Verlag Langgafse 21
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Montag, 22. Januar 1917.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 3 9. . 63. Jahrgang.
Der ttrieg geht weiter.
Bon Rudolf Presber.
Der Vorschlag unseres Kaisers und seiner hohen Verbündeten, Verhandlungen über den Frieden einzuleiten, ist von unseren Feinden abgelehnt. Ter Krieg geht weiter.
Der oberste Kriegsherr der Heere, die überall tief in Feindesland stehen, die nirgends geschlagen sind, hat ritterlich die Hand zum Frieden ausgestreckt. . Er hat betont, daß des Feindes Ehre nicht verletzt, sein Stolz nicht gedemütigt werden solle durch die Verhandlungen. Aus dem Lager der Gegner sind Mißtrauen, Spott und Hohn die üble, unwürdige Antwort gewesen. Die Stimmen aus den Blättern der Entente genießen sich wie das Geschrei und Gekeife einer undisziplinierten, aufgewichlten Menge, die nichts gelernt hat, als immer dieselben törichten Schlagwort? in die Luft zu brüllen. Die Staatsmänner der Entente aber scheinen aus der Fülle der Niederlagen höchst seltsam die Gewißheit künftigen Sieges zu folgern. Pochend ans die Dauer der längst widerlegten Lügen, daß unser Kaiser diesen Krieg gewollt und den Völkern Europas aufgezwungen, behaupten sie, der Ehrlichkeit des Friedensvorschlages mißtrauen zu müssen; höhnen, daß es die Schwäche sei, die hier die Maske des Verantwortungsgefühls sich zitternd erborge; daß das Volk hinter unserer Front zag und mürbe werde und an den Sieg der deutschen Sacke nicht mehr glaube. Reden sie so, weil sie in ihrer maßlosen Verblendung den harten Zug der Entschlossenheit im deutschen Antlitz nicht zu finden und z»l deuten wissen? Reden sie so aus listiger Berechnung, weil sie hoffen und glauben, uns einreben zu können, was sie wünschen? Reden sie so, weil, wenn sie der Wa h r b e i t die Ehre gäben, die Wut ihreb irre» geleiteten Völker sich gegen die Fälscher und Schönfärber erheben und die Regierenden, die bisher nur zu Mißerfolgen geführt, stürzen würde?
Dem Heere, das die Pflicht hat zu marschieren, zu kämpfen, zu siegen, können die Gründe gleich sein, aus denen die Staatsmänner der Entente den Frieden ab- lehnen, aus denen die Wortführer uns lveiter beschimpfen; mag nun die Wurzel dieser Gründe in der hysterischen Heuchelei der Geschlagenen oder im traurigen Unverstand der Verhetzten liegen. Das Heer hört und tveiß nur das eine: Der Kaiser, der den Krieg nicht gewollt hat, hat den Frieden angeboten; unsere Feinde haben Verweigert, über das Angebot zu beraten — die Entscheidung liegt beim Schwerte!
Wohlan denn, sie sollen'? blank und ichars finden, wie je, das gute, deutsche Schwert! 29 Monate getrennt von seinem Heim, seiner Familie, seiner Friedensarbeit, hätte der deutsche Soldat gewiß mit frohem und dankbarem Herzen den Frieden begrüßt. Auf keinen: der Kriegsschauplätze. die er betreten hat, besiegt und bezwungen, aus keinem Land, das er erobert hat, mit Waffengewalt verdrängt, hat er der Tapferkeit seiner Gegner • stets Achtung' gezollt und sich durch Beschimp- fung, auch des Geschlagenen, nie erniedrigt., Jetzt hört er staunend und empört ans der Antwort unserer Feinde heraus, daß ihre Hoffnung ans den zweieinhalb Jahre umsonst erstrebten Endsieg sich gründen möchte auf den leichtfertigen Glauben, daß der Deutsche geschwächt, ermüdet, entkräftet sei durch d e n K r i c g.
