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Verlag Langgasse 21

„TagLlatrhLLs".

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„TagblatihanS" Nr. 6650-53.

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Samstag, 20. Januar 1917.

Heldentaten zur See.

Der kühne Flug der neuen „Möwe".

Gewaltige Sensation in Amerika. — Balsonrs „Erläuterungen" in den Hintergrund des Interestes gedrängt.

Br. Haag, 19. Jan. ((5iß. Drahtbericht. g&.) Die „Times" meldet aus Washington: Die Fahrt des neuen großen Kaperschiffes erregt in Amerika größtes Aussehen und drängt die Balfo ur-Mitteilung ganz in den Hin­tergrund des Jntereffes. Man bewundert die kühne deutsche Seemannstat und fragt allgemein, oib nicht noch einige solcher 'Dampfer die Wachsamkeit der briti­schen Flotte getäuscht haben. Andererseits wird an­erkannt, daß eS für die Engländer sehr schwierig ist, bei einem so ausgedehnten Meeresgebiet einen einzelnen Dampfer auszuspähen und zu vernichten. In Pernam- b u c o wurden 13 Amerikaner von einem der gekaperten Schiffe an Land gesetzt. Der Minister des Äußern erwartet weitere Mitteilungen, um fesizustellen, daß die Rechte der Amerikaner gewahrt worden sind.

Held Baden,»».

Die Ladung des „Harrowdale".

w. T.-R. Berlin, 19. Jan. (Eig. Drahtbericht. Amtlich.) Der

«m 31. Dezember 1318 als Prise in Swinrmnnde emgebracht« eng­lische Dampfer „harrowdale" (468« Bruttoregisiertonne») hatte hauptsächlich Kriegsmaterial geladen, das von Amerika kam und für vnserc Feinde bestimmt war, und Lebensmittel, darunter 688» Tonnen Weize« und 288« Tonnen Mehl, ferner 19 8 8 Pferde Er hatte 117 Laftautomobile und ein Personen- outomobil, 638« Kiste« Grwehrpatrone«, 38 888 Rollen Stach elbraht und 388« Tonnen Stahl in Knüppel«, außerdem viel Fleisch, Speck und Wurst an Bord. Bo« den versenkten Dampfern waren drei englische und bewaffnet. Unter den Besatzungen der avsgebrachteu Schisse befinde» sich insgesamt 183 Angehörige neutraler Staaten, di« ebenso wie di« feindlichen Staatsangehörige« in Kriegsgefangenschaft adgesührt frort«« find, soweit sie aus den bewassnrtcn feindlichen Dampfern Heuer genommen hatten.

Enormes «teigen der Schiffsversichern«gen.

W. T.-B. London, 19. Jan. Die „Times" meldet aus New Dork: Die Schiffsversicherungen für Routen nach

Amerika und Westindien sind von 2y 2 auf 10 Prozent gestiegen.

Dos reaktionäre Programm des Fürsten Golizyn.

Endgültige Niederlage des russischen Liberalismus?

Großfürst Nikolai Nikvlajewitsch und Sir Buchnnan beim Zaren in Ungnade.

(Drahtbericht unseres L.-Sonderberichterstatters.)

