Verlag Langgaffe 31
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Freitag, 9. Februar 1917.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 72. . 65. Jahrgang.
Bongt im m hie kliegsw an da Mi
Der Bruch Amerikas mit v utschland.
Ratifizierung des Abbruchs u»it Deutschland durch den amerikanischen Senat.
W. T.-B. Washington, 7. Fi'br. Der Senat ratifizierte mit 78 gegen 5 Stimmen den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Deutschland.
wird die Union vertragrbriichig werden?
(Bon unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 8. Febr. (Eig. Drahtberichü zb.) Nach hier eingetrofsener Meldung 'ollen im Senat zu Washington Vorlagen unterbreitet werden, durch welche die Regierung ermächtigt wird, unter bestimmten Bedingungen in Amerika liegende fremde Schiffs zu erwerben. Eine zweite Vorlage be- lrifft denErwerb vonMaschinengewehren unöGeichützen für die Bewaffnung der amerikanischen Handelsschiffe. Beide Vorlagen scheinen darauf vorzubereiten, daß die in den amerikanischen Häfen liegenden deutschen Schiffe zwangsweise weggenommen werden sollen. Dabei wird sich die Regierung in Washington wahrscheinlich auf den Artikel 23 des amerikanisch-preußischen Handelsund Freundschaftsvertrages von 1799 stützen, wonach im Kriegsfalls (!) privates Eigentum der beiderseitigen Untertanen im Landesintecesse gegen Entschädigung beschlagnahmt werden kann. Tas^Entschädigungsrecht würde den deutschen ° Schiffs- eigentümern ohne weiteres zustehen. Es mutz aber gesagt werden, daß die Beschlagnahme nach einer Anderen Vertragsbostimmung doch erst nach neun Monaten zulässig erscheinen würde, die den bei- iderseitigen Untertanen stir weitere ungehinderte Be- Itätignng und Ausübung ihrer Berufe zugesichert sind. Die deutschen Schifsskapitäne müßten wählend der neun Monate frei über ihre S-chiffe (verfügen können. Sollte inan dies verhindern avollen, so würde ein -V e r t r a g s b r u ch vorliegen. Die von amerikanischer Seite gegen Deutschland !ethobene Beschuldigung, die in der See- kriegführnng feierlich gegebene Versprechungen wären mutwillig gebrochen worden, haben im (neutralen Ausland eine entsprechende Zurückhaltung Zerfahren. In einer von der neutralen Presse verbreiteten Mitteilung wird darauf verwiesen, daß in der deutschen Antwort an Wilson vom 4. Mai 1916 ausdrücklich unser Versprechen befristet und von idem' Erfolg dos amerikanischen Einspruchs gegen die englischen Völkerrechtsverletzungen zur See abhängig gemacht wurde. Wilson hat auch keinerlei andere Versprechungen van uns erhalten. Da die Regierung der Vereinigten Staaten nichts ,getan hat, um England zur Umkehr zu zwingen, mußte der Augenblick kommen wo wir unsere Freiheit znrücknehmen. Bisher hatte man sich in Deutschland Zurückhaltung aifferlegt, trotz des Abbruchs der Beziehungen. Zum ersten Male wird erfreulicher- Iweise jetzt dem neutralen Ausland getagt, der wahre Grund zu Wilsons Einschreiten sei die (schwierige Lage der Entente!
Wie ernst diese Lage in England selbst empfunden wird, zeigt die letzte Rede Lloyd Georges, der die „schreckliche Gerabr" ausdrücklich unterstrich. Die mit der Entente so enge verwachsenen Vereinigten Staaten sind denn auch sofort ans den Plan getreten, natürlich unter dem Vorwände, ihr eigenes Recht wäre gefährdet — es gelte, heilige Prinzipien der Völker zu wahren usw. Bei den übrigen Neutralen hat fnan die eigenrlichen Gründe Wilsons klar erkannt. Im amerikanischen Volke selbst wird man allmählich einsehen, daß man es auf den falschen Weg führt, den nur das Interesse gewisser Finanz- und Fabrikantenkreise weist. Alle Staaten müssen mrt Ungeduld erwarten, daß die Seetyrannei Englands ein Ende nimmt) selbst in Amerika müßte das geschehen, wenn es die Zukunstserfordernisse recht ins Auge fassen würde. Auffallend ist, daß Präsident Wilson bisher die diplomatischen Beziehmlgen mit Österreich-Ungarn nicht abgebrochen hat. obwohl die Doppelmonarchie ganz genau dieselben Verfügungen traf wie Deutschland. Auch daß Wilson seine diplomatische Vertretung in Belgien Leibehalten möchte, läßt allerlei Schlüffe zu. Man
erwartet mit ruhiger Entschlossmheit die Entwicklung der Dinge, da von der Note an die Vereinigten Staaten nicht ein Jota zurückgenommen werden soll.
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Die patriotische Sabotage auf unsere« Schiffen in Amerika.
