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Freitag, 26. Januar 1917.

Morgen-Kusgabe

Nr. 46. * 65. Jahrgang.

Der Halfer und 6le Zlotte.

Von Admiral z. D. Dick.

Der Kaiser hat vom ersten Tage seiner Regierung an unermüdlich daran gearbeitet, das Verständnis für die Notwendigkeit einer der Weltstellung des Reiches entsprechenden Flotte im deutschen Volk voll zum Durchbruch zu bringen. Er hat auch den Bau und die Organisation dieser Flotte dauernd auf das eingehendste überwacht und gefördert und durch fortgesetzte persön­liche Einwirkung auf Offiziere und Mannschaften bei Gelegenheit der alljährlichen Rekrutenvereidigungen, während der Kieler Woche und ber den Kaiser-Manövern der Marine dafür gesorgt, daß m seinem Werk der wun­derbare Geist zur Entfaltung kam, der sich, gestützt auf die besten Eigenschaften unseres Volles, in der Armee von Generation zu Generation so ruhmreich betätigt und sortgeerbt hat. Auf diese Weise ist zwischen dem Kaiser und seiner Flotte eine besonders enge persönliche Beziehung entstanden, deren sich jeder Offizier und jeder Mann mit Stolz bewußt war, und die am besten mit dem WortTreue um Treue" versinnbildlicht wird.

Im Kriege hat dann dieses Gefühl der Zusammen- gehörigkeit die schönsten Früchte getragen. Mit dem Gedanken all den Kaiser zogen die blauen Jungen in den Karnpf, wo iinmer sich Gelegenheit bot, mit dem Gedanken an den Kaiser tat jeder auf dem Wasser, unte^ dem Wasser und in der Lust seine Pflicht bis zum Sieg oder Tod, undHurra der Kaiser" entrang sich als letzter Hauch den Lippen, wenn beim Unter­gang von Schiff oder Boot nach ruhmvollem Kampf der überlebende Rest der Besatzung in den Fluten nttt dein Tode rang. Besonders hell leuchten die Taten des Kreuzergeschwaders, sein Sieg bei Coronet und sein Untergang bei den Falllandsinseln.

. Während so gleich von KrregsLeginw an viele Herr- licheEinzeltaten auf allenOzeanen und in den heimischen Gewässern Kunde gaben von oem in der Manne herr­schenden Geist, mußte ihre Hauptmacht, die heimische Hochseeflotte, sich zunächst in Entsagung üben.

Abgesehen von dem bei unsichtigem Wetter am 28. August 1914 mit einen: Teil seiner schnellsten Kreuzer und Torpedoboote ausgeführten Handstreich wagte es der Gegner trotz seiner gewaltigen Übermacht nicht, mit seiner Schlachtflotte in dem deutschen Teil der Nordsee zu erscheinen. Das prahlerische Wort des Herrn Churchill, die englische Flotte werde die deutschen Schiffe aus ihren Häfen ausgraben, wie Ratten aus ihren Löchern, erwies sich als leere, offenbar auf Ein­schüchterung berechnete Drohung, der wohl die Hoffnung zugrunde lag, die Hochseeflotte zu unüberlegten Hand­lungen zu verleiten. Andererseits aber war es ja ge­rade die Aufgabe unseres Flottenchefs, günstige Gelegen­heiten ausfindig zu inachen, um mit möglichst kleinem eigenen Einsatz dem Feind starke Verluste beizubringen. Unter der Schwierigkeft, die der energischen Verfolgung dieses Ziels bei dem Verhalten des Gegners im Wege stand, hat auch der Kaiser selbst schwer gelitten. Dies geht aus seiner weiter unten erwähnten Ansprache in Wilhelmshaven klar hervor. Um so höher schlug dann aber des Kaisers Herz, als es gegen Ende des zweiten Kriegsjahres > dem Flottenchef endlich gelang, mit der Grand Fleet" unter günstigen Bedingungen in der Nähe der Skagerraks zum Schlagen zu kommen und ihr unter tatkräftiger Mitwirkung seiner Kreuzer und Torpedoboote eine empfindliche Niederlage beizu- bringen.

