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Verlag Langgasse 21

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Mittwoch, 31. Januar 1917.

Kbend-klusgabe.

Nr. 36. * 65. Jahrgang.

vir letzten Ententerüftungen für die Entscheidung.

Sr. Amsterdam, 31. Jan. (zb.) Wie ans zuverlässigen Londoner Quelle» berichtet wird, versuchen die Berbands- mächte eine Zentralisation auf den verschiedenen Ge­bieten der Kriegsführung durchzuführen. Marine- und Schiffahrtswesen verbleiben ausschließlich in engl i s ch e r Leitung und Kontrolle. Die Kriegsführung zu Lande ist den Generalen Riv elle und Robertson unterstellt worden, die sich über die Bedürfnisse an Truppen und Material auf allen Kriegsschauplätzen informieren und das Ergebnis den Regierungen Englands, Frankreichs, Rußlands und Italiens mitteilen. Lloyd George ist mit einer unermüdlichen Energie tätig, dafür zu sorgen, daß die von den Generalstabs­chefs gestellten Forderungen schnellstens erfüllt werden. In dieser Beziehung geht die neue Regierung in England ohne jede Rücksichtnahme vor und hat dadurch Organisationen in Frankreich und Italien erreicht, die früher unmöglich schienen. Rur in Rußland gehen die Dinge noch immer rückwärts, an­statt vorwärts. Deshalb beurteilen die Sachverständigen die Kriegslage augenblicklich so, daß die Operationen au der West­front, Italien und Mazedonien ganz unabhängig von den russischen sind. Bei den Frühjahrskämpfen werde es sich zeigen, inwieweit Rußland die anderen Fronten noch ent­lasten kann oder ob es selbst Hilfe gebraucht. In allen Ber- bandsländern ist augenblicklich infolge der K » h l e n n o t eine Verminderung der Munitionserzeugung festzustellen. Doch nimmt man in den maßgebenden Kreisen der Entente an, daß bei den Mittelmächten derselbe Einfluß sich geltend macht. Alle Fachleute, sowohl in England wie in Frankreich, gestehen ein, daß die Rüstungen in beiden Ländern nicht höher gebracht werden können, da jetzt alle nur denkbaren Kräfte herange­zogen seien. Bon einer läng»--'» Kriegsdauer könne also keine Rede mehr sein. Diese Erkenntnis sei auch in den Kreisen wahrzunehmey, die die Verantwortung tragen.

Berlin» 31. Jan. (zb.) Die „Germania" sagt: Wir sehen die Ententeminister mit demselben Gleichmut nach Petersburg fahren, wie wir sie in den übrigen Städten sich versammeln ließen. Sie werden auch diesmal den Stein der Weisen nicht finden, der ihnen unsere Zerschmetterung ermög­licht. Sie werden uns aber ebenso sicher nicht den Gefallen tun, sich selbst zu zerfleischen. — In der „Kreuzzeitung" heißt es: Die Kontrolle, die England ausübt, um Rußland aktions­fähig zu halten, steigert die Abneigung gegen die Engländer. Schließlich hängt alles daran, wie fest die Bundestreue des Zaren und die allerdings sehr starken Fäden sind, die eine konsequente jahrelange Politik zwischen London und Peters­burg geknüpft hat.

Vor der grosten Offensive im Westen.

Englische Selbsttäuschung.

W. T.-B. London, 31. Jan. (Drahtbericht.) Der „Limes"-Berichterstatter bei der französischen Armee meldet, bisher seien bei allen großen Offensiven an der Westfront die Deutschen im voraus genau unterrichtet gewesen, wann und wo der Augenblick erfolge. Die unsäglich großen Vorbereitungen, die für einen größeren Vormarsch nötig seien, seien von den Deutschen immer rechtzeitig bemerkt worden. Jetzt aber seien die Verhältnisse an der fran­zösischen Front derart, daß es dem französischen Ober­kommando möglich sein werde, zum Angriff überzu­gehen, wann und wo es dieses für gut befindet, ohne daß dem Feind mehr verraten werde, als was inan aus den Artillerievorbereitungen, ehe der Angriff beginne, entnehmen könne. Auch dies werde man vermeiden können, wenn man über genügend viel Muni­tion verfüge. Eine gleichzeitige Beschießung aus der ganzen Linie würde den tüchtigsten Strategen, den die Deutschen besitzen, im Ungewissen lassen.