Br. Kopenhagen, 8. Febr. (Eig. Drahtoericht. zb.) „Politiken" meldet aus London: Die deutschen Mannschaften der in Amerika internierten deutschen Schisse haben ini stillen, während die amerikanischen Wachtposten aus dem Kai patrouillierten, den Schiffsmaschine» große Beschädigungen zngefügt. Allein der an den Maschinen des „Vaterland" verursachte Schaden beträgt 1 Million Pfund Sterling..
Wilson an der Arbeit, „dem Weltfrieden zu dienen" durch Aufwiegelung der Neutralen gegen uns.
W. T.-B. Haag, 8. Feör. (Drahtbericht.) Das Korrespondenz-Bureau meldet: Der Geschäftsträger der Vereinigten Staaten Langhorne setzte am 4, Februar de» Minister des Äußern amtlich in Kenntnis von dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Amerika und Deutschland infolge der Wiederanftmhme des uneingeschränkten Unterseebootskrieges. Sr hatte den 'Auftrag, hinzuzufügen, daß der Präsident noch nicht glauben wolle, daß Deutschland tatsächlich seine Drohungen gegen den Handel der Neutralen durchführen werde, daß er aber, falls dies geschehen würde, den Kongreß um die Ermächtigung ersuchen werde, die Machtmittel des» Landes zum Schutze der amerikanischen Bürger bei dem friedlichen gesetzlichen Verkehr auf cffener See zur Anwendung zu bringen. Er sei überzeugt, daß man dem Weltfrieden dienen werde, wenn andere neutrale Mächte in ähnlicher Weise handeln würden — Darauf erwiderte der M i n i st e r des Äußern, daß für die Niederlande kein Anlaß bestehe, denselben Weg einz» schlagen wie die Vereinigten Staaten, da die Haltung der Vereinigten Staaten im Gegensatz zu der der Niederlande eine Folge der bekannten früheren Verhandlungen zwischen Washington und Berlin sei. Es ist von der Regierung der Vereinigten Staaten bei den Niederlanden kein anderer Schritt getan worden.
Weigerung Wilfons, das Beglaubigu«gs- fchreiben Tarnowskys enlgegenzunehmen?
Br. Rotterdam, 8. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der „New Dork Herald" hört, daß der neue österreichische Botschafter Tarnowsky sein Beglaubigungsschreiben dem Ministerium des Innern rngeboten hat, Wilson aber verweigerte, es in Empfang zu nehmen.
Die französtfchen Beklemmungen.
(Drahtbericht unieres Kr.-Sonderberichterstatiers.)
Br. Bern, 8. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der „Tenips" bringt einen Leitartikel, betitelt „Au Travail” und verrät darin größte Unruhe. Das Vorgehen Wilsons, so heißt es in dem Artikel, gab Deutschland zwei furchtbare Waffen: erstens die Aushungerung von 17 Millionen Belgiern und Franzosen in den besetzten Gebieten, falls die amerikanischen Lebensmittel ansbleiben sollten, zweitens hat es den Tauchbooten das weiteste Feld geöffnet, weil jede Rücksichtnahme auf Amerika aufbürt. „Temps" sagt weiter, die Entente dürfe sich durch den zweiten Schritt nicht üypnotisieren lassen, der Endsieg könne nur durch eigene Energie und eigene Arbeit errungen werden.
Eine weitere französische Stimme der Unzufriedenheit mit Wilson.
Br. Bern, 8. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Journal des Debats" ergeht sich in einer schmerzlichen Betrachtung darüber, daß bestenfalls nur in den iüdamerikanischen Staaten eine Neig ing zu bestehen scheine, dem Beispiel Wilsons zu folgen. Wilson hat den Neutralen ihre Aufgabe nicht erleichtert, weil er den Eintritt in den Krieg immer nur für den Fall angedroht hat, daß ein amerikanisches Schiff ider amerikanische Menschenleben vernichtet worden seien. Niemals aber hat er dies von der Vernichtung eines Schiffes eines anderen neutralen Staates abhängig gemacht. Es sei sür die Neutralen nicht sehr ermutigend, unter diesen Umständen ihre diplomatischen Beziehungen zu Deutschland abbrechen zu sollen.
Die Vertretung unserer Interessen in Amerika in der zuverlässigen Hand der Schweiz.
Br. Bern, 8. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Cs bestätigt sich, daß die schweizerische Regierung die Interessen der Deutschen in Amerika bettret en v»rs Die deutsche Regierung bat die schweizerische Regierung darum erzucyl, der Bundesrai bat diesem Ersuchen staiigegeben. Ter schweizerische Gesandte in Washmgien hat bereits am Mittwoch der dortigen Regie- 'ritng und dem Präsidenten Wilson von der Übernahme dieser Ver- tretung Mitteilung gemacht.
Die Gegenbewegung in Amerika. Wilson wird heftig von Gegnern des Krieges mit Deutschland bestürmt.
„Der Krieg gilt als unvermeidlich, aber erl wird kein populärer Krieg sein."
