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Dienstag, 6. Zebruar 1917.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 6b. . 65. Jahrgang.
Amerikas Bruch mit Deutschland.
Die offizielle Mitteilung durch Botschafter Gerard.
(Bon unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 5. F°br. (Eig. Drahtbeii^t. zb.) „Heute vormittag machte Botschafter Gerard Auswärtigen Amt seinen Abschiedsbesuch, um offiziell deu Ab- bruch der diplomatischen Beziehungen mitzuteilen und seine Pässe zu verlangen. Nach der Rückkehr in das Botschaftsgebäude empfrng rr die amerikanischen Journalisten und gab ihnen Anweisung, sofort abzureisen. Der Botschafter selbst und das Personal werden noch einige Tage in Berlin bleiben, um die dringlichsten Geschäfte zu erledigen. Heute vormittag war auf der amerikanischen Botschaft ein solcher Andrang von amerikanischen Bürgern, die ihre Pässe revidieren liehen und Rat wegen ihrer Abreise einholeu wollten, daß das außerordentliche zahlreiche Botschaftspcrsonal die Arbeit nicht zu bewältigen vermochte. Ter Botschafter war gegen 11 Uhr zum spanischen Botschaft e r gefahren, mit dem er längere Zeit verhandelte.
Auch Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu tsterreich-Ungarn?
Sr. Amsterdam, 5. Febr. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die
Pariser „Liberi e" erfährt aus Madr^ jj die Bereinigten Staaten auch mit Österreich-Ungc: ,te diplomatischen
Beziehungen abgebrochen haben sollen ^)er Wiener Botschafter P e« f i e l d soll zurückgerufen worden sein und mit Gerard zusammen in Barcelona an Bord eines spanischen Schiffes gehen, um sofort über Kuba nach Rew Jork zurückzukehren.
An amtlicher österreichischer Stelle weih man hiervon anscheinend noch nichts. Eine Drahtung des „Berl. Tagebl." aus Wien berichtet das Gegenteil. In den diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich-Ungarn und den Bereinigten Staaten ist eine Äniderung bisher nicht eingetreten. Man darf nicht übersehen, daß das Verhältnis Österreich-Ungarns zu den Vereinigten Staaten in der U-Bootfrage sich formell anders darstellt, als jenes Deutschlands zur Union. An der grundsätzlichen Auseinandersetzung, die im April und Mai v. I. nach der Torpedierung der „Sussex" zwischen Deutschland und den Bereinigten Staaten in der Ü-Bootfrage stattfand, hat Österreich-Ungarn nicht teilgenommen. Man erinnert sich auch noch, Äatz gelegentlich des Notenwechsels über die Torpedierung der „Ancona" durch ein österreichisches U-Boot, bei der auch Amerikaner unterfingen, die Union sogar ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht werden mutzte, dah Deutschland keineswegs Ertläruu- gen auch für Öfterreich-Ungarn abzugeben habe. Das ändert natürlich auch nichts an der vollen Übereinstimmung der Verbündeten in allem, was de» U-Bootkrieg betrifft. Auf die Anfrage des Berichterstatters des „B T.", wie man jetzt nach der nunmehr bekannt aewordenenStellungnahme der amerik nifchen Regierung Deutschland gegenüber das Verhältnis Österreich-Ungarns zu den Vereinigten Staaten beurteilt, hat man ihm an diplomatischer Stelle gesagt: „Wir wünschen keinen kriegerischen Konflikt mit der amerikanischen Regierung, wir sind aufrichtige Freunde des amerikanischen Volkis und wünschen ernstlich, den Frieden mit der Regierung zu erhalten."
W. T.-B. Wien, 5. Febr. (Drahtbericht.) Der Minister des Äuhern Graf C e r n i n hatte eine einftündige Besprechung mit dem Botschafter der Bereinigten Staaten P e n f i e l d.
Amerikanische Kriegsmatzregeln.
