segelschiff „N etherton" und der englische Fischt ainpfer „11" sind von einem deuffchen Unterseeboot versenkt worden.
W.T.-B. London, 19. Febr. (Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der englische Dampfer „I o l e" (3908 Brutto- regfstertonnen) ist versenkt worden.
W.T.-B. Christiania, 19. vr. „Verdensgang" zufolge ist der norwegische Dampfer „Stralsund" (610 Bruttoregistertonnen), mit Fischen auf der Reise von Island nach Italien, von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden Die Besatzung ist von einem englischen Patrouillenboot ausgenommen und in Tornowow gelandet worden.
Bis jetzt noch kein Unterseeboot seit der neuen Seestzerre verloren!
Br. Rotterdam, 20. Febr (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Berichterstatter der „Deutschen Tagesztg." meldet nach Mitteilungen aus allerbester Quelle, daß seit dem Inkrafttreten der Seesperre es unseren Feinden noch nicht gelungen ist, uns auch nur ein einziges Unterseeboot wegzufangen oder zu vernichten. In allen englischen Kriegswerk statten kann man seit einigen Tagen ein großes Plakat lesen, das sich an alle Arbeiter und Ingenieure richtet und worin größte, in barem Geld zu zahlende Belohnungen jenen versprochen werden, die wirkungsvolle Mithilfe gegen iue feindlichen Unterseeboote ingeben können. Man will also die Erfinder für Vernichtungsapparate gegen Unterseeboote anspornen, was gewiß nicht geschähe, wenn man mit den jetzigen Einrichtungen Erfolg hätte. Dieser Aufruf an die Erfinder enfftammt dem englischen Marineamt.
Die steigende Wirkung des U-vootkrieges auf die Engländer
zeigt sich in einer hübschen Episode, die der Führer eines vor kurzem aus dem Atlantischen Ozean zurückgekehrten U-Boots erzählt hat. Das betreffende U-Boot versenkte nacheinander drei englische Dampfer und nahm die Kapitäne gefangen. Als der erste an Bord des U-Boots kam, trat er mit der Pfeife im Mund an den Kommandanten heran und sagte chm in überhebendem Ton: „Warum versenkt Ihr andauernd unsere Schiffe? Ihr werdet sie nachher doch bezahlen müssen." Natürlich bekam er eine entsprechende Antwort. Als nach einiger Zeit ein zweiter englischer Kapitän eines versenkten Schiffes am Bord des U-Roois gebracht wuroe, war er schon bedenklicher und sagte: ^Wenn die schwierige Lage, in die England durch den U-B o o t k r i e g gebracht wird, andauert, dann wird es den Krieg verliere n." Der dritte Kapitän, der noch später auf das U-Boot kam, war sichtlich zufrieden, als er ge- fangengenommeu wurde, und sagte: „Gott sei Dank, daß jetzt meine Fabrt zu Ende ist. Ich würde die Fabrt sonst selbst eingestellt haben. Ich habe zuletzt drei Tage ohne zu essen auf der Kommandobrücke gestanden, um auf U-Boote zu achten, das kann keiner aushalten." Er fügte hinzu, es sei ausgeschlossen, daß England den jetzigen Zustand länger ertragen werde.
Gehorsamsverweigerungen englischer Matrosen.
Eine bedeutsrme Folge des Unterseebootskrieges ist die Tatsache, daß es in England bereits zu Gehorsamsverweigerungen von Matrosen gekommen ist. Nach einer Meldung der „T, U." konnten etwa dreißig Dampfer infolge von Gehorsamsverweigerung der ^Besatzung aus Furcht vor den deutschen Unterseebooten nicht die Ausfahrt aus Liverpool, Cardiff und Southampton an- treten. Ein Teil der Schiffe ist einige Tage später mit neuer Besatzung, keltehend aus Cbinesen, Australiern und Russen, in See gegangen. Ein Dampfer kehrte aber bald Wiede: zurück, da die Mannschaft auf See den Kavitän dazu aus- fordcrte, als üe von geretteten Leuten versenkter Schiffe Ge- no neres über die näheren Umstände des Unterganges e fahren batten.
Die Verstopfung in den französischen Häsen.
Genf, 20. Febr. (zb.) Den Bemühungen der dem französischen Marineamt nahe stehenden Organe, die Wirkungen der U-Bootssperre auf die französische Küste filS minder bedeutend hinzustellen, widersprechen die
heutigen Meldungen, wonach für Frankreichs Bedarf in Zerealien, Salz, Zucker usw. die wenigen Segler- zufnhren kauni in Betracht kommen. Die Verstopfung der meisten französischen Häfen dauert fort, abgesehen von C e t t e, wo eine gewisse Besserung eingetreten sei. Die fremden Kapitäne bestätigen, daß die Reedereien aller neutralen Staaten enorme Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Matrosen und Maschinister hätten, obschon die bewilligten Löhne und Lebensversichecungsprämien eine Höhe erreichen, die man vor dem 1. Februar für absund gehalten hätte.
Einstellung weiterer norwegischer Passagierfahrten.
