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Verlag Langgasse 21

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Zrettag, 12. Januar 19!7.

lNorgen-Kusgabe.

Nr. 20. 65. Jahrgang.

Versenkung eines englischen Schlachtschiffs.

Line schneidige U-Vootr-Tat.

W. T.-B. London, 11 Jan. (Drahtbericht.) Amtlich wird gemeldet: Das SchlachtschiffCornwallis"

wurde im M i t t e l >n e e r am 9. Januar von einem feind­lichen Unterseeboot versenkt. Der Kapitän und sämtliche Offiziere wurden gerettet; 13 Mann werden vermißt. Man glaubt, daß sie durch eine Explosion ums Leben gekommen find.

Das Flugzeugschiff (wörtlich: waterplan Courier) Boumachree unter dem Kommandanten Samson wurde am 11. Januar im Hafen der Insel Castellorizo durch Geschütz- fcurr zum Sinken gebracht. Ein Offizier, vier Mann wurden verwundet.

' (DerCornwallis" wurde im Jahre 1901 gebaut, er matz 14 200 Tonnen und führte 4 30H-Zentimeter-Geschütze und 12-Zentimetsr-Geschütze. Schriftl.)

vom Frieden.

In englischen Blättern wird die Krage behandelt, ob der Vieroerband nicht gut daran täte, ferne Frre- densbedingungen auf zweierlei Weise bekanntzugeben, nämlich indem er ein M i n i nr u m und ein Maximum an Forderungen aufstelle. Das wäre alfo eine Art von Generaltarif mit angehängtem Ver- tragstarif, eine Übertragung handelspolitischer Formen auf die von Krieg und Frieden. Fügt sich unser Vier­bund dem Willen der Feinde, dann soll uns der Mini­maltarif zugebilligt werden, anoererseits droht uns der Schrecken der politischen K a m p f z ö l I e. Der Ge­danke hat nun nicht gerade die Merkmale der Neuheit, .schon die alte Dame Sibylle liefe sich bei ihrem vor- bildlichen Tun von gleichen Absichten leiten, und wir selber machen es selbstverständlich nicht anders als der ^Vierverband: auch unsere Bedingungen werden hoffent­lich von jener anschmiegsamen Gelenkigkeit sein, die es ermöglicht, sie je nach der Kriegslage verschieden 'zu gestalten. Man hat sich allzusehr in die Frage ver­bissen, ob Herr Wilson unsere Friedensbeüingungen kenne. Ein einfaches Nein oder ein einfaches Jo kann die zutreffende Antwort nicht geben, sondern es wird so liegen, daß der Präsident eb»nsogut wie viele andere Personen in führenden Stellungen die Umriß­linien unserer Forderungen kennen werden, nicht weil man sie mitgeteilt hat, ändern weil sie sich aus zahlreichen nachprüfbaren Momenten ungefähr ergeben. Diese Bedingungen, wie sie auch beschaffen sein mögen, können nun aber inimer nur für die Zeit gegolten haben, in der sie a u f g e st e l l t wurden, und sie wer­den sich naturgemäß ändern, wenn die uns aufge­zwungene Fortsetzung des Krieges unsere Stel­lung, wie wir doch hoffen dürfen, wesentlich ver­bessert. Auch der Reichskanzler hat erklärt, daß un­sere Forderungen wachsen werden, wenn die Feinde sUns dazu nötigen, ihre aussichtslosen Angriffe durch ein noch größeres Kräfteaufgebot vollends zunichte zu machen. Man hat es der Reichslcitung zum Vor­wurf gemacht, daß sie der steten Berufung des Herrn !Scheidemann auf ein vermeintliches Wissen um l unsere Kriegsziele nach Westen hin nicht widersprochen hat. Aber wie hätte sie das tun können, ohne einen Teil der Kriegsziele vorzeitig bekanntzu­geben Schließlich ist es doch kein schade, wenn das französische Volk zu hören bekommt, wir würden mit Frankreich glimpflicher umgehen, als man dort zurzeit glaubt. Das, was wir wirklich Vorhaben, hat mit dem, was Scheidemann und derVorwärts" be­haupten, nur dann etwas zu tun, wenn der Reichs­kanzler irgendwie zu verstehen gibt, es verhalte sich so, iwie es die Sozialdemokratie darstelle. Das Schwei­gen über die Äußerungen SckeidemannS bedeutet an sich gar nichts. Wie aber auch unsere politische und unsere militärische Führung über dierealen Garan­tien" denken mögen, die wir im Westen, nicht bloß auf belgischem Boden, sondern darüber hinaus, zu erzwin­gen haben werden, so wird, wie getagt, das Maß un­serer Bedingungen immer von. dem Verlaufe des Krieges selber abhängig bleiben. Das darf uns in der Zuversicht bestärken, daß der Nahmen erweitert werden wird, wenn uns das Jahr 1917 die Krönung unserer Anstrengungen verschafft, llrffere Friedens- bedingungen, wie sie der Viecbund ans die vorge- schlagen? Konferenz mitbringen wollte, gelten nicht mehr, seitdem das Friedensanaebot abgelehnt worden sie werden von anderen Bedingungen