Dies törichte G-rede hat schon das umsonst von uns gewarnte Rumänien in das bisie Abenteuer gelockt, wie es noch jedes kleine Volk, das von der mit eigenem Leben so sparsamen List Englands den Deutschen an die Kehle gehetzt wurde, ins Unglück gestürzt hat. An- gcekelt lacht unser tüchtiges Volksheer über das wirre Gefasel von seiner Müdigkeit, wie es über die niedrigen Verleumdungen, die es z» „Barbaren" und „Hunnen" umschminken wollten seinerzeit nur geringschätzig flocht bat. Die Hand seiner Führer an den Starten tft noch so fest und ruhig wie se. Noch so fest und rr tztg. wie die Hand seiner Muskatrere am Gewehr! Wieviel Monate auch diesen neunundzwanzig, die Deutschland an der Seite seiner Verbündeten in Sieg und Fortschritt sab, noch folgen werden, eine Minderung seiner Kraft, seines Rubmes und seines Ansehens wird keiner bringen. Der Gewißheit, für Heim und Herd, für das Recht und das Bestehen des Reiches zu fechten, vermählt sich jetzt noch der trotzige Griinm über die schnöde und unwürdige Behandlung des ehrlichen Friedenswunsches unseres Kaisers. Der deutsche Soldat hat nur noch den einen Gedanken, dein Feinde zu zeigen, was er für ein Tor war, als er, aus die Müdigkeit Deutschlands und seines Heeres bauend, neue Ströme Blutes heraufbeschwor. Die D r p l o m a t e n der Entente wollen nicht verhandeln — so .verhandeln" die Armeen. Der Feind will keinen Frieden — schlagen wir ihn!
Der deutsche Tagesbericht.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 22. Jan. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Bei Lens wurde ein schwacher englischer Angriff im Handgranatenkampf abgeschlagen.
Bei Bezonvaux und östlich von Pout-ü-Mousson brachten Erknndungsabteilnngen von kurzen Vorstößen in die feindlichen Stellungen mehrere Franzosen und ein Maschinengewehr zurück,
östlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalseldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Westlich von Friedrichs st adt wurden nachts Angriffe russischer Jagdkommandos abgewresen.
Front des Generalobersten Erzherzog Joseph.
In de« Ostkarpathe« kam es an mehreren Stellen zu Vorfeldkämpfen, die für uns günstig verliefen. Nördlich des Oitoztales war die beiderseitige Artillerietätigkeit zeitweise lebhaft.
Heeresgruppe des Generalseldmarschalls v. Mackensen.
Westlich von P a n c i u griff eine feindliche Kompagnie unsere Sicherungen an der Pu t n a an; sie wurde zurückgeschlagen.
Mazedonische Front.
Außer vereinzelten Erkundungszusammenstößen sind keine besonderen Ereignisse zu melden.
Der erste Gcneralquartlermcistrr:
Lndeudorss. ....
Oie neue „Möwe".
Es macht Vergnügen, zu lesen, wie die englische Presse darüber jammert, daß die schöne Bulsournate an Wilson eigentlich ins Wasser gefallen sei. Denn Amerika habe zurzeit nur Sinn für das neue deutsche K a p e r- sch-iff. Wo ist es jetzt? Wen kapert es jetzig Wo wird es endlich, beladen mit Beute und Ruhm, ein- laufen? Den Amerikanern tut es natürlich wohl, zu hören, daß dreizehn ihrer Landsleute in Pernambuco von einem gekaperten Schiffs an Land gesetzt wurden. Andererseits mag es eine nützliche Lehre sein, wenn der deutsche Bericht meldet, daß diejenigen neutralen Ankömmlinge des „Aarrowdale" in Swinemünde, die auf bewaffneten feindlichen Dampfern Heuer genommen hatten, als Kriegsgefangene abgeführt werden. So wird öen Nichtkriegführenden deutlich klar, daß das neue willkürliche englische Völkerrecht der bewaffneten Haudelsdampfer doch seinen großen Haken auch für die Neutralen hat. England wird in seiner Wut über die deutschen Erfolge wieder alles aufbieten, Washington gegen Berlin zu hetzen. Die „Times" beginnen bereits damit, inbcnt sie melden, der amerikanische Staatssekretär des Äußern (wohl schon