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Sonntag, 14. Januar 1917.

Morgen-ktusgabe.

Nr. 24. . 63. Jahrgang.

Griechenlands Note an Wilson.

W. T.-B. Athen, 13. Jan. (Drahkbericht.) Amtliche Meldung. Die Antwort Griechenlands awf die Mittei­lung Wilsons lautet:

Die König!. Regierung hat mit lebhaftem Interesse Kenntnis von dem Schritt genommen, den der President der Vereinigten Staaten bei den Kriegführenden unternommen hat in Hinsicht auf die Beendigung des langen grausamen Kriegs, der auf der Menschheit lastet, außerordentlich empfänglich sür die Mitteilung, die er ge­macht, und sie schätzt in hohem Maße den edlen Schwung, wie den von Grund auf humanitären Geist, der diesen Schritt des weisen Staatsmanns diktierte, der die Geschicke des großen amerikanischen Volkes leitet und einen ehrenhaften Frieden für alle und die Stärkung einer stabilen Lage der internationalen Beziehungen anstrebt. Dieser Schritt bedeutet eine erinnerungswürdige Seite im Buch der Geschichte. Die Betrachtungen, die in der Note des Präsidenten enthalten in Hinsicht auf das Leben der neutralen Nationen infolge des ge­waltigen Kampfes und ebenso der Garantien, die von den beiden kriegführenden Parteien gegeben werden sollen, um di? Rechte und Sicherheiten aller Staaten zu sichern, haben in der Seele Griechenlands ein ganz besonders sympathi­sches Echo gefunden. In der Tat gibt es kein Land, das unter diesem Krieg ebenso gelitten hätte wie Griechenland. Obwohl es dem Kampf ferngeblieben ist.

Infolge seiner ganz besonderen geographischen Lage konnte Griechenland weniger als jedes andere neu­tral e L a n d sich den direkten und verderblichen Einwirkun­gen der Feindseligkeiten zwischen den Kriegführenden ent­ziehen. (Lücke im Telegramm.) In diesem Augenblick noch seiner Flotte beraubt und fast vollständig ent­waffnet, ist unser Land beunruhigt dnrch eine künstliche Revolte, die Gewinn zieht aus der fremden Okkupation. Es ist eingeschlossen durch eine fremde Blockade, die die Ver­bindung unterbricht rmd die friedliche Bevölkerung dem Hunger ansliefert, inbegriffen vollkommen friedliche Personen, wie Frauen und Kinder, die nach den elementarsten Regeln des Völkerrechts davon verschont sei» müßten, selbst wenn Griechenland im Kriege stünde. Dennoch bemüht sich Griechenland mit allen möglichen Mitteln, neutralzu bleiben. Dies besagt zur Genüge, wie sehr jede Initiative, die den Frieden herbeiführen könnte» ganz abgesehen von humanitären Erwägungen allgemeiner Art, geeignet ist, den Lebensintereflen Griechenlands zu dienen.

Die KönigI. Regierung würde sich denn auch ge­wiß beeilen, unter den ersten dem edlen Schritt des Präsi­denten beizutreten, nach Maßgabe ihrer ganzen Macht, da­mit er von Erfolg gekrönt würde, wenn sie nicht außer- stande wäre, mit der einen Gruppe der Krieg- führenden zu verkehren, während sie gegenüber der anderen Gruppe die Lösung außerordentlicher Schwierig­keiten abwarten mutz, drc die gegenwärtige Lage Griechen­lands beherrschten. Aber die König! Regierung verfolgt mit ganzem Herzen die ko st baren Bemühungen des Präsidenten und bringt ihre aufrichtigsten Wünsche für deren Gelingen dar. Nachdem die Regierung seit den ersten Tagen des europäischen Krieges an der Herstellung des Ein­verständnisses zwischen den Neutraler; gedacht hat, zu dem Zweck, die gemeinsamen Interessen wahlzunehmen, ist sie glücklich über die hier gebotene Möglichkeit zu einem dem- nächstigen Meinungsaustausch, wenn dieser als opportun be­trachtet werden könnte, und erklärt sich: bereit, im gegebenen Augenblick teilzunehmcn an einer Aktion, die die Schaffung eines dauerhaften Fri.dras lezwickr, der die Rechte aller Staaten sichern und ihre Soutnränität und Unabhängigkeit garantieren würde.

