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Verlag Langgasse 21

„L«gBl»uh»ns".

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13 Ausgaben.

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„TagblatihanS" Nr. 66L0-53.

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Donnerstag» 11. Januar 1917.

lNorgen-Kusgabe.

Nr. 18. ♦ 65. Jahrgang.

Hit unsere Leser!

Me Kriegswirtschaftsstelle für das deutsche Zeitungsgewerbe in Berlin hat die Bezugsmengen von Zeitungspapier aufs neue wesentlich beschränkt, so daß wir uns zu unserem Bedauern genötigt sehen, von heute ab bis zur Aufhebung der kriegswirtschaftlichen Bestimmung die täglich in der Morgen-Ausgabe des „Wiesbadener Tagblatts" erscheinende Beilage „Der Roman" als solche wegfallen zu lassen und deren In­halt in den übrigen Teilen des Blattes zu veröffent-

Der Verlag-

vie bewaffneten englischen Handelsschiffe.

Eine Erklärung der Londoner Admiralität nnd eine deutsche Gegenerklärung.

„Wir halten uns an Tatsachen, nicht an Räsonnemcnts."

W. T.-B. Berlin, 10. Jan. (Amtlich. Drahtbericht.) Eine durch Polohu verbreitete Mitteilung der englische« Admiralität besagt, es würden von Deutschland Anstrengun­gen gemacht, Zweifel auf den streng defensiven Charakter der Bewaffnung zu werfen, die bri­tische Handelsschiffe tragen. Die Admiralität sagt, der britische Grundsatz sei ganz klar» sie könnte keinen Unter­schied zngeben in de» Rechten unbewaffneter Schiffe nnd der rei» zur Verteidigung bewaffneten Schiffe. Jeder habe das Recht, sich gegen Angriff, einen Besuch oder eine Durchsuchung dnrch den Feind mit allen zu Gebote stehenden Mitteln z« verteidigen, darf aber den Feind nicht znm Angriff aufsuchen, was Pflicht der Kriegsschiffe ist.

Diit einer solch durchsichtigen Dialektik wird kein sachliches Urteil getrübt werden» es sei denn, daß man die Hülle des Wortschwalls absichtlich nicht zu lüften wünscht.

Wir stehen in einem harten Kampf und halten uns an Tatsachen, nicht an Räsonnements. Die feind­lichen Handelsschiffe trage» ihre Bewaffnung, wobei die eng­lische Marine «ach dem Grundsatz handelt, daß der A n g r i f f die beste Verteidigung ist. Das ist erwiese» nach Befehlen und deren tatsächlicher Durchführung, die unsere Handlungsweise bestimmt.

Oie militärische Lage.

(Don unsererBerlinerAbteilung.)

tu Berlin, 10. Jan. (Eig. Meldung. Drahtbericht.) Die Versuche derRussen, unser Vordringen in der rum ä- nischen Moldau zum Stehen zu bringen, halten auch an den beiden letzten Tagen keinerlei Erfolg. Strategisch erscheint von besonderer Bedeutung, daß am 8. und 9. Januar beiderseits des K a s i n u t a l e s Gelände gewonnen und dort 6 Offiziere und 900 Mann zu Gefangenen gemacht sowie 3 Maschinengewehre eingebracht wurden. Der Kasinu fließt in nordöstlicher Richtung und mündet östlich in den T r o t u s, einem Nebenfluß des Sereth. Dieser Kampfabschnitt liegt etwa 60 Kilometer nordöstlich von Forsani» so daß sich also das Manöver zu vollziehen scheint, das zur schnellen Einnahme von Focfani führte. Die Russen gedachten, entlang des Milrovu-Flusses und bis F u n d e n i eine stark aus­gebaute Feldstellung als Riegel gegen unser weiteres Vor­bringen halten zu können. Diese Stellung wurde aber da­durch erschüttert, daß durch das Gebirge von Westen die Verbündeten in die F l u ß t ä l e r der P u t n a und der Susita einbrachen, demnach in den Rücken der Milcovu- Stellung zu kommen drohen. Jetzt müssen die bis hinter »c nordsüdlich fließende Putna zurückgeworfenen ruffischen Truvpen wegen dieses Borstoßes im K a s i n u t a l e die gleiche Befürchtung hegen. Auf dem Nordostufer der Putna hielten sich die rnffischen Abteilungen, wurden in- deffen am 9. Januar genötigt, zwischen Focsani und Fun- deni das ganze Gebiet zu räumen nnd hinter den Sereth zurückzugeben.

