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Verlag Sanggaffe 21

Tagblairhans".

Eaalter-v-Ie g«Stfnet von 8 Uör morgens bis 7 w>r abends.

wöchentlich

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13 Ausgaben.

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Donnerstag, 8. Zebruar 19l7.

kibend-klusgabe.

Nr. 7l. . 63. Iahrgang.

ver 3wist mit Amerika.

Wir sammeln gern und immer wieder die Zeugnisse für die Umwandlung der Sozialdemokratie aus einer Partei des doktrinären Philistertums zu einer der mutigen Erkenntnis der ungeheuren Lebensnotwendiczkeiten, deren Sicherung unserem Bolke jetzt obliegt. In einem Augenblick, wo uns ein neuer F°ind 311 erstehen droht, in einer Zeit, wo es sich nm die Entscheidung zwischen uns und Eng­land, unserem Hauptfeind, handelt, wo wir also alles an alles setzen müssen, ist es wahrhaftig nicht gleich­gültig, ob ein Votksteil die Hingabe an die gemein­same Pflicht verweigert oder auch nur lau und matt leisten möchte. Es ist deshalb wichtig, zu wissen, wir die Sozialdemokratie das Zerwürfnis mit Amerika aufnimmt. Mit größter Befriedigung kann man festst°llen, daß sie die Probe auf Verständnis und Be­reitwilligkeit besteht. Es ist nur natürlich, wenn in jener Partei wir ja auch in un'eren bürgerlichen Reihen de§ Zusammenstoß mit den Vereinigten Staaten als überaus ernstes Ereignis gewürdigt wird, wenn nicht bloß sein Einfluß auf den Krieg selbst, sondern auch aus die Zeit nach dem Kriege auf die drohende Zerreißung eines außerordentlich umfangreichen wirt­schaftlichen Verhältnisses geprüft wird. Aber je be­trächtlicher die Wirkungen einer Störung dieses Ver­hältnisses sein werden, desto mehr bedeutet es, wenn auch die Sozialdemokratie, wie wir alle es tun. ent­schlossen dem Kommenden entgegensieht und sich o^ne Wanken der Aufgabe darbietet, unsere innere Front unzerbrechlich zu machen. Für die Front nach außen ist durch Heer und Flotte gesorgt, an der Front nach innen aber niuß jeder teilhaben, und hier wären Lücken vielleicht verhängnisvoll. Alles, was seit dem 31. Januar, dem Tage einer neuen großen Wendung unseres Schicksals, an Stimmungen und Strömungen im deutschen Volke bekannt geworden ist, es vereinigt sich zu einem gewaltigen Ein­klang des harten Willens, uns zu behaup­ten und jedes Mittel zu unserer Behauptung zu ge­brauchen. Die Bedeutung der geschichtlichen Tatsache, daß sich von diesem Zustande keine Partei und kein Volksteil ausnimmt, abgerechnet freilich die Sozial­demokratische Arbeitsgemeinschaft und die Spartakus- Gruppe, kann gar nicht genug betont werden. Läge es anders, so müßten und würden wir auch dann durch­halten, aber wir dürfen uns nicht darüber täuschen, daß es schwerer wäre als jetzt. Auf der anderen Seite je­doch ist es. von einer höheren Warte aus angesehen, kein auf Anerkennung Anspruch machendes Verdienst, zu fühlen rmd zu bekennen, was heute die Pflicht jedes Deutschen ist. Wenn uns verschiedentlich vorgerechnet wird, welche wirtschaftlichen Schädigungen uns aus der Zerrüttung der Beziehungen zu Anierika erwachsen werden, so hat zwar jeder nttä seinem Berufs- und Er­werbskreise heraus das Recht, auf den Ernst der Lage nach dieser Richtung hin aufmerksam zu machen, aber diejenigen, die das größte Recht dazu haben, die Träger unserer Schiffahrt, unserer Großindustrie, unseres überseeischen Handels, sie stnd die Ersten und Entschlossensten, jede Folge eines Zerwürfnisses mit den Vereinigten Staaten auf sich zu nehmen, obwohl sie doch naturgemäß am näch­sten und stärksten unter dem Zerwürfnis leiden müßten. Das sollte beruhigend ans alle wirken, die sich unbe­schadet ihres guten Willens, auch innerlich gemein­same Sache zu machen, einer in diesem Augenblick wenig angebrachten Schwarzseher« überliefern. Wenn B a l l i n schon vor geraumer Zeit erklärte, er würds jeden Staatsmann geringschätzen, der aus Rücksicht aus untere in den amerikanischen Häfen liegenden Schiffe dad unterließe, was das höhere Bedürfnis von Reich und Volk sonst gebieten würde, so sprach da ein Mann, dem die Interessen der größten Schiffahrts­gesellschaft der Welt anvertraut sind, einer Gesellschaft, deren unmittelbare Verluste durch die drohende Be­schlagnahme ihrer Schiffe eine hohe Millionenziffer erreichen niüßten, und trotzdem sprach er unbedenklich so. Noch einmal: Daraus und aus vielen gleichiverti- gen Zeugnissen einer wohlüberdachten Entschlossenheit mögen die Kleinmütigen, wofern es deren gibt, lernen, daß wir Opfer 31 t bringen haben, um größere Opfer zu vermeiden, und daß wir uns iviedec holen werden was rrns jetzt geraubt werden sollte. Es ist wahr, unser Kandel mit den Bereinigten Staaten droht in die Brüche zu gehen, aber Geben und Emp­fangen gleicht sich schließlich aus. Läßt Amerika es dar­aus ankommen, uns als seinen Feint) zu sehen, so können auch wir es darauf ankommen lassen. Sind manche amerikanische Einfuhrartikel, so Rohbaumwolle, Rohkupfer, Pelzwerk, Petroleum, für uns unentbehr­lich, so haben die Amerikaner unsere Fertigfabrikate, die von unserer Ansfuhr dorthin im Jahre 1913 im Betrage von 713 Millionen Mark den weitaus größten Jteil ausmachten, doch wahrlich nicht aus heißer Liebe

