Wiesba-kner TiiglilK
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Zreilag» !2. Januar 1917.
Kbend-klusgabe.
Nr. 21. . 65. Jahrgang.
Zur rechten Zeit.
Seitdem Staatssekretär Zimmerniann an der Spitze des Auswärtigen Amtes steht, macht sich ein neuer Zug in der Behandlung der dort zu bearbeitenden Fragen bemerkbar, ein neuer Zug, der jeden Patrioten mit tiefer aufrichtiger Freude erfüllen mutz. Endlich kann man das Gefühl haben: auf dem Platze, der unsere Beziehungen zu den fremden Völkern, feindlichen wie neutralen, in einer für daS Reichswohl ersprießlichen Weise regeln soll, steht der richtige Mann. Ein Mann, der mit Besonnenheit Tatkraft verbindet, der sich die Butter nicht vom Brot nehmen läßt, der unseren Platz an der Sonne zu behaupten nicht nur gewillt, sondern auch fähig ist, der den Respekt, den wir zu beanspruchen haben, nachdrücklich zu fordern und energisch durchzusetzen weiß, der bei Abfassung von Noten an das liebe Ausland eine Feder von nicht nur prachtvoller, sondern auch unzweifelhaft sehr wirksamer Act zu führen in der' Lage ist. Wir dürfen uns zu Zimmermanns Einrückung in Jagows Stelle von Herzen beglückwünschen!
Die Note, die wir nachstehend verösfentlichen, darf geradezu als ein Meisterstück der Drplomatie bezeichnet werden. Mit einer Klarheit, die unübertreff- bar ist, mit einerKühlheit undLeidenschaffslosigkeit, die in wohltuendstem Gegensatz zu der hysterischen Aufgeregtheit und der frechen Maßlosigkeit der Entente- Staatsmänner steht, mit eine^ trotz aller Gedampftheit und trotz aller Würde und Vornehmheit einprägsamen Wucht des Ausdrucks gibt sie die Antwort auf die Ablehnung unseres Friedensangebots. Aber es ist keine an die Entente gerichtete Antwort, da mit Recht bemerkt wird, die Form, die von der Entente für ihre Note an uns gewählt worden sei, schließe eine Antwort an diese Mächtegruppe aus. Ausdrücklich wird vielmehr das hochbedeutsame Schriftstück als eine Mitteilung an die Neutralen gekennzeichnet, da die Kaiserliche Regierung Wert daraus lege, die Regierungen der neutralen Staaten über unsere Auffassung der Sachlage nicht im Zweifel zu lassen. Und wenn wir die Meinung geäußert haben, diese Mitteilung sei ein Meisterstück der Diplomatie, so ist dieses Lob auch aus dem Grunde gerechtfertigt, weil zur rechten Zeit das rechte Wort gesprochen wor- den ist.
Noch war der Inhalt der Note, mit welcher die Alliierten auf Wilsons Anregung zu reagieren gedachten, der Welt nur aus unverbindlichen Äußerungen de: von Reuter und Hadas gespeisten Zeitungen bekannt, noch war das ominöse Schriftstück, in dem der Geifer Briands, Lloyd Georges und des nun ausgebcteten Trepow neuen Ausfluß finden wllt:, nicht in den Händen des amerikanischen Präsidenten — da setzte Staatssekretär Zimmermann mit einer geradezu klassischen Abfuhr für die unsauberen Maulhelden der Entente ein. Er gab ihnen eins aufs Mail!, daß ihnen Hören und Sehen vergehen muß und daß alle Neutralen, auch die ententesreundlichsten, nicht werden um- hin können, die Gerechtigkeit der Sache Deutschlands und seiner Verbündeten einer Nachprüfung zu unterziehen, die in keiner Weise zum Vorteil des Zehnverbands ausiallen kann. Zur rechten Zeit zeigte er ihnen den Meister, genau. den Moment abpassend, wo die Entente-Note an Wilson reif zur Absendung und Veröffentlichung war, und so alle Wirkung, die von den ver>mtwortlichen Redakteuren des Elaborats bei der ganzen gegen uns fast überall im neutralen Ausland herrschenden feindseligen, gehässigen oder doch unfreundlichen Stimmung erhofft werden durfte, im vorhinein vernichtend.
