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Samstag, 10. «ebruar,417. lllorgeN-KUSgabL- Nr. 74. . SS. Jahrgang.
Die Abfuhr wilfonr bei Schweden.
Der Wortlaut des für Amerika sehr bitteren Schriftstücks.
XV. T.-B. Stockholm, 9. vbr. (Meldung des Svenska Telegrambyran.) Die Not.', e der schwedische Minister des Äußern dem Gesandten der Bereii'igten Staaten, Nelson Morris, in Beantwortung des Vorschlages des Präsidenten Wilson an die Neutralen übergehen hat, hat folgenden
Wortlaut:
Indem ich Bezug nehme auf Ihren Brief vom 5. Febr., durch den Sie der königlichen Regierurtg die Ansicht Wilsons mitteilten, daß es im Interesse des Friedens angezeigt set, aus Anlaß der neuen Seesperre, die von der deutschen Regierung erklärt worden ist. eine der Haltung der Vereinigten Staaten ähnliche Haltung einzunehmen, habe ich die Ehre, Ihnen folgendes zur Kenntnis zu bringen:
Die Politik, die die Negierung des Königs während des Krieges befolgt hat. ist eine streng unparteiische Neutralität. Die Regierung hat alles ihr mögliche getan, um treu alle Pflichten zu erfüllen, die ihr die>e Pilitik ai.ferlegt Gleichzeitig hat sie, so weit möglich, die Rechte geltend gemacht, die daraus abzuleiten sind. Um ein praktisches Ergebnis zu erzielen und die Prinzipien dis Völkerrechts ausrecht zu erhalten, hat sich die Regierung mehrmals an die neutralen Mächte gewandt, um zu einem Zusammenarbeiten zu dem genannten Zweck zu gelangen. Insbesondere hat es die Regierung nicht unterlcssen, der Regierung der Vereinigten Staaten Vorschläge zu diesem Zweck zu unterbreiten. Mit Bedauern hat die Regierung des Königs festgestellt. daß die Interessen der Vereinigten Staaten es ihnen nicht erlaubten, sich diesen Vorschlägen anzuschließen. Die so von der Regierung des Königs gemachten Vvrickläge haben zu einem System von gemeinsamen Maßnahmen zwischen Schweden, Dänemark und Norwegen gegenülber den beiden kriegführenden Parteien geführt. In der Politik, die die Regierung des Königs zur Aufrechterhaltung ihrer Neutralität uns zur Sicherung der legitimen Rechte des - Landes befolgt, ist die Regierung des Königs, die ein Herz für die unbeschreiblichen Leiden hat, die von Tag zu Tag grausamer auf der ganzen Menschheit lasten, bereit, jede sich darbietende Gelegenheit zu ergreifen, um zur Herbeiführung eines dauernden Friedens beizutragen. Sie hat sich daher beeilt, sich -der vollen .Initiative des Präsidenten anzuschließen, zum Zweck, die Möglichkeiten zur Herbeiführung von Verhandlungen zwischen den Kriegführenden zu prüfen. Der Vorschlag, der den Gegenstand des gegenwärtigen Briefwechsels bildet, gibt als Ziel die Abkürzung des Kriegs Übels an. Mer die Regierung der Vereinigten Staaten wählte als ein Mittel zu diesem Zweck zu kommen, ein Verfahren, dos durchaus im Gegensatz zu den Grundsätzen steht, die bis zur gegenwärtigen Stunde die Politik der königlichen Regierung geleitet baven.
Die Regierung des Königs, die sich auf die Meinung der Nation stützt, wie sie durch die einstimmigen Entschließungen ihrer Vertreter dargetan worden ist, wird zukünftig, wie in der Vergangenheit, den Weg der Neutralität und Unparteilichkeit gegenüber den beiden kriegführenden Parteien weiter verfolgen. Sie wird nur dann ihn zu verlassen geneigt sein, wenn die Lebensinteressen des Landes und die Würde der Nation sie zwingt, ihre Politik zu ändern.
