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Verlag Langgafse 21

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Sreitog, 9. Februar 1917. KbeNd-KUZgtlbe. Nr. 73. . 65. Jahrgang.

Die Maske herunter!

Die Entente, an ihrer Spitze am lautesten und auf­geregtesten England, schreit in die Welt hinaus, unser U - B o o t s k r i e g, und nun gar der h e m m u n g s- lose, sei eine Barbarei.

In der Rede, die der englische Preniierminister Lloyd George am 1. Februar in Carnardon hielt, nannte dieser edle Knock out-Mann die energischer werdende Bedrohung Englands durch unsere Seesperre und den nun uneingeschränkten Krieg unserer von wundervollem Schneid beseelten Kapitänlentnants nicht nur eins e e r ä u b e r i s ch e s L o r g e h e n", sondern er hatte auch die «'i'erne Stirne zu bemerken, es sei ein neuer Schritt auf dem Wege zur vollständigen Barbarei, es sei das Abwerfen der letzten Hülle der Kultur, es sei das Barbarentum in seinem Natur­zustand. Dgs müsse selbst der entgegenkommendste Neutrale nun einsehen.Desperado " nannte uns der selber desperate, aber zunächst noch in der Pose des starken Mannes sich und seinen frevelgewohnten Landsleuten gefallende Kabinettschef des schwachen Königs Georg. Und er versagte sich natürlich nicht die blasse Renommage, England würde sich in diesem Kampf ans Leben und Tod mit uns, die wir die ausge­dehnteste Seesperre über England, Frankreich und Italien nur aus Verzweiflung verdangt hätten, und nur aus Verzweiflung, den zornfunkelnden Augen des großen Wilson, desPräsidenten der Well", zu schändlichem Trotz, den hemmnnglosen U - Boots­krieg begonnen hätten, schon behauvtem Der starke Mann von Wales schloß mit einer Anrempelung unseres Reichskanzlers. von dessen am 31. Januar abgegebener Erklärung er sagte, er mache weder vor Ehre, gutem Willen noch Ehrlichkeit Halt, i'.nd mit der Apostrophe, England müsse durch eigene Kraft dafür sorgen, daß die W"ise unseres Auftretens, die Europa erniedrige und durch deren Auswirkung die Kultur»m Jahrhunderte zurückgewor- fen würde, nicht triumphiere.

Lloyd Georges, desDemokraten", Ministerkollege B o n a r L a w, der Führer der Konservativen im Unterhaus und höchst einflußreiche Mitarbeiter des Kabinettchefs in dem Dreimänner-Kollegium, das mit fast diktatorischer Gewalt die Geschicke derfreien" eng­lischen Nation in seiner Hand hat, hielt gestern tm P a r l a m e n t ebenfalls eine große R e d e, die sich mit den Sorgen Großbritanniens aus Anlaß unserer neuen Seekriegführung, unseres siegesslcheren An­sturms aus die Quellen von Englands Widerstands­kraft, unseres erfüllungreifen Willens, die englische Seetyrannei vollständig und für alle Zeiten zu brechen, des Langen und des Breiten befaßte. Der Vorgänger Lloyd Georges, der nächst dem Viscount Grey an dem Eintritt Englands in den Krieg gegen uns, an der Brechung jahrhundertealten Friedens Hauptschul­dige Liberalen-Führer A s q u i t h, hatte sich mit er­klärlicher Bekümmernis nach den jetzt über die Kriegs- Armada und den Handelsmarine-Leviatban Englands getroffenen oder zu treffenden Versügungen erkundigt, und auf diese kitzlige Frage mußte der arme Bonar Law vor seinem entsetzensbangen Auditorium, derverv honourable soeiety", der versammelten Parlaments-Mitglieder. Rede und Antwort stehen. Mit edler, einem britischen Minister so wohlaustehender moralischer Emphase betonte der angstschwitzende Re­gierungsmann zunächst, niemals noch habe die britische Marine eine so vollkommene Herrschaft zur Sec aus­geübt wie in diesem Kriege; niemals in der ganzen Ge­schichte sei diese Macht mit solcher Rücksicht, nicht nur aus die Rechte, sondern auch auf die Empfindlichkeit der neutralen Mächte ausgeübt worden. Die englische Marine habe alles, und mehr als alles getan, was von ihr erwartet werden konnte. Aber die Deutschen seien so gemeine Kerle, daß sie den Weg zum Sieg nicht darin gesucht hätten, die Feinde zu bekämpfen, die Soldaten sind, sondern alle Welt in Schrecken zu setzen, eingeschlossen die Neutralen. Dieser Krieg habe es offenbar gemacht, daß cs zwei verschiedene Dmac gebe, nämlich die Natur der Menschen und die Natur der Deutschen. In seiner letzten Rede habe der deutsche Reichskanzler gesagt: Wenn die rücksichts­

