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Samstag» 13. Januar 1917.
abend-Kusgabe.
Nr. 23. » 63. Jahrgang.
Der Kaffer an dar deutsche Volk.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 12. Jan. (Amtlich.)
An das deutsche Volk!
Unsere Feinde haben die Maske fallen lassen. 'Erst haben sie mit Hohn und heuchlerischen 'Worten von Freiheitsliebe und Menschlichkeit unser ehrliches Friedensangbot zurückgewiesen. In ihrer Antwort an die Vereinigten Staaten haben sie sich jetzt darüber hinaus zu einer Eroberungssucht bekannt, deren Schändlichkeit durch ihre verleumderische Begründung «och gesteigert wird.
Ihr Ziel ist die Niederwerfung Deutschlands, die Zerstückelung der mit uns verbündeten Mächte und die Kneck> tnng der Freiheit Europas und der Meere unter dasselbe Joch, das zähneknirschend jetzt Griechenland trägt.
Aber was sie in dreißig Monaten des blutigsten Kampfes und des gewissenlosesten Wirtschaftskrieges nicht erreiche« konnten, das werden sie auch in aller Zukunft nicht vollbringen.
Unsere glorreichen Siege und die eherne Willenskraft, mit der unser kämpfendes Volk vor dem Feinde »ind das daheim, jedwede Mühsal und Not des Krieges getragen hat, bürgen dafür, daß unser geliebtes Vaterland auch fernerüm nichts zu fürchten hat. Hellflammende Entrüstung und heiligster Zorn werden jeden deutschen Mannes und Weibes Kraft verdoppeln, gleichviel, ob sie dem Kampf der Arbeit oder dem opferbereiten Dulden geweiht ist.
Der Gott, der diesen herrlichen Gei st der Freiheit in unseres tapferen Volkes Herz gepflanzt hat, wird uns und unseren treuen, sturmerprobten Verbündeten auch den vollen Sieg über alle feindliche Machtgier und Vernichtungswut geben.
Wilhelm I. U.
*
Eiserne Abrechnung!
»Noch ist der Opfer nicht genug. Neue müssen gebracht werden. Auf unsere Feinde allein fällt alle Schuld. Gott ist mein Zeuge. Vier feindliche Königreiche wurden durch euch und euere tapferen Bundesgenossen zertrümmert, mächtige Festungen bezwungen, weite Strecken feindlichen Bodens erobert. Trotz alledem täuschen die feindlichen Machthaber ihren Völkern und ihren Armeen iinmer wieder -die Hoffnung vor, daß sich ihr Geschick doch noch wenden werde. Wohlan denn, an euch ist es, weiter eiserne Abrechnung zu halten!" Mit diesen Worten wandte sich der junge Kaiser in Wien am 5.Januar an seineÄrme? und an seineFlotte, eineKund- gebung, die gleichzeitig mit Kaiser Wilhelms Erlaß an das deutsche Heer und die deutsche Murine erfolgte. Unser deutscher Monarch hatte an den lapidaren Satz: «Der Krieg nimmt leinen Fortgang!" und an die Feststellung, daß den feindlichen Regierungen allein vor Gott und der Menschheit die schwere Verantwortung für alloweiteren furchtbaren Opler zufrlle, die sein Wille unseren heldenmütigen Vateclandsverteidigern habe ersparen wollen, den Appell geknüpft:
In der gerechten Enepörung über der Feinde anmaßenden Frevel und in dem Willen, unsere heiligsten Güter zu verteidigen und dem Vaterlande eine glückliche Zukunft zu sichern, werdet ihr zu Stahl werde«.
Unsere Feinde haben die von mir angebotene Verständigung nicht gewollt. Mit Gottes Hilfe werden unsereWasfeufiedazu zwinge«!