Bon der Dobrudscha - Donaulinie wird nichts Neues gemeldet, ans Mazedonien nur der zurückge­wiesene Angriff einer feindlichen Abteilung nördlich von Monastir.

Dagegen blieb der Kamps im N o r d t e i l unserer Ostfront rege. Auf die beiden neuen Russen st ürme vom 8. Januar an der A a, die mit schweren Berlusten für den Feind abgeschlagen wurden, folgte am 9. Januar von der Küste bis zum Rarodsee außerordentlich lebhafter Ge­schützkampf. Auf L u ck wurden am 8. Januar Bomben geworfen.

Im Westen beschränkte sich an den beiden letzten Tagen der Kampf auf Patrouillruunternehmunge«, die dem Feinde

mißlangen. -

Dos Entente-Ultimatum von der Athener Regierung obgelehnt.

Fieberhafte Betreibung der Maßnahmen zur Kriegsbereitschaft.

(Drahtbcricht unseres Kr.-Sonderberichterstatters.)

Kr- Genf, 10. Jan. (K.) Die „Agentur Radio" meldet aus dem Hafen von Piräus: Die Athener Regierung beschloß endgültig, die von der Entente geforderten Truppentransporte, die Überwachung der P o st und die Freilassung der verhafteten Benizelisten abzulehnen. Was den ersten Punkt der Ententenote anbetreffe, so wolle die Athener Regierung geringfügige Genugtuung für die Borgänge in den ersten Tagen des Dezember bieten, verlange aber dafür von der Entente die feierliche Garantie, daß sie die revolutionären Umtriebe auf den griechischen Inseln nicht be­günstige. Wie die Pariser Ausgabe des „New Jork Herald" meldet, betreibt die Athener Regierung fieberhaft alle Maßnahmen zur Kriegsbereitschaft.

Der erste Pfeik aus dcm.ru Non» neugefüllten Entente-Köcher.

„Heiliger Egoismus. Auch gegenüber den kleine» Nationen."

W. T.-B. Bern, 10. Jan. (Drahiibevicht.) Das „Berner Dagblatt" bemerkt zu dem Ultimatum an Griechen­land: Neun fliegt der e r ft e P f e i I aus dem in Rom von den Staatsmännern der Entente neugefüllten Köcher. Er hat das wehrlose, doch nicht ganz ungefährliche Grie­chenland zum Ziel, das sich den höheren militärischen Zwecken der machtvoll aufrückenden Koalition uuterordnen muß. Sacro egoismo! Auch gegenüber kleinen neutralen Staaten. So wird die Gewaltpolitik von dieser Seite hochtönend begründet.

Mit dem „Nein!" des Königs Konstantin hat der Kriegsrat in Rom gerechnet.

Br. Karlsruhe, 10. Jan. (Eig. Twahtbericht. zib.) Nach Züricher Blättern meldet die von der Entente bediente „Neue Korrespondenz" aus London: In einer Depesche aus dem Piräus an die „Times" wird die Möglichkeit ins Auge ge­faßt, daß König Ä o n st a n t i n das Ultimatum der Alliierten a b l e h n e it wird. In diesem Fall wird die Entente die diplomatischen Beziehungen zu Griechenland a b - brechen und die Gesandtem werden die Haupt sta d t verlassen. Immerhin steht noch nicht fest, wo gegen d'e Truppen des Königs militärisch vorgegangen würde. Dagegen soll die Blockade mit größter Strenge durchge­führt werden. Zwischen General S a r r a i l und Eadorna haben eingehende Besprechungen in Rom wegen der militärischen Maßnahmen in Grie­chenland im Fall der Ablehnung des Ultimatums stattge- fundem