Lansings Nachfolger, Herr F. L. Volk?) erwarte weitere Mitteilungen, um festzustellen. ob die Rechte der Amerikaner gewahrt worden sind. Die englische Finte wird nichts helfen. Keinem Aankee ist ein Härchen gekrümmt. Alle drüben aber, Deutschainerikaner oder Englandsreunde, sehen ein, daß dem „w e I t b e h e r r k ch e n d e n" englischen Löwen wieder stark ans die Tatze geschlagen wor- den ist. Die Heldenfahrt der ..Möwe" ist wiederholt und der Streich der „Appam" übertrumpft. Denn die Fahrt der „Aarrowdale" endete nicht in einem amerikanischen Hafen, wo man sie interniert hätte, sondern nach einer Reise durch den ganzen Atlantischen Ozean an der deutschen Küste in der Ostsee. Wo waren wieder die englischen Wachtschtffe, die angeblich keine Maus durchlassen? Wo waren die englischen Kreuzer und Torpedoboote, die, wie Englands Blockademinister versicherte, das Meer abstreifen und jeden Gegner ab- fangen, jeden Blockadebrecher finden. Es nurtz den Engländern furchtbar weh tun, dieies Ungefchoren- bleibsn der „Jarrowdale" vom südlichen Atlantic (wo das Schiss nach de: eigenen, nur etwas verspäteten Meldung der britischen Admiralität nonr deutschen Kaper aufgebracht wurde) bis zum Ziel Swinemünde! Es muß den Engländern ebenso peinlich sein, wie die wundervolle fette Prise von Kriegsmaterial, Pferden und Lebensmitteln (nicht zn vergessen: Fleisch, Speck
und Wurst!), die da in unsere belagerte Festung herein- gebracht wurde. Was aber die Herren in London am ineisten schmerzen wird, das ist der Schrecke n, der jetzt allen großen, im Dienste der Entente arbeitenden Reedern in die Glieder gefahren" ist. Möwe-Appam war kein vereinzeltes Experiment! Die Sache hat System! Die Zahlen wachsen. Aus der gelegentlichen Schädigung des Ansehens britischer Seegeltung wird
der Abbruch des Handels der ganzen Welt niit der englischen Insel. Der britische Handelsminister Runciman hat seinerzeit angesichts des „Möwe"-FaIIes eingestanden, daß der F r a ch t r a u m m a n g e l die größte Gefahr im Kriege für Großbritannien und seine Der- bündeten sei, und daß jede weitere Verminderung der Handelsschiffstonnage zu katastrophalen Folgen führen müsse. Es gelang den Londoner amtlichen Stellen eine Zeitla»g, die U-Bootssorge ein zulullen, besonders seit man sich der Hilfe Amerikas gegen die warnungslose Versenkung sicher glaubt. Es gelang aber nicht, die Angst der englischen, französischen und neutralen Reeder vor den wahrscheinlich wieder auftauchenden deutschen Kaperfalken einzudämmen. Tie Abschlüsse der Versicherungsgesellschaften reden eine deutliche Sprache. Die Raten und die Verluste wachsen ins Riesenhafte. Viele Gesellschaften sind zugrunde gerichtet. Die anderen merken, daß sie nicht mehr zahlungsfähig bleiben können und schließen ihre Bureaus. Der Zeitpunkt ist nicht mehr fern, wo die Reeder ihren Kapitänen den telegraphischen Bösehl geben, in den nächsten besten Hafen einzulaufen und dort das Ende des Krieges abzuwcirten. Hierdurch fällt ein ungeheuer großer Teil der Versorgung Englands mit Lebensmitteln und Rohstoffen aus. Und wenn dieser Weg auch für die deutsche Kriegführung dornig und das Ziel noch weit erscheint, die m o r a l i s ch e Wirkung auf den Gegner ist heute schon vorhanden. Die Völker, die jahrhundertelang unter dem furchtbaren Druck des englischen Weltmeermonopols geseufzt haben, sehen ein, daß Großbritannien wirklich nur ein Koloß auf tönernen Füßen ist, getragen von dem Hochmut und der Bluffmethode gerissener Unternehmer. Der neue deutsche Kaperfalke, der da draußen im Weltmeer wirkt, gerade jetzt, da England für die Einbringung südamerikanischer Einfuhr bangt, der leistet zum mindsten wieder ein tüchtiges Stück solcher Aufklärungsarbeit durch die Tot.