zu uns gekauft, sondern weil sie sie brauchten und anderswo in dieser Güte nicht bekamen. Wer aber glaubt wohl, daß die Leistungsfähigkeit unserer In­dustrie nach dem Kriege geringer sein wird, daß sie sich von unseren Nebenbuhlern überflügeln lassen wird? Die Männer und die Wirtschastsgruppen, die heute vor den Drohungen Amerikas nicht zurückichrecken, wissen als kluge Beurteiler sehr genau, was sie tun. Will Amerika uns weiter wie im letzten Friedensjahr für mehr als 1700 Millionen Mark verlauten, will es uns auch in Zukunft für 160 Millionen Mark Baumwolle, für beinahe 300 Millionen Mark Kupfer liefern, dann kann es mit uns keinen tödlichen Handelskrieg führen wollen, dann muß nach dem Kriege das alte Verhält­nis wiederkehren, es sei denn, daß die Bereinigten Staaten die Absicht haben, sich selber mehr zu schädi­gen als uns. Wir haben nichts zu fürchten, wir sehen der neuen Gefahr mit ungetrübtem Blick ent­gegen.

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wie Amerika sich seine Aktivität im Kriegsfall denkt.

Das Ergebnis der Beratungen Wilsons mit den Ministern des Kriegs und der Marine.

Nr. Amsterdam, 7. Febr. (zb.) Vielfach wird die Auf- gccke der Vereinigten Staaten im Fall eines Kriegs erörtert. Man hört Die Meinung äußern, daß es den Ameri­kanern nicht so sehr auf kriegerischen Ruhm ankomme, als daß sie den Verbündeten lheitzt das: der Entente? oder heißt das: den Verbündeten Amerikas? Heimlicher Verbündeter der Entente war das off'zielle Amerika ja längst. Schristl.) mittelbare Hilfe leisteten. DieNew D 0 rk World", die als das gelegentliche Sprachrohr des Präsidenten gili. verweist auf einen Ausspruch Lloyd Georges, wonach die letzten hundert Millionen Pi and Sterling vielleicht den Krieg entscheiden würden. Die Vereinigten Staaten hätten nicht allein diesen Betrag, sondern ein Vielfaches davon zu ver­geben. In dem Augenblick, wo Amerika in den Krieg eintrete, würden die w irtschafrlichen Mittel der Verbün­deten verdoppelt. Amerika könnte die Sorge für Frankreich ganz allein übernehmen und nebenbei noch ein Heer auf die Beine bringen. Der deutsche General­stab täusche sich sebr, (Der täuscht sich nie! Schrift!.) tvenn er glaube, er habe nur eine S t r e i t k r a f t von hun­derttausend Mann herausgefordert. Tatsächlich sei es eine solche von 20V Milliarden Dollar und eine finan­zielle und industrielle Ordnung, die sich b i s ins Unend­liche mobil machen lasse.

