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Samstag» 27. Januar I9l7.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 48. - 63. Iahrgang.
Lin neuer Vorstoß unserer Seestreitkräfte in die englischen Nüstengewässer.
Der befestigte platz Southwold unter deutschem Artillerkseuer.
vom Gegner nichts gesichtet.
W. T.-B. Berlin, 26. Jan. (Amtlich. Drahtberrcht.) In der Nacht vom 25. zum 26. Januar stießen deutsche leichte Streitkräfte in die englischen Küstengewässer südlich L o t» c s t o f t vor, um die früher dort gemeldete» feindlichen Bewachungsfahrzeugc und Borpostenschiffe anzugreifen. Vom Gegner wurde im ganzen abge- suchte« Seegebiet nichts gesichtet. Hieraus wurde der befestigte Platz Southwold auf nahe Entfernung durch Leuchtgranaten unserer Torpedoboote gut erhellt und danach unter Artilleriefeuer genommen. Treffer wurden beobachtet. Unsere Streitkräfte, die auch auf dem Rückmarsch keinen Gegner antrasen, sind wohlbehalten zurückgekehrt.
Der Chef des Amiralstabs der Marine.
Unserm Naiser.
Es liegt ein außerordentlich tragisches Geschick in der Tatsache, daß gerade derjenige Herrscher, der es während ftiner ganzen R e g i e r u n g s z e i t als sein vornehmstes Ziel aniah und verkündete, ein Frie- denskaiser zu sein, jetzt nun schon im dritten Jahre das schwere, das verantwortungsvolle Amt des obersten Kriegsherrn ausüben mliß — der Not gehorchend, nrcht dem eig'nen Trieb. Wahrlich, ivenn Kaiser Wilhelm 11. versichert hat, „vor Gott und der Geschichte ist inein Gewissen rein, ich habe dm Krieg nicht gewollt", so kann nur gewissenloseste Verleumdung an dieser feierlichen Versicherung eines Monarchen drohen und deuteln, dessen Worte und Taten in nahezu drei Jahrzehnte langer Regierung wie die keines anderen Fürsten der Sicherung des Weltfriedens, der Wahrung der heiligsten Güter Europas galten.
„Den Frieden zu schirmen", das hat Kaiser Wilhelm H. als das Ziel seiner Regierung bezeichnet, als er am 18. Juni 1888 den Thron bestieg, und diesem seinem Friedensprogramm gab er, als er zum erstenmal den Reichstag eröffnete, mit den warmherzigen Worten Ausdruck: „In der auswärtigen Politik bin ich entschlossen, Frieden zu halten mit jedermann, so viel an mir liegt. Meine Liebe zum deutschen Heere und meine Stellung zu demselben werden mich niemals in Versuchung führen, dem Lande die Wohltaten des Friedens zu verkümmern, wenn der Krieg nicht eine durch den Angriff auf das Reich oder auf dessen Verbündete uns aufgedrungene Notwendigkeit ist." Wie gesagt, nur böswillige Verleumdung könnte dem Kaiser nachsagen, daß er diesem Friedensprogranun, zu dem er sich immer wieder nicht nur in »einen Reden, sondern auch in Taten bekannt hat — oftmals sogar im Gegensatz zu starken Strömungen im deutschen Volke — jemals untreu geworden sei. Hai doch diese aufrichtige, weitherzige Versöhnungspolnik des Monarchen unsere welschen Nachbarn, die von ihrer Revanchepolitik nicht lassen mochten, zu dem beißenden Sarkasmus veranlaßt: „Bei der nächsten Skationaltrairer bekommen wir Elsaß- Lothringen zurück." Die französische Revanchepolitik, die schon bei denk Marokkostreit Konflikt mit Deutsch- land suchte, und die russische Ansdehnungssucht, die mit ihren Balkanränken von jeher den Weltfrieden bedrohte, stellten sich in den Dienst der offen gegen Deutschland gerichteten, von König Eduard eingeleiteten, von seinem Nochfolger fortgesetzten Einkreisunqspolitik, die letzten Endes zu dem furchtbaren Weltbrand führte, führen mußte, der seit zweiundeinhalb Jahren die europäische Kultur vernichtet.