(gez.) K. A. W a l l e n b e r g.
Die Erklärung der holländischen Regierung.
Holländische Pressestimmen.
W. T.-B. Amsterdam, 9. Febr. (Drahtbericht.) Die ,.T i j t>" schreibt zu der heutigen Erklärung des niederländischen Ministerpräsidenten in der Zweiten Kammer, man habe kaum etwas anderes erwarten können. Bisher habe es geschienen, daß Wilson der Friedensve emittier werden würde. Hoffentlich werde es nun den Neutralen vergönnt, die Arbeit Wilsons wieder aufzunehmen. Es sei der stille Wunsch des niederländisihen Volkes, daß das, was in Amerika geboren wurde, im Haig vollendet werde. In einem anderen Artikel schreibt die „Tijd", es werde täglich deutlicher, daß die meisten neutralen Staaten nicht Wilsons Vorbild folgen würden. Das Auftreten Brasiliens sei Theaterdonner.
Das „A l l g e m e e n H a n d e l s b l a d" ist mit dec Regierungserklärung nicht zufrieden und schreibt: Ein ge
meinsames Auftreten der kleinen neutralen Staaten hätte mehr Wirkung gehabt. Die selbständige Politik der Regierung würde schön und gut sein, wenn der selbständige nachdrückliche Protest auch nur eine geringe Wirkung hätte. Aber jedermann wüßte, daß das nicht der Fall sein würde.
Die Haager Zeitung „Vaderland" schreibt nach einem Telegramm des Korrespondenzbureaus, sie stimme vollständig mit der Antwort der niederländischen Regierung überein. Das Blatt schreibt: Man verweist uns auf die
Seite der Entente, zwar aus höheren Motiven dieses Krieges, aber wir Niederländer haben. letzt seit 2 1/2 Jahren immer wieder gehört, daß von beiden Seiten höhere Motive angeführt wurden. Selbst im Zweifel, welches dieser Motive unsere Beherzigung und Znstlmmung verdient, vergeffen wrr ioch nicht, daß ihre Eritrebung für uns absolut keine Bedeutung mehr hätte, sobald wir jetzt in den Krieg geraten wurden und unser Land verwüstet würde. Unsere eigene Existenz kommt für uns in erster Linie in Betracht. Die dürfen wrr weder für die höheren Ziele der Entente noch sür die der Zentralmächte aufs Spiel setzen. ES gewährt uns Genugtuung, daß dies auch von den Alliierten nicht ganz übersehen wird Wir sind völlig überzeugt, daß dieser Standpunkt unserer Regierung die Zustimmung unserer eigenen Landengen offen findet. Unser Volk verlangt nichts anderes, als von den Schrecknissen des Krieges bewahrt zu bleiben. Diesem Wunsche trägt die verständige Anrwort der niederländischen Regierung Rechnung und danach wird sie nach unserer Überzeugung auch anerkannt werden.
Die Überreichung der spanischen Note in Berlin.
P.r. Berlin, 9. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb,) Wie die „Boss. Ztg." erfahrt, ist die Prote'tnote der spanischen Regie- rung gestern abend im Auswärtigen Amt mitgeteilt worden. Sie ist jedoch Lurch dre Übermittelung stark verstümmelt, so daß der Text zum Teil unverständlich ist und sich Rückfragen notwendig »>achen.
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Die Wiener Auffassung über die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten und die Kriegslage.
'Drahtbericht unseres Ni.-SonderberichterstatterS.)