Der Washingtoner Berichterstatter derM 0 r n i n g P 0 ft" führt aus, die militärische Hilfe, die die Ver­einigten Staaten den Verbündeten bieten würden, sei nach Beratung des Präsidenten mit den Ministern >des Kriegs und der Marine so gut wie festgestellt. Fürs erste wenigstens würde die Leistung Amerikas ausschließlich auf die Marine fallen, da man die Unmöglichkeit ein­sehe, vor Ablauf einiger Monate ein H i l f s h ee r nach Europa zu senden. Amerika würbe den nördlichen und südlichen Teil des Atlantischen Ozeans abstreifen, um diese Gewässer frei von Kaperschiffen und Tauchbooten zu halten. Es wäre in der Lage, die von amerikanischen nacki kanadischen Häfen fahrenden Schisse zu beschirmen und die englischen und französischen Kreuzer im W ach d i e nst au der amerikanischen Küste ab- zulösen. Den seemännischen Behörden werde die Ansicht zu- geschrisben, es ständen ihnen genug Schiffe zur Verfügung, um die eigenen Häfen sowie den Seeverkehr der Bereinigten Staaten und der Verbündeten zu -beschützen; durch eine ge­eignete Verteilung der Flotte könne den Kauffahrern wirk­same Hilfe geleistet werden, und zwar so weit auf offener See, daß die weitere Verantwortung vom den Schiffen des Verbands übernommen werden könne. Schließlich erwähnt der Bericht die Frage des Geleits von Han dels- schiffen. Die Marinebehörden hielten das Geleit nicht für durchführbar und auch nicht so wirksam wie den Schutz, den Stationsschiffe bieten könnten. Das Kriezs- minrsterium reg? s>e Einrichtung von Kauf­fahrteischiffen als Hilfskreuzer an. Es sei da­von die Rede, einen ganzen Schwarm von Motorbooten uns anderen kleinen Fahrzeugen zur Hilfeleistung im Auf­klärungsdienst heoanzuziehen.

Amerikanische Kriegsmatznahmen.

W. T.-B. Washington» 6. Febr. (Meldung des Reuter- ichen Bureaus.) Der Kriegssekretär hat angeordnet, daß alle Vorräte bis zur Grenze der vorhandenen Kredite ange­kauft werden. Alle drahtlosen Stationen befinden sich jetzt unter militärischer Zensur.

kV. T.-B. Washington, 6. Febr. (Meldung der Reuter« >chen Bureaus.) Die Parlamente fast aller Staaten tos Landes haben beschlossen. Wilson zu unterstützen.

Die Arbeiten, die zur Vorbereitung aller Möglichkeiten notwendig sind, werden systematisch fortgesetzt. Der Vor­sitzende des Ausschusses des Repräsentantenhauses für Mariueangelegenheiten hat drei Anträge zum Kriegs- budget eiugebracht, in denen die Regierung zur Ausgabe vbn Zprozerltigen, nach fünf Jahren eintösbaren Obligationen

zur Deckung der Kosten für rasche Lieferung von Schiffen, darunter von Tauchbooten und Torpedojägern, ermächtigt wird. Außwdem wird verlangt, daß Wilson er­mächtigt werde, Schiffe, Maschinen und Arbeiter zu requirieren.

Bildung eines amerikanischen National­kabinetts?

. Br. Genf, 8. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) In poli­tischen Kreisen der Vereinigten Staaten wird einerTimes"- Depesche aus New Dock zufolge die Bildung eines National- kabinetts ins Auge gefaßt, dem mehrere republikanische Staatsmänner, wie Taft, Roosevelt und der frühere Generalstaatsanwalt Wickersham, angehören werden.

Oie militärische Hilfe Amerikas für die Alliierten.