8. Stockholm, 19. Jan. (zh.) Die „Nowoje Wremja" er­fahrt vom Fürsten Galizyn persönlich, daß die Duma ::m 25. Januar zusammentreten wird. Wer den Charakter der Dumatagung sind bereits entscheidende Entschlüsse gefaßt worden. Die Duma wirb bald nach ihrem Zusammentritt auf längere Zeit vertagt werden, gleichgültig, welche Stellung sie zur Regierung einnimmt. Fürst Galizyn wird in der ersten Sitzung eine Regierungserklärung verleis-en. Dem gleichen Blatt gibt der Fürst mit diplomatischer Zurückhal­tung einige Aufklärungen über sein reaktionäres Programm. Er habe es noch nicht vollständig ausgearbei­tet, werde jedoch streng objektiv handeln und sich von keinerlei persönlichen Rücksichten leiten lassen. Im Zusammenhang mit dem Wahlspruch: „Alles für den Krieg! kündigt er als dringend notwendig eine strenge Ordnung der Lebensmittel- und Transportfragen an. Ein Zusammenarbeiten der Regierung mit der Duma sei gewiß notwendig. Rußland könne nicht ohne Parlament bestehen; die jetzige Staatsordnung müsse unerschüttert ge­wahrt bleiben. Die Regierung könne keine Experi­mente mit der Staatsleitung vornehmen, die den C-harak» ter einer Umwälzung trügen, da >das Ergebnis solcher Maß­nahmen völlige Unordnung sein könnte. Eine Verant­wortung der Regierung gegenüber der Duma sei ausgeschlossen, trotzdem werde die Regierung sich nichl gleichgültig gegenüber den Auftritten verhalten, wie sie sich während der letzten Session in der Duma abgespielt hätten. Die geschaffene Kriegsorganisation hätte zwar eine große Bedeutung, wenn sie sich im Rahmen ihrer Aufgaben hielte; doch dürfe sie sich keine politischen Seiten­sprünge erlauben. Ein einheitliches Ministerium iei notwendig. Roch vor dem Zusammentritt der Duma solle nach dem Notparagraphen 87 eine Reihe von Verordnungen durchgeführt werden. Zwei davon stellen sich als Köder für die Duma heraus, eine Erweiterung des Siedelungs- rechts für die Juden, und eine Bestimmung, nach der jeder Minister, dem die Dmna mit Kvei Drittel Mehrheit Gesetzes-

NI argen» Ausgabe-

Übertretung vovwirft, zurücktreten muß. Zwei andere Neue­rungen sind eine Verwirklichung des reaktionären Pro­gramms: Die Beschränkung des Diskuffionsrechts der

Semstwos, Städteorganisationen und eine weitere Behin­derung der Pressefreiheit.

Außer dem schon angekündigten Rücktritt des Kriegs- Ministers Schuwajeff und des Gehilfen im Ministerium des Innern W o l k o n s k i, der jetzt offiziell bestätigt wurde, hat auch der Minister des Äußern Pokrowski das A b - schiedsgesuch eingereicht. Über die Annahme desselben werden die nächsten Tage entscheiden. Die mit dem Libe­ralismus liebäugelnde Partei in Rußland» die sich um den englischen Botschafter gruppiert, scheint eine endgül­tige Niederlage erlitten zu haben. Sir Buch anan wurde in dieser Woche vom Zaren in einer Audienz empfangen, die einen besonders ungnädigen Charak­ter trug. Es läuft daS Gerücht von seiner Abberufung um. Auch der Protektor dieser Partei, Großfürst Nikolai N i k o l a j e w i t s ch, soll an Allerhöchster Stelle mit besonderem Mißtrauen betrachtet werden. Der Bize- könig des Kaukasus soll in den nächsten Tagen entthront werden.

*

Die Wiedereröffnung der Duma verschoben.

W. T.-B. Petersburg, 19. Jan. (Drahtbericht. Peters­burger Telegraphenagentur.) Durch kaiserlichen Ukas wird die Wiedereröffnung der Reichsduma und des Reichsrats vom 25. Januar auf den 27. Februar ver­schoben. Auf Grand dieser Maßnahme wird von zustän­diger Seite angegeben, daß die Änderungen in der Regie­rung reichlichere Zeit für diese zur Behandlung und Durch­sicht der vielen von dem vorhergehenden Kabinett hinter- lassenen sofortiger Lösung bodürft^er Fragen nötig machen.

Ein polnischer vorslotz im Abgeordnetenhous.

Abfuhr Kvrfantys.