Br. Amsterdam, 5. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Daily News" meldet aus Washington: Der amerikani - s L e M a r r n e m i n i ft e r hat gestern nach Guatamao auf Kuba, wo sich eine Schlachtdivision der atlantischen Flotte befindet, dringende Order gegeben, die Schiffe gebrauchsfertig zu halten. Ein M i l i z b a t a i 11 o n ist Freitagfrüh aus Baltinwre in Wafhingtmi eingetroffen, um die Gebäude und Monumente zu bewachen. Telegramme aus verschiedenen Landesteilen melden, daß anderweitige gleichlautende Maßregeln getroffen wurden. Auch in den Munitionsfabriken sind die Wachen verstärkt.
Sr. Haag, 5. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Privat- meldungen aus New Jork bestätigen, daß die Hochfinanz bereits am Freitag tätig war, um Mahn a h m e n für den Kriegsfall vorzubereiteu. Falls es zum Krieg kommt, wird sofort die Börse geschlossen werden, um jegliche Panik zu vermeiden, wobei gewöhnlich Wertpapiere zu Schleuderpreisen auf den Markt geworfen werden. Man erwartet im Kriegsfall eine wesentliche Steigerung des Sterlingkurses.
Vorläufig keine amerikanischen Truppen,cndungen nach Europa.
Sr. Kopenhagen, 6. Febr. (Eig. Drahtbcricht. zb.) Ein New Yorker Telegramm, das „Politiken" aus London er-
höelit, bestätigt hie auch von uujerer Seite gebrachte Mel
dung, daß Amerika auch im Falle eines Krieges zunächst nicht beabsichtige, Truppen nach Europa zu schicken, da es dazu vor 1818 gar nicht in der Lage wäre. Dagegen bestehe die Absicht, die amerikanischen Munitionsfabriken bedeutend zu vergrößern und die Lieferungen zu vermehren.
Die öffentlichen Gebäude in Washington beflaggt!
Sr. Rotterdam, 5. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Aus Wafhingbm wird gemeldet: Eine Stunde nach Bekanntwerden des Wilsonschen Beschlusses wurden die öffentlichen Gebäude beflaggt. Er herrschte überall große Aufregung.
Amerikanische Gesetze zirr Bekämpfung von Neutralitätsverletzuagen.
W. T.-B. Washington, 5. Febr. (Drahtbericht. Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Senatskommission hat 17 Gesetzentwürfe angenommen, die die Bekämpfung von Neutralitätsverletzungen erleichtern sollen. Präsident Wilson bat auf die rasche Erledigung dieser Gesetze gedrungen. Auf Brieffälschungen und f.rlsche Erklärungen zu dem Zweck, sich in den Besitz eines falschen Passes zu setzen, wird eine Gefängnisstrafe von 5 Jahren gesetzt. Brandstiftungen, Zerstörungen von Maschinen und dergl. wird mit 10 Jahren Gefängnis bestraft.
Die ersten feindseligen Handlungen Amerikas.
(Bon unfererBerliner Abteilung.)
L. Berlin, 5. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die weiter unten folgenden Nachrichten von der Internierung deutscher Schiffe in den Häfen der Bereinigten Staaten wird uns hier dahin ergänzt, daß es sich nur um solche Dampfer handelt, denen der Charakter von Hilfskreuzern beizumessen ist. Man könnte sich denken, daß es der amerikanischen Regierung darum zu tun wäre, vor allenl die Offiziere und Mannschaften dieser Hilfskreuzer, die sich bisher in den Häfen, z. B. in Newport News, frei bewegen konnten, zu internieren. In einem auch militärisch wichtigen Hafen, wie in Newport News will man wohl nicht mehr die Angehörigen einer Macht, mit der man bald zu Feindseligkeiten kommen könnte, unüberwacht lassen. Sollte es sich nur um einen Akt praktischer Vorsicht handeln dann wäre Wohl rechtlich noch ein Unterschied in der Beschlagnahme festzustellen, der z. B. unsere Schiffe in den italienischen und portugiesischen Häfen ausgesucht war-n. Der noch gültige Handels- und Freundschaftsvertrag von 1799 würde das Antasten deutscher Schiffe verbieten, zum mindesten während neun Kciegsmonaten. Allerdings sieht der Artikel 23 vor, daß aus militärischen Rücksichten auch Privatgut der beiderseitigen Untertanen verwendet wird, dies aber nur gegen angemessene Entschädigung. Leider ist aber doch die eilfertige Internierung wertvoller Schiffe, wie der „Kronprinzessin Cecilie", ein übles Vorzeichen. Man hat das Gefühl, daß es nicht bei dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen bleiben wird, daß die ideale Gesinnung der Regierung Wilsons praktische und feindselige Ziele verfolgt.
