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„Tagblatthans" Nr. 665 V- 53 .
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Samstag, 20. Januar 1917.
Kbend-Kusgabs.
Nr. 36. . 63. Jahrgang.
Nancsti am Sereth im Stum genommen.
400 Gefangene an der Susita.
ver Tagesbericht vom 20. Januar.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 20. Jan. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Bei WNtsch aete und westlich La Bassee wurden heute nacht augreifende englische Patrouillen abgewiesen.
Zwischen Doller und Rhein-Rhone -Kanal angesetzte Erkundungsunternehmungen sind von württem- bcrgischen Truppen erfolgreich durchgeführt.
restlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalseldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Keine besonderen Ereignisie.
Front des Generalobersten Erzherzog Joseph.
In den O st k a r p a t h e n, östlich Belbor, griffen mehrfach kleinere russische Abteilungen unsere Stellungen erfolglos an. An einer Stelle überraschend eingedrungener Feind wurde im Handgemenge zurückgeworfen.
Westlich des Susita- Tales erneuerten die Rumänen an denselben Stellen wie tags vorher ihre verzweifel- t c» Angriffe. Fünfmal wurden sie nach schwerem Kampf bluthg abgewiesen. Außer mehreren 100 Toien. die vor unserer Stellung liegen, verlor der Angreifer 400 Gesänge n e.
Heeresgruppe des Generalseldmarschalls v. Mackensen.
Starkes Schneetreiben und schlechte Beleuchtung hinderten die Tätigkeit unserer Artillerie. Trotzdem wurde der am Sereth gelegene Ort N a n e st i von dentschen Truppen gestern im Sturm genommen.
Mazedonische Front.
Tag und Nackt verliefen ruhig.
Der erste Generalquartircmeister: Ludendorfs.
*
Der deutsche Abendbericht.
W. T.-B. Berlin, 19. Jan., abends. (Amtlich.)
Bon keiner Front sind bisher besondere Ereignisse gemeldet. _
Das deutsche Kaperschiff.
Englands Erregung über die neue „Möwe".
Die englischen Absichten über den Schutz der Handelsschiffe.
ör. Haag, 20. Jan. '.Eig. Drahtbericht, zb.) Das I n t e r e s s e für die n e u e „M ö w e" ist im englischen Publikum ohne Zweifel lebhafter, als für das Breittreten der englifchen Kriegsfort- f e tz u n g s g r ü n d e, die ja auch vorzugsweife, für das amerikanifche Publikum berechnet sind. Die Zeitungen lasten teilweise durchschimmern, daß das Erscheinen des deutschen Schiffes kein guter Anfang der Tätigkeit des Admiralstabs tzes neuen Kabinetts fei und im Publikum schlechten Eindruck mache. „Daily Expreß" verweist darauf, daß man bereits seit dem 4. Dezember Kenntnis von der Fahrt des feindlichen Schiffes hatte. Man möge trotzdem nicht sogleich zu scharfen Worten an die Admiralität übergehen. Die „Mmes" schreibt: Die acht versenkten englischen Dampfer hatten 50000 Tonnen Inhalt und ungefähr 75 000 Tonnen Ladegewicht: Das allein bedeutet einen ernsten Verlust für die Transportkraft der Handelsmarine. Die „Morning Post" scheint ein wenig den Schleier, der über den weiteren Absichten der englischen Admiralität kür den Schuh von Handelsschiffen gegen die deutsche Bedrohung liegt, zu lüften. Sie berührt dabei einen Punkt, der von der übrigen englischen Presse umgangen wird und der Amerika betrifft. Sie sagt, teilweise aus Druck der Vereinigten Staaten, sei die B e w a f f n u n g von Handelsschiffen auf eine einzige Kanone auf dem Hinter- deck beschränkt worden, den wenigsten vorteilhaften Teil des Schiffes, zum Zweck der Verteidigung. Trotzdem ist das Kanonenfeuer eine wirkungsvolle Verteidigung gegen U-Boote, aber nicht gegen ein Kaperschiff. Das Blatt fährt fort: Eine der ersten Handlungen der gegenwärtigen Regierung war die Ernennung Sir Joseph M a c l a y s für die neue Schiffsabteilung des
S andelsamtS. ES ist zu hoffen, daß mit der Zeit die chiffahrt von dem wenig durchgreifenden Sandelsämt abgespalten und einer besonderen Abteilung der Ldmrnckität -»gewiele» D»» HUxlu»
düng zwischen der königlichen Flotte und der Handels' fchiffahrt ist, nachdem sie hundert Jahre geruht, wieder aufgelebt. Wenn die Notwendigkeit zur Bewaffnung von Handelsschiffen zugegeben ist — und das ist sie —, so fällt die Handelsschisiahrt unter das Staatsinteresse. Alle Offiziere und Mannschaften der Handelsschiffahrt sollten von der Kgl. Flottenreserve und von der Regierung bezahlt werden.
Oer Unterseeboots-ttrieg.
Die Torpedierung der „EvruwalliK" durch ein deutsches Unterseeboot.