*

Griechenlands Unterwerfung unter den Hirngerzwang.

Br. Berlin, 13. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) In der Antwortnote der griechischen Regierung an die Ententemächte nimmt die griechische Regierung zunächst „mit der lebhaftesten Befriedigung von den präzisierten Garantien Kenntnis, die die Ententemächte Griechenland, seiner Neutralität, seiner inneren Politik und die Dauer der Blockade betreffend, Mündlich gegeben hat", versichert dann, „alles, was in ihrer Macht steht, za tun, um jedes Mißverständnis zu entfernen", und verpflichtet sich, die neuen Truppenbewegungen und Materiallieferungen unter den durch die Noten vom 18. und 26. Dezember ausgesprochenen Bedingungen auszuführen. Auch die Folgerung auf die Wiederherstellung der Kon­trolle, die, um so wenig wie möglich störend zu sein, noch einer besonderen Verabredung unterliegen soll, wird ange­nommen. Die Note wiederholt dann die Bereitwilligkeit, für die „unglücklichen Vorkommnisse Zwischen alliierten See­leuten und griechischen Truppen Genugtuung zu leisten; die verhafteten Anhänger des Venizelos aus der Haft zu entlassen und zu entschädigen, fo weit sie zu Unrecht ge­

litten haben. Dagegen vertraut die griechische Regierung darauf, „daß die Mächte ihrerseits ihren ganzen Einfluß dahin geltend machen, daß Personen, die verhaftet wurden, weil sie sich der revolutionären Bewegung oder der durch das aufrührerische Komitee durchgeführten Zwangs- aush ebung nicht angeschlossen haben, ebenfalls be­freit werden". Die griechische Regierung hofft weiter, „daß nach diesen höchsten Beweisen ihrer Aufrichtigkeit die einzelnen Verhandlungen in einem versöhnlichen Geiste und mit der Absicht geführt werden, auf endgültige Art ein volles gegenseitiges Vertrauen wiederherzustellen".

Die in dem Ultimatum vom 1. Dezember geforderten militärischen Maßnahmen sind bereits fast durchgcführt worden und die Bedingungen zur Aufhebung der Blockade können bereits als realisiert betrachtet werden.

Die entwürdigende Lage de; Vatikan;.

„Katholiken, rührt euch!"

Nr. Berlin, 33. Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) Über die Lage des Papstes schreibt der „Germania" zufolge die „Wiener Information" Nr. 3: Ohne jeden Erfolg sind alle Proteste geblieben, die gegen die von der Entente ge­duldete Einkerkerung und Entrechtung des Vatikans durch das kirchenfeindliche Königreich Italien schon erhoben wurden. Die peinliche entwürdigende Lage des heiligen Vaters dauert ungemindert an. Die Vergewaltigung der Souveränitätsrechte des Papstes rollt die römische Frage wieder einmal in ihrer ganzen Schärfe auf. Die unerhörte, alle internationalen Abkommen verhöhnende Knebelung des Heiligen Stuhles durfte gewagt werden, ob­gleich dem Vatikan das Recht der Souveränität garantiert ist, Botschafter in allen Staaten der Welt als Nuntien zu akkre­ditieren, sowohl in den katholischen wie in den nichtkathvlischen Staaten, Rußland, Preuße», England ufw., obgleich am Sitze des Heiligen Stuhles Gesaudte aller Staaten, auch der nicht­katholischen, bestellt sind. Es ergibt sich für die BLlker der katholischen Staaten die absolute Notwendigkeit, gegen die Absperrung und Vergewaltigung des Heiligen Stuhles ent­schieden einzuschreiten. Zu diesem Zweck muß gefolgert wer­den, daß vor allem die Katholiken in Österreich, Ungarn und Deutschland sich einig zusammenschließen zu einer festen Organisation, der jeder Gläubige, welcher Nation er auch angehört, beizutreten hätte, um gegen die jetzt schon unerträgliche vrekäre Lage des Vatikans energisch Stellung zu nehmen. Auch viele andere wichtige Gründe sprechen dafür, daß speziell in Österreich ungesäumt die Organisierung der Katholiken zu einer Partei in Angriff genommen wird, deren oberste Aufgabe die Wahrung der heiligsten Güter des Staates, der Dynastie und der Völker sein muß.