W. T.-B. London, 8. F->br. (Drahtbericht.) DieMoc- ning Post" meldet aus Washington: Die militärische Hllfe, die Amerika den Alliierten leisten könne, sei von dem Präsi­denten nach einer Unterredung mit den Staatssekretären für Krieg und Marine bereits festgeite>lt. Sie wird sich vor­läufig nur auf die See beschränken. Amerika wird oen Patrouillendienst im nördlichen unb südlichen Atlantischen Ozean auf sich nehmen und dieses Meer ton Kaperschiffen und Unterseebooten frei bolten. Es wird die Schifte, die aus amerikanischen und kanadischen Häfen kommen, beschützen und es eiinoglichen, daß englische und französisck>e Kreuzer, die jetzt an der ameri­kanischen Küste patrouillieren, anderswo verwendet l»erden. Die Marinebehörden glauben, daß sie genug Schisse zur Ver­fügung haben, um die amerikanischen Häfen und den Handel Amerikas und der Alliierten zu schützen und daß sie bei ent­sprechender Verteilung der Flotte den Handelsschlffen ge­nügenden Schutz werden bieten können, bis sie die offene See erreicht haben. Dann würde die Verantwortung für ihre weitere Sicherheit von der Flotte der Alliierten über­nommen werden. Es würde auch die Möglichkeit einer Kon- Tr Vierung von Schiffen besprochen, aber man glaubte, daß diese Methode nicht so wirksam wäre wie die Verteilung der Kriegsschiffe über gewisse Punkte. Das Marinedepartement schlägt vcr, Handelsschiffe zu übernebmen und als Kreuzer anszurüsten und schnelliabrende Motorboote zur Unter­stützung der Torp-dojägerflottille und Patrouillenfahrzeuge in Dienst zu stellen.

Eine Protestkundaebung der Deutsch- Amerikaner!

W.T.-B. Bern. 8 . Febr. (Drabtbericht.) Der Matin" meldet ans New Vork: Die Vertreter

von 500 deutschen und österreichisch-ungarischen Gesellschaften beschlossen gestern eine Kund­gebung gegen den Krieg.

Br. New Bork, 7. Febr. lzb.) Blätter, wie derHerold ', und vor allem viele deutsche Zeitungen im W e st e n, die den Abbruch der diplomatischen Beziehungen bedauern, sprechen die Meinung aus, daß dieser Maß­nahme nicht notwendig der Krieg folgen müsse. Eine halb­amtliche Information aus Washington besagt, daß im Fall eines kriegerischen Konflikis die in den Vereinigten Staaten lebenden Deutschen nur wenig behelligt werden würden, da Amerika bestrebt sein würde, ein her­vorragendes Beispiel liberaler Behandlung zu geben.Daily Ehronicle" berichtet aus New Aork, daß die Deutschamerikaner aus ihrer Sympathie für Deutschland keinen Hehl machen. So sah man am Sonntag zahlreiche Deutsche in den Straßen von New Uork mit Kornblumen im Knopfloch umhergehen als Sympathiebeweis für Deutschland. In der amerikanischen Stadt Toledo forderten die Deutschen eine öffentliche Abstim­mung über den Eintritt. Amerikas in den Krieg.

Zur Heimreise Bernstorsfs.

Berlin, 8. Febr. (zb.) Zur Heimreffe des Grafen Bernstorff erfährt dasB. T.", daß die Ankunft ir. Kopen­hagen anfangs März zu erwarten sei.

Amerika braucht seine Munition jetzt selbst!

Nr. Genf, 8. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) WieDaily Ehronicle" aus New Dort meldet, erhielt einer der großen Munitionskonzerne be Mts die Weis mg, die Lieferung an die Entente einzu ft eilen und künftig für die Vereinigten Staaten zu arbeiten.

Unbrauchbarmachung unserer Schiffe in Honolulu.

W.T.-B. Haag, 7. Fett. Lloyds meldet aus Honolulu, daß in' 9 deutschen Schiffen die Kessel und Maschinen zerstört sind. Die Schiffe stehen jetzt unter Bewachung. Die Besatzungen wurden verhrstet.

Militärische Bewachung der deutschen Dampfer in San Juan.

W.T.-B. Sau Juan (Bortorico). 6. Febr. (Meldung des Reuterfcben Bureaus.) Um die hier liegenden deutschen SchilfeOdenwald" undPräsident" sowre das englische KohlenschiffK B S", das bei Kriegsanfang von einem deut­schen Schiffe erbeutet und hierher verbracht wurde, find militärische Wachen gestellt. Die deutschen Besatzungen