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Dienstag, 6. Zebruar 1917.
Kbend-klusgabe.
Nr. 67. * 65. Jahrgang.
Ein Dokument.
W.T.-B. Berlin, 6. Febr. (Drahtbericht.) Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt:
„Die Presse der feindlichen Länder erregt sich über .'re in der deutschen Note vom 31. Januar 1917 enthaltene Charakterisierung der Entente als „der von England geführten Mächtegruppe" und protestierte gegen die U n t e r st e l l u n g, als befänden sich die Verbündeten Englands von diesem irgendwie in Abhängigkeit. Wer sich irüher der Tatsache nicht absichtlich verschloß, weiß, wie die Dinge liegen und findet gewiß die Wendling in der deutschen Note sehr schonend. Dem protestfreudigen Teil der feindlichen Presse wollen wir heute mit einem Beispiel dienen in Gestalt eines in unserem Besitz befindlichen Schreibens des früheren Vizckönigs von Indien, des jetzigen Unterstaatssekretärs im englischen Amt des Äußern. Lord H a r d i n g e, an den englischen Botschafter in Petersburg, Georg B u ch a n a n, vom 21. Juli 1916, das ein Schlaglicht auf die Bemühungen Englands wirft, die Entschließungen seiner Bundesgenossen in den Angelegenheiten zu beeinflussen, bei denen ein souveräner Staat fremde Einmischung nicht zu dulden pflegt. Wir ersehen ans dein Schreiben, daß der englische Botschafter in Petersburg wegen des Rücktritts des dermaligen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten. Ssasonow, bei dem Zaren Schritte getan hat, um die Demission, die England unerwünscht schien, zu verhindern oder rückgängig zu machen. Auch gewisse finanzielle Baude beleuchten das Schreiben. Es lautet in worgetreuer Übersetzung:
Briefstempel.
Foreign Office.
Privat.
Auswärtige»Amt,21. Juli 1916.
Mein lieber Georg!
Ihr privates Telegramm von heute morgen, das den Rückt ritt-Ssasonow s meldet, ist entschieden betrübend. Es ist ist sehr mißlich, daß in diesem Augenblick ein Wechsel in Betracht gezogen wird, besonders während die Verhandlungen weg-n Eintritts Rumäniens im Fortschreiten sind und wahrscheinlich befrie- ligend ausgehen werden. Es kst erstaunlich, eine wie schlechte Rolle die russischen Reaktionäre immer spielen. Ich bin froh, daß Sie ihr Telegramm an den Zaren sandten und hafte, es möge seine Wirkung haben. Benckendorf scheint jetzt sehr bedrückt zu sein wegen der Schwierigkeiten, die er in seinen finanziellen Arrangements mit M c K e n n a erfährt. Ein wirkliches Kreuz ist das Gold, das er von uns zu bekommen wünscbt, um den Rubelkurs zu halten. McKenna, wie alle Finanzleiter, ist engherzig und pedantisch und behauptet, der Rubelkurs sei keine den Krieg berührende Frage. Seine Ansicht ist falsch: es ist möglich, daß wir intrivenicren müssen, um ihn zu überzeugen, sofern keine Überfinstimmung erzielt wird. Die Verhandlungen mit Rumänien scheinen befriedigend fortzuschreiten, aber ich werde von ihren! Erfolg nicht überzeugt sein, bis ich Rumäniens Kriegserklärung sehe. Denn Brotianu ist der ausweichend st e Mensch, und ist es immer gewesen; sogar jetzt versucht er stch herauszuwinden mit der Behauptung, unsere Offensive in Saloniki sn nicht alles, was er wünsche. Doch mutz er einsehen, daß Rumänien nicht die enormen Länder stücke, nach denen es strebt, bekommen wird, sofern er nicht etwas dafür tut. Ich hoffe doch, daß alles gut geben wird innerhalb der nächsten Tage. In F l a n - d e r n gebt alles gut, wir haben eine Menge Menschen und Munition und nach allen Berichten erleiden die Deutschen sehr starke Verluste. Unterdessen scheinen die russischen Befehlshaber ihren siegreichen Vormarsch fortzusetzen. Ich hoffe nur, daß sie nicht in der nächsten Zeit mit Munition knapp werden. Stets Ihr
(Gez.) Harbin ge.