Die jedes deutsche Herz zu frohem Ausatmen bewegende Note geht auf die Frage der Schuld am Kriege nur mit einer geringschätzigen Form der Praeteintio ein, indem ganz knapp auf die Einkreisungs- Politik Englands, die Revanchepolitik Frankreichs, die ausgesprochene Gier Rußlands nach Konstantinopel usw. — lauter weltbekannte Tatsachen — verwiesen wird. Es wird dann benwrkt: unser Kriegsziel, die Verteidigung unserer Freiheit und unseres Daseins, sei erreicht, während die Alliierten sich immer weiter von der Verwirklichung ihrer Pläne entfernt hätten, die nach Erklärung der leitenden feindlichen Staatsmänner die Eroberung Elsaß-Lothringens und mehrerer preußischer Provinzen, die Erniedrigung und Dermin- derung der halbsburgischen Rlonacchie, die Austeilung der Türkei und die Verstümmelung Bulgariens umfassen, Und weiter bringt die Rote in höchst geschickter Weise folgende Antithesen,
Unser Friedensvorschlag soll ohne Aufrichtigkeit und Bedeutung, soll ein bloßes „Kriegsmanöver" sein, die Entente aber glaubt trotz der Kriegskarte, trotz ihrer Mißerfolge, di? sich niemals in Erfolge wandeln können, Sühne, Wiedergutmachung und Bürgschaften verlangen zu dürfen. W i r waren der Überzeugung, daß ein für alle bv;t» nnm>hm'hnr >r Friede möglich sei und baden ohne
Vorbehalt die Bereitschaft ausgesprochen, beim Eintritt in die Verhandlungen sofort unsere Vorschläge bekannt- zugeben, wodurch je der Zweifel an unserer Aufrichtigkeit hinfällig wird — die Entente versuchte weder eine Prüfung noch machte sie Gegenvorschläge, erklärte vielmehr einen Frieden für unmöglich, solange nicht Wiederherstellung der verletzten Rechte und Freiheiten sowie Anerkennung des Grundsatzes der Nationalitäten gewährleistet sei. Während die Tatsache unserer Aufrichtigkeit einwandfrei feststeht, ergibt sich die Unaufrichtigkeit der Gegner sofort bei einem Blick auf das Schicksal der Iren, die Vernichtung der Freiheit und Unabhängigkeit der Burenrepubliken, die Unterwerfung Nordafrikas durch England, Frankreich und Italien, die Unterdrückung der russischen Fremdvölker und schließlich die ohne Vorgang in der Geschichte dastehende Vergewaltigung Griechenlands. Bei uns lassen sich in Wahrheit Völker re chtsverletznngen nicht Nachweisen, während die Entente von Beginn des Krieges an alle/ bestehenden Verträge mit Füßen getreten hat. Die Londoner Deklaration hat England zerrissen und die Pariser Deklaration mißachtet, widerrechtlich ist der Aushungerungskrieg gegen ' uns und der unerhörte Druck auf die Neutralen, allen guten Überlieferungen spricht die Verwendung farbiger Truppen tu Europa und das Hineintragen des Kriegs nach Afrika zum Schaden der weißen Rasse Hohn, als krasser Bruch aller sanktionierten Abmachungen stellt sich die Behandlung der Gefangenen durch die Mächte der Entente sowie die Verschleppung der Zivilbevölkerung aus Ostpreußen. Elsaß-Lothringen, aus Galizien und der Bukowina dar.
