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Verlag Langgasse 31

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Zreitag» 19. Januar 19l7.

NIorgen-klusgabe

Nr. 33. . 65. Jahrgang.

Unsere braven U-Voote.

Die Vernichtnngsarbeit der neuen „Möwe".

Br. Haag, 18. Jan. (Eig. Drahtbericht. zb.) In Amster­damer Schiffahrtskreisen verlautet, daß von der neuen deut­schen „Möwe" bisher etwa 7Ü- bis 75000 Tonnen vernichtet worden sind. Der Wert der vernichteten Schiffe mit ihren Ladungen wird auf etwa 80 Millionen geschätzt.

Vier französische Hilfskreuzer erjagt.

Der spurlos verschwundene deutsche „Korsar".

Br. Genf, 18. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die ver­senkten Schiffe, deren Mannschaften in P e r n a m b u c o ge­landet wurden, find, wie gemeldet wird, vou einem deutsche» Korsaren versenkt worden, der jetzt spurlos verschwunden ist. Außer den von Reuter bekanntgegebenen Versenkungen wer­den noch vier als Hilfskreuzer verwendete französische Schiffe als vermißt gemeldet Drei gelte» als gesunken, ein weiteres als in den Besitz des Feindes geraten.

Versenkt!

W. T.-B. London, 18. Jan. (Drahtbericht.) Lloyds meldet: Der norwegische Dampfer „City of Tam­pico" wurde versenkt. — Es bestätigt sich, daß der Dampfer „H a n s i" aus Bergen am 7. Januar ver­senkt wurde. Die Besatzung ist gerettet.

W. T.-B. London, 17. Jan. Lloydsmeldung: Die Be­satzung des norwegischen Dampfers „Westfeld", dessen Ver­senkung bereits gemeldet wurde, ist gerettet. Der Dampfer „Ophir" ist mit der Besatzung des iwrwegischen Dampfers „Solvang", der am 13. Januar von einem Unterseeboot ver­senkt wurde, hier angekommen. Der Dampfer „Otto", wahr­scheinlich norwegischer Nationalität, ist versenkt worden.

L - Berlin, 18. Jan. (Eig. Meldung, zb.) Unter den heute morgen von englischer Seite als" versenkt gemeldeten Schiffen gehört eines der bedeutendsten der White-Star-Line, die „Georgia" (10 977 Tonnen). Von weiter versenkten Dampfern, deren Tonnengehalt noch nicht angegeben war, sind zu nennen: „Mini eh" (2819 Tonnen), „Ratherüy Hall" (4461 Tonnen), „King Georg" (3852 Tonnen) sowie die französischen Segler „Nantes" (2679 Tonnen) und „As nie res" (3108 Tonnen).

Opfer der Mine».

W. T.-B Christiania, 18. Jan. (Drahtbericht.) Das Stahlschiff „B r a b a n t" von Christiania ist vor Flamboroughead am Montagnachmittag auf eine Mine gestoßen und gesunken. Die Besatzung wurde ge­rettet, ausgenommen 3 grauen.

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Zum Untergang des japanischen Schlachtkreuzers „Tzukuba".

W. T.-B. Tokio, 17. Jan. (Router.) Der Verlust an Menschenloben bei dem Brand des Schlachtkreuzers „Tzukulba" wird jetzt auf 200 geschätzt. Boote von anderen Schiffen fischten die Seeleute auf, von denen viele verwun­det waren. Der „Tzukulba" sank innerhallb 20 Minuten. Man glaubt, daß er in zwei Teile gebrochen ist. Da das Unglück am Sonntag geschah, war ungefähr die Hälfte der Besatzung an Land. Die genaue Zahl der Verunglückten ist vorläufig noch unbekannt. Man glaubt, daß auch der Kommandant Arima und eine Anzahl Offiziere an Land waren, Über die Ursache der Explosion weiß man nichts.

Bevorstehender Rücktritt des Staatssekretärs Lansing?

(Vo n unser erBcrliner Abteilung.)