Befllllagnahme deutscher Handelsschiffe.
Br. Rotterdam, 5. Febr. (Erg. Drahtbericht, zb.) Nach einer Reuter-Depesche aus New Bork sollen sämtliche deutschen Schiffe in New Aork und Hoboken, darunter der große Dampfer „Vaterland", beschlagnahmt worden sein. Man erfährt, daß die Bemannung deutscher Schiffe, die in den Häfen der Philippinen interniert sind, versuchten, die Maschinen zu z e r st ö r e n. Die Behörden ergriffen darauf die nötigen Maßnahmen, um auf 22 in den Häfen der Philippinen liegenden deutschen Schiffen dort Beschädigungen zu verhindern.
IV. T.-B. Amsterdam, 5. Febr. (Drahtberuht.) Der deutsche Dampfer „Kronprinzessin Cecilie" in B o st o n ist beschlagnahmt worden. — Die amerikanische Regierung erwägt, ob die amerikanischen Schiffe durch die S e e- sperre durch Kriegsschiffe geleitet werden können. — In Panama wurden 4 Dampfer der Hainburg-Amerika- Liuie, die sich dort seit Kriegsausbruch befinden, von den Behörden der Panamakanalzone beschlagnahmt.
l,. Berlin, 8. Febr. (Erg. Drahtbericht, zb.) Der nunmehr beschlagnahmte 20 000-Tonnendampser des Norddeutschen Lloyd „Kronprinzessin S e c 1 1 i e" wußte sich anfangs des Kriegs durch eine abenteuerliche kühne Fahrt den Verfolgungen der Engländer zu entziehen. Sic war zu Kriegsbeginn mit einer Ladung Goldbarren m>. Wert von 40 Millionen Mark aus dem Weg von New York * nach Deutschland. Die Engländer begannen sofort eure große
Jagd aus das Goldschiff. Am 5. August 1914, morgens, kam die Nachricht, daß „Kronprinzessin Eecilie" nach Falmouth aufgebracht worden wäre, aber 3 Stunden später stellte sich, heraus, daß man nur einen gleichnamigen kleinen Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie gefangen hatte. Die „Kronprinzessin Cecilie" war tatsächlich schon vor der irischen Küste angelangt, als sie drahtlos die Nachricht vom Krieg auffing. Der Kapitän fuhr in ganz irregulärem Zickzackkurs zurück nach Boston.
Deutschland und die Neutralen.
Staatssekretär Dr. Helfferich über unser Entgegenkommen gegenüber den Neutrale».
(Don unserer Berliner Abteilung.)