Telegrammwechsel zwischen ltrobatin und v. Stein.

Anläßlich des Geburtstags des Kaisers und Königs hat .folgender Telogrammwechsel ftattgofunden:

Seiner Exzellenz Herrn General der Artillerie v. S t e i n, . Känigl. pDöuß. Staats- und Kriegsminister, Berlin.

Zum drittenmal in diesem Weltkrieg begeht das deutsche Volk in festlich weihevoller Stimmung das Allerhöchste Gc- burtsfest seines erlauchten Herrschers, und aus diesem An­laß bitte ich Eure Exzellenz, meine innigsten tiefergebenen Glückwünsche genehmigen und an die Stufen des Allerhöchsten Throns gelangen lassen zu wollen. Zufammenge- schweißt im Feuer der Schlachten, zusammenge- kittet durch das für- und nebeneinander vergossene Blut, eng venknüpft durch tausend Bande der Erinnerung au gemein­sam getragene Mühsal, gemeinsam erfochtene Siege, sind d:e Heere Deutschlands und die Wehrmacht Österreich-Ungarns auch heute eins in dem innigen, inbrünstigen, aus de n Herzen von Millionen emporsteigenden Ge- b«te, der Allmächtige möge Seiner Kaiserlichen und König­

lichen Majestät Wilhelm II. in diesem Irenen Lebensjahre den endgültigen glorreichen Sieg verleiben und es gnädig fügen, daß Seine Majestät sich noch durch viele, viele Jahre der Segnungen des durch die Schärfe seines Schwertes errungenen und dauernd gesicherten Friedens erfreuen dürfe. Das walte Gott.

Generaloberst Frhr. v. Krobatiu, Kriegsminister.

Die Antwort v. Steins lautete:

Seiner Exzellenz Herrn Generaloberst Frhrn. v. K r o b a t i n, K. und K. Kriegsminister,

Wien.

Euerer Exzellenz sage ich wärmsten, aufrichtigen Dank dafür, daß Sie mich zum Vermittler Ihrer, an des Kaisers und Königs Majestät zu Seinem Geburtsfeste gerichteten Glückwünsche haben ausecsehen wollen. Ich habe sie zum Throne Seiner Majestät gelangen lassen.

Euerer Exzellenz tief empfundene Worte werden freu­digen und begeisterten Widerhall finden. Wie Sie, lebe ich, lebt ganz Deutschland der unerschütter­lichen Zuversicht, daß das von den verbündeten Heeren vergossene Blut nicht vergeblich dahingegeben ist und die un­ermeßlichen Opfer nicht fruchtlos gebracht sind; daß der All­mächtige unsere Waffen auch weiter segnen und die gegen Ihr und mein Vaterland seit Jahren geschmiedete Ver­schwörung zu Fall bringen, den räuberischen, durch ruchlosen Mord eingeleiteten Überfall vor sein Gericht ziehen wird.

Möchte Gott allen Wünschen, die für das neue Lebens­jahr meines Allergnädigsten Herrn zum Himmel empor­steigen, baldige Erhörung gewähren und ihn noch viele Jahre sich der Segnungen des von ihm angebotenen, von den Fein­den schnöde zurückgewiesenen, die Sicherheit der verbündeten Reiche verbürgenden Friedens erfreuen! Möchte Gott auch der auf zahllosen Kampffeldern bewährten Waffenbrüderschaft des K. und K. u»d des deutschen Heeres unwandelbaren Bestand verleihen! Das walte er in Gnaden.

Der Königlich Preußische Kriegsminister: v. Stein.