L. Berlin, 18. Jan. (Eig. Drahtbericht. zo.) Unser Stockholmer ^-Sonderberichterstatter meldete beveits vor Einigen Tagen, daß in Petersburg Gerüchte von einem bevorstehenden Rücktritt des Staatssekretärs Lau sing umliefen. Von anderer neutraler Seite tvurden diese Gerüchte verstärkt und sogar schon der bis­herige Gehilfe des Staatssekretärs P o I k als fein Nach­folger genannt. Die „Boss. Zig." schreibt hierzu:

Während einige der Meldungen betonen, Lansings Gesundheitszustand sei den Mühen seines Amtes nicht mehr gewachsen, sprechen andere Quellen ganz deut­lich von einem heftigen Konflikt, der zwischen Lan- sing und dem Präsidenten Wilson ausgebrochen sein soll. Es liegt mithin die Möglichkeit vor, daß gewisse Ereignisse der letzten Zeit, über die vorläuffg noch nicht gesprochen werden kann, zu oolrtischen Meinungsver­schiedenheiten zwischen beiden Männer» geführt haben, die bei deni lebhaften Temperarnent des Präsidenten möglicherweise eine solche Verschärfung erfuhren, daß die Lösung nur durch Rücktritt Lansings erfolgen konnte. Man muß sich daran erinnern, daß ein Konflikt zwischen Wilson und seinem Staatssekretär unter Umständen auch mit der bekannten Auwsteanheit des Herrn

Tumulty, des Privaffekretärs des Präsidenten Wil­sons, Zusammenhängen kann. Der in ganz Amerika be­kannte Bostoner Makler L a w s o n, einer der unter- richtetsten Männer der Vereinigten Staaten, hatte, wie jüngst gemeldet wurde, vor dein Ausschuß des Repräsen­tantenhauses ein Mitglied des Kabinetts, das er nicht namhaft machte, bezichtigt, durch Börsenspeku­lationen gemeinsam mit einem Senator und einem New Aorker Bankier aus der vorzeitigen Kennt- nis der Wilson-Note an die Kriegführenden Nutzen gezogen zu haben. Erinnert man sich der Be­merkung, mit der L a n s i n g die Wilson-Note be­gleitete und die ungefähr den Sinn hatte. Amerika werde möglicherweise bald in den Krieg h i n e i n g e z o g e n werden, so ist, wie auch andere Tatsachen zeigen, die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß Herr Lawson mit dem „Mitglied des Kabinetts" den Staatssekretär Lansing gemeint hat. Von einem Systemwechsel wäre nicht zu sprechen, wenn Polk an die Stelle Lansings träte. Volk, der früher Rechtsanwalt in New Llork war, und zur Gruppe Tammany Hall neigt, ist mit politischen Äußerungen bisher nie hervorgetreten. Dagegen scheint er in seinen Handlungen sich möglichster Objektivität befleißigt zu haben. Eine größere Bedeutung als die Berufung Volks wird es zlveifellos haben, wenn die Nachrichten sich be­wahrheiten, die der „Voss. Ztg." zugehen und denen zu­folge Bry an von neuem das Staatssekre­tär tat des Auswärtigen übernehmen loerde. Die Beziehugen zwischen Wilson und Bryan sollen nach der letzten Wahlkampagne wie­der sehr gute sein.

Oie Entente.

Eine gründliche Abrechnung Eaillaux' mit dein gefährlichsten der Kriegshetzer.

Lord Northcliffe entlarvt.

Br. Bern, 18. Jan. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der ehe­malige Ministerpräsident Eaillaux hat an Lord North­cliffe einen langen Brief gerichtet, in dem er mit dem Her­ausgeber der „Times" eine gründliche Abrechnung hält. Die „Times" hat behauptet, daß Eaillaux in Italien im Sinne des Friedens gearbeitet habe und hatte auch später einen P r o t e st Eaillaux' zum Abdruck gebracht. Dann aber hatte Lord Notthcliffe erklärt, daß er seine Behauptungen nicht zu verantwotten habe, da er seine Nachricht aus absolut zu- verläffiger Quelle erhalten habe. In seiner ausführlichen Antwort sagt nun Eaillaux. daß er 1911 Deutschland die Spitze geboten habe und daß ihm zugleich gelungen sei, den Frieden aufrecht zu erhalten und Frank­reich den größten Vorteil des Landes, Marokko, zu geben. Im Hauptteil seines Briefes aber beschreibt er die Dikta­tur der Verleumdung, die augenblicklich am Werke sei, die mit Hilfe einiger großer Blätter und unter Verwen­dung einzelner noch ihren Interessen und ihrer Habgier aus­gewählten Menschen ausgeübt werde. Dann macht er Lord Northcliffe persönlich für diese Diktatur der Verleumdung ver­antwortlich. „Eines Tages werde ich in einem größeren Rahmen, als dem eines Briefes, die Gefahr auseinander- setzcn, die das von Ihnen errichtete System für die Kraft und Gesundheit des Volkes, ja, für die Zivilisation, hat. Sie ver­gessen, was Sie vor 20 Jahren schrieben, als sie noch Mister waren." Und nun zitiert Eaillaux einige der kräftigsten Stellen, in denen Northcliffe Frankreich seine Verach­tung a u S g c d r ü ck t und erklärt hatte, daß eine Entente zwischen England und Frankreich, das weder Mut noch poli­tischen Sinn habe unmöglich sei. „Einst haben Sie Frank­reich verunglimpft und Sie haben Ihren Irrtum er­kannt und wieder gut gemacht Jetzt verleumden Sie einen Mann zu einer Zeit, wo man nicht das Recht hat, dem Block der Alliierten auch nur ein Stückchen Kraft zu entziehen, so winzig es auch fein mag."