Das waren Aufrufs an die bewaffnete Macht der verbündeten Länder, ergangen gleich nach Eingang der ablehnenden Antwort des Zehnverbands auf unser Friedensangebot. Nun ist inzwischen auch die Antwort der edlen, zu Gedeih und Verderb nein nur zum Verderb verbundenen Genossenschaft ruf die A n - regung Wilsons erfolgt, die Kriegführenden inöch- ten sich zu einem Meinungsaustausch über die Bedingungen des Friedensschlusses, bei denen die Neutralen, in erster Linie natürlich er, Herr Wilson, verantwortlich mitzuwirken bereit seien, ent- sthlreßeu. Wir haben diese Antwort in unserem heuti
gen Morgenblatt samt dem Anhängsel der belgischen Note veröffentlicht und unsere Leserschatt wird, obwohl der Inhalt der Schriftstücke ja keine Überraschung bildet, mit st a r r e m Staunen, das sich zuletzt in lodernden Zorn umgesetzt haben wird, Kenntnis von dem unbeschreiblrch frechen und — dummen Machwerk genommen haben. Unverschämtheiten über Unverschämtheiten. Niedertracht über Niedertracht! Die menschliche Sprache ist wirklich, wenn man nicht in den Ton der Gasse verfallen will, zu arm, um gebiihrend die politische Verworfenheit der Entente-Staatsmänner, dre dieses Elaborat verbrochen haben, zu kennzeichnen. Man kann es verstehen, daß die Lloyd George und Briand, die Trepow — denn dessen Nachfolger Galizyn darf man noch nicht auf die Anklagebank setzen. wül er noch keine Gelegenheit hatte, sich als würdigen Vertrauensmann des erst wortbrüchig und dann kciegstoll gewordenen „Friedens"- Zaren zu erweisen — und Sonnino in der Erkenntnis, daß ihre Staaten nebst der angeschlossenen Völker-Meute bei einem Friedensschluß auf Grund der gegenwärtigen Kriegskarte trotz allen Entgegenkommens von feindlicher Seite schlecht abschneiden würden, die Fortsetzung des ungeheuren Ringens sofortiger Bequemung zu Verhandlungen am grünen Tisch vorziehen, auch wenn noch viele Hunderttausende ihrer eigenen Landeskinder Leben und Gesundheit opfern müssen, auch wenn noch Dutzende von Milliarden des Volksvecmögens verloren gehen, nicht gerechnet das grauenhafte Elend, das über Millionen von Familien durch die Begleiterscheinungen des Kriegs und durch den Tod der Ernährer verhängt wird. Es steht eben für die Entente zu viel auf dem Spiel. Für Rußland, das den Krieg eingeleitet hat, der endgültige Verlust Polens. Kurlands und Litauens, dazu der endgültige Verzicht aus die Erfüllung des Traums von Konstantinopel und den Dardanellen — für F r a n k r e i ch, das durch feine Rövanchepclitik das zum Riesenbrand gewordene Feuer sorgsam 44 Jahre hindurch unterhalten hat. nicht nur de>- endgülttge Verzicht auf Wiedergewinnung der uns einst geraubten Reichslande, sondern auch bi» Einbuße wertvollen Besitzes, wozu vor allen Dingen die vom Schwert unserer Heldenscharen im Westen erfaßten Kohlen- und Erzgebiete oder doch ein beträchtlicher Teil davon, sei es kraft Rechtes der Eroberung, sei es als Ersatz kür un- eintreibliche bare Kriegsentschädigung, gehören dürften, dazu auch noch zum mindesten die Überlassung der Festungen Belfort und Verdun an uns — ^ür Italien, das verräterisch seinen einstmaligen Bundesgenossen mit scharfem Banditendolch in den Rücken gefallen ist, außer dem kläglichen Ausgang seiner Sacro Egoismo- Politik, die ihm nicht nur die Verachtung der ganzen Welt, sondern auch die Zerstörung ''eines notwnalen Wohlstands und seines imperialistischen Wachstums eingetragen hat. die Vernichtung feiner irredentistischen Pläne und, wenn dos