Aus dem letzten Absatz des Schreibens ersieht man, wie groß die Hoffnungen gewesen sind, die C n g- l a n d auf die Offensive an der Somme und auf die B r u s s i l o w s ch e Offensive im vorigen Jahre vergebens gesetzt bat. Die St" - im Schreiben, Rumänien müsse einsehen. da-' -s nicht die enormen L ä n d e r st ü ck e. nach denen es strebt, bekommen wird, wenn es nicht etwas dafür tnt, vergleiche man mit der Erklärung des englischen Premierministers im Unterhaus am 11. Oktober 1916: „Belgien,
Serbien und jetzt Rumänien, dessen König und Volk nichtachtend der tausend Lockungen zu einer kleinlichen und selbstsüchtigen Neutralität sich unserer Sache angeschlossen, vergießt sein Blut für die Sache der bedrohten Unabhängigkeit der kleinen Nationalitätea." (11)
Der Bruch mit der Union.
Gerard beeilt nicht seine Abreise von Berlin.
Die amerikanischen Journalisten wollen vorlänfrg in Deutschland bleiben.
' <Von unserer Berliner Abteilung.)
r-. Berlin, 6. Febr. (Eig. Meldung, zb.) Botschafter Gkrarüs Abreise wicd, obwohl ihm mit möglichster Schnelligkeit bereits gestern seine Pässe zugestellt wurden, dem Vernehmen nach nicht vor Sonntag erfolgen. Von den Mitgliedern der hiesigen amerikanischen Kolonie wird nur ein Teil jetzt abreisen, während vor allem die Kausleute noch hier bleiben werden, um die weitere Entwicklung abzuwarten. Auch die amerikanischen Journalisten werden Berlin vorläufig noch nicht verlassen. Sie machen ihre Abreise von der Haltung, die die deutsche Regierung einnehmen wird, abhängig, ob sie als feindliche Ausländer angesehen werden oder ob der Krieg zwischen Amerika und Deutschland erklärt wird. Gestern mittag stattete Botschafter Gerara außer dem spanischen auch dem holländischen Gesandten einen Besrch ab. Es handelt sich darum, ob die Vertretung der hier anwesenden Engländer nach dem Wunsche Englands der hcllüudische Gesandte und nicht der spanische Botschafter über- uebmen soll, der die Interessen der übrigen fremden Staatsbürger wahrnehmen wird, was bisher in den Händen de'- amerikanischen Botschaft lag. Die Zahl der amerikanischen Stoatsongebörigen in Berlin beträgt nach einer von der amerikanischen Botschaft vorgenommenen Feststellung 8000.
Keine frühere Wiedercinberufung des Reichstags.
Kr. Berlin, 6. Febr. (zb.) In politischen Kreisen war das Gerücht verbreitet, der Reichstag oder doch zum mindesten der Hanshaltnngsausschuß werde anläßlich des Konfliktes mir Amerika schon in den nächsten Tagen erneut zusammentr°ten. Wie das „Berliner Tageblatt" hört, besteht eine Absicht, den Reichstag einzuberufen, auf keiner Seite. Der Ausschuß ist eben erst zu eingehender Berichterstattung und Beratung über die Verhältnisse und über die Absichten der Reichs- und obersten Heeresleitung versammelt gewesen, und dabei sind auch die eingetretenen Eventualitäten, mit welchen man ja bei der Entscheidung über den uneingeschränkten U-Bootskrieg rechnen mußte und gerechnet hat, bereits in aller Ausführlichkeit besprochen worden. An eine Einberufung des Parlaments vor dem in Aussicht genommenen Termin — 22. Februar — denkt inan daher iveder in Reichstags- noch in Regierunqskreisen.
-!-
Die Abreise unseres Botschafters.
