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Verlag Langgaffe 21

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Taghlatihaus" Nr. 6650-53.

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Samstag, 3. §ebruar 1917.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 61. . 63. Iahrgang.

Die Monrse-Wilson-Vokttin.

Für dengebildeten Mitteteuropäer" ist es nicht .leicht, eine Rilytunaslinie zu dem zu finden, was der Präsident Wilson als Monroe-Doktrin ausgibt, was aber doch im Grunde Geist vom Geiste Wilsons ist, nicht des Präsidenten, sondern des Philosophen, Ästhetikers, Phantasten und nicht zuletzt des 'Ame­rikaners Wilson. Weltfremde Spekulation und smarter Vankeegeschästssinn haben sich in dem Kopf diejes Mannes ein Stelldichein gegeben, und was dabei her­auskommt, ist waschechtes Produkt aus dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten. gekennzeichnet durch völlige Unkenntnis und Verkennung der europäischen Verhältnisse und naiven Amerikanismus.

Der echte Amerikaner steht den europäischen Ver­hältnissen fremd und verständnislos gegenüber. Er lernt drüben die europäischen Musiker und Schauspieler kennen, er besucht allenfalls in Europa die großen Städte, in Deutschland speziellSchlösser und Ruinen", aber vom europäischen und besonders vom deutschen Geiste hat er keinen Hauch verspürt. So steht er auch dein jetzigen Weltkrieg fremd und verständnislos gegen­über. Auch der Uankee hat Kriege nicht etwa geführt, sondern durch seine Söldner führen lassen, wenn das Objekt lohnend schien und die Unkosten verhältnis­mäßig gering waren. Der Krieg gegen Spanien um Kuba und die Philippinen war ein giltes, die Expedi­tion gegen Mexiko ein schlechtes business, aber Geschäft war beides. Dem Krieg, den Deutschland und seine Verbündeten um ihren Bestand, um die Freiheit Euro­pas und um die höchsten Güter der Kultur führen, steht der Amerikaner gegenüber wie jener Theaterbesucher, der glaubte, daß Othello sich um den Verlust von Desoemonas Taschentuch so aufregt, oder wie jener Amerikaner, von dem der Kulturhistoriker Riehl er­zählt, daß er bei einem Glockenguß fragte, ob man des­halb einen frommen Spruch bete, weil ein so hohes Objekt auf deni Spiele stehe.

Für das Heldentum, für die Opferfreudigkeit eines ganzen Volkes hat der Amerikaner kein Verständnis. Ihm ist der Krieg business, und Geschäfte will er auch bei diesem Kriege machen, hat er reichlich gemacht. Da er sie mit den Alliierten macht, hat er für diese Sym­pathien Geschäftssympathien. Da England inimer mehr bestrebt ist, die Munitionslieferungen für sich und die Alliierten in eigene Regie zu nehmen, wird das Aankeeinteresse an den Alliierten und dem Krieg gleich­sam automatrsch geringer. Ter sinarte amerikanische Geschäftsmann möchte sein Interesse mithin wieder den Friedenslieferungen zuwenden, da die Kriegslieferun- gen abzuflauen drohen. Und da doppelt nicht reißt, möchte er dann gern an beide Teile liefern. Aber da die Alliierten für die zahlreichen Waffen- und Muni­tionslieferungen tief ini Schuldbuch der Amerikaner stehen, so verlangen diese einen Frieden, der ihre so hoch zu Buch stehenden Munitionskunden nicht völlig er­schöpft, der sie nicht etwa zahlungsunfähig macht. Und deshalb muß Wilson wieder vom Frieden reden wie einst im Mai, und deshalb muß er die Losung aus­gebenFrieden ohne Sieg". Tenn die Ailsjicht, besiegt zu werden, haben allein die Alliierten, und diese sind die guten Kunden, dieteuren" Schuldner von Uncle Sam.