Waffenglück uns hold ist, auch noch eine empfindliche Beschneidung seines ttalienischen Territoriums, wobei die ui- aufgegebenenAnsprüche des Vatikans auf den alten Kirchenstaat schließlich ebenfalls eine Rolle spielen könnten — für England, dos den Weltkrieg init infernalischstem Behagen geschürt und mit verruchter Gier nach unseren Kolonien, mit eklem Hinzielen auf die Untergrabung der Duellen unserer Macht und unseres wirtschaftlichen Wohlstandes zu unfaßlicher Riesengröße hat anschwellen lassen, nicht nur die Vereitelung seines schnöden Krämer-Plans, sondern auch der uneinbringliche Verlust seines gewaltigen Prestiges als unverletzlicher Herr der Meere und als ragendes Haupt der Weltmächte, dazu die unheimliche Erschütterung des grandiosen Baus seiner Kolonialmacht und das Ende seiner Rolle als Weltbantier. Bei England, unserem boshaftesten lind gefährlichsten Feind, den wir solange nicht in seiner wahren Gesinnung gegen uns erkannt haben, den wir aber jetzt ganz gründlich kennen als den Feind, ate den Todfeind, als unseren mit unauslöschlichem Haß zu bekämpfenden Todfeind knistert es dermaßen im Gebälk, daß wirklich seine Unlust, den Krieg jeptzu beendigen, gut zu verstehen ist, daß man leicht begreifen nmß, warum es seine Vasallen die übrigen Mitglieder der glorreichen Entente, so fest an der Strippe ” des Abkommens vom Sevtember 19 1 4 halt, wonach keiner der Alliierten einen Separatfrieden mit uns schließen darf, und warum es weder vor Ausdehnung seiner Kriegsrüstung ins Phantastische hinein, noch vor dem wahn- sinniaen Anschwellen seiner Nationgsschuld. noch vor der grauenhaften Verantwortung für wnteres Blutvergießen entsetzlichsten Umfangs zurückschreckt. Aber was oller Vernunft und was allem Sinn kür das Maßvolle und Erreichbare widernatürlich erscheint, das ist die Aufstellung so b l ö.d s i n n i g e r K r i e g s z i e l e, wie die Entente sie sich in der Note an Wil'on erlaubt hat. das ist das Beharren auf so einfältigen Verleumdungen Deuttchlands und seiner Verbündeten, wie es sich ans diesen! selb«: Schriftstück ergibt, das ist die Beleidi
gung Amerikas, dem man die Rüge zu erteilen wagt, es sei ungehörig, den Bierbund aus den Fuß der Gleichberechtigung mit dem Zehnverband stellen zu wollen, eine Rüge, die ein Großstaat von dein empfindlichen Ehrgefühl der Vereinigten Staaten ganz gewiß um so leichter sich gefallen lassen wird, als er bei Deuttchland und Österreich-Ungarn als bei Großmächten Botschafter unterhält, das ist endlich die bodenlose Frechheit — und, wie wir eingangs schon sagten, Dummheit — des ganzen Auftretens der Entente.
Unsere Diplomaten haben gesprochen, und nun wird Hindenburg das weitere erledigen. Kaiser- Wilhelm aber hat mit dem Ausruf an das deutsche Volk, den wir an der Spitze zum Abdruck gebracht haben, wieder, wie so oft. in markigen Worten dem Ausdruck gegeben, was uns alle bewegt: den: Abscheu über die Schändlichkeit unserer Feinde, die kein Wort des Ingrimms sckarf genug kennzeichnen kann, der ruhigen Zuversicht daß nn'cr geliebtes Vaterland auch ferner nichts zu fürchten hat und der Gewißheit, daß flammende Entrüstung und heiligster Zorn fortan jeden deutschen Mannes und Weibes Kraft verdcppeln werden, gleickchiel, ob sie dem Kanivf der Arbeit oder dem opferbereiten Dulden gewidniet ist.
So bleibt uns jetzt nur übrig zu sagen: Gott sei Dank, daß die Bande das Friedensangebot abgelehnt hat! Sie mag sich auf die eiserne Abrechnung, die nun kommen wird, freuen!