Ni. Wien, 9. Febr. (zb.) Von diplomatischer Seite verlautet: Die Verhandlungen zwischen dem Ministerium des Äußern und der Washingtoner Regierung dauern fort. In den allernächsten Tagen ist das Ergebnis der Unterhandlungen zu erwarten. In Washington möchte man das Ergebnis von dem Zufall abhängig machen, ob ein Amerikaner durch Verschulden eines österreichisch-ungarischen Unterseebootes sein Leben einbützt. Die österreichijch- iing arische Regierung kann natürlich keine Garantie gegen solche Möglichkeit übernehmen. Die amerikanische Regierung scheint immerhin einen Bruch mit der Doppelmonarchie vermeiden zu wollen. Wir hatten und haben nichts gegen Amerika und erwarten nur, daß es uns den erbitterten Kampf, der uns durck, den Vecnichiungswillen der Entente aufgenötigt worden ist. ungeitört a u s k ä m p f e n läßt. Fm übrigen haben wir bei der Aufnahme des uneingeschränkten Unterseebootskrieaeö alle billigen Rücksichten auf dre neutralen Mächte walten lassen. Die Entscheidung über die Haltung Amerikas zu uns liegt also bei Wilicn selbst und bei seiner hoffentlich noch zu weckenden besseren Erkenntnis. Wir sind selbstverständlich auch darauf vorbereitet, daß alle unsere guten Absichten scheitern. Wie die Dinge heute liegen, muß innerhalb einiger Tage Klarheit in der gesamten Lage, auch auf den Kriegsschau. Plätzen, eintreten. Bis jetzt sind die Absichten der beiderseitigen Heeresleitungen verhüllt. Die Verschärfung des Unter seeboatskrieges dürfte auf die nächsten organisatorische» Entschliißungen dec Entente einen mächtigen Druck ansüben, vermutlich nach der Richtung, daß alle Vorbereitungen zur Aeneraloffensive beschleunigt werden, um der verderblichen Wirkung der Unterseebootsblockade zuvor z u k 0 nr m e n.
Die Meinung in der Türkei.
XV. T.-B. Konstantinoptl, 9. Jvebi. (Drahtbericht.) In einer Besprechung des Abbruchs der diplomatischen Beziehlmgen zwischen Amerika und Deutsch- l a n d unterstreicht „Tauin" denUm-tand, daß Wi l s o n selbst erklärt hat, der Abbruch sei n o ch k e i n Krieg. Aus der Botschaft an den Senat gehe hervor, daß der Präsident den Krieg nicht als unvermeid- 'lich betrachtet. Wilsons Entschluß scheine auf einem Mißverständnis des deutschen Gesichtspunktes zu beruhen. Bei klarer Überlegung hätte er sicherlich die Berechtigung des lediglich zur Selbstverteidigung und in vollem Einverständnis nnt den Vervunoeten gefaßten Beschlusses Deutschlands erkannt. „Tanin" hebt noch hervor, daß Wilsons Vorwurf des Wortbruchs ungerechtfertigt sei, da das angeblich gebrochene Wort seinerzeit nicht endgültig sondern an Bedingungen geknüpft gewesen sei. Amerika habe die Bedingung, daß es England gleichfalls zu Opfern veranlassen solle, wi-> Deutschland sie seinerzeit durch Aufgabe des verschärften U-Boots- krieges mit Rücksicht auf die Menschlichkeit gebracht habe, nicht erfüllt. Ter Vierbund sehe dem Laufe
der Ereignisse mit Ruhe entgegen. Das krieg- führende Amerika werde nicht mehr schaden können, als das neutrale.
Die Artikel von „Le Soir". „Nilai" und „Sabah" bewegen sich in ähnlichen Gedankenoängen. „Sabah" hält den Krieg noch für vermeidbar, da die Bereinigten Staaten keinen Nutzen daraus ziehen würden. „Jkdam" erblickt in der Verschärfung des U-Bootskrieges ein Mittel zur baldigen Beendigung deÄ Krieges. Deutschlands Entfcbluß sei unwiderruflich und unabänderlich.
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Ein vernünftiger Vorschlag Bryans.