W. T.-B. New Dort, 3. Febr„ (Funkspruch des Vertreters von W. T.-B.) Die „Associated Preß" meldet aus Washington: Amtlich wird mitgeteilt, daß dem Botschafter Grafen Bernstorsi um 2 Uhr oie Päffe zugestellt worden sind. Die Abreise des Botschafters aus den Vereinigten Staaten wird in Beratungen zwische t de n Schweizer Gesandten und dem Staatsdepartement festgestellt werden. Es wurde amtlich be- kanntgegcben, daß allen neutralen Regrerungen durch die Vereinigten Staaten der Abbruch der Beziehungen zu Deutschland mitgeteilt worden ist. Obgleich die amtlichen Kreise des Staatsdepartements eine Erörterung dieser Mitteilung ablehnen, besteht der Eindruck, daß die Veceinigten Staaten eine Zusammenarbeit mit den anderen Neutralen willkommen heißen würden.
Die Frage des freien Geleites sür Bernftorsf
Br. Rotterdam, 6. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die „Times" meldet aus New Dork: Graf Bernstorff und sein Personal würden sobald wie möglich abreisen, nachdem man mit England eine Regelung über das freie Geleite getroffen hat.
Die Maßnahmen der Union für den Kriegsfall.
Bor Frühjahr 1918 keine Trupprnsendungen nach Europa!
Nr. Haag, 6. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die „Daily Mail" meldet aus New Dock: Hier verlautet, daß die amerikanische Negierung für den Kriegsfall zunächst folgende Maßnahmen treften will: Die Befestigung des Hafen-Gvon New Dork, Bewaffnung aller amerikanischer Handelsdampfer, Einrichtung eines umfangreichen Äreuzerdienstes in allen amerikanischen Gewässern, hauptsächlich in der Nähe des Panamakanals. Weiter sollen nach Plänen des Generalstabs die reguläre Acmee und die Nationalgarde den Kern einer Armee von zwei Millionen bilden. Aber bis zum Frühjahr 1918 sollen kerne Truppen nach Europa geschickt werden.
Reutersche Preßaudzüge.
W. T.-B. London, 5. Febr. Das Reutersche Buveau telegraphiert aus New Dork Kommentare amerikanischer Blätter. „New Dork Herold" tagt. der Präsident habe genau das getan. was auch Lincoln und jeder andere amerikanische Prä-
gfcqtt getan hätte. Er behauptet die Würde uni Eh« des
Landes. — „New Dork World" schreibt, das amerikanisch« Volk warte die Kris? ab. Die Amerikaner würden ihre Pflicht tun. Diese bestelle darin, die Regierung vorbehaltlos zu unterstützen. — „Chicago Tribüne" schreibt, in dieser schweren Stunde verschwänden alle Meinungsverschiedenheiten und höre alles Zögern auf. Alle Amerikaner unterstützen den Präsidenten.
Wie's die Engländer wünschen.
— Rotterdam, 6. Febr. (zb.) „Daily News" meldet aus Washington, niemand zweifle daran, daß es zum Krieg kommen werde, es sei denn, daß Deutschland die an die Weltgerichtete Herausforderung widerrufen sollte.
Doch auch Friedensdemonstrationen drüben!
— Berlin, 6. Febr. (zb.) Im Weißen Hause in Mashivgtcn sollen einigen Blättern zufolge viele Telegramme und Schreiben einlanftn, di? dringend zuni Flieden raten.
Laut „Deutscher Tagesztg." wurden in New Dort am Freitagabend riesige F r i e d e n s d e m o n st r a t i o n e n veranstaltet, und Bryand sagte unter tosendem Beifall: Gott behüte n n s vor dem Kriege mit Deutschland.
Bryans Einspruch gegen einen Krieg.
