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Dienstag, 30. Januar 1917.
klbend-Kusgabe.
Nr. 34. . tzF. Jahrgang.
Lreigniffe zur See.
Lin englischer Zerstörer im Uanal vernichtet!
W. T.-B. Berlin, 30. Jan. (Drahtbericht. Amtlich.) Am 28. Januar hat lineS unserer Unterseeboote lm cng- lischen Kanal einen englischen Zerstörer der „SN.". Klasse durch Torpedoschutz ve^urchtrt.
Der Chef des Admiralstab- der Marine.
Versenkt?
T.-B. London, 29. Jan. Lloyds meldet, daß der englische Dampfer „I e v i n g t o n" (2047 Br.-R.-T.) versenkt worden ist. — Die norwegischen Dampfer er o", „SS l b a r und „D omsta d" sind versenkt worden. Die Besatzungen wurden gerettet. Der ruffische Dampfer „E g r a t" soll versenkt worden sein.
W. T.-B. Las Palmas, 29. Jan. (Reutermeldung.) Der holländische Dampfer ..Maasland" landete l9 Malln von der Besatzung des norwegischen Dampfers „T h e r a s a l a n d". der von einem.deutschen Unterseeboot versenkt worden ist.
Ein deutschesTnuchbool im Gefecht gesunken.
Fast die ganze Besatzung gerettet.
W. T.-B. Chriftiania, 29. Jan. Das Marinennnisterium gibt bekannt: Ein norwegisches Motorfahrzeug setzte gestern bei Hammerfest die 3-1 M mn starke Besatzung eines deutschen Tauchbootes, das auf See gesunken war, an Land. Da die Besatzung noch dem norwegischen Hafen auf eiitem neutralen Schiefe gebracht wurde, ist sie gemäß der in ähnlichen Fällen erfolgten früheren Entscheidungen i n F r e, h e i t gefetzt wor- den. — Wie das Wolffsche Bureau hierM an zuständlger Stelle erfährt, hatte das Tauchboot am 27. Januar, abends, ii> der Rahe von H a m m e r s e st ein Gefecht mit einem englischen Hilfskreuzer. Die Besatzung des Bootes ist bis auf den Ingenieur Hermann gerettet.
Die neue englische Nordseesperre.
W.T.-B. Rotterdam, 29. Jan. Der ..Nieuwe Rotterd. Courant" meldet aus London: Die „Times" schreibt: Obwohl hier zu Lande noch keine Berichte darüber veröffentlicht smd, wird aus Telegrar u en aus Skandin rvien, d'e die Zensur durchgelaffen hat, geschloffen, daß die britische Regle- rung in der Nordsee neue maritime Maßregeln plane und daß dazu die Legung etueS Minenfeldes in der Höbe der jütischen Küste gehöre. — Aus Kopenhagen vom 26. Jiiiucrr erfährt die „Times": Die neue Gc- fabrzone in der Nordsee wird ans die dänische Schiffahrt geringen Einfluß haben. Nur die Route nach Holland wird verlegt werden müssen. Das neue Minenfeld wird aber die dänische Fischerei sehr behindern und es wird dadurch die Fahrt nach verschiedenen reichen Fischgrunden erschwert. Man -erwartet infolgedessen und infolge der bereits bestehenden ^Schwierigkeiten, mit denen die Fischerei zu kämpfen hat, ein weireres Steigen derFischpreise. — Nach einem Telegrrmm aus Kopenhagen an die Exchange Telegram Company erfährt die in Chriftiania erscheinende Zeitung ..Dag- bladet", daß die neue Maßregel für den Handel von Skandinavien nach Rotterdam, der dadurch äußerst erschwert Derden wird, von größter Bedeutrrr.g sein werde.
*
französische Geheimbefehle für den Angriff auf unsere UsBooff,
In der Denkschrift der deutschen Regierung über die Be- Handlung bewaffneter Kauffahrteischiffe vom 11. Febr. 1916 sind die Geheiminstruktionen der britischen Admiralität veröffentlicht. die sich auf die Benutzung und Instandhaltung der Bewaffnung auf Kauffahrteischiffen, die zu Verteidigungszwecken bewaffnet sind, beziehen und auf dem am 3. Nov. 1912 im Mittelmeer versenkten bewaffneten englischen Dampfer „Woodfield" von einem unserer Tauchboote erbeutet wurden. Unter anderem besagen diese Instruktionen, daß der armierte Dampfer auch dann das Feuer zu eröffnen hat, wenn das feindliche Tauchboot noch keine entschieden feindliche Handlung, wie z. B. Abfeuern eines Geschützes oder Torpedos, begangen hat.
