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Dienstag, 20. Zebruar 1917.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 92. ♦ 65. Iahrgang.
Die deutsche Unterwasser-Gfsenfive.
Die englische Ohnmacht gegenüber den U-Booten.
Ein Eingeständnis Lord Milners.
(Drahtbericht unseres Z.-Sonderberichterstatters.)
8. Stockholm, 19. Febr. (zb.) Russische Zeitun- g e n, die über die Nachrichten von dem Erfolg des deutschen U-Bootskriegs recht nervös wurden, wandten sich an Lord Milner mit der Anfrage, ob England für den verschärften Seekrieg hinreichend gerüstet sei. L o r d M i I - ner antwortete:
Nach dem augenblicklichen Stand der Technik gibt es kein Mittel, das einen unbedingt wirkungsvollen Kampf gegen die U B o o t e möglich mache. Es ist jedoch nicht anzunehmen, daß der englische Handel bedeutende Einschränkungen erleiden wird. Nach dem englischen Nachrichtendienst besitzen die Deutschen nicht über 290 Unterseeboote. Es gelang uns, einige zu torpedieren, die genauen Ziffern sind KriegsgrheimniS.
Die grotze englische Reichskonserenz durch die deutschen U-Boote vereitelt.
Nr. Genf, 19. Febr. (Eig. Drabtbericht. zh.) ..Petit Parrsien" meldet ans London: Infolge der deutschen
U-Bootstätigkeit kann die große Konferenz der englischen Dominions zu den festgesetzten Terminen in London nicht stattfinden. Diese Reichskonferenz, die wichtige Beschlüsse über die Endziele des Kriegs zu fasten hat, kann erst zu späterer Zeit zusammentreten.
Die Einwirkungsmöglichkeiteu des U-Bootkrieges gegenüber Englands Bundesgenossen.
— Berlin, 19. Febr. Die Taten unserer U-Boote Überpreisen alles, so iaot die „Vossische Zeitung", was wir orn ihnen erwartet haken Dian kann g a r n i ch t L o b g e n u g für die Männer haben, die in der Zeit dcS eisigsten Winter? auf ihren klemen Borten auf allen Enden des Ozeans der deutschen flagge Ehre holen. Es konnnt aber beim U-Bootkrieg mcht bloß auf das an. was versenkt wird, sondern beinahe noch mehr aus das. was nicht versenkt werden konnte, weil es sich nicht zeigte. Man muß diesen Tauckbootkrieg auch diplomatisch in den Dienst unserer Kriegsziele eingliedern. Die große politische Möglichkeit, die uns der U-Bootkrieg gebe, liege darin, so heißt es weiter, daß die Bundesgenossen Englands, der englischen Stütze beraubt, von sich aus den Frieden verlangen und sich mit uns aus Bedingungen einigen, die zu dauernder Ruhe auk dem Kontinent führen. Nur dann würden wir der englischen Gefahr Herr weiden. Der Tauchbootkrieg schneide die R oh st off - zu fuhr nach Frankreich und Italien ab und beenge die Nahrung.-mittelversorgung jener Länder, Es lasse sich der Zeitpunkt voranssehen, wo nnlitärisch und wirtschaftlich diesen Ländern die Fortsetzung des Krieges unerträglich erscheinen werde. Wa? wir aus Rußland zu hören bekommen, Halle in asten Tonarten wider von rustischer Entschlossenheit und russisch-englischer Freundschaft. Aber die Geschäftigkeit, mit der England arbeitet, die Brutalität, mit der Englands Botschafter in Rußland als Vizekanzler den Parteien und dem Hofe feine Weisungen zugehen läßt, zeugen für seine Angst um Rußland.
Kapitänleutnanl Betz — der neue Engländerschreck.
Berlin» 19. Febr. Wie wir hören, stand das Unterseeboot, welches innerhalb 2-1 Stunden 52 000 Tonnen Schiffsraum versenkte, unter Führung des Kapitänleutnants B e y.
*
Der von jungem Rubm umstrahlte U-Beets-Held wurde am 28. September 1906 Leutnant z. S., 1908 wurde er zum Oberleutnant und während des Kriegs zum Kapitänleutnant ^befördert.
jkuf den flandrischen U-Bootsstützprmkten.