abgelöst werden. Welche das sein werden, darüber wer­den die Kriegshandlunqen entscheiden. In­zwischen warten wir mit Gelassenheit ans die Andeutung der feindlichen Kriegsziele. die ja nach Ankündigungen aus London und Paris in der Antwort an Wilson' einigermaßen gegeben werden soll. Niemand kann sich vorstellen, daß die Forderungen der Feinde von uns und unseren Verbündeten als brauchbare Grundlage einer weiteren Aussprache gewürdigt werden könnten. Man weiß aus den Reden der feindlichen Sraats- männer und ans ihrer Note an uns gerade genug, um die Gewißheit zu haben, daß, so lange die Politik der krankhaften Überhebung fortdauert, ein Zu­sammenkommen unmöglich sein wird. Es ist des­halb ohne Sinn und Zweck, jetzt überhaupt von Frieden zu sprechen. Es kann nur eines geben, die Entscheidung auf den Kanipfschau- plätzen, die Brechung des feindlichen Widerstandes, die Führung des Krieges mit den äußersten Mitteln der militärischen wie der moralischen Kratt Es ist immer dasselbe: will der Vierverband es aushalten, w halten auch wir es aus; nach einem halben Jahre wird man sich wieder sprechen, und dann werden unsere Feinde wohl be­trächtlich umgänglicher geworden sein.

*

Die päpstliche Antwort zu den Friedens­noten.

Br. Genf, 11. Jan. (Erg. Drahtbericht, zo.) Aus vati­kanischen Kreisen will derPetit Puristen" effahren haben, daß dir nach Berlin und Washington zu richtenden Antwortnoten der päpstlichen Staatssekretäre auf die Frie­densangebote ttt der Form voneinander abweichen, aber im Wesen identisch sein werden. Der Pavst werde angeblich darin seiner Friedensliebe aufs neue Ausdruck geben, jedoch sagen, daß er nach deii dem Madrider Kabinett angegebenen. Gründen eine positive Mitwirkung bet etwaigen Frie­densschritten der neutralen Staaten für nicht zeitgemäß erachte.

Der ignorierte Vatikan.

Br. Wien, 11. Jan. (Eig. Dvakhtbericht. zlb.) DieZeit" meldet aus Lugano: Die Führer der Entente sind aus Rom abgereist, ohne den Vatikan zu besuchen.

Kein Unterstützuttgsnnsuchen für Wilsons Note.

W. T.-B. London, 11. Jan. (Drahtbericht.) Mit Bezug auf die Erklärung des amerikanischen Gesandten im Haag, v. Dyke, daß er die Note des Präsidenten Wilson nicht mit eine Bitte um Unterstützung, von seiten Hollands be­gleitet habe, erfährt die Affociated Preß aus Washington, daß das Staatsdepartement die Erklärung abgegeben habe, daß die Vertreter der Vereinigten Staaten in den neutralen Ländern kerne Anweisung gehabt hätten, um Unter- stützung zu bitten, und zwar in der Annahme, daß die Note für sich selost spreche. Aber Lansing verständigte die neutralen Vertreter in Washington, daß Wilson ihre Unterstützung willkommen heißen werde, toenn sie den Augen­blick dafür für geeignet hielten.

Eine nusdrürkliche Verleugnung des Botschafters Gerard?

Br. Haag, 11. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die Central News" melden aus London: DieNew Avrk

World", die in nächster Verbindung mit dem Weißen Haus in Washington steht, erklärt, daß der amerikanische Gesandte in Berlin bei seiner kürzlichen Rede nicht un Namen des Präsidenten oder des Kabinetts gesprochen habe.

Skandinavischer Plan einer nentcalen Konferenz nach dem Kriege.

(Drahtbericht unseres 8.-SonderberichterstatterS.)

3. Stockholm, 11. Jan. (zb.) Zur Meldung von einer bevorstehenden schwedischen Anregung, die neutralen europäischen Länder möchten zu einer Konferenz zusammen­treten, um über die völkerrechtlichen Interessen nach dem Kr:egsschlusse zu beraten, erfährt die dem Ministerium des Auswärtigen nahestehendeStockholms Tidningen": Die

schwedische Regierung kann in dieser Form die Nachricht Glicht vollkommen bestätigen. Sie steht jedoch dem Gedanken eines ausgedehnten Zusammenwirkens der neutralen skandi­navischen Regierungen nicht fern. Sie hat diesen Gedanken auch schon auf der dritten nordischen Konferenz "um Ausdruck gebracht. Es scheint darum richtig zu sein, daß neuerdings von seiten der schwedischen Regierung ein derartiger Schritt bevorsteht. Rur soll der Zweck dieser Konferenz weitergehen, als in der Meldung, die in Berlin verbreitet wurde, ange­nommen worden rst.

Weiteres ans der Kriegsziel-Nede des eng­lischen Arb ertcrministers Barnes.