W. T.-B. Berlin, 19. Jan. (Amtlich.) Eines unsere: Unterseeboote, Kommand int Kapitänleutnant Hartwig, versenkte am 9. Januar 60 Seemeilen südöstlich Malta das durch leichte Srreitkräfte gesicherte englische Linienschiff „C o r n w a l l i s" (14 200 Tonnen) durch Tor- pedosch -ß.
Eine Unterseeboots falle.
W. T.-B. Berlin, 19. Jan. Am 12. Januar sichtete eine» unserer Unterseeboote im englischen Kanal einen Dampfer und forderte ihn durch Signal auf, zu stoppen und ein Boot zu entsenden. Es wurden deutlich die dänischen N e u - tralitätsabzrichen, die dänische Flagge und die in großen weißen Buchstaben aufgemalten Worte „Kak, Danmark" erkannt. Nach gernimer Zeit wurde an dem Bug des Dampfers ein Ruderboot sichtbar. Der Unterseebootskommandant glaubte nunmehr, einen harmlosen dänischen Dampfer vor sich zu haben und näherte sich ihm. Plötzlich ließ der nur noch einige hundert Meter entfernte Dampfer seine Maskierung fallen. Die Planken vom achtern Ruderhaus fielen herab und es wurde ein Geschütz voir 10 bis .15 Zentimeter Kaliber sichtbar, über welchem die dänische Flagge wehen blieb. Gleichzeitig sielen aus mehreren, bis dahin unsichtbar gebliebenen, an der Breitseite oder vorn aufgestellten Geschützen mehrere Schüsse, die in unmittelbarer Nähe des Unterseebootes einschlugen. Es gelang diesem, durch schnelles Tauchen sich der Gefahr zu entziehen. Inzwischen wurde einwandfrei festgestellt, daß der tatsächlich existierende Dampfer „Kai" bis zum 13. Januar (also einen Tag nach dem Vorfall) in dem englischen Hafen Sunderland gelegen hat. Es kann also keinem Zweifel unterliegen, daß cs sich hier wieder um einen jener schamlosen Fälle hanoelte, in denen englische Dampfer als Unterseebootsfallen neutrale Farben und Flaggen in gröbster Weise mißbrauchen, >rm ihre Geschütze gefahrlos auf deutsche, in Ausübung des legitimen, Handelskrieges begriffene Kriegsfahrzeuge zum Schuß zu bringen. Daß dieser Dampfer es nicht einmal sür nötig gehalten hat, bei Eröffnung des Feuers die dänische Flagge herunterzuholen, sondern unter wehender dänischer Flagge geschossen hat, seht der ganzen verbrecherischen Handlungsweise die Krone auf.
Oie Schuld am Weltkriege.
Von Graf Hur de Grais, Regierungspräsident a. D.
Unsere Gegner werden nickt müde, immer wieder zu behaupten, daß wir den Weltkrieg heraufbeschworen hätten. Immer von neuem, so auch in ihrer Antwort auf unseren Friedensvorscklaq, sticken sie die schwere Verantwortung, die sie durch ihr frevelhaftes Vorgehen auf sich geladen haben, auf uns abzuwälzen, um die Angehörigen ihrer Länder und der neutralen Staaten über den wahren Sachverhalt hinwegzntnuschen. Wenn wir auch hoffen dürfen, daß die Wahrheit sich allmählich durchringen wird, muß dazu doch immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die Behauptungen unserer Gegner mit den offenkundigen Tatsachen in schroffstem Widerspruch stehen.
Wenn das Deutsche Reich seine jetzigen Gegner hätte bekriegen wollen, so hätte es dazu die beste Gelegenheit in der Zeit gehabt, wo deren Kräfte anderweit in Anspruch genommen waren, wo Rußland mit Japan, England mit den Buren und Frankreich mit Marokko im Kampfe lag. Keine dieser Gelegenheiten hat das Reich benutzt: stets hat es seinen jetzigen Feinden gegenüber eine wohlwollende Neutralität beobachtet. Dafür soll es setzt den denkbar ungünstigsten Augenblick, in dem , alle diese Mächte mit voller Macht ihm qegenüberstanden, zum Beginne des Krieges benutzt haben!
Beim Ausbruche des Krieges waren unsere Kriegsund Handelsschiffe in größerer Zahl fern von den Heimathäfen. Nach Lage der Seemachtverhältnisse waren diese rettungslos verloren. Auch in unseren Schutzgebieten fehlte es mehrfach an umfassenderen Vorkehrungen zur Verteidigung, so daß sie großenteils eine Beute des Feindes geworden sind. Endlich hätten auch die eigenen Vorräte, auf deren Einfuhr Deutschland sich angewiesen sah, in größerem Umfange beschafft
Deutschland pide
es unbedingt auf allen diesen Gebieten ganz anders
ttorncnnnflfn Sein, als es dieses aetan hat.
Dem Deutschen Reiche fehlte aber auch jeder Anlaß zum Kriege. Um solchen zu linden, verfahren unsere Gegner nach den Worten des Mephisto im „Faust":
Denn eben, wo Begriffe fehlen,
Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.