Die Aiichtckung de; Mordplan; gegen Rasputin.

Sehr hochgestellte Persönlichkeiten unter der Ägide Buchanatts an der politischen Untat beteiligt.

(Drahtbericht unseres L.-Sonderberichterstatters.)

8. Stockholm, 13. Jan. (zb.) Von einer Persönlichkeit, welche von Petersburg hier eingetroffen ist und auf das ge­naueste über die bisherigen Ergebnisse der Unter­suchung im Fall Rasputin vertraut ist, erfahre ich folgende Einzelheiten: Am 35. Dezember fand in der Woh­nung des englischen Botschafters Sir B n ch a n a n eine Zu- sammenkunift zahlreicher dem Zarenhof nahestehender Per­sönlichkeiten uich Politiker statt. Großfürst Alexei Michailowitsch, der ebenfalls anwesend war, machte Mitteilungen über den verstärkten Einfluß, den Rasputin in politischer Hinsicht in den letzten Tagen über den Z a r e n gewonnen habe. Dieser Einfluß könne leichi verderblich werben sür die Verwirklichung der gemein­samen englisch-russischen politischen Ziele. Zunächst wurde allgemein die Möglichkeit anerkannt, Raspu­tins Einfluß am Hof irgendwie zu eliminieren. Nur die Beseitigung des Abenteurers könne sichere Garantie schaffen. Das Los solle entscheiden, wer den Mord an dem Mönch zu unternehmen habe. Alle Anwesenden mußten sich zuni tiefsten Stillschweigen verpflichten. Zugegen waren außer den genannten Persönlichkeiten dir Gattin des Groß­fürsten Alexandrowa, die Schwester des Zaren» Fürst und Fürstin Jusupoff, der Abgeordnete Pcrrschkewitsch, Fürst Lwow, der frühere Minister des Innern Chwoftow sowie die Vertrauten des Ministerpräsidenten Trepow. Das Los traf

den Großfürsten Alexei Michailowiffch» welcher bei dieser Enffcheidung ohnmächtig znsammenbrach. Fürst Jusupoff und Perffchkewiffch erklärten sich darauf bereit, die Beseiti­gung Rasputins zu üLernehmen. Sir Buchanan sicherte beiden ehrenwörtlich den vollen Schutz der englischen Regie­rung zu. Bei der Weiterbcratuug wurde dann der genaue Mordplan festgesetzt, seine Ausführung verlief programm­mäßig

Ter Zar an Porncarc.

Zürich» 13. Jan. (zb.) Die „Rjeffch" berichtet, der Zar habe einen Spezialkurier an Poincare mit einem Hand­schreiben gesandt, in dem wichtige Enffchlüffe Rußlands in der Friedensfrage mitgeteilt werden.

Fürst Galizyns Programm.

Genf, 13. Jan. (zb.) Fürst Galizyn erklärte den Presse­vertretern, er wÄle mit der Duma zusammen­arbeite n. Galizyn erkannte das Jnterpellationsrecht des Parlaments ausdrücklich an und versprach, die Kammer für den 2 5. Januar wieder einznberufen. Irgend eine Ver­änderung in der inneren russischen Politik dürste jetzt nicht erfolgen. Diese Reform müsse der Zeit nach dem Kriege Vor­behalten werden.