Br. Haag, 11. Jan. (Eig. Drahbbericht. zb.) Nach dem Manchester Guardian" sagte der englische Avbeiterminister Barnes in seiner Rüde, nachdem er für die Erringung des Sieges eingetreten war, noch folgendes: Wir sollten die Ei u- ladung Wilsons, ihm wenigstens mitzuteilen, was un­sere Bedingungen öder Ziele sind, annehmen. Obenan diese Ziele veröffentlichen soll, ist eine andere Frage. W>r dürfen Wilson keinen .Zweifel über unsere allgemeinen Ziele lassen. Sie sind in dem, was sie sondern, wie in dem, was sie ablehnen, von gleicher Wichtigkeit. Er müßte die Sicher­heit bekommen, daß England nicht die Deutschen und nicht Deutschland oder irgend jemand oder irgend etwas zer­schmettern wollen. Die militärische Macht, die wollen wir zerschmettern, und nicht nur in Deutschland, son- dern überall. Ich meine, man sollte dem Präsidenten unsere negativen Ziele mitteilen und ihm klar machen, daß wir nicht im mindesten unser Gebiet oder unsere Macht irgendwie er­weitern wollen.

Oie Siele unseres Kampfes.

Paul B a e ck e r, ln dessen Händen nach Oertels Heim­gang die Leitung derDeutschen Tageszeitung" liegt, er­örtert in einem Leitartikel kurz und kühl die Bedingun­gen, unter denen wir zum Frieden bereit sind und die nach der Ablehnung unseres Dezemberangebots nunmehrdas deutsche Schwert unseren Feinden aufzwingen müssen und aufzwtngen werden". Wir lassen die wichtigsten Sätze dieses Artikels nunmehr folgen:

Belgien muß künftig deutsches Vorland wer­den, um unserer Sicherheit willen. England baute seine völkerrechtswidrigen Abspcrrungspläne gegen uns vor allem auf der Ungunst unserer geographischen Lage auf. Um sie zu verbessern, brauchen wir darum zur unteren Maaslinte auch die flandrische K ü st e. Militärisch, politisch und wirtschaftlich muß Belgien in unserer Hand bleiben. In der Linie der feindlichen Brückenkopf-Politik lag auch die Zurück­setzung und Unterdrückung des flämischen Volkstums in Belgien; um so mehr muß dem für die Zukunft seine natio­nale Entwicklung gesichert werden. Festzuhalten ist, daß die Frage, wer in Zukunft die flairdrische Küste beherrschen wird, gleichbedeutend ist mit der, welche Partei als diese aus diesem Krieg hervorgeht. An dieser Frage hängt unsere künftige See- und Weltmochtstellung und zugleich ist diese die Achse unserer Kriegspolitik.

Verlangen müssen wir selbstverständlich die Rückgabe der geraubten Kolonien; unser- künftiges kolonial- politisches Ziel muß Konzentration und Sicherung unseres Kolonialbesitzes sein. In effter Linie kommt dafür Afrika in Frage.

Über unser westliches Kriegsziel nach der fran- zösischen Seite hin entscheiden in erster Linie rein politische Interessen, zugleich aber auch wichtige wirffchastliche Gesichts­punkte, die mit den militärischen im inneren Zusammenhang stehen.

Im Osten brauchen wir bessere Abrundung und Sicherung unserer Grenzen, deren mangelhafte Verteidigungsfähigkeit in die Augen springt. Auch hier kommen zunächst militärische Gesichtspunkte in Frage. Zu­gleich aber weist uns die Rolle, die der Hungerkrieg im Plane unserer Gegner spielt, und die Brutalität, mit der sie nicht nur das Deutsche Reich, sondern alles ungeschützte Deuffchtum auf der Erde zu vernichten suchen, ein Sicherungs- und Ber- teidigungsziel, das von grundlegender Bedeutung und eine Notwendigkeit in sich ist: ein größeres Stück Siedlungsland, um unsere Nahrungsmittelversorgung auf eine noch festere Grundlage zu stellen, deutsche Rückwanderer und unseren Bevölkerungsüberschuß nnterzubringen und uns so eine ge­sunde Entwicklung unserer Völkskraft zu sichern. Daß Kur­land und Litauen deutsch bleiben, mutz darum zunächst selbstverständlich sein. Der Kern des Kriegszielproblems nach Osten liegt darin, daß dieser uns aufgezwungene Krieg die letzte Gelegenheit ftir unser Volk bietet, sich in Mitteleuropa selber zu schaffen, was wir für Kinder und Enkel brauchen an eigener Nahrung und gesunder Menschenkraft.

Neben der territorialen Sicherung unserer Zukunft müssen wir aber unbedingt auf einer Kriegsentschä­digung bestehen, die unsere ungeheuren Kriegsopfer an Gut aasgleicht. So weit sie in bar nicht sollte geleistet wer­den können, müssen wir entsprechende sichere Bürg­schaftswerte in die Hand bekommen.

Um diese Ziele zu erreichen, ist allerdings eines unbe­dingt notwendig, der direkte Sieg über England. Es ist darum das Kampfziel, oas zunächst vor unseren Augen liegt, die Erreichung dieses Zieles ist uns sicher, wenn wir .mit kühnem Entschluß und unbeugsamem Willen England das Schicksal bereiten, das es uns zudachte. Aus ihm folgt bann die Erreichung der anderen Ziele von selber.