— Berlin, 9. Febr. (zb.) Der frühere Staatssekretär V r y a n verlangte in einer Versammlung unter dem Beifall sciner Zuhörer, die amerikanischen Schiffe sollten sich außer bald der Gefahrzone halten. Die Auseinandersetzung mit Deutschland könne auf ern Jahr v e c - s ch o l e n werden. Die kriegsfeindliche Partei im Kongreß würde durch eine mächtige Gruppe unterstützt und könne siir die Regierung ein Gegenstand der Aufmerksamkeit werden. — Laut „Voss. Zig." habe der amerikanische Abgeordnete Miller die Internierung Bryans verlangt, den er des Hochverrats beschuldigte.
Abreise des deutschen Botschafters aus Washington.
XV. T.-B. Berlin, 9. Febr. (Drahtbericht.) Nach einer in Berlin eingetroffenen Nachricht wird sich der deutsche Botschafter Graf Bernttorff mit dem diplomatischen und konsularischen Personal anr 13. Februar in New Uovk auf dem Dampfer „Frederik VIII." einschiffen.
Freies Geleit für den deutschen Botschafter in Amerika.
Br. Rotterdam, 9. Febr. (Eng. Drahtbericht, zb.) Reuter meldet offiziell aus Washington, daß England und Frankreich dem dortigen deutschen Botschafter Grafen Bern« storff samt seinem Personal freies Geleit gewährt haben.
Die Abreise des amerikanischen Botschafters in Berlin.
Br. Berlin, 9. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Dem Vernehmen nach sollen dem Botschafter Gerard heute nachmittag seine Pässe vom Auswärtigen Amt zugestellt worden sein. Ihm werden zwei Sonderzüge zur Verfügung gestellt, und zwar nach der Schweiz, von wo ans sich Gerard mit seiner Begleitung über Frankreich nach Spanien begeben wird, wo ec in Barcelona bereits Schiffsplätze für sich belegt hat. Der eine Zug dient zur Beförderung des Botschafters und des Botschaftspersonals, im zweiten Zug werden andere Amerikaner abreisen.
Oie deutsche Zeesperre.
Rußland in furchtbare c Angst um die Versorgung seiner Truppen.
(Drahtbericht unseres Z.-Sonderberichterstatters.)
8. Stockholm, 9. Febr. (zb.) „Utro Rossie" teilt mit, daß unmittelbar nach der Erklärung des verschärften U-Bootskrieges ein sehr bekannter und viel genannter russischer General sich in spezieller Mission nach England begeben hat. Nach hiesigen Quellen soll es sich um General B r u s s i l o w handeln, der eine Ausgabe von großer Wichtigkeit zu erfüllen habe: er soll Klarheit schaffen, wie die Frage der Versorgung der russischen Armee nach dem Eintritt des neuen Zustandes gelöst werden kann. Hierdurch würde der Kriegs- plan der russischen Kriegsleitung entscheidend bestimmt werden.
Lord Fisher wird stürmisch als Netter in der Not ausgerusen.
Br. Haag, 9. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der „Manchester Guardian", die „Nation" und andere liberale engsiscbe Blätter fordern den sofortigen Eintritt Lord Fishers, des früheren Oberbefehlshabers der britischen Seestreitkraste, in die Admiralität für die besondere Aufgabe, den Kampf gegen die deutschen U-Boote weiter zu organi- siren und zu führen. Entfpreche die Regierung nicht freiwillig dem Wunsche, so werde die öffentliche Meinung sie dazu zwingen.
Zur Versenkung des dänischen Dampfers „Lars Kruse".
XV. T.-B. Kopenhagen, 9. Febr. (Drahtbericht.) Die Meldung von Lloyds Agentur.' oaß der dänische Dampfer „Lars Kruse" von einem deutschen Unler>eeboot versenkt worden sei, ruft hier großes Auffehen hervor, da das Schiff nn Dienste des amerikanischen H i l f s a u s s ch u s s e s für die notleidenden Belgier stand und mit einer G c -