Ohrcnzeugen über die KriegÄübrrSrüssia- keiten bet den Ententetruppen.

W. T.-B. Rotterdam, 18. Jan. (Erg. Drahtbericht) Der „Nieuwc Rottcrdamsche Courant" zitiert einen Brief von einem britischen Soldaten an der Front, der in einer englischen nationa­listischen Wochenschrift von Kapstadt vom 18. November, also vor der deutschen JriedenSaktio», verossentlicyi ist. In diesem Brief stehl u .a.: „In wenigen Wochen werden alle von euch, die genug Phantasie besitzen, um die Riesengroße der Tragödie, die sich jetzt abspieli, zu begreifen, Gelegenheit Huben, für den Frieden zu stimmen. Die folgenden Zeilen sind in der Hoffnung geschrieben, daß sic ein wenig dazu beitragen. Ich habe mit Tausenden von Soldaten in Dutzenden von Regimentern gesprochen, mit Männern aus Frankreich, Ägypten, von den Dardanellen, von Malta, und ich habe nicht einen unter 30 gefunden, der haben wollte, daß der Krieg fortdauert. Wenn die Regierungen hören könnten, was die M an n e r i m Khaki unter sich sprechen, wurden sie aus ihrer Gemütsruhe aufgeschreckt werden. Nur die Hoff­nung hat vorläufig eine mächtige Bewegung znrückgelassen. Weit entfernt davon, die Deutschen zu hassen, sprichi n i e m a n d un­freundlich übci sie. Wir scheinen alle von ein und derselben schrecklichen Maschine erfaßt zu sein, deren Lauf niemand Einhalt tun kann, oder daß der Krieg, der jetzt '.oütet, nichts ist als eine blinde Tötung von Menschen in der Hoffimng, daß eine der beiden Parteien geschwächt werden wird. Im allgemciHcn ist die La^c

so, daß der Krieg fortdauert, weil keine Regierung den sittlichen Mut hat, den eisten Schritt zur Erreichung eines Waffenstillstandes oder des Friedens zu tun. (Dies wurde, wie schon angegeben, vor dem deutschen Friedensangebot geschrieben.) Jede Regierung glaubt, daß ihr guter Ruf davon abhängt, wer ain längsten den Haß predigen kann. Ich weiß, daß das Publikum die Menschcn, die um Frieden rufen, verleugnet, aber ihnen im Grunde sehr dankbar sein würde. Es wird der Ruf laut: „W i e lange noch?" Kann uns niemand Helsen?"

Die Wochenschrift bemerkt dazu, daß Kapitän Simpson, em Neuseeländer, der verwundet nach Südaftika zurückgekehrt sei, das­selbe gesagt habe wie der Briefschreiber und dayrit dkr Entrüstung des Bürgermeisters von Johannisburg heroorgerufen hat, desselben Mannes, der den König vom Swaziland geftagt hat, warum er, ein so schneidiger Kerl nicht an der Front sei.

Erläuterungen Balsams zur Note der Alliierten an Wilson.

W. T.-B. London, 18. Jan. (Drahtbericht.) Der Staats­sekretär des Äußern Balfour hat an den britischen Bot­schafter in Washington folgende Depesche gesandt, die der Regierung der Vereinigten Staaten am 16. Januar über­mittelt wurde:

Indem ich Ihnen die Übersetzung der Note der Alliierten übersende, möchte ich folgende Bemerkun­gen machen, die Sie zur Kenntnis der Regierung der Ver­einigten Staaten zu bringen haben. Ich entnehme aus dem allgemeinen Gedankengang der Note des Präsidenten, daß er, während er von dem lebhaften Wunsche erfüllt ist, daß der Friede bald kommt und daß ec, wenn er kommt, dauerhaft sei, sich für den Augenblick wenigstens nicht selbst mit den Bedingungen befaßt, unter welchen er zustande gebracht werden soll.