Sobald er sich im Hauptquartier stei machen konnte, eilte der Kaiser nach Wilhelmshaven, um der siegreichen Flotte von Angesicht zu Angesicht seine warmen Glück­wünsche auszusprechen, sich persönlich über alle Einzel­heiten zu unterrichten und den Verwundeten seine An­teilnahme zu bezeugen. Die Ansvrache, die der Kaiser am $ Juni 1916 von Bord des Flottenftaagschiffes aus an die an Land versammelten Abordnungen sämtlicher an der Schlacht beteiligten Schiffe und Fahrzeuge ge­halten hat. wird für die Marine stets eine heilige Er­innerung bleiben. In ihr kommt, nickt nur der Stolz und die Genugtuung des Kauers über den gegen die gewaltige Übermacht gewonnenen Sieg zum ergreifen­den Ausdruck, sondern sie legt gleichzeitig von neuem das schönste Zeugnis daftir ab, wie eng er sich dauernd mit seiner Schöpfung verbunden fühlt.So gehobenen Herzens wie heute habe ich noch nie eine Fahrt zu euch gemacht."Auf alles war die Welt gefaßt, auf den Sieg der deuffchen Flotte über die englische nie und nimmermehr",Kinder, was ihr getan habt, das habt ihr getan für unser Vaterland, damit es in alle Zu­kunft auf allen Meeren freie Fahrt habe für seine Arbeit und Tatkraft."

Auch dein früheren langjährigen Staatssekretär des Reichsmarineamts, Großadmiral v. Tirpitz. wurde ein telegraphischer Glückwunsch gesandt, in den: der 'Kaiser demOrnanisator der Flotte" für die in seinem Auf-

trage geleistete uvermüdüche Arbeit seinen kaiserlichen

' Dank und seine warme Anerkennung zum Ausdruck brachte.

Neben der siegreichen Tätigkeit der Hochseeflotte sind aus dem verflossenen Jahr besonders noch die Erfolge der Unterseeboote, der Luftschiffe und der Hilfskreuzer Meteor" undMöwe" zu nennen. Letztere zeigten, daß trotz englischer Blockade und Beherrschung der See deutscher Wagemut sich nicht kern vom Ozean halten läßt, die U-Boote und Luftschiffe aber haben für Eng­land ganz im Gegensatz zu früheren Zeiten den Krieg im eigenen Lande auf das nachteiligste fühlbar gemacht.

Mit tiefempfundener Liebe und heißer Dankbarkeit toird die ganz? Marine den dritten Kriegsgeburtstag ihres Allerhöchsten Herrn begehen, und alle Herzen werden von dem Wunsch beseelt sein, daß das neue Lebensjahr des Kaisers nicht nur einen neuen Sieg der Hochseeflotte, sondern durch . unsere unvergleichlichen Unterseeboote auch die volle Niederlage Englands brin­gen möge. Für dieses Ziel der Niederwerfung der eng­lischen Seetyrannei und der dadurch bedingten Freiheit der Meere für deutsche Fahrt und Arbeit wird jeder Mann in der Flotte, sei »3 auf dem Linienschiff, Kreuzer oder Torpedoboot oder sei es auf dem U-Boot, Luftschiff oder Flugzeug, sein Höchstes wagen und mit Freuden in den Tod gehen.

Der Krieg Rumäniens.

Generalfeldmarschall v. Mackensen als dritter Ritter des Grosikreuzes znm Eisernen Kreuz.

W. T.-B. Berlin, 25. Jan. (Amtlich.) Seine Majestät der Kaiser hat beut Generalfeldmarschall v. Mackensen das Groß kreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. In einem Allerhöchsten Hand schrei beit'erkennt Seine Majestät die besonderen Leistungen der den: Generalfeldmarschall unter­stellten Verbündeten Truppen an, die in rühmlichem Wetteifer Anstrengungen und Entbehrungen ertrugen und überall den Sieg errangen. Seine Majestät hat dem Generalfeldmarschall, seinen Generalen und Offizieren sowie jedem einzelnen der tapferen, Krjeger seinen und des Vaterlandes Dank und Gruß ausgesprochen.

