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Dienstag» 13. Februar 1917.
Kbend-klusgabe.
Nr. 8081. ♦ 65. Jahrgang.
Wilsons Versuchs-Schiffe. I
Versuchsschiffe heißen die beiden amerikanischen Dampfer „Orleans" und „Rochester", die am 10. Februar von New Jork nach Bordeaux abfuhren. Man kann sie auch Versuchunysschifse nennen. Unsere U-Bootskommandanten sollen damit in Versuchung geführt werden. „Orleans" und „Rochester" tragen nicht die in der deutschen Note vom 3*. Januar angegebenen weißen und roten Farbenstreisen. Auch die weiß-rot-karierte Flagge in jedem Mas: dürste fehlen. Nur die Buchstaben U. S. A. kann man am Schiffsrumpf finden. Die Dampfer wahren durch die Sperre nicht nach Bnlmouth, wie vorgeschrieben, sondern nach Bordeaux. Auf der „Orleans" sind von 35 Mann der Mannschaft 33 Amerikaner. Bannware und Geschütze sind nicht an Bord. So meldet Reuter. Da Herr Wilson nicht nach Falmouth, wie voraeschrreben. sondern nach die funkentelegraphischen Verbindungen mit uns abgebrochen hat, darf man annehmen, daß er uns hier durch das englisch» Tepeschenbureau kund und zu wissen tut. was er will, nämlich es auf eine gefährliche Probe ankommen lassen. Gerade die Übermittelung durch Reuter aber nährt den Verdacht, daß auch der Faden von England gesponnen wird. Die englische Regierung hat schon im vorigen Jahre, als wir unseren Ü-Bootskrieg gegen die bewaffneten Handelsdampfer ansagten, beschäftigungslose Individuen, die amerikanische Staatsbürger sind. zur regelmäßigen Fahrt auf dem Zwischen New Icrk und der englischen Küste verkehrenden Passagierdampfer an geworben. Diese fragwürdigen Amerikaner, die einen verhältnismäßig hohen Lohn und freie Beköstigung erhielterr. sollten als nerrtrale Schutzschilder gegen die deutschen Unterseeboote dienen. Ein befreun- deter Deutsch-Amerikaner legt uns eine heimatliche Zeitung vor, den „Germany Herold" von Milwaukee. Darin ist zu lesen- „Ein in Hobokner Hafenkreisen unter dem Namen John the Bum bekanntes Individuum ist von der englischen Regierung dazu engagiert worden, regelmäßiae Fahrten airf den zwischen New Rork und England v»rkehrenden M u n i t i o n s- schiffen mitzumacken um im Falle einer Torpedierung als neutraler Staatsangehöriger auf eng- lischen Dampfern zu sungie'-en". Die Amerikaner eifern nun diesem schönen englischen Vorbild nach. Ihre 33 Landsleute auf der „Orleans" sind alle in ihrer Funktion nichts anderes als solche Jobn the Bums! Sie sind angeworben. um sich wissentlich und absichtlich in Gefahr zu begeben Kommen sie darin um, so hat Wilson feinen „Fall" und mag den Krieg erklären. Oder vielleichr vernicht er's unter Hinweis auf die schaudervolle „Seerairbertat" mit einem letzten Appell an di? widerwilligen Neutralen, sich ihm anzuschlietzen. Gleichviel, die deutschen Behörden Negierung und Marineamt tverden angesichts des VersuchZschiffs-Manön»rs sicherlich kühl bis ans Herz bleiben. Kein U-Boot wird den Sonderbefehl erhalten, die beid-n durch die Seesperre aeschick- ien Amerikaner mit ehrfurchtsvoller Schonung irnd Zuvorkommenheit zu behandeln. Wir haben Mittel und Wege fiir die Nichtkriegfnbrenden ofs-.m gelassen, u n- gefährdet durch die Sperr? zu kommen. Ainerika schlägt mit seinen Versuchsfchiffen un'erm ehrlich ge- ineinten Vorschlägen ins Gesicht. Für die Folgen sind nicht wir verantwortlich. Unser reiflichst erwogener Entschluß zum verschärften U-Bvotskrieg wird sich keinesfalls durch Versuche, Breschen in di? Seesperre zu schlagen, nicht irre machen lassen Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Was am 31. Januar vom Reichskanzler angcsagt wurde, das gilt. Und das wird durchgefochten.