(Vorr unserem Kriegsberichterstatter.)
Großes Hauptauartier West, 15. Februar.
Ein großes Aufatmen ist durch unsere blauen Jungen an de^ flandrischen Kjiste gegangen, als der langersehnte Befehl eintraf, der ihnen die Hände endlich frei zur Tat gab. An den Stützpunkten, wo die U-Boate halten, wenn sie von der Fahrt kommen oder wieder in See stechen, ist es jetzt leer geworden, denn die meisten find draußen an der Arbeit. Die Ivenigen ckber, die man sieht, die, von einem Streifzug zurückgekehrt, kurze Rait halten, ehe sie wieder in 'See gehen, machen nicht viel! Worte. Doch ui ihren Augen ist ein Leuchten, sie wissen, daß das ganze deutsche Volk in diesen Tagen auf sie blickt und sind sich im heiligen Ernst der Größe ihrer Aufgabe bewußt. Was an uns liegt, da soll es nicht fehlen, so sagen sie alle, Offiziere wie Mannschaften. Die iu nervöser Haft vermehrten Abwehrmaßregeln der Engländer schrecken ' keinen, denn man weiß, daß England schon bisher alles getan hat, was in seiner Macht stand, um sich der U-Boote zu erwehren. Uber daö hölzerne amerikanische Schwert lachen die deutschen Blausackerl,' und manchem hört man eL an, daß es ihm gar nicht unlieb wäre, wenn er den Amerikanern einmal zeigen könnte, daß es ein ander Ding ist, mit der deutschen Marine anzubinden, als seiner Zeit einen billigen Seesieg über d:e UAglüchlichen aften spanischen Kasten zu erringen.
Man rechnet mit der Möglichkeit, daß die Zahl der V e r- senkungen sich zunächst nicht so steigern wird, wie es alle wünschen, denn das Meer ist mit einem Schlag wie aüsgefegt. Kein Engländer zeigt sich, so melden Flieger und Patrouillenboote übereinstimmend. Auf die Dauer können natürlich die Engländer nicht alle ihre Schiffe verstecken, sondern werden es kummervoll über sich gewinnen müssen, sie den lauernden U-Booten ausiznsetzen. Ein erster Merblick über den Auftakt des ernsthaften U-Bootkriegs wird sich erst in zwei bis drei Wochen erzielen lassen, wenn die Mehrzahl der Meldungen de: auf Fernfahrten befindlichen U-Boote vorliegen wird. Inzwischen hat die Nachricht große Heiterkeit erregt, daß die englische Regierung die Veröffentlichung der Schiffsverluste verboten hat. Der Chef der flandrischen U-Bootsflottille sagte mir: Uns verheimlicht man damit natürlich nichts. Wir haben diese Reuter-Veröffentlichungen immer als Belletristik betrachtet und uns nur an unsere eigenen Meldungen gehalten. Wir w'ssen auch, daß die Zahl der versenkten Schiffe größer ist, als der Feind angibt. Der Flottillenchef betonte, daß es nicht deutsche Ssemannsart ist, zukünftige Erfolge zu versprechen, aber auf den glänzenden Geist der U-Bootsmann - schäften, ihre Hingabe in Gefahr und den jetzt durch das Treibeis besonders schweren Strapazen und auf die Umsicht und den Wagemut der jugendlichen Führer dürfe das deuffche Vaterland vertrauen. Eines Tages werde man von einem anderen Heldentum erfahren, dem Heldentum der Ent- sagung und Selbstbeherrschung, nelches die jungen Stürmer geleistet haben, als ihre Hände noch nicht frei waren, und wo ein U-Bootskommandant oft an die vierzig Schiffe entrinnen lassen mutzte, die er sicher vor s-inem Zielrohr hatte. (Kb.)
W. Scheuer mann, Kriegsberichterstatter.
Versenkt!
W. T.-B. London, 18. Febr. „Lloyds" meldet: Der engtische Dampfer „Rommelen" (2548 Bruttorgfftertonneil) ist versenkt worden.
Einstellung allen Passagierverkehrs zwischen Norwegen und Amerika.
Christiailia, 19. Febr. Hiesigen Blättern zufolge sind die in den letzten Tagen zwischen den Reedern und Seeleuteverbänden g-führten Löhnungs- und Vemannungs- verlwudlungen vorläufig gescheitert. Aller Passagrerverkehr mit Amerika ist bis auf weiteres eingestellt.