Am 29. Oktober 1916 ist uns auf einem französischen Handelsschiff die G e h e i m i n st r u k t i o n des französischen Marineministeriums in die Hände gefallen, welche den gleichen Gegenstand behandelt.
Aus dem Inhalt des Schriftstückes find folgende Sätze r>on aktuellem Jntereffe:
„Manöver im Falle des Angriffs . .
Sobald ein U-Boot, das ausgetaucht fä&ict, bemerkt wird, drehe i«an ibm das Heck zu, bringe die Maschlnen zur Entwicklung höchster Geschwindiqkert und schlag«, wenn man sich aus ostenein Meer be- findet emen solchen Kurs ein, daß das U-Bort gezwungen wird, um naher beranzukommen, gegen die See anzulaufen, wodurch seine Geschwindigkeit herabgedrückt und seine Ärtrll-riewirkung beein- trachtipi wird.
Man eröffne das Feuer, sobald das U-Boot sich rn guter Schußweite befindet. Wenn das Sckifi keiagt wird und das U-Boot infolge seiner
größer'en Geschwindigkeit näher kommt, zögere
>man nicht, bevor es zu nahe gekommen ist, umzu- drehen und dar U-Boot zu uberlausen. Wenn ern
*4.; hemprli Q>iib. brifiog KMUt.i&tte
Maschinen zur Entwicklung größter Geschwindigkeit und drehe aus das U-Boot zu oder von ihm ab, je nachdem man es weniger oder inehr als 6 Strich von vorn peilt. Wenn man ihm den Bug zudreht, bemühe mau sich, es zu überlaufen.
Wenn das getauchte U-Boot in genügend weiter Entsnniuirg be- merkt wird, manövriere man so, als wenn man ein ausgetauchtes N-Boot vor sich hatte."
Der norwegische Ministerpräsident über die deutsch - norwegischen Verhandlungen und den Unterseebootkrieg.
Br. Stockhalm, 30. Jan. lEig. Drahtbericht, zb.) Der Präsident des norwegischen Storthings Mowincke! erklärte eir.cm Ausfrager des hiesigen „Aftonbladet", die norwegisch- deutschen Verhandlungen gingen in überaus freundschaftlicher Weise weiter und dürften bald zu einem Ergebnis führen. Was einen etwaigen verschärften deutschen Unterseebootkrieg anlange, so laste er allerdings schon schwer auf Norwegens völlig gesetzlicher Handelsschiffahrt, aber es müsse von norwegischer Seite zugegeben werden, daß die deutschen Unterseebnotsführer alles, was sie könnten, täten, um Menschenleben zu schonen.
Der Tagesbericht vom 30. Januar.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 30. Jan. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsiclstrnplah.
Hreresqruppe Kronprinz Rupprecht.
An der Artois- Front mehrfach GrkundunaS- qefechtr. Zwischen Ancre und Somme zeitweilig starke Artilleriekampfe.
Heeresgruppe Kronprinz.
Abrndliche Angriffe der Franzose« gegen die Höhe 30 4 blieben ergebnislos.
Ostlirfter riegsschauplan.
Zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer keine wesentlichen Ereignisse.
Mazedonische Front.
Im Cernabogen und in der Stnimamündnng Zusammenstöße von Aufklärungs-Abteilungen.
Der erste Gensrnlonartiermeister:
Lndendorff.
Oer Krieg gegen Rußland.
Der Gasangriff am 26. Januar.