Die Weisunpen fiir die beiden Dampfer.
Nr. Genf, 13. Febr. (zb.) Nach in Paris anqelomme- neri New Yorker Depeschen soll durch die Aus-sabrt der amerikanischen Frachtbampfer „Orleans" und „Nochester" nach Bordeaux erprobt werden, ob die drei Buchstcben USA. ohne die von Deutschland vorgeschriebenen Streifen alz schützende Kennzeichnung ausreichen. Mar wollte die Streifen nicht aim>enk>en, damit e» nicht beißt, dos StaatS- dspartement habe wenigstens in einem Punkt die deutsche Verordnung als nützlich erkannt. Ob die als unbewaffnet bezeichneten Dampfer Bannware mitführen, lerschweigen die Depeschen. Über die einzuscblaaende Route wird nur gemeldet, der Kapitän der „Orleans" besitze Weisungen für die beiden Schiffe, von deren Begleitung durch amerikanische Kriegsschiffe wurde ist Washington abgesehen. Es wurde e:n anderes geheim gehaltenes Arrangement getroffen. In Bordeaux hofft man, daß die beiden Frachtschiffe das sehnlich erwartete Getreide bringen werden.
Ein Wettrennen, wer zuerst an die Sperrzone kommt!
W T-B New York. 12. Febr. Meldung der „United Preß":
Die unbewassuclen amailantsch« Frachtdampsu Orleans" mW
,.Nochester" veranstalten ein Wettrennen über den Atlan- tijchcn Ozean um die Ehre, wer von beiden zuerst i» ne gefährliche Zone einsährt.
Die richtige Erklärung der Absichten Wilsons?
Br. Lugano» 12. Febr. (zb.) „Seccle" übersüweibt die Abreise der beiden amerikanischen Dampfer von New Jork nach Bordeaux: Auf der Suche nach dem Casus
belli!
Die Abfahrt der amerikanischen Postdampfer
„St. Louis" und „St. Paul" verschoben.
Br. Rotterdam, 18. Febr. (zb.) Reu rer meldet aus London: Die American Line gab bekannt, daß ihre Schiffe, zu denen di« Postdampfer „St. Louis" und „St. Paul" gehören, nicht in See stechen werden, falls die Regierung keine Geschütze und keine Kanoniere zur Verfügung stelle.
— Haag, 13. Febr. (zb.) Ein New Yorker Blatt sagt, die Weigerung der amerikanischen Regierung, den Personendampfer „St. L o u i s" begleiten zu lassen, bilde einen Teil ihrer Politik, die darauf hinausgehe, Berlin die Eröffnung der Feindseligkeiten zu überlassen.
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Die einschneidende Wirkung der Sperre auf - den New Yorker Hafen.
— Haag, 13. Febr. (zb.) Die Häfen von New York sind von amerikanischen und neutralen Schiffen überfüllt, die die Sperrzone nicht zu durchfahren wagen. Seit längerer Zeit ist kein Goldschiff mehr abgegangen.
Militärische Maßnahmen der Union.
Br. Paris. 13. Febr. (zb.) Wie hiesige Blätter aus New Hort berichte». bat Fort Monroe in der Cheespeak:-Bai Befahl be- konlmen. sick schutzseitig zu halten. Die Panzerkreuzer „New Dakota" und .Eavsas" liegen vor Ellis Island seeklar. Die übrigen Kriegsschiffe stlhcn unter Dampf
Konteradmiral Prary fordert ein K ü st e ch n tz - Lu s t g e- s ch w o d e r In den nächsten sechs Monaten sollen 2500, in dem 'päieren Halden Jahre 5000 Flugzeuge gebaut werden.
Schutzmastnahmen graen Unterseeboote im New Uorker Hasen.