Die Beschränkung der englischen Kohlen- anssuhr nach Norwegen ausgehoben.
W. T.-B. Christiania, 19. Febr, (Drahtbericht. Norsk- Telegram-Byran.) Der norwegische Gesandte in London berichtet, daß die besonderen Beschränkungen in der Kohlen- ausfuhr für Norwegen aufgehoben werden.
Der deutsche Abendbericht vom 18. Februar.
IV. T.-B. Berlin, 19. Febr., abends. (Amtlich. Dr-rht- berichi.) Am Morgen scheiterte ein englischer Vorstoß südwestlich von M e f i n e § (nördlich von Armentieres). Saust im Westen bei unsichtigem Wetter, im Osten bei strenger Kälte nichts Wesenüiches.
Das Ergebnis der neuen italienischen Kriegsanleihe.
■W. T.-B. Rom, 19. Febr. (Drahtberichr, Agenzia Stefani.) Die Zeichnungen auf die 5pioz. Kriegsanleihe erreichten am i7 Februar 1740 Millionen Lire, wovon 1150 Millionen auf Barzeichnungen entfallen.
Englands Unterseeboote.
Von unserem Mari ne-Mitarbeiter wird unS geschrieben: Bei Kriegsbeginn besaß England, wie man zu sagen pflegt, „auf dem Papier" rund etwa 80 Unterseeboote. Wir sagen auf dem Papier, weil die 8 Boote der X-KIasse (in England selbst im Parlament als schwimmende „Särge" bezeichnet), dann die 10 Boote der B- und die 37 der O-Klasse für die Zwecke der Kriegführung auf hoher See nicht in Bettacht kamen, da sie den großen Anforderungen, die heute au solche Boote gestellt werden, nicht mehr genügten. Selbst die etwas neueren v-Boote konnten nur wenig leisten. Mt Ausnahme einer kühnen Fahrt des alten B 11 durch die Dardanellen (wohin das Boot im Schlepp gebracht worden war) ins Marmara-Meer, hat man nichts von allen diesen oben aufgezählten Booten gehört. Es waren also bei der Eröffnung der Feindseligkeiten nur die 11 oder 12 fertigen Boote der E-KIasse, das eine in ' England liegende australische Boot A E 2. und ein oder zwei Brote vom Laurertti-Lyp mit der Bezeichnung S, von denen wieder erst S 1 sicher fertig war (dieses Boot hat schon im Frühjahr 1914 seine Probefahrten gemacht) zu rechnen, das sind zusammen nun 18 bis 15 seetüchtige Fahrzeuge. Unterdessen dürften aber in erster Linie die Boote V 1 bis V 4 (bei Vickers in Auftrag gegeben) iu Dienst gestellt worden sein, ebenso w:e die beiden großen, bei der gleichen Werft erbauten. „Nautilus" und „Swordftsti", beide mit einer Wasserverdrängung von 1500 Tonnen ausgetaucht und 2000 unter,wtaucht, l-ewaff- net mtt M« oder nach anderen vier Geschützen und 5 oder
6 Torpedo-Ausstoßrohren. Auch die beiden Armstrong, Withworth u. Co. in Bau vergebenen Brote W 1 bis W 4, und endlich die 80 in Amerika bestellten H 1 bis H 20 sind ferttg. Von den letztgenannten wurden allerdstigs H 11 bis H 20 von der Regierung der Vereinigten Staaten aus Gründen der Neutralität bis zum Friedensschluß zurückgehalten und interniert. Dagegen wurden in England selbst eine größere Zahl von Booten der Klassen E, E, G und El :n Bau gegeben, die zum guten Teil schon in den Dienst gestellt werden konnten, wie die Vernichtung der Berte E 13, E 15, E 17, E 20, E 22, E 23, E 31 und eines ganz neu erbauten zwetten E 17 beweisen. Nun hat England im ganzen etwa 20 Unterseeboote seit Kriegsbeginn verloren
Oie militärische Lage.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin. 19. Febr. (Eig. Drahtbericht, zft.) Nach den lebhafteren Kämpfen am 17. Februar an der A n c r e flaute bei Nebel und unsichtigeui Wetter die Artillerie- und Gefechtstätigkeit ab. Nur die Patrouillentätigkeit blieb rege, so wurden feindliche Auf- klär ungsversuche bei Ipern und im W y t e s ch a e t e- Bogen abgewieien, dank der Aufmerksamkeit unserer Grabenbesatzungen. Unsere eigenen Patrouillen drangen an verschiedenen Punkten in die feindlichen Stellungen ein und brachten Gefangene zurück. Fast überall ist Tauwetter eingetreten. Im O st e n herrscht noch geringere Gefechtstätigkeit. Bei Jakob stadt ließen die Russen Minen springen. Bei den Kämpfen um die Trichter wurden einige Gefangene gemacht. In den Karpathen vereinzelte Artilleriekämpse. In Mazedonien gab es stellenweise regeres Feuer. Vom italienischen Kriegsschauplatz wurde nichts Wesentliches gemeldet.