losesten Methoden als das Zweckdienlichste zur Erreichung des Sieges, eines schnellen Sieges, anzusehen seien, so müßten sie angewendet werden. Ta habe man die Natur der Deutschen. Man habe sie schon vorher bei dem Einfall in Belgien und bei anderen Grausamkeiten dieses Krieges gesehen. Hier höre man es unverhüllt aussp^echen, daß die wahre Menschlichkeit darin bestehe, alle Haager Übereinkünfte und alle bisher gemachten Be­mühungen zur Herabminderunq der Kriegsschrecken zu mißachten und dafür jedes Verfahren anzuwen- den, welches unserer Meinung nach den Sieg sichern werde -' ]

Wir wollen diesen echt englischen Frechheiten nur einige nnableugbare Tatsachen gegenüberstellen:

1. In der dritten Januarwoche des Jahres 1916, affo jetzt genau vor einem Jahr, durchlief den aufmerk­samen Teil der deutsche^ Presie die Veröffentlichung eines Urteils, mittels dessen der h ö ch st e e n g> Iische Gerichtshof, der Londoner Appellhof, beim 8uprem« 6ourt ok judicatuee sich wörtlich dahin aussprach, die Zerstörung der wirtschaft­lichen Blüte Deutschlands sei das Ziel Englands. Es handelte sich um die Klage deutscher Kausleute gegen eine englische Firma verpflichtet sei, Anerkennung, daß die englische Firma verpflichtet sei, nach Schluß des Krieges gewisse Rohstoffe an die Deutsiien weiterzuliesecn. Der englische Richter wies die. Ansprüche der deutschen Kläger mit obiger Begrün­dung und mit dem Zrffatz ab. e s h i e ß e d a s K r i e g s- ziel Englands, die Lähmung des feind­lichen Handels, vereiteln, wenn Engländer verpflichtet werden sollten, der deutschen Industrie die Rohmaterialien zu liefern, deren sie bedürfe. Es hieße durch britische Gerichte das Werk wieder ungeschehen machen, das für die Nation von ihren See- und Land- streitkräften vollbracht sei. Von einer gewiß einwand­freien amtlichen Stelle in England ist also der wahre und einzige Kriegsgrund unsererVettern" in völlig­ster Harm- und Schamlosigkeit für alle Zeiten gerichts­notorisch gemacht worden. Die gleichen Gedanken, Ziele und Hoffnungen lagen auch dem englischen Blockadeplan gegen uns zugrunde.

2. Bei dem Neusahrsessen 1916 der britischen Kolonie in Petersburg offenbarte der sattsam bekannte Ver­treter des Königs George an der Newa. Sir Buchanan, mit erfreulicher Aufrichtigkeit: Zwischen Rußland und England handle es sich darum, der friedlichen Durch- drinaung durch die Deutschen den Weg zu verlege» und die Schädigungen durch den deutschen Handel gemein­sam zu bekämpfen! Man achte darauf, daß Sir Buchanan nicht die als selbstverständlich hinzunehmende Störung unseres Handels während des Kriegs im Auge hat, wndern daß er ausdrücklich auf die fried­liche Durchdringung der in Betracht kommenden Han­delsplätze durch uns, also ans die Zeit nach dem Kriege, seine Worte gemünzt hat. Wer darnach noch die eiserne Stirne, mit der John Bull Glauben für seine Behauptung fordert, er sei in den Krieg zum Schutze der belgischen Neutralität und für die Freiheit kleiner Staaten eingetreten, für eine Biedetnncrnns- Stirne ansieht, dessen Seh- und Urteilsvermögen kann nur Erbarmen Hervorrufen.