Br. Haag, 8. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Daily Chronicle" hört aus New Dork, die A.ae ri kan er wünschten keinen Krieg und niemand rufe nach Krieg. Die Möglichkeit seines Eintretens würde mit Bedauern, aber ruhig ins Auge gefaßt. Ebenso sagt die „Morning Post". Der Krieg gilt als unvermeidlich, aber es wird kein populärer Krieg sein. Sie schreibt dann, die pazifistische Gegenaktion habe sofort nach Erscheinen oer deutschen Note eingesetzt. Die bedeutende amerikanische Vereinigung gegen den Militarismus forderte Wilson telegraphisch auf, an Kongreß und Presse zu appellieren, daß sie ohne Aufregung und mit Überlegung die internationale Frage besprechen möchten. Dieses Telegramm erschien als Anzeige über vier Spalten weg in allen New Uorker Zeitungen und war von dem Herausgeber der ..Evening Post", Billard, unterzeichnet. Jeder, der ihm bm- fiimmt, solle sogleich dem Präsidenten depeschieren. Ebenso war für Samstag eine Konferenz des American National Conference Connnittee einberufen, in der Bhran gegen den Krieg und für Verhandlungen sprechen sollte. Die besondere Stellung der südlichen und westlichen Deutschen und der Prodeutschen sowie der Engländer, die Wilson den Rat geben, es nicht zum Bruch kommen zu lassen, wird von ollen Korrespondenten erwartet.
„Morning Post" schreibt über die Ankunft der deutschen Rote in Amerika: „Die offizielle Welt, vom
Pröüdentcn anqesangen, war beim Empfang der deutschen Rote wie vor den Kopf geschlagen. Der Präsident batte eine offizielle Mitteilung erhalten, daß Deutschland eine neue Nutze senden wolle: er nahm merkwürdigerweise an, es hcin.dle sich um eine Fortsetzung der Friedensvorschläge, und als am Donnerstag ihm sein Sekretär das Extrablatt überreichte, das die deutsche Rote brachte, mochte er das gar nicht glauben und setzte sich hastig mit deni Auswärtigen Amin Verbindung. Auch dort hatte die Note wie ein Stoß gewirkt. In den Morgenstunden hatte L a n s i n g bei seinem täglichen Empfang der Zeitungsbeffckterstatter ausführlich und im einzelnen die Unterseebootslage auseinandergesetzt und gesagt, praktisch läge gar keine Änderung vor und in der näcksten Zukunft sei auch keine zu erwarten. Als die Note. Lansing ousgchändigt wurde, zeigte er sein E r st a u n e n . gab aber keinerlei Erläuterung,
Geheuchelte englische Tu'riedeicheit.
Vonar Law im Unterhaus.
W. T.-B. London, 8. Febr. (Drahtbericht. B o n a r Law führte im Unteehns aus: In der Frage der Beschaffung von neuen Schissen hat der Schiffahrtsdirektor bereits äußerst wertvolle Arbeit geleistet, indem der Bau einer großen Anzahl von neuen Schiffen gefordert wird, und was für Vernichtung auch von Unterseebooten ausgesührt werden soll, hoffe ich doch, daß etwas geschieht, um die englischen Schisse zu ersetzen. Was die Beherrschung der See über der Oberfläche unbelangt, hat die britische Marine niemals eine so vollkommene Herrschaft, wie in diesem Kriege; niemals in der ganzen Geschickte ist diese Macht mit solcher Rücksicht, nicht nur auf die Rechte, sondern auch auf die Empfindlichkeit der neutralen Mächte ausgeübt worden. Die Marine hat alles, und mehr als alles getan, was von ihr erivartet werden konnte. Ohne die Marine wäre es für uns und unsere Alliierten unmöglich gewesen, diesen Krieg zu gewinnen. Mit der Marine ist es trotz der Unterseeboote ausgeschlossen, daß wir der von ihnen drohenden Gefahr nicht begegnen sollten. Neue Mißnchmen müssen e>dacht werden; einige der besten Käufe unseres Landes sind mit dieser Frage beschäftigt. Wir können uns des Gefübls nicht erwehren, daß wir die Erfahrung sich wiederbolen sehen werden, die wir mit einer ähnlichen Drohung Deutschlands im Jahre 1918 gemacht haben. Wir rderden sehen, daß Deutschland alles tt't, was es kann, und doch keine Aussicht hat, unser Land auszuhungern und dadurch eine Niederlage herbeizuführen.
In einem kurzen
Überblick über die militärische Lage
führte Bcmar Law aus, es sind alle Anzeichen für o.aen Umschwung zugunsten der Alliierten vorhanden. Die Italiener sind infolge der Natur ihres Klimas und des Landes, in dem sie operiere», nicht imstande gewesen, mehr als Streifen durchgusübren, aber sie sind erfolgreich gewesen, und von überall hören wir, daß der Geist der italienischen Truppen gut ist, und daß rbir, wenn der neue Feldzug be»