Indem die Note zum Schluß noch die lächerliche und dreiste Geschichtslüge streift, daß wir die Neutralität Belgiens gebrochen hätten, klingt sie in die Feststellung aus. daß die Gegner bis zur Zerschmetterung Deutschlands und seiner Verbündeten kämpfen wollen, wir dageaen nur, bis ein Friede erreicht ist, der uns Ehre, Dasein und Entwickelungsfreiheit verbürgt, allen Staaten Europas aber die Wohltat gewährt, in gegenseitiger Achtung und Gleichberechtigung gemeinsam an der Lösung der großen Kulturprobleme zu arbeiten.
Wir haben gesprochen. Jetzt fahren wir fort zu handeln. ^
Die deutsche Note.
Eine deutsche SchlutzerklSrunq andie Neutralen.
W. T.-B. Berlin, 11. Jan. (Amtlich.) Den hiesigen Vertretern der neutralen Regierungen ist folgende Note der deutschen Regierung zugestellt worden:
Die Kaiserliche Regierung hat durch die Vermittlung der Regierung der Bereinigten Staaten von Amerika, der königlich spanischen Regierung und der Regierung der schweizc- rischen Eidgenossenschaft die Antwort ihrer Gegner aus die Note vom 12. Dezember erhalten, in der Deutschland im Einklang mit seinen Verbündeten den alsbaldigen Eintritt in Friedensverhandlungen Vorschlag. Die Gegner lehnen diesen Verschlag mit der Begründung ab, daß es ein Vorschlag ohne Aufrichtigkeit und ohne Bedeutung sei. Die Form, in die sie ihre Mitteilung kleiden, schließt eine Antwort an sie aus. Die Kaiserliche Regierung legt aber Wert darauf, den Regierungen der neutralen Mächte ihre Auffassung über die Sachlage zu kennzeichnen. Die Mitteluiächte haben keinen Anlaß, erneut auf Auseinandersetzungen über den Ursprung des Weltkrieges cinzugehen.
Die Geschichte wird urteile», wen die ungeheure Schuld an dem Kriege trifft.
Ihr Währspruch wird ebensowenig über die Einkreisungspolitik Englands, die Revanchepolitik Frankreichs und oas Streben Rußlands nach K o n st a n - tinopel Hinwegzehen wie über die Aufwiegelung Serbiens, den Mord in Serajewo und die Gesamtmobilmachung Rußlands, die den Krieg gegen Deutschland bedeutete.
Deutschland und seine Verbündeten, die zur Verteidigung ihrer Freiheit und ihres Daseins zu den Waffen greifen mußten, betrachten dieses ihr Kriegsziel als erreicht. Dagegen haben die feindlichen Mächte sich immer weiter von der Verwirklichung ihrer Pläne entfernt, die nach den Erklärungen ihrer verantwortlichen Staatsmänner unter anderem auf die Eroberung Elsaß-Lothringens und mehrerer preußischer Provinzen, die Erniedrigung und Verminderung der österreichisch- ungarjschen Monarchie, die Aufteilung der Türkei und die Verstümmelung Bulgariens gerichtet sind. Angesichts solcher Kriegsziele wirkt das Verlangen nach Sühne, Wiedergutmachung und Büraübatt im Munde der Gegner
überraschend. Die Gegner bezeichnen den Friedensvorschlag der vier verbündeten Mächte als ein Kriegsmanöver. Deutsch» land und seine Bundesgenossen müssen auf das nach- drücklichste Verwahrung dagegen einlegen, daß ihre Beweggründe, die sie offen durgelegt haben, auf diese Weise gefälscht werden.
Ihre Überzeugung war, daß ciu gerechter und für alle Kriegführenden annehmbarer Friede möglich fei, daß er durch einen unmittelbaren mündlichen Gedankenaustausch herbeigeführt werden könnte, und daß deshalb ein weiteres Blutvergießen nicht zu verantworten sei. Die ohne Vorbehalt ausgesprochene Bereiffchaft, beim Eintritt in die Verhandlungen ihre Friedensvorschläge bekannt zu geben, widerlegt jeden Zweifel an ihrer Aufrichtigkeit. Tie Gegner, in deren Hand es lag, das Angebot auf seinen Gehalt zu prüfen, versuchten weder eine Prüfung, noch machten sie Gegenvorschläge. Statt dessen erklären sie einen Frieden sür unmöglich, so lange nicht die Wiederherstellung der verletzten Rechte und Freiheiten, Anerkennung des Grundsatzes der Nationalitäten und der freien Existenz kleiner Staaten gewährleistet sei.