Der kühne Rampsergeist der deutschen Truppen im Zeldzug wider Rumänien.

Bayerische Heldentaten.

Die Prahovabrücke von einem Leutnant mit 30 Manu starker Übermacht abgeuommen. Zugleich 350 Ge­fangene gemacht. — Ein bayerischer Zug von 50 Mann nimmt im Sturm zwei feindliche Kompagnien gefangen und erbeutet 9 Geschütze nebst 23 Munitionswagen. —

4 Offiziere und 540 Mann ergeben sich einem bayerischen Offizierstellvertreter mit 2 Mann Begleitung. — Drei rumänische Stellungen im rasende» Sturmlauf von 123 Bayern überrannt und die Besatzungen der feind­lichen Gräben eingebracht.

W. T.-B. Berlin, 30. Jan. Aus dem r u m ä n i- schen Feld zu ge werden einzelne Kampfhandlungen bekannt, die ein Beweis sind für die U n e r f ch r o ck e n- heit der deutschen Truppen und ihren kichnen Kampfesgeist. Eine bayerische Division erreichte beim Vormarsch nachts die Prahovabrücke zwischen Darmanesti und Aricesti. Die 250 Meter lange Brücke war stark besetzt. Indessen griff Leutnant Staab von einem bayerischen Infanterie-Regiment mit 30 Mann unerschrocken an und eroberte die Brücke nach kurzem Gefecht. Ein rumänischer Oberst fällt. In knapper Not entkommt der rumänische Divi- siönsstab im Auto. Leutnant Staab schickt sechs Mann als Patrouille vor. Die rumänischen Soldaten erzählen, daß eine ganze Division ang reifen wird, worauf sich 350 Rumänen und 14 Offiziere ergaben.

Ein Zug eines bayerischen Regiments, der nur noch

5 0 Mann stark war, überraschte bei S u e s l a n e st eine rumänische Batterie zu fünf Ge­schützen in Marschkolonne und eroberte sie nach kurzem Gefecht. Bei einem starken Aufstieg nach Metau erhielt dieser 50 Mann starke Zug starkes Flankenfeuer. Der kommandierende Leutnant erbittet Unterstützung, kann indessen feine Leute nicht zurückhalten, die mit Hurra vorwärtsstürzen und zwei feindliche Kom­pagnien samt dem Bataillonskomman­deur und eine-r gerade auffahrenden Haubitzen­batterie zu vier Geschützen in ihre Hand b r i n g e n. Im ganzen erbeutete dieser 50 Mann starke Zug 600 Mann, neun Geschütze, 23 Munitions- tvagen und 1 Sanitätswagen. Sechs Manir dieses Zuaes wurden schwer verwundet.

Auf der Straße von Targoviste-Ploesti 'drang der Offiziersstellvertreter Florath

in das Dorf Bratasseance mit zwei Mann Be- g l e i t u n g ein. Drei rumänische Offiziere ergeben sich und liefern die Waffen aus. Florath läßt deir rumänischen Brigade-Adjutanten herbeirufen. Dieser verweigert die Übergabe und schließt einen Kreis um die drei Bayern. Florath indessen überzeugt die Rumä­nen von der Nutzlosigkeit jeden weiteren Widerstandes, worauf sich 4 Offiziere und 640 Mann mit 4 Maschinengewehren ergeben, angesichts in der Ferne marschierender deutschen Artillerie, der das rumänische Feuer hätte gefährlich werden können.

Leutnant Seemüller des gleichen Batail­lons berichtet, daß der Erfolg bei I n c t e st i von Lolojyska aus haupffächlich der Unerschrocken­heit der Bayern zu danken ist. 12 3 Mann überrannten in 2 Kilometer Breite trotz lebhaftem Maschinengewehr- und Artilleriefeuer drei rumä­nische Stellungen. Eingeschüchtert durch ein solches Ungestüm, ergaben sich die Besatzungen der rumänischen Gräben und ließen sich von einzelnen Leuten der stürmenden Bayern abführen.