„Wenn der Krieg nicht eine durch den Angriff auf das Reich oder auf dessen Vervündete uns aufgedrungene Notwendigkeit ist" . . - Karser Wilhelm hat sogar noch dieser uns anfgedrnngenen Notwendigkeit gegenüber alles, was in seinen Kräften stand, getan, um die ehernen Würfel aufzuhalten. Nock ani 31. Juli 1914 gab er in der denkwürdigen Ansprache vom Balkon des Berliner Schlosses der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen möge, „die Gegner zur Einkehr zu bringen und den Frieden zu erhalten". Und in der Reichstagssitzung
vom 12. Dezember 1916 hat der Kanzler dem Kaiser bezeugt, daß er „während der langen und schweren Kriegsjahre einzig von dem Gedanken erfüllt gewesen, wie einem fest gesicherten Deutschland nach siegreich aus- gefochtenem Kampf wieder der Friede bereiftet werde". Waren es doch allein diese Empffndnngen^ die den Monarchen dazu veranlaßten, „die Mentzchheitsfrage des Friedens zu stellen". Und wenn dies ichrliche, der Großmut des Siegers entspringende Friedlensangebot von unseren Gegnern mit Hohn und durch nichts begründete llberhebung abgelehnt worden ist,, so konnte der Kaiser in seinem an Heer und Marine gerichteten Erlaß mit Recht die feierliche Verwahrung einlegen: „Vor Gott und der Menschheit fällt den feinlslichen Regierungen allein die schwere Verantwortung für alle weiteren furchtbaren Opfer zu, die mein Wille euch hat ersparen wollen."
Wir alle empfinden es tief mit dem Herrscher, wie sehr ihn, der so von dem Willen zum Frieden erfüllt war, dies furchtbare Völkerringen, dessenEnde noch nicht abzusehen, bis ins Innerste erschüttert. Und doch gleiche schwere Geschick, aber auch das gleiche hehre Hiel, unserem gemeinsanien Vaterlande ein gesicherteres Dasein, dem größeren Deutschland eine glücklichere Zulfunst zu sichern, haben das Band zwischen Herrscher und Volk noch fester, unauflöslich geschmiedet. In der Antwortnote des Zehnverbandes an Wilson: findet sich der Satz, „es sei niemals die Absicht der Alliierten gewesen, di? Vernichtung der deutschen Völker wnd ihr politisches Verschwinden anznstreben". Wie wenig kennen unsere Gegner uns Deutsche. Es gibt bei uns seit 4 y 2 Jahrzehnten keine deutschen Völker mehr, sondern nur ein einiges deutsches Volk im Deutschen Reiche unter dem deutschen Kaiser, Zu diesem unterem Kaiser steht das ganze deutsche Volk, und es erneuert an dem heutigen Geburtstagsfeste das Gelöbnis, dicht zu rasten und nicht zu ruhen und in mannhafter Tat wie in mannhaftem Ertragen von Entbehrungen und Leiden alles daran zu setzen, bis es uns gelingt, unseren Feinden den Frieden, den sie hohnvoll zurückweisen zu können wähnten, durch die Gewalt unserer siegreichen Waffen aufznzwingen.
Eine Adresse der preuhischen provin- zialverwaltuntzen an den Kaiser.
Ebenso wi- Me führenden Kreise aus Handel und Industrie haben auch die preußischen Provinzialverwaltungen im Hinblick auf die weltgeschichtlichen Begebenheiten der letzten Zeit Seiner Majestät zum heutigen Gcburstag eine Glückwunschadresse unterbreitet. Die Adresse, welche kunstvoll hergestellt und mit dem farbigen Wappen der einzelnen Provinzen sowie der beiden Bezirksverbände, des Regierungsbezirks Wiesbaden und desjenigen von Kassel, geschmückt ist, hat folgenden Wortlaut:
Allerdurchlauchttgster, Grotzmächtigster Kaiser und König!
Allergnädigster Kaiser, König und Herr!
Euere Kaiserliche und Königliche Majestät begehen zum dritten Male im Toben des Weltkrieges Allerhöchst Ihren Geburtstag.
Als Hüter des Welffriedens, als Mehrer des Reiches ;m friedlichen Wettbewerbe der Völker, gedachten Euere Majestät die Regierung zu fühven; das haben Euere Majestät unzählige Male feierlich durch Worte bekräftigt und fast ein Menschenalter durch unvergleichliche Taten bewiesen.
Doch Neid und Eroberungssucht feindlicher Nachbarn, die dem unter Euerer Majestät weiser Führung zu ungeahnter Blüte enffalteten Deutschen Reiche den Platz an der Sonne nicht gönnten, schleuderten die Kriegsfackel unter Europas Völker und das deutsche Schwert mutzte zur Verteidigung des heimischen Herdes gezogen werden.
Gott war mit uns!
Er führte unser herrliches Heer von Sieg zu Sieg, Deuffchla.rds Grenzen schützt der eherne Wall seiner feldgrauen Söhne, in Ost und West steht unsere Heldenschar, Schulter an Schulter mit treuen Verbündeten, tief in Feindesland.
Da — mitten im siegreichen Vormarsche — gedachten Euere Majestät, daß es genug sei des ungeheuren Blutvergießens, und boten den Gegnern die Hand zum Frieden; in verblendetem Übermut hat die Feindesschar das edelmütige Anerbieten prahlend abgelehnt und der schillere Schicksäls- kampf geht weiter — ein Kampf um Sein oder Nichtsein unseres geliebten Vaterlandes.