Mit diesen Betrachtungen glauben wir den Kern der allerneuesten Monroe-Wilion-Doktrin mit dem Lansingschen Anhang hinreichend klarqeleat zu haben. Was die Wilsonschen Phrasen aber im Grnnde wert sind, ersieht man daraus, daß er sich für dle Freiheit der Meere theoretisch begeistert, in der Praxis aber jeg­liche britische Seeräuberei, Konterbandeschwindel, Post­raub usw., widerspruchslos duldet und sogar die Be­waffnung der Handelsschiffe anaeblich jetzt sogar die zu Angriffszwecken. also die offene Piraterie durch die Zulassung dieser Schiffe in amerikanische Häfen unterstützt. Es ist eine heitere Ergänzung zu dieser Taktik, wenn der Staatssekretär Lansing Konferenzen vorschlägt, die Strafmaßnahmen gegen die Nationen ergreifen sollen, welche die Rechte der Neutralen ver­letzen. Würden die Amerikaner im gegenwärtigen Weltkrieg, wo sie ja die einzige neutrale Großmacht sind, etwa eine solche Exekutive übernehmen wollen? Ach nein! Denn 1. wüßten sie, daß sie dabei Prügel bezögen, und 2. ist es weit einträglicher für sie, ihre Munition an die Neutralitätsverletzer zu verkaufen, als selbst 31t verschießen.

Glaubt man jenseits des großen Teichs wirklich, daß man mit solchen Doktrinen, bie zur kleineren Hälfte weltfremden Phantastik, zur größeren Profitgier ent­springen. uns Europäern imponieren kann? Tie ein­mütige Ablehnung, welche die Monroe-Wilson-Dottrin bei uns wie den Alliierten gefunden hat, sollte die Poli­tiker des Weißen Hauses eines Besseren belehren. Und wenn Herr Wilson sich schon der Doktrin seines Amts­vargängers Monroe erinnert, so sollte er auch des Satzes MonroeS gedenken,daß von Amerika irgend ein Ver­such dieser (der europäischen) Mächte, ihr System, aut

irgend einen Teil der westlichen Hemispähre auszu­dehnen, als gefährlich für den Frieden und die Sicher­heit der Vereinigten Staaten betrachtet werden müsse". Man sollte doch meinen, daß der Grundsatz der Nicht­einmischung europäischer Staaten in amerikanische Ver­hältnisse auch umgekehrt die Nichteinmischung der Ame­rikaner in europäische Verhältnisse einschließt, von denen sie nichts verstehen, die sie nie begreifen werden.

Hindenburg und Ludendorff.

Schwarzseher ttitb nervöse Leute hält sich der Feldmarschall grundsätzlich sein.

Die WienerZeit" meldet: Präsident Dr. Sylvester teilte nach seiner Rückkehr aus dem deutschen Hauptquartier mit. daß er in den Äußerungen des Kaisers, des Feld­marschalls Hinoenburg und des Generalqnartiermeisters Ludendorff unverändert eine Überzeugung vorfand, in der f e st e Zuversicht zum Ausdruck kam, die in der mili­tärischen und wirtschaftlichen Stärke der verbündeten Staaten begründet 'erscheint, und der aus dieser Zuversicht ent­springende feste Wille, unter allen Umständen durchzuhalten, bis die Verbündeten Uhr Recht, um das sie nunmehr schon zwei Jahre und stehen Monate mit den Ententemächten kämpfen, ungeschmälert erhalten haben. >

Feldmarschall v. Hindenburg äußerte in der Unterhal­tung:In einem höheren Stab kann man nervöse Leute und Schwarzseher nicht gebrauchen, die halte ich mir grundsätzlich fern."

Und bei einer anderen Gelegenheit:Ich arbeite nun

schon den ganzen Feldzug hindurch niit General Ludendorff zusammen, es hat nie eine Meinungsverschiedenheit zwischen uns gegeben; wir gehören unzertrennlich zusammen."

Der hemmunstslose Ü-Voot§krieg.

Fachmännische Beurteilung der schweren Folgen für England.

» lDrahtbericht unseres dli.-Sonderberichterstatters.)