3.England hat jeden Grundsatz dcs Völkerrechts verletzt", sagte in den letzten Tagen des Januar 1916 die hochangesehene New PorkerEvening Post, die man keineswegs der Teutschfreundlichkeit verdächtigen kann. Das Blatt wies, ausgehend von einer Note der Wilsonschen Regierung, die eben damals, eine leere Demonstration, in London überreicht wurde, um E i n s p r u ch zu erheben gegen jede Art von Anwendung des Gesetzes, betreffend den Han de l mit dem Feinde, durch die der amerika­nische Handel betroffen werden könnte, daraus hin, daß iüngste im englischen Unterhaus gehaltene Ministerreden die steten Anstrengungen Eng, lands zur Eroberung des Welt Marktes nach dem Kriege verlangten, und wies ferner auf die steigende Erreaung der Washingtoner amtlichen Kreise gegen die britische Diplomatie hin, indem cs bemerkte, daß alle neutralen Staaten gespannt auf Amerikas Hilfe in der Vertretung der Rechte der Neutralen war­teten. Die Vereinigten Staaten würden die Freund­schaft von manchen diestr Länder verlieren» wenn sie jetzt nicht gegen die Verletzungen des Völkerrechts Ein­spruch erhöben, unter denen alle neutralen Staaten litten.

4. Am Mittwoch, den 26. Januar 1916 wurde i m englischen Unterhaus ein von der Regierung Asquiths bestellter Antrag verhandelt, es solle in Übereinstimmung mit den Verbündeten eine Er­klärung des Inhalts erlassen werden, daß die Entente beschlossen habe, den gesamten transatlantischen Ver­kehr Deutschlands durch eine Blockade der deutschen Häfen stillzulegcm Wenn man, so führte der Antrag­steller aus, die Überzeugung habe, daß durch einen der­artigen Beschluß der Krieg rascher zu Ende ge­führt werden könne, dann müsse man sofort erwägen, wie die Blockade auf die zweckmäßigste Art ausgcführt werden könne, selbst wenn England der Verletzung der Rechte neu- traler Staaten anqeklaqt werde. Mit echt eng­lischer Tartiifferie äußerte im Anschluß daran. Grey, die Neutralen müßten das Recht Großbritanniens, den Handel des Feindes zu erschweren, anerkennen, sonst gäben sie den Standpunkt der Neutralität auf.

Herr Wilson, wie wird Ihnen?

Vor Tagesbericht vom 9. Februar.

W.T.-B. Großes Hauptquartier, 9. Febr. (Amtlich.)

Westlicher Krregsrchanplatz.

Im Npern - und Kitsch aete - Bogen, sowie von der A n c r e bis zur Somme herrschte lebhafter Artillerie­kampf.

Bormittags griffen die Engländer bei Scrre an; sie wurden abgewiesen.

Auf dem Nord ufer drr Ancre setzten nach kurzer Unterbrechung neue Angriffe ein, in deren Verlauf wir bei Baillescourt etwas Boden verloren.

Nördlich des St. Pierre-Vaa st- Waldes ist von einem im ganzen gescheiterten Borstoß den Engländern eine schmale Einbruchsstelle verblieben, die a b g e r i e g e l t ist.

Zwischen Maas und Mosel stieß bei Flirey nach wirk­samer Fenervorbereitung eine Kompagnie in die dritte französische Linie vor und brachte bei geringem eigenem Verlust 26 Gefangene zurück.

östlicher Liricgsschauplatt.

Bon der Düna bis zur Donau keine größeren Kampf­handlungen.

Mazedonische Front.