Bei einem Rmkblick auf die militärischen Ereignisse der letzten Woche wird von militärischer Seite darau1> hingewiesen, da'? nach der längeren, durch die Witterung erzwungenen Panse ft b e r g a n q s k ä m p f e sich anzeigten. Den englischen Bundesbrüdern wurde von den Franzosen in der Pariser Presse die Hölle etwas heiß gemacht, daß die bisherigen überwiegenden französischen Verluste an der Westfront ein stärkeres Eingreifen im britischen, jetzt erweiterten Frontabschnitt mehr als rechtfertigten. So griffen die Engländer lebhafter nordwcstllch Armcntidres, westlich von Lille, amLaBass^e-Kanal, anderAncre und nördlich der Somme an. An der französischen Front konnte nur von unbedeutenderen Aufklärungsarbeiten gesprochen werden. Im englischen Abschnitt konnte man zwar noch nicht von einer entbrannten Schlacht reden, es gab aber doch schon wieder Trommelfeuer und manche in Bataillons st ärke v or- getraaene Angriffe. Dem deutschen Erfolg vom 15. Februar war ebenso eine größere Bedeutung beiznmessen als anderen dentschen Unternehmungen der letzten Woche. Die Kronprinzen- Armee hat bei Ripoat gegen alle Gegenanarifte einen Geländeaewinn von 360 0 Meter Breite und 800 Meter Tiefe behauptet. Vergleicht man diesen Erfolg mit dem Geländegewinn, den die Engländer als das Ergebnis von nahezu sieben wöchigen Kämpfen am 9. Februar für sich an der Anrre buchten, von drei englischen Meilen Breite, dreiviertel Meilen Tiefe, oder in unserem Maß 4800 Meter Breite und 12 0 0 Meter T i e k e, was obendrein noch reichlich übertrieben sein mag, so sieht man, daß von den deutschen Truppen an einem einzigen Tage ein sehr stattliches Ergebnis erreicht wurde. Um so höher anzuschlagen, als es sich um einen Höhen st ützyunktderFran- zvsen iu der Ebampagne handelt und auch 85 8 Gefangene eingebracht wnrden, viel mehr als die Engländer bei ihren Unternehmungen erreichten. Auch ein früherer deutscher Erfolg auf der Höhe 30 4 ließ in der verqangePn Woche die Franzosen noch nicht zue Ruhe kommen. Sie verfeuerten viel Munition.
Im Osten trat noch keine ähnliche Pause in den Winterhärten ein, weshalb dort nicht in gleichem Um- fange gekämpft wurde. Aber die Angriffsfreu- digkeit unserer Truppen zeigte sich bei Auk- klärungsaufgaben genau so schön wie im Westen. Die dentschen Erfolge an der Bahn von Slo czo io nach Tarn opo l und vor allem bei Mesdecanesci am 12. und 13. Februar, wobei 23 Offiziere und 1200 Mann als Gefangene eingebracht wnrden, sind Beispiele dieser deutschen Kampsesfrische. Den Känipsen im Oitoz-Tale kam geringer? Bedeutung zu. Von der Front in Mazedonien werden keine besonderen Ereignisse gemeldet. Am S e r e t h wurden ein paar russische Teilvocstöße abgewiesen. Auch am zugefrore- nen St, Georgs arm der Donau kam es zu Gefechten. _ . „„ r ,
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz war nur
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