Unver»neidlichc Rückwirkung auf das autonome Polen.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

L. Berlin, 19. Jan. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der Landtag erntete heute, was er in seinen! letzten Sessionsabschnitt gesät batte. Es kam zu einem hef­tigen Zusammenstoß mit den Polen. Im vaterländischen Interesse lag es, daß jetzt, wo das autonome Polen in das erste Entwickelungs­stadium tritt, unsere inneren polnischen Fragen mög­lichst unberührt gelassen würden. Man erinnert sich, daß gewisse konservative und nationalliberal-alldeutsche Kreise es für nötig erkannten, die im Reichstag vor der Warschauer Proklamation verhütete Debatte in das Abgeordnetenhaus zu verlegen, so daß die Kraft­kundgebung der O st Markenpolitiker zu einer Erklärung der polnischen Fraktion führte, über deren Rückwirkun g in: autonomen Polen sich heute niemand mehr im Zweifel sein kann. Man muß dies aber nicht nur vom rein deutschen Standpunkt, sondern vor allem auch im Interesse der preußischen Polen auf das höchste bedauern, daß sie es für nötig hielten, jetzt wieder, obschon die erste Lesung des Haushalts keinen Anlaß bot, einen Redner, den Abgeordneten Korfanty, vorzuschicken und die alten Klagen mit neue in Haß vorzutragen. Das ist nicht die richtige Taktik, itnt die Freunde einer liberalen Polenvölitrk in Preußen z u st ü tz e n. Auch die Freikonservativen schlossen sich letzt­bin dem Zentrum und der Volksvartei an, um die Nichtanwendung des Enteignungsge­setzes in dieser Zeit zu befürworten. Daß die Regie­rung im Hausbaltsanschlag die Kredite bestehen ließ, bedeutet noch nicht alles es kommt auf den Geist an, in dem unsere Siedelungspolitik in Len Ostmarken ge­trieben wird. Gewiß schlagen sich die polnischen Preu­ßen tapfer unter polnischen Fahnen. „Wir haben tief- st e s Mißtrauen und legen s ch ä r f st e n P r o- test ein gegen die fortdauernde Unterdrückung unserer Nationalstät", rief der Abgeordnete. Solche Übertreibungen verderben alles, zumal die pol­nischen Kreise, auf die sich inanche polnische Abgeord­nete des so seltsam gewählten Parlaments stützen, tat­sächlich nicht zu ausgedehnt sind. Der Minister des Innern v. Loebell verlor über die Angriffe die Ge­duld. Herr v. Loebell war so zornig, wie es je Herren der Rechten in Ostmarkendebarten gewesen sind. In­grimmig wetterte der Minister über die „schnödeste Undankbarkeit und rief: „Sie sollten noch heute Gott auf den Knien danken, daß Sie zu einer solchen Entwicklung gekommen sind!" Tie Rede klang in einer Androhung unvermeidlicher Rückwirkung auf dasautonomePolen sowie erneuter Au 3 n ahme- Politik aus. Man hörte zuletzt einen Protest des Abgeordneten Hirsch gegen die Haltung des Hauses in

Nr. 35. ♦ 65. Jahrgang.

der U-Bootssrage und vernahm mit Befriedi- gung Äußerungen über die vaterlandstreuen Arbeiter, über die Wahlreform und Frauenrechte. Die L ä r m s z e n e n, die der Abgeordnete Adolf H o f f- mann (Soz.) wegen Wortentziehung entfesselte, und des Abgeordneten Ströbel giftige Auseinander­setzung mit dem Mehrheitsmann , verdienen nicht, daß man sich dabei solange aufhält, wie es der Landtag tun mußte.

Sitzungsbericht.

(Eigener Drcchtbericht des „Wiesbadener Tagblaits".)

$ Berlin, 19. Januar.

Am Ministectisch: v. Breitenbach, Dr. Lentze, Trott zu Solz, v. Loebell, Dr. Sydow.

Präsident Gcrf v. Schwerin-Läwitz eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Minuten.

Auf der Tagesordnung steht zunächst die Fortsetzung der ersten Beratung des Staatshaushaltsplanes.

Abg. Konauty (Pole): Über die Errichtung des König­reichs Polen will ich heute keine allgemeine politische Be­trachtung anstellen. Ich erinnere daran, daß die Polen jahr­hundertelang eine Schuh nauer gegen asiatische Barbarei ge­wesen sind. Im gegenwärtigen Kriege haben sie sich muster­gültig verhalten. In Polen und Galizien sind blühende Städte durch den Krieg vernichtet worden. Wir haben gehofft, daß die Regierung nach den Erfahrungen des Krieges ihre Haltung gegenüber den Polen einer Revision unterziehen würde. Unsere Hoffnung ist enttäuscht worden. Das ver­schleierte Bild zu Sais von der Neuorientierung in der Polen­frage ist wieder verhüllt worden.