W. T.-B. Christiania, 18. Febr. Ditz/ Norske-Amerika- Linie hat weitere Passagierfahrten eingestellt, da Halifax noch nicht als Untersuchungshafen zugelassen wurde.
Ein Bruch der Seesperre durch die spanischen Reeder?
W. T.-B. Berlin, 19. Febr. Der Berichterstatter des „.Journal" in Barcelona meldet, der spanische Reedereiverband habe beschlossen, die Schiffe mit Motorbooten aus- gustatten (zur etwaigen Rettung?), was bedeutet, daß die spanischen Handcsschiffe durch das Sperrgebiet fahren sollen.
Die englischen Versicherungen ziehen nicht mehr bei den Neutralen.
W. T.-B. Christiania, 19. Febr. „OerebIadet" schreibt zu den Äußerungen englisches Blätter und Staatsmänner über die Bekämpfung der U-Bootsgesahr: Das lautet vielversprechend. Aber man erhält Wohl von Lord Gevesfords und Lord Lyttons Äußerung-en eigentlich den Eindruck, daß es der Admiralität noch nicht gelungen ist, ein wirklich befriedigendes Mittel' zur Bekämpfung der deutschen U-Woote zu finden.
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Die Wirkung der Unterseebootstzlockade in den Vereinigten Staaten.
Br. Lugano, 19. Febr. (zb.) Eine Londoner Depesche des „Corrieve della Sera" meldet, daß in Amerika die Folgen der Unterseebootsblockade sich immer ernster geltend machten. Wenn die Lage nur eine Weile andauertc, würde die ganze öffentliche Meinung den Krieg als Bcffei- ung von einem Alpdruck begrüßen. Besonders in den Arbei- terschichten herrsche starke Gärung, da wegen der Verstopfung der Häfen und des Steckens des Handels zahlreiche Fabriken geschlossen sind. — Der amerikanische Berichterstatter der „Daily News" drahtet: Die Proteste der Arbeitecwelt werden immer drohender und werden Wilson den „Vorwand" zu energischen Schritten liefern. Es wird nicht genügen, die amerikanischen Handelsschiffe zu bewaffnen, es bedarf noch lueit schneidigerer Maßnahmen besonders der Begleitung der Handelsschiffe durch Kriegsschiffe.
Br. Haag, 19. Febr. lzb.) Aus London wird gemeldet: In einer Drahtung der „United Preß" heißt es, daß wegen Stockung der Verschiffung über 20 000 beladene Güterwagen auf den Eisenbahnlinien nach New Dork, Philadelphia und Baltimore f e st l i e g e n. Viele Waren liegen auf den Hafenkais, wo sie dem Verderben ausgeseht sind. Die Haltung der Regierung in der letzten Zeit ist äußer st zurückhaltend. Wilson hat seit Beginn der letzten Woche selbst seinen vertrautesten Ratgebern keine Mitteilung gemacht.
Wilsons Schwanken.
Ein Borgehen gegen die Hetzpresse im Ententesolde?
Berlin, 20. Febr. (zb.) Über Wilsons Absichten wird in verschiedenen Blättern mitgeteilt, der Präsident habe den Senatoren zu verstehen gegeben, daß die Regierung noch immer hoffe, den Krieg in irgend einer Weise verhüten zu können. Man erwartet, daß der Präsident die Ermächtigung, welche der Kongreß dem Senat erteilen werde, benutze, um die amerikanischen Dampfer bewaffnen za lassen. Der Präsident stehe einer sehr geteilten öffentlichen Meinung und einem unentschiedenen Kongreß gegenüber.
Der Vorsitzende des Scnatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten forderte Maßnahmen gegen die Zeitun- g e n, die durch irreführende Nachrichten den Konflikt zwischen Deutschland und Sen Vereinigten Äaaten verschärften.
Die amerikanischen Kriegsvorbereitungen.
Br. Rotterdam, 20. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach- deui Wilson sich der Unterstützung durch den Kongreß versichert hat, wird er, wie angenommen wird, mit der B e - wafinung der amerikanischen Schiffe beginnen, falls deutsche Unterseeboote eines dieser oder der unbewaffneten Schiffe zum Sinken bringen, die definitive Maßregel durch Befehl an die Flotte erweitern, uni, so weit wie möglich, den neutralen Handel zur See mit Europa za schützen. Die meisten Amerikaner erwarten davon ein Zusammenwirken mit der englischen Flotte durch Verlängerung der durch diese geschützte Fahrstraße bis ii: oder selbst über den Atlanttschen Ozean und die Öffnung aller amerikanischen Häfen für alle alliierten
Schiffe. Inzwischen setzt der Präsident seine Polittk g e - duldigen Abwartens fort und gibt damit der amerikanischen Flotte volle Zeit, sich vorzubereiten. So haben auch die industriellen und finanziellen Führer des Landes Muße, die besten Formen der Ausnutzung der Hilfsquellen des Landes zu überlegen. Ein umfangreicher Ausschuß der Bürgerschaft Washingtons verhandelt bereits über die industrielle Kriegsorganisation.