Br. Bafel, 13. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Schweizer Blätter melden aus New York, daß man mit der Herstellung der D r a b t n e tz e in der Länge von 2 Seemeilen begonnen hat, die ollokendlich ausgelegt werden sollen, um den Hafen von New Dork vor Angriffen durch Unterseeboote zu sichern. Der vorgestrige anierikanische M i n i st e r r a t, in welchem die Frage der Ausfahrt von Handelsschiffen geprüft wurde, ist zu dem Ergebnis gelangt, daß der Beschluß des Präsidenten, eine abwartende Haltung einzunehmen, gutzuhcitzen sei.
Eine friedliche Äußerung Lansings.
New York, 1-2. Febr. "Frkf. Ztg.) Staatssekretär Lansing sagte auf einem Bankeit an, Samstagabend: „Wir dürfen die Augen nicht m der Tatsache veffcklicswn, daß wir dicht vor devi Kriege stehen. Ader die Hoffnung ist allgemein, das. es dein Lande erspart bleibe, in den Konflikt hlneiiigetrleben zu werden. Cs ist auch der Wunsch und das Bestreben der Regierung, den Frieden zu erhalten
Eine Verschiebung der Abreise des Grafen Bernstorf f?
— Berlin, 13. Febr. (zb.) Wie die „Bofs. Ztg." berichtet, würde Graf Bernstorff seine Abreise wegen einer Nervenkrise seiner Gemahlin möglicherweise verschieben.
Botschafter Gerard über feine verzögerte Abreise.
Br. Rotterdam, 13. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der amerikanisch- Botschafter Gerard erklärte nach einer Züricher Ateldung der „Daily News" dem Berichterstatter dieses Blattes: Ich nwiß. daß man in der Presse behauptete, daß ich als G e i s e l in Deutschland zurückgehalten worden sei. Es wäre vielleicht richtiger gewesen, zu sagen, daß meine Abreise von der Haltung abhängig war, die man in Washington gegenüber Deutschland beobachte.
*
Die diplomatische Niederlage Wilsons.
Die entschiedenen südamerikanischen Ablehnungen.
Wilson der Kriegstreiberei — bereits vor Jahresfrist — beschuldigt.
W. T.-B. Berlin, 12. Febr. Wie zuverlässige Nachrichten aus Argentinien besagen, tritt die Zeitung „Epoea" für dis Ablehnung der W i l s o n l ch e n Vorschläge und strikte Neutralität em. Auch „Prensa" ve-hält sich scharf ablehnend und bringt die Aufsehen erregende Mitt-ilung. daß Wilson vor Jahresfrist versucht habe, die südamerikanischen Revnblikaner durch Abmachungen in den Krieg zu verwickeln. „Razon", die sich gleichfalls entschieden für die Ablehnung ausspricht, fagt, daß Wilson in der Frage der Schwarzen Listen seine Untsrltützuna ver
weigert habe; jetzt wünscke Argentinien ihm nicht Folge zu leisten. Die Stimmung Argentinien ist ruhig.
Aus Brasilien ve-lautet daß die Regierung die Aufforderung der Vereinigten Staaten sich ihnen an» ziischließen, mangels gleicher Voraussetzungen a b gelehnt habe und sich ans einen Protest gegen eine etwaige Beeinträchtigung brasilianischer Interessen beschränken werde.
Chiles ausweichende Antwort.
W. T.-B. Amsterdam. 12. Febr. Nach einem hicsitz-n Blatt wird der „T'mes' ans Valparaiso gemeldet, daß der chilenische Minister des Äußern in seiner Antwort an Wilson erklärte, die chilenische Regierung hohe der deutschen Regierung mitgeteilt, daß ihrer Ansicht nach die Rechte der Neutralen durch die angekündigte Tauchibootsaktion verletzt würden, und daß diese deshalb nicht gutgeh-ißen werden könne. Die chilenische Regierung glaube, daß diese Haltung den Ansichten der Vereinigten Staaten auf einheitliches Vorgehen das Recht zu schützen und den Frieden zustande zu bringen, enffpreche.
Die würdige Neutralität Spaniens.