Die Polen in Preußen find von dem größten Mißtrauen gegenüber der Staatsregieruug erfüllt.

Die Polenpolitik der letzten 30 Jahre besteht unverändert fort. Das polnische Volk jtarb und arbeitet für Preußen, aber es bleibt nach wie vor entrechtet. Höchstens besteht die Gleichberechtigung im Schützengraben. Ich er- erinnece nur an den Sprachenparagraphen im Reichsvereins­gesetz, die Nichterfüll mg unserer Forderungen nach Erteilung des Religionsunterrichts in unserer Muttersprache sowie an die Ostmarkenzulage. Die Regierung macht sich den Burg­frieden zunutze und lehnt alle Neuorientierungen in der Polenfrage ab. Daher müssen sich die Polen als Staats­bürger zweiter Klasse fühlen. (Beifall bei den Polen.) Minister des Innern v. Loebell:

Wenn der Abgeordnete Korfanty durch seine Ausführuu- geu seinen Stammesgenossen diesseits und jenseits der Grenzen nützen wollte, so hat er seinen Zweck nicht erreicht. (Sohr richtig! rechts.) Am 20. November habe ich bei Ge­legenheit der Beratung der Interpellation Heydebrands aus- geführt, daß die Regierung an diese dtze polnischen Interessen angehende innere Politik mit aller Objektivität heran­treten werde und daß ihre Entschlüsse von Wohlwollen gegen die Polnisch sprechende Bevölkerung getragen sein würde. Ich nehme nichts von dieser Erklärung zurück, aber ich betone, daß schon damals die Regierung erklärte, daß, je vorurteilsloser und je unbedingter die preußischen Unter­tanen, die die polnische Sprache sprechen, sich auf den Boden der preußischen Staatsangehörigkeit stellen und als preußische Staatsbürger sich fühlen, desto leichter es der Regierung vor den Mehcbeitsparteien werden wird, die­jenigen Wege einzuschlagen, die zu einem Frieden mit ihnen führen würden. Und was war die Antwort auf meine da­malige entgegenkommende Und versöhnende Erklärung? Eine Erklärung des Vertreters der polnischen Fraktion, die in hohem Grade ablehnend war.

Nicht einmal ein Wort des Dankes fand man für die hoch­herzige Tat der beiden Kaiser, die den Polen nach einem Jahrhundert die polnische Freiheit bringt.

Kein Wort des Dankes; statt dessen kühne und scharfe Abrechnung mit dem politischen Gegner. Der Abgeordnete Korfanty spricht davon, die Regierung mache* sich den BurW- frieden zunutze und lehne alle Neuorientierung in der polni­schen Frage ab. Genügt diese Rede auch nur den beschei­densten Ansprüchen an den Burgfrieden? Die Regierung hat sich bemüht, alle Schärfen zurückzustellen, sie war ehrlich bestrebt, unter keinen Umständen dazu beizutragen, daß in dieser schlocren Zeit ein Kainpf besteht zwischen Polen und Preuße». Herr Korfanty hat mit sichtlicher Entrüstung Beschwerden gegen die polnische Verwaltung vorgebracht. An die Zentralinstanz sind solche Beschwerden nicht gekommefi.

Polen hat sich unter dem preußischen Zepter entwickelt.

Sie sollten Gott aus den Knien und dem preußischen

König dafür danken. (Beifall rechts.) Sic haben aber nur den schiiövesten Undank.

Herr Korfanty sagte: Die Polen sind vom tiefsten Miß­trauen gegen die preußische Staatsregierung erfüllt. Bei solchem Mißtrauen werden . Sie es der Regierung nicht ver­denken, wenn sie mit der Darbietung ihres Vertrauens sehr vorsichtig ist. (Sehr richtig! rechts.) Abgeordneter Kor-

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