Seiner Majestät Regierung teilt völlig das Ideal des Präsidenten, hat aber das harte Gefühl, daß die Dauerhaftig­keit dieses Friedens in weitem Matze von seinem Charakter abhängen muß, und daß kein dauerhaftes System internatio­naler Beziehungen auf den Grundlagen errichtet werden kann, die tatsächlich hoffnungslos und mangelhaft sind. Dies tritt klar zutage, wenn wir die H a u p t u m st ä n d e betrachten, die das Unglück ermöglicht haben, unter welchenr die Welt jetzt leidet. Diese bestanden in dem Vorhandensein einer Großmacht, die von Herrschbegierde verzehrt wurde. Es ist eingewendet worden, daß die

Austreibung der Türken aus Europa

keinen eigentlichen oder logischen Teil an diesem all­gemeinen Plan bilde. Die Erhaltting des türkischen Reiches wurde viele Menschenalter hindurch und von einem Staats­mann von Weltruf als wesentlich für die Erhaltung des euro­päischen Friedens betrachtet. Weshalb, so wird gefragt, wird jetzt die Friedenssache mit dem vollkommenen Umsturz dieser überliefecungsmäßigen Politik in Verbindung gebracht. Die Antwort darauf lautet: Weil die Umstände sich völlig geändert haben. Es ist unnötig, jetzt in Erwägung zu ziehen, ob die Schaffung einer reformierten Türkei, die zwischen den feind­lichen Raffen des nahen Ostens vermittelte, ein Plan war, der wohl niemals ausgeführt werden konnte, als der Sultan auf- richttg war und die Mächte geeint waren. Sicher ist, daß er setzt nicht auSgefühtt werden kann. Die Türkei der Einheit und des Fortschritts ist mindestens ebenso barbarisch und viel aggressiver als die Türkei des Sultans Abd ul Hamid. In den Händen Deutschlands hat sie sogar offenbar aufgehört, ein Bollwerk des Friedens zu sein und sie wird offen als ein Werkzeug der Eroberung benutzt. Unter deutschen Offizieren kämpfen jetzt türkische Soldaten in Ländern, aus denen sie längst vertrieben waren, und die türkische Regierung, die von Deutschland beaufsichtigt und mit allen Mitteln unterstützt ivird, ließ sich Metzeleien in Armenien und Syrien zuschulden kommen, wie sie so schrecklich selbst die Geschichte dieser un­glücklichen Länder nicht aufzuweisen hat. Augenscheinlich er­fordern die Friedensintereffen und die Ansprüche der Natio­nalitäten in gleicher Weise, daß die türkische Herrschaft über die fremden Rassen baldmöglichst beendigt wird, und wir dürfen hoffen, daß die Austreibung der Türken aus Europa ebenso viel zur Sache des Friedens beitragen wird als die Rückgabe der italienischen Jrredenta an Italien oder seden anderes der Gebietsänderungen, die in der Note der Alliierten angegeben werden.

Wenn das gesamte Europa, sobald der Krieg vorbei ist, weit ärmer an Leuten, Geld und gegenseittgeni guten Willen ist als es zur Zeit des Beginns des Krieges war, trotz­dem aber sich nicht in größerer Sicherheit bxsinden wird, dann werden die Zukunftshoffnungen für die Welt, die der Präsident hegt, ihrer Erfüllung ferner als jemals sein. Sind Menschen vorhanden, welche glauben, daß internatio­nale Verträge und Gesetze für diese traurigen Zu­stände hinreichende Vorsorge zu treffen vermögen?

Solche Personen haben die Lehren schlecht begriffen, die von der neuesten Geschichte so klar aufgestellt worden sind. Während die anderen Nationen, insbesondere die Vereinigten Staaten und Großbritannien, danach strebten, durch Schiedsgerichtsverträgc die Sicherheit zu ge­winnen, daß keine Aussicht auf Streit den Frieden stören könne, den sic dauernd zu gestalten wünschten, stand

Deutschland abseits.

Seine bedeutendsten Geschichtsschreiber und Philosophen predigten den Glanz des Krieges,, Macht wurche als das,