Ni. Wien, 2. Febr. lzb.) Der Wiener Generalvertreter der Hamburg-Amerika-Lüiie Hofrat Weich weist in der Neuen Fr. Pr.' in einem Artikel über die Wirkungen des uneingeschränkten U-BootSckriegs nach, daß höchstens 6 Millionen Tonnen Getreide bei 12 Millionen Tonnen Mindeltbedars zur Verfügung stehen, mit anderen Worten, daß der Getr->idebedars nur für die Hälfte der Zeit vom 1. Dezember 1916 bis 1. Dezember 1917 zu decken möglich ist, und daß die Ententeländer in dieser halben Zeit, das ist Ende Fvbruar, alle gegenwärtig bestehenden Ver­hältnisse als gleichbleibend vorausgesetzt, kein Brot mehr haben werden. Weiter werde die Kohlen- z u f u h r von England nach Frankreich und Italien nahezu vollständig eingestellt weiden, ebenso die Zufuhr von Grubenholz nach England und die Zu­fuhr von Erzen nach allen Ententeländern. Die Einschrän­kung aller Betrübe, insbesondere der ft'ir Kriegsbedarf arbeitenden, das Aufhören aller Beleuchtung und Heizung, dazu die äußerste Berkehrsbeschränkung und nicht über­wältigende Transportschwierigkeiten liehen eine elemen­tare Volksbewegung Voraussagen.

Englische Pressestimmen.

Nr. Haag, 2. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.)Evening Standard" schreibt' Alles weist darauf hin, daß die Pro­phezeiung sich erfüllen werde, die auf Grund der Kenntnis des deutschen Charakters erfolgte, dahingehend, daß dem Zu­sammenbruch eine Entfesselung der Barbarei vorangehen müsse, die alles übertriffl, was seit dem Anfang des Kriegs vorgekommen ist.Weitminster Gazette" schreibt: Die Wichtigkeit der Note wiegt nicht so sehr an der schwach"» Beweisführung als an der D r o h u n g, daß alles, waS Deutschland dem Präsidenten Wilson zugestanden, jetzt aufgehoben wird.. Eine direktere Herausforderung der Vereinigten Staaten ist nicht denkbar.

Höchste Wut und maßlose Schimpferei in Italien.

Br. Lugano, 2. Febk. (Eig. Drnhtbericht. zb.) Die italienische Presse wendet sich natürlich mit höchster Wut gegen den verschärften U-Bootskrieg.Eorriere della Sera" überhäuft die Reicbsregi erring und Deutsch­land mit leidenschaftlichen Schmähungen. Die von Deutschland erträumte Freiheit der Meere bestünde darin, England zu einer unbe­deutenden Insel ohne Kolonien herabzudrücken und damit die Welt Deutschland dienstbar zu machen. Bel­gien sollte eine Art Bosnien und Herzegowina von 1878 werden, um später das Los dieser Provinzen zu teilen. Der Friede sei nur dann möglich, wenn diese, letzte deutsche Illusion zerstört, worden sei. Die Kom­mentare der übrigen Blätter sind auf den gleichen ge­zwungenen Ton gestimmt.Gioinale d'Jtalia" er­klärt, daß die Verschärfung des U-Booiskriegs die En­tente nicht bestimmen könne, einen deutschen Frie­den anzunehmen, imGegenteil sehe die Entente dem Äieg e mit noch weit größerem Vertrauen entgenen.

Ernste Erwägungen im französischen Senat.

Nr. Genf, 2. Febr. !Eig. Drahtbericht, zb.) In der gestrigen Sitzung des Senats befürwortete Senator Destournelles in einer Interpellation an den Marine- minister L a c a z e schleunige umfassende B c w a f f n u n g der Handelsflotte. Der Marineminister antwortete: Deutschlands Blockadeankündigung' treffe Frankreich und die Verbündeten inmitten von Vorbereitungen, von denen nur streng vertraulich gesprochen werden könne. Während der letzten' elf Monate betrugen die Verluste fran­zösischer Handelstonnage 27 300; sie seien zwar bedeutend, aber die Regierung sei überzeugt, Frankreichs Bevölkerung werde einem zum Äußersten entschlossenen Gegner beweisen, daß französischer Opfermut und französisches Entsägungsver- vermögen niemals versagen. Hierzu zitieren Pariser Blätter eine Äußerung des SeerechtslehrerS Clliuet: ES existiert nur eine Art Blockade, die effektive; selbst diese setze aber voraus, daß die neutralen Schisse, die in die blockierte Zone Eingang fanden, nicht zerstört werden dürfen. Wenn die be­stehenden Sceverträge eine Blockade durch Unterseeboote nicht voraussehen, müsse Deutschland diesem Umstand Rechnung trogen und von seiner Ankündigung absehen.DebatS" hält demgegenüber alle Gelehrtenkommentare für überflüssig. Deutschland habe die Welt hingehalten, bis eS die erforderlichen Machtmittel besah. Alles andere sec Bluff gewesen. DerTempS" vertritt die gleiche Ansicht und rügt binzu: Es wäre ein unverzeihlicher Fehler der

Entente gewesen, die Friedenslockung, die für die emsigste Bleckadevorbereiiung Zeit gewinnen sollte, ernst zu nehmen.