Die neuen russischen Versprechungen für die Polen.

Berlin, 13. Jan. (zb.) Die „Basler Rache." vernehmen aus Petersburg: In Zarskoje-Sselo empfing der Zar den polnischen Grafen Vielopolski in Audienz, der in der Presse erklären ließ: Ich bin ermächtigt, mitzuteileu, daß ich im Ber- laafe dieser äußerst herzlichen Audienz beim Zaren erfahren habe, daß das Vereinigte Polen, von dem das kürzlich erlassene kaiserliche Manifest sprach, eine parlamentarische Regierung mit einem polnischen Landtag und eine nationale Armee erhalten werde.

Eine russische Offensive zur See«

Berlin, 13. Jan. (zb.) Nach Schweizer Korrespondeuz- meldungen berichtet der Mailänder „Corrieve della Sera" aus Petersburg: Die russische Flotte treffe umfangreiche

Vorbereitungen zu einer großen Offensive zur See für das Frühjahr, die konform mit der großen See-Offensive Eng­lands gehen werde und den Krieg beenden müsse.

Man weiß jetzt Bescheid.

Die Enttäuschung Wilsons.

W. T.-B. London, 13. Jan. (Drahtbericht.) Die „Daily News" erfährt aus Washington, daß Wilson einigermaßen enttäuscht sei, daß die Ententemächte keine Mög­lichkeit zu Friedensverhandlungen offen lassen. Man glaubt, in amtlichen Kreisen, daß die Antwort der Alliierten den Er­wartungen eines baldigen Friedens ein Ende machen. Die Bedingungen seien viel zu schwer, als daß Deutschland sie in Erwägung ziehen könnte.

Die Phrase voll dem Kampf für die Rechte und Freiheit der Nationen.

W. T.-B. Bern, 13. Jan. (Drahtbericht.) Das „Berner Jntelligenzblatt" bringt zur Entente Note an Wilson Auslassungen über Frieden, die Kriegs- Ziele des Vierverbandes, Wiederherstellung des mittel­alterlichen Europa, Zertrümmerung Österreichs, Ver­kleinerung Deutschlands und Verweisung der Türkei aus Europa, wonach die Lage durch die Antwort der Entente und dir konsequenten deutschen Äußerungen jetzt geklärt sei. Die Staaten des Vierverban- des setzten sich derart in Widerspruch mit den materiel­len Zielen und den greifbaren Absichten der Entente, daß diese sich genötigt sah, von der Erreichung selbst der üblichen Kriegszwecke nach außen abzustehen und gleichzeitig eine Art idealen Mantel für sich zu finden, an dem die Kritik der eigenen und fremden Völker abgleiten sollte, nämlich die V h rase von dem Kampfe für die Rechte und Freiheit der Nationen und für dir den Frieden gewähr- leistiten Sicherheiten Europas. Der Protest der En­tente gegen die gleiche Behandlung mit ihren Gegnern steht im Widerspruch zu der Darstellung, als er­kenne die Entente die internationalen Ver­träge und Regeln in allen Punkten an, denn diese Anerkennung schließt für die Neutralen die Pflicht ein. die Kriegführenden auf dem Fuße der Gleich- stellung zu behandeln. Das Blat: erklärt weiter • Neu sind nur die Kri eg s z ieIe, durch die sich die Entente auf den Standpunkt des Pro- zeßanfangs stellt und alle seit 2 % Jahren geschehene Entwickelung ablehnt.

Scharfe Verurteilung der Ententeuote und Heller Hohn in Schwede».

(Drahtbericht unseres 8-SonderberichterstaLterS.)

S. Stockholm, 13. Jan. (zb.) Die Antwort der Entente auf Wilsons Friedensnote wird von der hiesigen Presse scharf