Nichts Neues.

Die Flieger erfüllten im Januar trotz strenger Kälte ihre wichtigen Beobachtnngs-, Erkundungs- und An­griffs«,,fgaben.

Wir verloren im verflossenen Monat 34 Flugzeuge.

Die Engländer, Franzosen und Russen büßten im Lnft- kampf und durch Abschuß von der Erde 55 Flugzeuge ein, von denen 29 jenseits der Linie erkennbar abgestürzt, 26 in unserem Besitz sind.

Außerdem wurden 3 feindliche Fesselballons brennend zum Absturz grbracht. Wir verloren keinen Balls«.

Der erste Generalauartiecmeister: Ludrndorfs.

*

Der amtliche deutsche Abendbericht.

W. T.-B. Berlin, 8. Febr. (Amtlich.)

Im Sommegeb'et zeitweilig starkes Feuer. Be: Saillh sind Teilkämpfe im Gange.

An den anderen Fronten nichts Wesentliches.

Der uneingeschränkte ll-vootrkrieg.

Vas erste Wochenergebnis.

Das Ende der alleinigen Seeherrschaft Englands.

L. Berlin» 9. Frbr. (Eig. Meldung, zb.) Das erste . Wochenergebnis des uneingeschränkten Ünterseebootskrieges hat in Marinekreisen vollkommen befriedigt und alte' Erwartungen erfüllt. Trotzdem fünf Tage von der ersten Woche der neutralen Schiffahrt als Übergangs- fr ist zugebilligt waren und sich die Handhabung der See­sperre erst allmählich in ihrer vollen Schärfe erreichen läßt, ist nach feindlichem Eingeständnis die Zahl der versenkten Schiffe schon bedeutend größer gewesen, denn je zuvor. Man batte die Londoner und Pariser Presse angewiesen, be­ruhigend zu schreiben, die neue deuffche Seeverordnung wäre nur ein Schlag ins Wasser, die Unterseeboote führten schon lange den rücksichtslosesten Krieg. Ob sie hinfort den Schiffs- lesatzungen nicht mehr die fünf Minuten Rettungsfrrst lasse« wollten, bedeute wenig. Es habe sich also nichts geändert, da tie Unterseeboatskommaudanten schon alle Fahrzeuge ver­senkt hätten, an die sie herankomnien konnten. Jetzt sieht man in den Ententeländern den Unterschied. Bei den Neutralen hat man sich auch durch solche Vorspiegelungen keinen Augenblick irreführen lassen Das wichtigste Resultat, das erzielt wurde, sehen die Marinefachleute übrigens nicht in der großen Tonnageversenkung der letzten Tage, sondern in dcm Beschluß der neutralen Reedereien, ihre Schiffe nicht wehr mit Bannware nach den Ententeländern fobren zu lassen. Man ivollte gegenüber den Neutralen nichts anderes erreichen, und daß es erreicht wurde, tjt ein deutscher Triumph, der für das meerbeherrschende . England folgenschwer ist. Die größte Schlachtflotte der Welc .vermag zwar die deutschen Handelsschiffe vom Ozean fern­zuhalten, aber die größte ÜnterseebontSflotte hält jetzt die Handelsschiffe der anderen Länder von den Fabrten nach den Ententeküsten fern So entsteht ein Gleichgewicht beider Seemächte ans dem Ozean, das sich nur in negativem Sinne äußnt, da niemand mehr freie Fahrt hat. Das psychologische Moment, das von den Neutralen an­erkannte E n d e de? alleinigen britischen Mnchtgebots aut dem Meere, erscheint unseren Seeleuten unschätzbar. Dre .Äesctnchte wird hierin vielleicht den ausschlaggeben­den Wendepunkt des ganzen Krieges sehen.

Neue Opfer unserer U-Soote.

VV. T.-B. London» 8. Febr, (LlohdSnuldung.) Der enA- lisch« DampferTorine" (1850 Tonnen) wurde von einem deutschen U-Boot versenkt. Die Besatzung ist gerettet.

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