Ii. Berlin, 5. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Staatssekretär Dc. Helfferich hat den Vertreter einer norwegischen Zeitung empfangen und ihm interessante Erklärungen gemacht über das Entgegenkommen, das die deutsche Regierung den neutralen Ländern zur Linderung ihrer Versorgungsnöte bewiesen hat und weiter beweisen wird. Bekanntlich hat jüngst Norwegen unter dem englischen Druck auch ein Ausfuhrverbot auf Mangan und Manganeisen erlassen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, daß der Staatssekretär den norwegischen Redakteur daraus hinwies. Deutschland sei bereit, Norwegens größten Mangel, dem am Kohle, Abhilfe zu tun. Unser uneingeschränkter U-Bootskrieg, so erklärte Dr. Helfferich, sei das sicherste Mittel, ein- für allemal Englands Seetyrannei ein Ende zu bereiten. Gewiß müßten bis dahin die Neutralen ebenfalls leiden, aber was sie jetzt erdulden müßten, wäre doch nur gering im Vergleich mit der Freiheitsberaubung, der sie bisher durch England ausgesetzt würden. Wie sehr wir uns mühen, den skandinavischen Ländern zu helfen, zeigt z. B., daß sie 1913 nur 118 000 Tonnen Kohlen dort uns erhielten, 1916 aber 4 Millionen Tonnen. Wir sind auch bereit die norwegische Kohlennot nach Kräften abzuftellen. Aber wir leiden jetzt selbst unter Kohlenmangel wegen der Verkehcsschwierigkeiten. Wenn die Neutralen selbst an der Lösung des Verkehrshindernisses lnitwirken wollen, wird ihnen um so eher zu helfen sein. Die Verhandlungen in dieser Hinsicht sollen mit den neutralen Regierungen auf günsii- g e m Wege sein. Andererseits habe man Holland mit der Erfüllung des Wunsches, die deutsche Seesperre weiter westlich gelegt zu sehen, bewiesen, daß wir jedem gerechtfertigten Bedürfnis Rechnung tragen. Anderer- seits muß aber auch feststehen, daß wir den Abkürzungs- krieg zur See unbedingt durchführen werden. Staatssekretär Helfferich wiederholte die Erklärung, die gestern Dr. Zimmermann den amerikanischen Journalisten gab: „Es gibt kein Zurück!" Daß wir unseren Weg zum Ziele gehen, werden uns die Neutralen einst danken.
Ein zutreffendes schwedisches Urteil.
W. T.-B. Stockholm, 5. Febr. (Drahtbericht.) „Aston- b l a d e t" behandelt in einem Leitartikel die Möglichkeit für die Vereinigten Staaten, bei der gegenwärtigen politischen Lage eine entscheidende Rolle zu spielen. Der Verfasser des Auffatzes betont zunächst, daß Wilson als Friedensmakler eine mächtige Stimme haben könnte und imstande wäre, sich die Dankbarkeit der ganzen Welt zu erwerben, wenn er im rechten Augenblick die Kämpfenden zum. Frieden bewegen würde. Was aber würde geschehen, wenn er an der Seite der Entente in den Krieg eingreife? Die Mittelmächte seien sicher auf diese Möglichkeit vorbereitet, denn, so heißt es weiter, leichtsinnig haben ihre Leitungen nicht den schicksalsschweren Schritt getan. Lange und sorgfältig haben sie überlegt und nach einjährigen Erwägungen und Meinungsaustausch war man sich zweifellos über die Bedeutung und die denkbaren Folgen des Beschlusses boll- k o m m e n k l a r. Ganz gewiß sind die weitestgehenden Vorbereitungen getroffen worden. Demgegenüber kann aber Amerika durch seine Teilnahme am Kriege nicht biel erreichen. Für die Kämpfe auf den Schlachtfeldern wird sie bedeutungslos, an der Kriegsbereitschaft seiner Flotte kann man zweifeln. Die Lebensmittelzusuhr für die Westmüchte wollen Deutschland und Österreich-Ungarn jetzt lahm legen. Der deutsche Schiffsraum. den Amerika beschlagnahmen und der Entente zur Verfügung stellen könnte, ist nicht mehr, als was die deutscher: Unterseeboote im November versenkten. Alles in allem mach: das Eingreifen Wilsons die Lage der Mittelmächte keineswegs verzweifelt und kaum wirklich schwieriger.
Zur Haltung Hollands.
W. T.-B. London, 8. Febr. (Drahtbericht.) Lloyds meldet aus Batavia: Die Post- und Frachtdampser, die den Hasen verlassen haben, erhielten den Befehl, den nächftge- legenen Hafen anzulaufen und auf Anwcisuugeu aus Holland zu warten.