Hsterreichisch-ungarrscher Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 25. Jan. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 25. Januar, mittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Bei der Armee des Generalobersten v. TerszthanLki eine von Erfolg begleitete Unternehmung eines deutschen Sturm­trupps. Sonst an der Ostfront südlich des Pripret nirgends .größere Kampfhandlungen.

Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: o. Hofer, Feldmarschalleutnant.

*

Berichtigung zum deutschen Tagesbericht.

Östlicher Kriegsschauplatz, hinter dem ersten Aos-itz einzuschieben:

Starke Gegenstöße herangeführter Reserven konn­ten unsere Fortschritte n ich t h i n d e r n>

Ferner im Abschnitt Mackensen als zweiter Absatz einzu fügen:

Längs der Donau Gsfchützfeuer von Ufer zu Ufer und Postengoplänksl.

Ereignisse zur §ee.

Zum Seetreffen in Sen ksoofSen.

Berlin, 25. Jan. Zu dem Seetreffen in den Hoofden erfahren wir noch: Am 23. Januar wurden gegen 8 Uhr vor­mittags neun englische Zerstörer beobachtet, von denen einer in s i nie n d e m Zustand war. Von den übrigen acht fuhren sieben um das sinkende Schiff herum, während der achte . etwa 20 Meter von dem Schiff entfernt still lag. Auf dem sinkenden Boot schien die Back völlig zu fehlen. Das sinkende . Boot lag mit der Brücke in der halben Höhe der Schornsteine un Wafler. Mannschaften waren nicht zu erkennen, sie waren offenbar von den anderen Booten übernommen worden. Man hatte den bestimmten Eindruck, daß das sinkende Schiff ver­loren war.

Versenkt!

W. T.-B. London, 25. Jan. (Drahtbericht.) Lloyds meldet: Der holländische DampferZeta" und der englische DampferNeugnen" sind untergegangen. Der jüngst als versenkt gemeldete Fischdäinpfer ,.C e r t u S" wurde in den Hafen geischleppt.

W. T.-B. London, 25. Jan. (Drahtbericht.) Lloyd» meidet: Der Schauer ^vller Roberte" ist gefunken.

Eine falsche englische Meldung über Vernichtung eines Unterseebootes.

W. T.-B. Berlin, 25. Jan. (Drahtbericht.) Der Kom­mandant des kürzlich in Cadix eingelaufenen englischen Zer­störersDelphin" behauptet, am 14. Januar, 8 Uhr morgens, 14 Seemeilen westlich von Huelva das deutsche UnterseebootU 56" versenkt zu haben. Es wird hiermit sestgestellt, daß wederÜ 58" noch ein anderes deutsches Unterseeboot in Frage kommt.

Ein unwahres Gerücht über Versenkung eines deuffchen Hilfskreuzers.

Berlin, 25. Jan. Nach einer Meldung vonAftonbladed" aus Paris erklärte der brasilianische Marineminister, das Gerücht tum der Versenkung eines deutschen Hilfs­kreuzers durch den englischen KreuzerGlasgow" be­stätige sich nicht.

*

Die entgegenkommende Haltung der Union zur Bewaffnung der Handelsschiffe.

W. T.-B. Washington, 24. Jan. (Meldung des Reuier- schen Bureaus.) Das Kriegsamt hat verfügt, daß Handels­schiffe, die ausschließlich für die Verteidigung bewaffnet sind und den Panamakanal venützen, ebenso behandelt werden sollen wie andere Handelsdampfer.

Frankreichs Bedürfnis an vermehrtem Schiffsraum.