Die Aufrichtigkeit, die der Gegner dem Vorschlag der vier verbündeten Mächte abspricht, wird die Welt diesen Forderungen nicht zubilligen können, wenn sie sich das Geschick des irischen Volkes, die Vernichtung der Freiheit und Unabhängigkeit der Burenrepubliken, die Unterwerfung Rordafrikas durch England, Frankreich und Italien, die Unterdrückung der ruffischen Fremdvöller und schließlich die ohne Vorgang in der Geschichte dastehende Vergewaltigung Griechenlands vor Augen hält.
Auch über die angeblichen Völkerrechtsverletzungen der vier Verbündeten sind diejenigen Mächte nicht befugt, Beschwerde zu führen, die von Beginn des Krieges an das Recht mit Füßen getreten und die Verträge, auf denen es beruht, zerrissen haben. England sagte sich schon in den ersten Wochen des Krieges von der Londoner Deklaration lo§, deren Inhalt seine eigenen Delegierten als geltendes Völkerrecht anerkannten, und verletzte im weiteren Verlause des Krieges auch die Pariser Deklaration aufs schwerste, so daß durch seine willkürlichen Maßregeln für die Kriegsführung zur See ein Zustand der Rechtslofigkeit eintrat.
Der Aushungerungskrieg gegen Deutschland und der in Englands Interesse ausgeübte Druck auf die Neutralen steht mit den Regeln des Völkerrechts nicht minder in schreiendem Widerspruch wie mit den Geboten der Menschlichkeit.
Ebenso völkerrechtswidrig und mit den Grundsätzen der Zivilisation unvereinbar ist die Verwendung farbiger Truppen in Europa, das Hineintragen des Krieges nach Afrika, das unter Bruch bestehender Verträge erfolgt ist und das Ansehen der weißen Rasse in diesem Weltteil untergräbt. Die unmenschliche Behandlung der Gefangenen, besonders in Afrika und Rußland, die Verschleppung der Zivilbevölkerung aus Ostpreußen, Elsaß-Lothringen, Galizien und der Bukowina sind weitere Beweise, wie die Gegner Recht und Kultur achten.
Am Schluß ihrer Rote vom 30. Dezember verweisen dir Gegner auf
die besondere Lage Belgiens.
Die Kaiserliche Regierung vermag nicht anzuerkennen, daß die belgische Regierung immer die Pflichten beobachtet hat, die ihr ihre Neutralität auserlegte. Schon vor dem Kriege hat Belgien unter der Einwirkung Englands sich militärisch an England und Frankreich angelehnt und damit den Geist der Verträge s e l b st verletzt, die seine Unabhängig- feit und Neutralität sicherstellen sollten. Zweimal hat die Kaiserliche Regierung der belgischen Regierung erklärt, daß sie nicht als Feind nach Belgien komme und sie gebeten, dem Lande die Schrecken des,Krieges zu ersparen. Sw erbot sich für diesen Fall, den Besitzstand und die Unabhängigkeit des Königreichs in vollem Umfang zu garantieren uud allen Schaden zu ersetzen, der durch den Durchzug der deutschen Trupven verursacht werden könne. Es ist bekannt, daß die königlich großbritannische Regierung im Jahre '1887 enffchlossen war, sich der Inanspruchnahme eines Wegerechtes durch Belgien unter diesen Voraussetzungen n i ch t z u w i d c r s e tz c n. Die belgische Regierung hat das wiederholte Anerbieten der Kaiserlichen Regierung ab gelehnt. Auf sie und diejenigen Mächte, die sie zu dieser Haltung verführt haben, fällt die Verantwortung für das Schicksal, das Belgien betroffen hat. Die Anschuldigungen wegen der deutschen Krregsführung in Be!.,
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