*
Der „Enthusiasmus" in der englischen Presse.
>Drahtb«richt unseres bl.-SoriderhcrlchtrrstatterS.)
U. Rotterdam, 13. Jan. (zb.j Die englische Presse äußert iw allgemeinen ihre große Genugtuung über die Antwort der Verüandsmächte. Die Presse billigt die Versicherung der Berbandsmächte, sie erstrebe keine Vernichtung des Deutschtums. Man glaubt, ine Note habe gegenüber den: amerikanischen Volk den rechten Ton angeschlagen. Obendrein ist man 1er Ansicht, die Note sei ein praktischer Erfolg über die deutsche Diplomatie. Nirgendswo äußert man Erstaunen über da; Schweigen der Note hinsichtlich der deutschen Kolonien.
W.T.-B. Amsterdam, 12. Jan. Das Reutersche Bureau meldet aus London, daß sich alle Blätter e n t h u s i a ft t sch über die Antwort der Alliierten an Wilson äußern.
„Daily Telegraph" schreibt: Die Note drücke die Stimmung der berbündeten Völker voll und ganz ans. Wir glauben, daß sie in Amerika als völlig korrekte und befriedigende Antwort auf die Mitteilungen Wilsons betrachtet wird. Unter den „K r i e g s z i e l e n der Alliierten ist keines, auf das sie nicht ft o l z sein könnten. In diesem Bewußtsein fordern sie das Urteil des amerikanischen Volkes und der neutralen Welt heraus.
Die „Morning Post" sagt: Die Rede Lloyd Georges mtb die Antwort der Alliierten an die Vereinigten Staaten zeigen, daß die Alliierten das neue Jahr mit wichtiger Stimmung beginnen. England selbst bleibt unverletzt, aber sein Herz erbebt unter dem Unrecht, das seinen Freunden angetan ist. Wir wollen vereinigt bleiben, bis unsere Ausgabe durchgeführt ist.
Die „Times" meint: Die Antwort der Alliierten an Wilson mutz die Z u st i m m u n g und Billigung des großen amerikanischen Volkes finden. Sie ist im Ton außerordentlich höflich und freundschaftlich, in der Argumentierung klar und positiv, von den hohen Idealen der politischen Moral erfüllt, der alle Amerikaner immer huldigten. Deutschland, schreibt das Blatt, hat Wilsons Ersuchen um nähere Aufklärung rundweg abgeschlagen. Die Alliierten haben die allgemeinen K r i e g s z i e l e mit größerer Ausführlichkeit und Genauigkeit mitgeteilt als in irgend einer Erklärung an die eigenen Landsleute.
„Daily News" führt aus: Der Hauptunterfchied zwischen der Antwort der Alliierten an Wilson und derjenigen Deutschlands ist, daß die Alliierten offen und ausführlich die B c - dinguugen nennen. An Deutschland sei es jetzt, zu sagen, ob man noch Frieden bekomme. Die Alliierten hätten die Tür nicht geschloffen. Wir glauben, sagt das Blatt, daß die Richtigkeit der Argumente der Alliierten nirgends besser erkannt wird als in den Berernigten Staaten.
Der Ton der französischen Presse.
Br. Genf, 13. Jan. (Erg. Drahtbericht. zb.) Sämtliche der Ent-mtenote an Wilson gewidmeten Erörterungen in der französischen Presse sind auf den Ton gestimmt, daß man in Washington nunmehr voll- stän.dig im klaren därübe'- sein rnüsse. bei welcher Staatengruppe Klarheit und Loyalität, bei welcher Verdrehung der Tatsache» und falsche Vorspiegelung zu suchen sei. Der Weltkrieg habe in den Augen der zivilisierten Menschheit nunmehr sein klar umschriebenes Programm erlangt. Wenn Deutschland und dessen Berbündeten ernstlich den Frie- den wollten, so sei ihnen der Preis bekannt, den die Entente verlangt. Dieser Preis sei u n a b ä n d e r- li ch in dem Text der Antwortnote gegeben.