W. T.-B. Paris, 25. Jan. Die Kammer nahm einen Ge­setzentwurf an, daß ausländischen Fahrzeugen die Schiffahrt unter französischer Flagge unter der Be­dingung erlaubt wird, daß diese Fahrzeuge für Transporte zum Nutzen Frankreichs dienen.

Wilsons Botschaft.

Kuhle Ablehnung in der französischen Preffc.

--W.' T.-'B. Bern, 25. Jan. ' (DvcchSerkcht.) 'In Len Be­sprechungen der Parffer Blätter über die Botschaft Wilsons herrscht das Bestreben vor, es mit Wilson nicht zu ierLevben. Man eriennt durchweg seine gute Absicht an un!d hebt hör­bar, daß seine allgemeinen Äußerungen über ein Natio­nalitätenprinzip mit Len Ansichten des Vier- verbands übereinstimmten. Wilson spräche als neutraler Amerikaner, dessen Standpunkt für beide kriegführenden Parteien unannehmbar sei. Bon der reaktionären Presse wird besonders stark der Satz vomFrieden ohne Sieg" kritisiert. Für die angegriffene (!) Entente müsse es eine Sühne geben. DerFigaro" schreibt: Man ist Wer die ungeheure Distanz, bestürzt, welche Liesen Tra-rm von der Wirklichkeit trennt. DerMatin" meint, Wilson verkenne alle Lehren der jüngsten Geschichte.Echo de Paris" führt auS: Wer jetzt Gerechtigkeit in der Welt will, muß gegen unsere Mörder sein.Libre Parole" und Oeuvre" fordern Wilson aus, sich nicht in Angelegen­heiten zu mischen, die ihn nichts angingen.

Die Lage im westen.

Unsere erfolgreichen Flieger im Westen.

W. T.-B. Berlin, 25. Jan. Zu den .gestern bereits ge­meldeten Luftgefechten im Westen ist nachzutragen, daß der Gegner noch zwei weitere Flugzeuge, im ganzen also, zehn, verloren hat, denn das 9. Flugzeug stürzte nach Lustkamps über Billers-Bretunneux, das 10., ein Nieuport-Eindecker, wurde bei Chauny zur Landung gezwungen.

Französische Besorgnisse um dir Verpflegung nach dem Krieg.

Zur Beschränkung der Speisekarte in Frankreich.

XV. T.-B. Bern, 25. Jan. (Drahtl-errcht.) Minister Herriot erklärte den Vertretern de: französischen Presse, die Beschränkung der Speisekarte und die Einführung der Mahl­zeiten von zwei Gängen in den Gastwirtschaften habe oen Zweck, der herrschenden Verschwendung Einhalt. zu gebieten, deren Folgen auf die unteren und Mittelstandsklassen- zu­rücksielen. Er werde auch die strengsten Maßnahmen gegen die Brotverschlcuderung ergreifen, die im Heere be­sonders groß sei. ES fei notwendig, dem Publikum klar zu . machen, "d die Verpflegungssiage nach dem Krieg noch schwieriger sein werde, da der W eltina rkt den Mittel.° machten dann wieder offen sei und die.von diesen gemachten Ankäufe, besonders in .Getreide upd Vieh, die den Alliierten zurVerfügung ' stehenden Mengen bedeutend vermindern würden. Gegenwärtig sei seine Hauptsorge die Getreidever­sorgung für 1917/18 und die Hebung des Kartoffelanbaues.

Eine Liga zum Raube des linken Rheinusers

Immer mächtiger gveift in Frankreich die Bewegung um sich, den Gedanken der Annexion des linken.Rheinufers wei­testen Kreisen ver.tr int md mundgerecht zu inachen. Albert Milhaud, der Redakteur desRappel", hcrt sich am 6. Dez. -1916, einer Aufforderung des Cornite < Central>. folgend, etn- . gehend mit diesem Thema besaßt) f Den. französischen Sieg setzt'er als ,'e'l b'st vor stündlich voraus und erklärt es nicht für unmoralisch, eine leicht zu verteidigende Grenze zu wünschen. .Wenn man das Land der Zivilisation ist, so