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Br. Genf, 22. Jan. (zb.) In französischen Marine- kreisen dauert die Erregung über die umfangreiche Tätigkeit des deutschen Kaperschiffes fort. Der Fachkritiker Lestonat fordert im Pariser „Journal" die Entsendung eigens ausgerüsteter Ententeschiffe, um auf derartige feindliche Einheiten Jagd zu machen.
Eine neue englische Hetzlüge.
Zur Versenkung des dänischen Dampfers „Hroptatyr".
Die „Times" vom 1. Januar 1917 greift, offeiwar mit großer Genugtuung, einen angeblich dem dänischen Blatt „Politiken" entnommenen Artikel auf, der sich mit der Versenkung des dänischen Dampfers „Hroptatyr" durch ein deutsches Unterseeboot befaßt. Die Besatzung sei gezwungen worden, in die Boote zu gehen. Als eins von diesen eben zu Wasser gelassen worden wäre, hätte das von der anderen Seite des Dampfers kommende Unterseeboot das Rettungsboot im Vorbeifahren gerammt, wobei es gegen die Bordwand geschleudert worden wäre. Der Erfolg wäre der Tod des Kapitäns gewesen, dem der Kopf vom Rumpf getrennt worden wäre. Ein schwer verletzter Matrose wäre nachher seinen Verwundungen erlegen.
Was an diesen „h a a r st r ä u b e n d e n Einzelheiten" (wie die „Times" sich ausdrückt) wahr ist, ergibt sich aus der inzwischen vorliegenden Meldung des betreffenden Unterseebootskommandanten:
Der dänische Dampfer „Hroptatvr" wurde am 23. 12. 1b an- gebalten und eine Sprenggruppe an Bord geschickt. Benn .Anwasser- sieren des Rettungsbrrtes schleppte durch die
Schuld der Schisfsbesatzung (!)
die hintere Talje aus; alle im Boot befindlichen Leute fielen ins Walser. Ein anderes .Schiffsboot hatte den Dampfer bereits verlassen. Tic Sprenggruppe fierte das Rettungsboot ganz zu Waffen und beteiligte sich in hervorragender Werse an der R e t t u n g der ins Wasser gefallenen Däne». Das U-Boot, das die Vorgänge beobachtete, kam heran, um die im Wasser schwimmenden Leute zu rette«. Das Rettungsboot, in dem alle Leute ausgenommen waren, kam in der Nähe des Hecks des Dampsers, der stark nach See abtrieb, zwischen Dampfer und U-Boot und wurde nmgckantet. Ein Teil der Bootsbesatzung sprang vorher ins Waffer, andere auf das U-Boot, der Rest war während des UmkantenL im Best geblieben Ein Mann —noch Aussage der Dänen der Dampferkapitän — wurde gegen die Bordwand des Dampfers gedrückt, fiel anßerboots und versank, ein zweiter, der achteraus trieb, wurde am Bein verletzt, ron dem gerade ankommenden Boot des vorher versenkten dänischen Dampfers „Tansborg" aufgcitommen,. ein dritter blieb, anscheinend schwerer verletzt, in dem halb zertrümmerten Boot lieaen. Inzwischen erschien ein französisches Bewachungs- fäbezeug; die Sprenggruppe fand gerade noch Zert, das See- ventil zu rssnen. eine Sprengpatrone anzuschlageu, ein aus der Brücke siebendes kleines Boot aueznsetzcn und, nachdem der Schwerverletzte aufoencmmen war, an Bord zu gelangen, worauf das U-Boot iwch rechtzeitig vor dem herankommenden Bewachungsfahrzeug tauchte. Der Dampfer sank dann.
Aus diesem Bericht erbellt wieder die Haltlosigkeit auf dreister Entstellung beruhender fremder Berichterstattung.
Ein englischer Transportdamvser verloren?
Br. Haag, 22. Jan. sEig. Drahtbericht, zb.) Aus Rotter- damer SchisfahrtSkreiicn verlautet, daß gestern nacht drahtlose Hilfesignale im Kanal ausgefangen wurden. Es handelt sich um einen englischen Transportdampfer mit 1800 Soldaten, der auf eine Mine gelaufen und im sinkenden Zustand war.