W T--B. Madrid, 12. Fkbr. Funkspruch des Vertreters/ des K. K. Teleorcpkicn-Korrespondenz-Bureaus. Die Antwortnote Spaniens wird siwohl nach Jnhall wie nach Fcrm von den Blättern aller politischen Färbungen günstig aufgenounnen. Einige Zeiiiiiigeli verweisen auf die Tatsache, dag gelegentlich der Blockadeverkündung Englands keine Proteste erhoben worden feiei Das Blcnt „ABC" schreibt: Tic Regierung erwidert mit kurzer höflicher Energie, ohne im geringsten von der Neutralität ab- zuweichn:. ,ft>mparcial" erklärt: Spanien wühle mit aller Vorsicht, aber auch mit aller Würde und Energie zu antworten. Die „Epoea-" beglüllwünscht den Minister des Äußern zu der gelungenen Abfafsnirg der Note „Di ca io" schreibt: Weder der Geist ber Note, noch der Protest des Landes gegen di, Blockade imtzsullen. Jedoch alle, dir wir die Ausrechterhaltung der Neutraliiät wüiftchen, ftagen, waruul nickt ein gleiches Kriterium gelegentlich der Blockadeerklärung von England geübt wurde.
In demselben Sinne äußern sich die Blätter „Aczion" Mid „Debatte". Die „Korrespondenz Militär" schreibt: Es freut uns, in der Note das Prinzip der Neutralität unverändert ausrecht erhalten zu seien. „Correspcndenzia" de Espana", „Liberal". „Correo Espantol", „Tribuna" und andere Blätter stimmen der Rote zu.
Das Verbleiben der spanischen Schiffe in England.
W. T.-B. Bern, 12. Febr. Wie „Temps" meldet, wurde die spanische Botschaft in London telegraphisch angewiesen, zu verhindern, daß spanische Schiffe die Rückreise an-- treten, bevor sie die Versicherung erhielten, daß die Rückreise chne Gefahr ausgeführt werden könne.
Abberufung der spanischen Schiffe aus Cettc.
W T-ß Bern, 12. Febr. Laut „Statut" sind fett der Verkündigung des verschafften Tauchdootkrieges die Gebühren für Schtffs- frachten in Heile um 200 Vroz., die der Bersicherungsrartfe von 4 aus 7 Prcz. gestiegen. Alle spanischen Schiffe wurden stsort ab- gerufen. m
Griechenlands strenge Neutralität.
W. T.-B. Amsterdam, 12. Febr. Einen: hiesigen Blatt zufolge wird der „T'mes" aus Athen telegraphiert, daß die griechische Regierung an Amerika ein« Note richten wird, in der u. a. erklärt wird, die Regierung habe bei der deuffchen Regierung Vorstellungen erhoben, wünsch« aber an ihrer Politik strenger Neutralität festzuhal- ten, besonders unter den Verhältrnffen, in denen sich Griechenland jetzt besinde.
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Keine Mockade, sondern Sperrgebiet.
Br. Berlin, 12. Febr. (zb.) In der Note des schweizerischen Bundesrats an die deuffche Regierung sindet sich dt« Wendung, daß der Bundesrat gegen die von der deuffchen Negierung angeküirdigte „Blockade" Protest erhebe. Es mnß vom deutschen Standpunkt auö Wert darauf gelegt werden, daß es sich n i ch t um eine Blockade handelt, sondern um die Festsetzung eines Sperrgebiets.
Die dankenswerte Vertretung Deutschlands durch die Schweiz.
IV. T.-ß. Bern» 11. Febr. Die Schweiz hat aus Ansuchen Deutschlands außer in Frankreich und in den Vereinigte« Staaten auch noch die Vertretung der deutschen Interesse» in England, Japan und dem nicht besetzten Teil Rumäniens übernommen.
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Auch ei» Protest Chinas unter dem Druck unserer Feinde.
— Haag, 13. Febr. (zb.) Verschiedene Blätter berichte«- die chinesische Regierung hätte dem deutschen Gesandten in Peking einen P r o t e st gegen den uneingeschränkten U-Bootkrieg überreickt. Die „Voss. Ztg." sagt dczu: China ist,, falls die Meldung überhaupt richtig ist, durch seine militärische Hilflosigkeit gegenüber Japan und seine finanzielle Abhängigkeit von den Vereinigten Staate» in einer Lage, die jedem Druck dieser Mächte Tür und Tor öffnet.