Lin französischer Tnippentranrport- dampfer vernichtet.

W. T.-B. Paris, 31. Jan. (Drahtbericht.) Das Ministerium gibt amtlich bekannt: Das Schiff der Gesellschaft der Vereinigten Reeder „Admiral Magon", das 900Mann Truppen in die Umgegend-Salonikis be­förderte und von dem Torpedobootszerstörer „Are" ge­leitet wurde, wurde am 25. Januar durch ei» feindliches Unterseeboot torpediert. Das Periskop wurde erst in dem Augenblick bemerkt, als das Torpedo abgefeucrt wurde. „Admiral Magon" sank in 10 Minuten. 809 Mann wurden durch den begleitenden Torpedo­bootszerstörer und den in der Nähe patrouillierenden sehr schnell herbeigeeilten Torpedobootszerstörcr „Bon­barde" in sieben Schaluppen gerettet. Der Kommandant, die Besatzung des „Admirals Magon" sowie die be­förderten Truppen zeigten eine ausgezeichnete Haltung. Der Stab und die Besatzung des Torpedobootszerstörers „Are" gaben Beweise größter Aufopferung. Die Leute stürzten sich wiederholt, trotz des schlechten Wetters, ius Meer, um sich den Soldaten des torpedierten Schiffes zu nähern nud sie an Bord zu ziehen. Die meisten Opfer wurden durch Explosion sofort getötet.

Die Verluste der feindlichen Handelsflotten.

15 Prozent der englischen Gesamttonnage seit

Krieqsbeginn vernichtet.

W.T.-B. Berlin, 30. Jan. (Amtlich.) Im Monat Dezember sind 152 feindliche Handelsfahrzeuge von ins­gesamt 329 vüü Bruttoregistertonnen durch kriegerische Maß­nahmen der Mittelmächte verloren gegangen; davon sind 24V VÜÜ Tonnen englisch. Außerdem wurden 65 neutrale Handelsfahrzeuge mit 86 500 Tonnen wegen Beförderung von Bannware zum Feinde versenkt. Das Dezemberergebnis be­trägt also insgesamt 415 500 Tonnen. Seit Beginn des Krieges bis zum 31. Dezember 1916 sind damit und unter Hinzurechnung der im Laufe des Jahres nachträglich bekaunt- gewordenen Kriegsverluste durch kriegerische Maßnahmen der Mittelmächte 4 021 500 Tonnen feindlichen Hau- belsschiffsraumes verlorengegangen. Davon sind 3 069 000 Tonnen englisch. Dies sind fast 15 Prozent der englischen Gesamttonnage zu Anfang des Krieges. Im gleichen Zeitraum sind von den Seestreitkräftrn der Mittel­mächte 401 neutrale Schisse mit 537 000 Tonnen wegen Bann- warenbeförderung versenkt oder als Prisen verurteilt worden.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Ein Unkenruf des „Manchester Guardian".

W. T.-B. Manchester, 30. Jan. Der „Manchester Guar­dian" schreibt in einem Leitartikel: Nach den Verlusten an Schiffen, die England im Dezember erlitten hat, könnten die Verluste im neue» Jahre 5 Millionen Tonnenerreichen. Die gewöhnlich angegebene Gesamt­tonnage der englischen Handelsflotte sei 20 Millionen, aber nur ein Teil davon bestehe aus Schiffen, die für den Außen­handel brauchbar sind. Von diesem Teile habe die Admi­ralität einen sehr hohen Prozentsatz für ihre eigenen Zwecke requiriert. Wenn England in jedem der nächsten zwölf Monate ebensoviel Schiffe verliere wie im Dezember, würde es nacb einem Jahre die Hälfte der Handelsflotte, die im Außenhandel tätig ist, »erloren haben. England müsse in den nächsten zwölf Monaten 21/, Millionen Tonnen Schiffe bauen. Wenn das nicht nwglich sei, dann befände ftch Eng­land in Gefahr. Das Parlament müsse sich mit dieser Frqze befassen