Die amerikanischen Versuchnngsschisfe doch abgegangen?
Br. Genf, 20. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Radio meldet, daß die beiden amerikanischen Schiffe „Rochester" und „Orleans" an: 18. Februar nach Europa in See gegangen seien. (Die Nachrichten der Korrespondenz Radio sind sehr unzuverlässig und stets nur mit Vorbehalt aufzunehmen. Schriftl.)
Keine Änderung des preußisch-amerikanischen Vertrages!
Br. Rotterdam, 19. Febr. (zb.) Eine Reuterdepesche ans Washington besagt, daß die durch Vermitllung des Schweizer Gesandten von Deutschland vorgeschlagene ?lbänderang des preußisch-amerikanischen Vertrags dahin gehe, daß die Untertanen beider Länder im Kriegsfälle sich in den feindlichen Ländern während der ganzen Kriegsdauer unbehindert bewegen können, anstatt nur neun Monate, wie es der Vertrag bestimmt. Ebenso werden die Handelsschiffe beider Nationen nicht gezwungen werden, in See zu gehen, es sei denn unter freiem Geleite. Amtliche Kreise in Washington sollen erklärt haben, daß Deutschland mehrere Bestimmungen des Vertrages verletzt habe und die Vereinigten Staaten daher den 23ertrag als ungültig cmsehen könnten. Der Minister des Äußern, so schließt die Depesche, zeigt nur geringes Interesse für den deuffchen Vorschlag und wird wahrscheinlich nicht sofort darauf antworten. (Es handelt sich hier um eine Reutermeldung. Schriftl.)
Br. Genf, 20. Febr. (Eig. Dcahtbericht. zb.) Der am 10. Februar vom schweizerischen Gesandten Ritter dem Staatstepartemenl unterbreitet? Protokollentwurf, in dem die mitgeteilte Änderung des preußisch-amerikanischen Vertrags vom Jahre 1799 vocgeschlagen wurde, ist, wie dem „Petit Parisien" aus New Dork gemeldet wird, von Staatssekretär Lansing abgelehnt worden.
Die amerikanischen Journalisten in Berlin.
In französischen Blättern wird gesagt, es befinden sich gegenwärtig nur noch zwei oder drei Vertreter der amerika- nffchen Presse in Berlin. Das ist nicht ganz zutreffend. Außer dem schon erwähnten Vertreter 'der Hearstpresse und seiner Gatttn sind in Berlin, laut „B. T.", die Herren James O. Bennett, Oswald Schütte. G. Endres und C. Brown geblieben. Alle die Genannten sind ausgezeichnete Journalisten und angesehene unabhängige Männer, deren Stimme in Amerika Bedeutung hat.
Eine amerikanische Denkschrift an Österreich-Ungarn.
W. T.-B, Wien, 19. Febr. (Wiener K. u. K. Teletzr.-- Korrefp.-Bnr.) Der hiesige Botschafter der Bereinigten Staaten von Amerika überreichte heute im Ministerium des Äußern eine Denkschrift, in der unter Hinweis auf die Antwort der österreichisch-ungarischen Regierung auf die amerikanischen Noten, betreffend den „A n c o n a"- und „P e r s i a"-F-all, wonach die österreichisch-ungarische Regierung der Auffassung des Washingtoner Kabinetts zustimme. daß feindliche Privatschiffe. insolanye sie nicht fliehen oder Widerstand leisten, nicht vernichtet werden dürfen, bevor die Passagiere in Sicherheit gebracht sind, weiter unter Hinweis aus die Mitteilung der österreichafch-ungcrrifchen Regierung vom 31. Januar 1917 über die Bestimmung des Seesperregebiets die amerikanische Regierung endgültig und klar darüber unterrichtet zu werden wünscht, welchen Standpunkt die österreichisch-ungarische Regierung hinsichtlich der Führung des Unterseebootkriegs einnimmt, da die in den Fällen der „Ancona" und „Persta" erteilte Zusicherung als abgeändert oder zurückgezogen anzufehen ist.
Der völlige Inhalt dieser Denkschrift wird in österreichisch-ungarischen Ministerium des Äußern einer eiugcheu- den Prüfung unterzogen und sodann der Beantwortung zu- geführt werden. ___
Die Lage im westen.
Die letzten Ereignisse an der Westfront.
W. T.-B. Berlin, 19. Febr. Bei den Kämpfen im St n er et ale am Samstag setzten die Engländer nack starker Artillerievorbereitung drei verschiedene Divisionen in 6 Kilometer Breite zum Angriff ein. Das Gehöft Moulin-Ruine, nördlich der Ancre, und die anschließenden Gräben waren der Schauplatz besonders erbitterter, den ganzen Tag über hin- und hecwogen- der Kämpfe, in deren Verlauf wir diese Teile unserer Stellung den Engländern überließen. Am Sonntag herrschte trübe Witterung, die von uns zu zahlreichen geglückten kleinen Unternehmungen und Handstreichen ausgenntzt wurde, während feindliche Patrouillen kckine Erfolge zu erringen vermochten. In der Nacht vom