W. T.-B- New Dort, 5. Febr. kEtg. Draht bericht.) Bei einer von der amerikanischen neutralen Konfeccgestern abend nach Molison Saume Gurdanden einberufenm Versammlung wurde B r b a i> v«-« 4 !>>rr„„>>„ (nufer B»iiall aest-endet, als c: sagte,
es sei die Pflicht Amerikas, dem Krieg fern zu bleiben, wenn es nicht Nlsacyuch angegnsten werde. Bryan sagte: Keine Nation hat uns bisher herausgefordert und ich glaube, es ist nickt wahrfcheinlich, daß es eine tun wird. Wenn aber eine in Erregung uns zum Krieg herausfordern sollte, so denke ich, wir sollten antworten: „N e i n !" Bryan wurde nochmals applaudiert, als er sagte, wenn irgend eine Nation auf dem Weg zum Frieden die Führung übernchinen muß. warum nicht die unselige!
s. m. s. Geier in Honolulu von der Besatzung in Brand gesiecht!
IV. T.-B. New Dork, 4. Febr. (Reutermeldung.) Das drittsche Kanonenboot „Geier", da? in Honolulu interniert ist, wurde von der Besatzung in Brand gesteckt und stellt in Flammen. (Der kleine Kreuzer „Geier" war bei Kriegsausbruch auf der Reise vou der ostafrikanischen Station tiach der Südsee untern egs. Da? Schiff hat denkbarst Großes geleistet, um die feindliche Schiffahrt in der Südsee zu schädigen.)
Zerstörung der Maschinen auf den deutschen Schiffen!
IV. T.-B. London, ü. Febr. Der Korrespoiident der „Daily Ehronicle" in New Dork telegraphiert, daß man versucht habe, den Dampfer „Kronprinzeffin Cecilie" unbrauchbar zu machen. Ein Beamter der Hafenpolizei entdeckle, daß Feuer unter den leeren Kesseln angezündet waren. Me S ch r a rr b e n waren gelockert. Es befand sich nichts an Bord, um die beschädigten Maschinen wieder herzustellen. Die Reserveteile sind vermutlich über Bord geworfen worden. Man wird im Hafen tarnackl suchen. Die Besatzung wurde nach dem Einwan- d e r u n g s b u r e >i u verbracht. 200 Polizeibeamte bewachen jetzt das Schiff. — Bei der Untersuchung des österreichischen Frachtdampfcrs „Himalaja" entdeckte man, daß die Maschinen teilweise mit Brecheisen, di? man auf dem Fußboden des Maschinenraumes fand, zeritört worden waren. Es geht das Gerückt, daß auch ter Dampfer „Vaterland" in Hoboken besckädigt worden ist und die Reparatur mehrere Monate in Anspruch nehmen wird.
Auch in Manila die Maschinen der deutschen Dampfer zerstört!
IV. T.-B. Washington, 5. Febr. Wie verlautet, haben die deutschen Besetzungen an Bord der in den philippinischen Häfen liegenden Schiffe versucht, die Maschinen zu zerstören.
IV. T.-B. Manila, 5. Febr. (Meldung des Reutersche» Bureaus.) Die Zollbeamten, die die hier liegenden deutschen Dampfer untersuchten, fanden, daß die Maschinen von nenn Dampfern zerstört waren und bei den übrigen Schiffen. Feuer unter den leeren Kesseln brannten.
Die neue Ladung des Handels-U-Boots „Deutschland" in Brand?
W. T.-B. London, 4. Febr. Das Reutersche Bureäv meldet aus Washington, daß beinahe sofort nach der amtlichen Mitteilung, daß die diplomatischen Beziehungen abgebrochen seien, in der in New London für das Handelsunterseeboot „Deutschland" aufgestapelten Ladung Feuer avsbrach. (Notiz: Wir bemerken hierzu, daß die „Deutschland" die dritte Ausreise nach Amerika nicht angetreten hat und in ihrem deutschen Hafen liegt.)
Vorläufig nicht Beschlagnahmung unserer Handelsschiffe.
W. T.-B. London, 4. Febr. Das Reutersche Bureau meldet aus Washington: Es verlautet, daß die Regierung nicht beabsichtigt, die deutschon Handelsschiffe, die in amerikanischen Häfen liegen, zu beschlagnahmen, da da? eine Kriegs- Handlung wäre. Die Dampfer „Kronprinz Wilhelm", „Prinz Eitel Friedrich", „Appcma" und .Kronprinzejsi»