Dieses Wort ist für sie der M i l i t a r i s m u s geworden. Ihn wollen sie mit aller Macht bekänipfen. Mit Vorliebe bezeichnen sie ihn als „Preußischen", obwohl ihnen fortdauernd „schlagende" Beweise dafür gegeben werden, daß ihnen ein einheitliches und fest geschlossenes deutsches Heer gegenübersteht. Welche Bedeutung sie diesem Worte .beilegen, ist nicht ganz klar. Wenn sie unsere 'allgenusine Weh'-pflicht darunter verstehen, so haben sie selbst uns diese ausnahmslos nachgemacht. Wenn sie auf die starke Rüstung Hinzielen, so haben Frankreich und Rußland weit stärker gerüstet als wir. Wenn sie aber Eroberungssucht aus unserer Rüstung herleiten, so steht auch dieses mit der Sachlage in vollstem Widerspruch. Das Deutsche Reich sieht sich im Osten und Westen einer fortdauernden schweren Bedrohung durch seine Nachbarn ausgefttzt. Frankreich war seit Jahrhunderten von den Raubzügen Lud- wigs XIV. und den Eroberungskriegen Napoleons I. an bis zu den Kriegen von 1870 imd von heute stets darauf bedacht, in dem geeianeteu Augenblicke über uns herznfallen, und auch Rußland hat uns wiederholt ernsthaft bedroht. Die Aufstellung eines starken Heeres ist deshalb kein aut Eroberungen ausgehender Militarismus, sondern em einfaches Gebot der Selbst- erbaltung. Nicht »ine einzige Tatsache kann dafür angeführt werden, daß wir damit aus Eroberungen ausgegangen seien, nicht ein emsiges Land kann bezeichnet weiden, ans das wir unsere Eroberungen bätten richten wollen. Weder in Worten noch in Taten haben wir zu solcher Annahme irgendwelchen Anlaß geböten.
Gerade das Gegenteil gilt von unseren Gegnern. Diese haben aus ihren Eroberungsabsichten, Rußland auf Konstantine vel, Frankreich auf Elsaß- Lothringen, Italien auf Trient und Istrien nie ein Hehl aemacht. Sie haben auch, während wir nahezu 45 Jahre hindurch stets für den Frieden eingetreten sind und diesen bewahrt haben, tatsächlich die Bahn der Eroberung beschriiten, Enaland gegen tzie Buren und Ägypten. Frankreich gegen Tunis und Marokko, Italien gegen Tripolis, Rußland und Enaland gemeinsam gegen Persien. So scheuen Jie sick nicht, uns das vorzuwerfen, was sie selbst fortgesetzt tun, und ihre Beweggründe uns unterzuschieben.
Dazu kommen die zahlreichen Tatsachen, die Nachweisen daß unsere Feinde das gemeinsame Vorgehen gegen uns (die Einkreisung Deutschlands) von langer Zeit her vorbereitet batten, daß — wie die aisiaefundenen Berichte des belgischen Gesandten in Berlin unwiderleglich ergeben — die belgische Ne»- tralität, deren Berletzuna Enaland als Kriegsgrund vorschützt, von diesen selbst längst verletzt war und sonach für uns gar nicht m e h r bestand.
Alle diese Umstände können nicht stark genug hervor- gehoben und nicht oft genug wiederholt werden, da unsere Gegner eifria bemübt sind, sie in Veraessenheit geraten zu lassen. Nur hierdurch kann es gelingen, deren planmäßige Heuchelei offenzulegen und das Lügenaewehe zu zerreißen, mit dem sie die Wahrheit zu verschleiern suchen.
Die Einigkeit der deutschen voller.
Line Kundgebung der Gewerkschaften an den Reichskanzler.
W. T.-B Berlin, 19. Jan. (Amtlich.) Reichskanzlei Dr. v. Bethmann Holl weg ist bas nachstehende Schreiben Angegangen:
Berlin, >den 16. Jan. 1917. Euere Exzelleng haben am 12. Dgz. 1916 im deutschen Reichstag Las Friedensangebot Deutschlands und seiner Verbündeten verbündet, das v o l l e Z u st i m m u n g in den Kreisen der Arbeiter und Angestellten Deutschlands gefunden hat. Das bewies die freudige Auftnchme der Bekanntgabe des Friedensangebots in einer von 800 Vertretern der Gewerkschaften und Angestellten-Organisationen besuchten Konferenz, die am gleichen Tage in Berlin stattsand. DÄ Gegner Deutschlands haben die dargebotene Friedenshand* z u rü ck g ew i es en. Auch die Friedensanregung des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika würde von ihnen aügewiefen.
In der Antwort der Entente auf diese Friedensuote werden KriegAziele ausgestellt, die mir nach einer völligen Niederwerfung Deutschlands und seiner Verbünd e t e n zu erreichen sind. Ihre Evfiillung müßte bm wirtschaftlichen Ruin Deutschlands und die Set» NTchNu tig der Existenz vieler Hunderttausend Arbeiter und Angestellten und deren Familien hevbeiführen. Die un° stnutgeu Forderungen der Entente können nur unter der Ln-