W. T.-B. Berlin, 29. Jan. Außer schweren Kämpfen beiderseits der A a am 26. Januar regte sich der Russe abends noch an einer anderen Frvntstelle. Er hoffte mit Hufe eines von ihm an der Rigaer Front noch nicht angewandten Mittels gewaltsam unsere Linien zu durchbrechen, nämlich mit Gas. Gegen 7 Uhr abends blies er an der Straße nach M i t a u zwei Gaswolken ab. Unsere trotz der Kälte und starkem Schneegestöber aufmerksamen Horchposten wußten die Laute und das Zischen, das von der russischen Stellung herkam, richtig zu deuten und veranlaßten Gasalarm. Jeder wußte, was zu tun war, und in mustergültiger Ordnung, als bandle es sich um irgend eine Friedensmaßnahme, trafen alle ihre Vorbereitungen. Im Vertrauen auf die jedem zur Ver- fiigung stehenden Gasschutzmittel waren unsere Braven des ruffischen Mißerfolges von vornherein sicher. Schon in wenigen Minuten kroch die fünf Meter hohe Nebelwand allmählich heran. Sie war so dicht, daß selbst abge- schoffene Leuchtkugeln nicht wahrgenommen werden konnten. Träge zog die gefährliche Wolke über unsere Stellungen hinweg und nach kurzer Zeit folgte ihr bereits die zweite, erheblich dünnere Welle. Gleichzeitig setzte die feindliche Artillerie mit einem Trommelfeuer ein und überschüttete unsere Stellungen in wenigen Minuten mit 2000 Gasgranaten. Der Gegner mochte wohl glauben, unsere Stellung aus- geräuchert oder Ratlosigkeit und Aufregung unter unserer Grabenbesatzung verbreitet zu haben. Aber in dieser Voraussetzung hatte er sich getauscht. Mit ruhigem, wohlgezieltem Feuer wurde schon den ersten feindlichen Jagdkommandos Halt geboten; daher wagte der Feind auch nicht, diese Unter- nekmung in einem größeren Maßstab fortzusetzen. Er hatte nicht mit unseren hervorragenden Gasschutzmitteln gerechnet, die sich wieder einmal vortrefflich bewährt hatten. Während dem Gegner diese Unternehmung llutiae Verluste brachte, hatten wir nicht einen Vergiss» ngsfall zu verzeichnen.
Die neue Alliierten-Konserenz in Petersburg.
W.T.-B. Petersburg, 29. Jan. Die Petersburger Teke- graphen-Agentur meldet: Demnächst wird hier eine Konferenz der Alliierten stattfinden. Die Regierungen werden hierbei durch ihre Botschafter und aurch besondere Abgesandte vertreten sein. Diese Konferenz ist bestimmt, die bisher tu den anderen Hauptstädten abgehaltenen fortzusetzen mit dem .Zweck, durch Übereinkommen die kräftigsten Mittel zur Fortsetzung des Krieges festzustellen und die Ausnutzung aller für die Alliierten verfügbaren Hilfsmittel aus gemein- Wamste tn ia regeln.
Englische Besorgnisse über den neuen Kurs der russischen Außenpolitik.
Br. Amsterdam, 30. Jan. (Eig. Trahtbericht. zb.) Ministerpräsident Lloyd George wird, wie ein aus London zurückgekehrter Gewährsmann der „Expreß Coiiwann" aus sicherer Qlielle erfährt, sich anfangs Februar nach Petersburg begeben. Mitte Februar sollen in der russischen Hauptstadt Besprechungen von großer Wichtigkeit stattfinden, die sich auf die Stellung Rußlands zu seinen w e st l i ch e n Verbündeten »ziehen. In englischen Regierungskreisen ist man für den Kurs der russischen Außenpolitik beunruhigt und will Rußland in noch stä rke- rem Maße als bisher ans die Gesamtpolitik der Entente festlegen.
Ein französischer Druck auf Umbildung des russischen Ministeriums?
— Berlin, 30. Jan. (zb.) Nach einer Meldung der „Voss, Ztg." soll die französische Regierung eine aus General d e C a st e l n a u und dem früheren Ministerpräsidenten Doumergus und anderen bestehende Abordnung nach Petersburg entsandt haben, um den Zaren von der Notwendigkeit zu überzeugen, daß das Ministerium umgebildet und, n>ie es in der Meldung heißt, in untadelhafte Hände gelegt werden müsse.
vor vem Wiederzusammentritt der Duma.