Im herrlichen Bau des Deutschen Reiches bildet Preußen die tragende Säule, auf der Gebälk und Wölbung ruhen.
Anläßlich Eperer Majestät Geburtstags sammeln sich in ernster Stunde die preußischen Provinzen um ihren geliebten König, um ihm huldigend aufs neue Treue bis zum letzten Blutstropfen zu geloben.
Im Wetteifer mit der im Felde stehenden waffenfähigen Mannschaft wird die daheimgebliebene Bevölkerung Preußens, ob Mann oder Frau, einmütig handelnd und voll heiligen Zornes über der Feinde Verleumdung, Heuchelei, Anmaßung und Grausamkeit zusamnleustehen, um an dem großen Rüstungswerk, jeder an seiner Stelle, mitzuwirken.
Gott gebe, daß aus dieser Arbeit des gesamten Volkes der volle glänzende Sieg geboren werde und Euer Atajcstät neues Lebensjahr trotz aller Tücke der Gegner ein glorreicher dauerhafter Friede kröne.
Oer Uaiser und bas Heer.
„So gehören wix zusammen, Ich und die Armee. So sind wir für einander geboren, und so loollen wir unauflöslich fest zusammenh ilten, möge nach Gottes Willen Friede oder Sturm sein." Mit diesen ehernen Worten legte Kaiser Wilhelm II. in seinem Armeebefehl voin 12. Juni Iö 88 beim Antritt seiner Regierung und bei Übernahme des Oberbefehls über das Heer als Oberster Kriegsherr seine Stellung zur Armee für alle Zeiten fest.
„Ich habe Mir den Fahneneid geschworen, als Ich zur Regier mg kam, nach der gewaltiger, Zeit meines Großvaters, daß, was an Mir liegt, die Bajonette und Kanonen zu ruhen hätten, daß aller Bajonette .md Kanorren scharf und tüchtig erhalten werden müßten, damit Neid und Scheelsucht von außen uns an dem Ausbau unseres Gartens und unseres schönen Hauses im Innern nicht stören." Sv formte am 22. März 19i'£ unser Kaiser scin^Gedanken über die Perwrud u n g der Armee, die seit der eisernen Zusammenschmiedung des Deutschen Reiches das deutsche Volk in Waffen ist.
Zum Frieden bereit, zum Kampf gerüstet, der Kaiser, oer fürsorgliche Förderer aller Waffen und der erste Kamerad seiner Soldaten, das wac Kaiser Wilhelms II. militärischer Leitsatz, dank dem Deutschland 43 Jahre lang in gewolltem Frieden wandeln konnte, bis die Mißgunst seiner Feinde es vor 2%. Jahren ungewollt in wildbrausendcn Kriegsstucm hineinriß.
Wir müffen's heute unserem Kaiser danken, daß er für die Armee so sorgte, wie er es getan, denn wie stünde es sonst um uns in diesem K impfe auf Leben und Tod, auf Sein oder Nichtsein, auf Sieg oder Untergang? Nur die zielbewußte Vervollkommnung der Armee und aller Zweige ihrer technischen urcd geistigen Hilfsmittel haben vermocht, daß Deutschlands Grenzen heute fast uilberührt vom Feinde sind und daß in diesem Kampfe gegen die größte Mächtevereinigung, die je die Welt gesehen, seine siegreichen Truppen tief in feindlichen Landen stehen.
An der festen Mauer unserer heldenhaften Infanterie, vom jüngsten Rekruten bis zum ergrauten Land- sturmmami, zerschellen in Ost und West die wütendsten Angriffe zahlenmäßig überlegener Gegner. Unsere Kavallerie, im Bewegungs- wie im Graben- und Festungskriege erprobt, berennt in schneidigem ritterlichen Draufgehen selbst eine Festung wie Bukarest. Unsere F e l d a r t i l l e r i e ist die Zuversicht und der Schutz des angreifenden Infanteristen geworden. Die schwere Artillerie hat ungeahnte, in der Kriegsgeschichte einzig dastehende Erfolge errungen. Unsere Pioniere bezwingen im feindlichen Feuer das gewaltige Strcmhindernis der reitzeirden Donau und unterstützen den Infanteristen im Graben- und Minenkrieg. Der Train schafft das Übermaß des Eisens und die vielgestaltige Masse des Nachschubes auf den schlechtesten Wegen ber Sturnr imb Wetter, bei Nacht und Feuer, über Eis und Sümpfe pünktlich zur vordersten Linie. Endlose Eisenbahn- xüge rollen unter militärischer Führung von Belgien und Frankreich bis zum Balkan und nach Kleinasien. Unsere kühnen Flieger leisten durch ihre Überlegenheit im Kampf und in der Aufklärung der Heeresleitung unschätzbare Dienste und bringen den feindlichen Lnftstreitkrästen dix schwersten