Ein Holländer jauchzt als Vertreter der Intellektuellen dem hemmungs­losen U-Sootskrieg zu.

In derKöln. Volksztg." wird folgende, dem hemmung- losen U-Bootskrieg Deutschlands gegen England, dasInsel- reich der Weltpiraten", denWeltheuker", .Zuschrift eines in Rotterdam lebenden holländischen Offiziers mit voller Namensunterschrfft veröffentlicht:

Der Tauchb-iote-Krieg, Englands Alpdruck!

Begreife, wer es begreifen kann! Weshalb bleibt Deutsch­land doch noch immer zögernd, sein; von England am meisten gefürchtete Waffe, mit äußerster Schärfe anzuw en­den! k Wenn man aus der Leopardenjagd ist, darf man nicht zögern!

Ein Kind weiß, daß England in seiner Han­delsflotte tödlich zu treffe» ist. Es hat die Jahr­hunderte hindurch die Handelsflotten Spaniens-, Hollands, Dänemarks und Frankreichs entweder vernichtet, oder ge­stohlen! Schon deSbalb wäre eine vollständige Ver­nichtung der englischen Handelsflotte aus geschichtlichen Rechtsgründen nur eine vollkommen gerecht­fertigte Vergeltungsniatzregel, aber cs ist mehr!

Die obenerwähnte» Staaten waren nicht ausschließlich auf ihre Flotten angewiesen; ihre Existenz war durch die Vernichtung, bezw. durch den Raub nicht bedroht. . . Ganz anders steht es mit dem Jnselreich der Weltpiraten! Ohne M i n d e st to n n e n m a ß m u ß England Her* Hunger n'l

. Weshalb nicht:So du mir. so ich dir" angewendet?

Oder hat England allein dasRecht", den Versuch ?u machen, ein Volk auszuhungern? Würde Germania tatsäch­lich noch von einer unbegreiflichen und selbstredend von niemand geschätzten Sentimentalität besessen sein? . . . Der Leopard muß tüchtig die Peitsche füy len, will man erreichen, daß er . . ., schön sitzt und Pfötchen gibt!

Außerdem werden bei einer rücksichtslosen Anwendung der Tauchboote noch verschiedene Vorteile zu buchen sein: die englische Kriegsflotte, welche offenbar nicht imstande ist, die Hanvelsflotte zu schützen, wird überflüssig, und ab­danken können!!

Wird das englische Volk a m Leibe fühlen, daß Eng­land nicht mehrdie Seen beherrscht", so wird eS durch Magenkrämpse lernen, bescheidener zu werden. Der englische Leopard wird vom Körper Europas verscheucht, und die Völker werden befreit sein von ihrem ,/Schutzengel", dec nur für Freiheit, Recht und Zivilisation kämpft. . . Wie würden alle ausatmenl . . .

Aber Amerika dann? . . . Ach was!, weshalb würde England wohl das Recht haben, jede Zufuhr von Lebensmitteln nach Deutschland abzuschneiden und Deutschland nicht dieselbe nach Englaird zu verbieten.

Wenn Deutschland die wirkliche Blockade von England» ankündigt, und dieselbe mit seinen Tauchbooten auch tatsäch­lich ausführt, wird, nach meiner innigen Überzeugung, kerne einzige Regierung diesen vollständig völker­rechtlichen Entschluß beanstanden können!

Das Nähern der englischen Küste lverde kurz und gut nach England zu verbieten?

Erst dann, wenn England am Magen fühlt, daß es Michel ernst wird, kann man erwarten, daß John Bull sein großes Maul etwas weniger aufsperrt, um zu versuchen, uns Neu­tralen mit Lügen und Phrasen irrezuführen, und kann Europa dem Frieden und der Erlösung vom Welthenker entgegensetzen.

Nur frisch drauf los» Germania! Tausende und Abertausende Intellektuelle Mer neutralen Länder beten dir