Geheime Besprechungen der Parteiführer.
(Dratzibericht unserer 8.-Son0erbertchlcrstatrerS.)
8. Stockholm, 30. Jan. (zb.) Sowohl die Regierung wie die Dumoparteien bereiten sich beide auf die bevorstehende: Taguug der Duma vor. Die Parteiführer versammellen sich heimlich in Moskau in der Privatwohnung des Abgeordneten K o l o w a n o w. An dieser Besprechung nahmen u. a.. Miljukow, Jewcemoft, Lekruffoff und Schingareff tetl. Bei den Beratungen wurden alle gegenwärtig wichtigere t voli- tischen Fragen verhandelt. Der Petersburger „Börsenztg." zufolge erklärten die Abgeordi eten, die bei diesen Verhandlungen anwesend waren, daß ftch die oppositionelle Stimmung bei den Leitern der Partei wesentlich verschärft hat. Mit großem Wortschwall hat Miljukow ver- kündet, die kommende Session würde die interessanteste der ganzen dritten und vierten Duma werden. Die Zahl der anwesenden Dumamitglieder wird auf 60 angegeben. Starke Meinungsverschiedenheit herrscht unter den Kadetten, deren rechter Flügel entschloflen sein soll, der Regierung gegenüber eine mildere Haltung einzunehmen, weil man in diesen Kreisen die Hoffnung nicht aufgeben will, daß einige Parteimitglieder Aussicht auf M i n i st e r p o st e n haben. Dagegen schloß sich der linke Flügel den Progreffisten mi, weil man dort keine Verständigungsmöglichkeit mit der Regierung sieht. Wie der „Rußkoje Wolja" meldet, fand am nächsten Tage eine erneute Versammlung der Dumaabgeordneten statt, wozu diesmal Vertreter des Städteverbandes hinzugezogen wurden. Es spielten sich die lebhaftesten Auftritte zwischen den Vertretern ber Städteorganisation und den Deputierten ab. Diesen warfen die Semstwoleute vor, der Hunger nach Minister- 'stellen verführe sie zu einfältigem Nachgeben, so bei den Moskauer Gewaltakten. Die Regierung ihrerseits hätte sie der Duma gegenüber nicht ungern vertuscht, weil sie sich scheue, cffen ihre Meinung zu sagen. In der inneren russischen Politik macht sich täglich mehr geltend, daß die rechts- stehenden Parteien des Blocks den nach links gerichteten Teil desselben zum Nachgeben zwingen. Die Regierung kann also einstweilen mit inneren Reibereien der Duma rechnen. _
Umnethodischrr Wahnsinn.
O Berlin, 29. Januar.
Die Eroberung?- und Vernichtungsgier der Feinde findet ihr Gegengewicht in einer geradezu lächerlichen Unkenntnis über die Dinge, von denen in Paris und London geschwatzt wird. Das ist ein besonderes Kapitel, halb erschreckend und halb mitleidswürdig. Wenn hinter dem Vernichtuugsdrangch des Vierverbandes eine klare, ans sachliche Grunolagen gestützte Einsicht in Möglichkeiten und Unmöglichkeiten stände, wenn die Feinde um etwas besser Bescheid wüßten. so könnten sie selbst bei stärkster Anspannung ihrer Begehrlichkeiten eine durch diese Natur der Vcrhältnisie gezogene Grenze nicht überschreiten. Jetzt aber tun sie das mit v e r b r e ch er i s ch e m Leichtsinn, und das Entsetzliche dabei ist es eben, daß wir uns sagen müssen: nur eine vollkommene Ahnungslosigkeit kann so zerstörend wüten. Millionen von Menschenleben werden aufs Spiel gesetzt- well die Feinde so gar nichts von uns und unseren Verbündeten wissen. Wenn sie mehr von uns wüßten, dann müßten sie sich mitten in ihrem Wahnsinn noch beschränken, tatsächlich hat ihr Wahnsinn jede Methode verlofen Das ist entsetzlich, aber es ist schließlich auch beruhigend. Denn eines Tages wird selbst den Verrücktesten unserer Feinde , die Erleuchtung dämmern müssen, daß sie Unerreichbares gefordert haben. Unerreichbares nicht bloß in