(Hierzu fei bemerkt, >daß die diplomatischen Beziehungen zwischen der Entente und Griechenland formell schon längst nicht mehr bestehen. Rur der italienische Gesandte weilte bis­her noch auf griechischem Boden, um eine Brücke zu erhallen. Die Schrift!.)

Französischem Unmut über Englands Abneigung gegen das Saloniki-Unternehmen.

Das zweischneidige Schwert des Ultimatums an Griechenland.

(Drahtbericht unseres Kr.-Sonderberichtersiatters.)

Kr. Bern, 10. Jan. (zb.) Die Pariser Preffe, insbeson­dere die radikale, stellt mit Bödwuern fest, daß in England immer nachdrücklicher der Gedanke besprochen wird, das vor­teilhafteste, was die Entente tun könne, wäre der Rückzug von Saloniki. Diese Londoner Stimmen wären um so mehr zu beklagen, weil sie naturgemäß den Widerst« n d des Königs K o n st a n t i n gegen das Ultimatum nur evhöhen könnten. Daß man bei den verschiedensten Parteien in Frankreich durchaus nicht überzeugt ist, die Entente handele mit ihrer schroffen Tonart gegeii Griechenland zu ihrem Nutzen, gehe daraus hervor, daß die nationalistische „Libre Parole", wie der sozialistische „Bannet Rouge" über­einstimmend die Befürchtung ausspvechen, das Ultimatum werde sich als ein z w e i s ch n e i d i g e s Schwert erweisen. In anderen Zeitungen Lieft man, das Ultimatum werde schon deshalb seinen Zweck — die Einschüchterung des Ministeriums Lambros — verfehlen, weil die Mittel für >die Blockade unzureichend seien. „Petit Pavisien" erfährt von eingeweihter Seite, daß die Kon­ferenz hauptsächlich wegen der griechischen Frage notwendig geworden sei. Man habe die Einigkeit h e r z u st e l I e n vermocht. Dem Vertreter des „Petit Parisien" in Turrn bestätigte Ministerpräsident B r i a n d ans der Durchreise, er wäre deshalb hoch befriedigt von dem Ansgang der römischen Verhandlungen, weil Italien seine Versprechungen halten werde. Demnach scheint die Befürchtung recht ernst

gewesen zu sein, daß Italien von seiner Sonder­stellung gegenüber Griechenland zu noch weiteren Sonder- aktionen übergehen könnte. Briand legte Nachdruck daraus, daß in den Hauptfragen wieder vollste Einig­keit herrsche. Zu diesen Hauptfragen gehört nach dem „Petit Parisien" auch Saloniki, ferner die Förderung einer militärischen einheitlichen Leitung, auch be­treffs der gegenseitigen Versorgung mitR oh st o ff e n wurde eine Einigung erzielt.

Zurückziehung der französische« Marine- svlduteu aus dem Rathaus von Piräus.

W. T.-B. London, 10. Jan. (Trahtbericht.) „Daily Tele­graph" wird aus der Keratsini-Bucht vom letzten Freitag ge­meldet: Um neuen Schwierigkeiten vorzubengen, zog der französische Admiral heute früh die Abteilung französischer Marinesoldaten zurück, die das Rathaus von Piräus bewachten, so daß die Stadt jetzt ganz den Griechen überlasten ist. Infolgedessen wurde auch das Hafenkontrollbureau der Alliierten geschloffen. Die Verbindung mit dem Lande, die bisher aufrecht erhalten wurde, ist jetzt abgeschnitten.

Oer Sturz Trepows.

Höchst ungnädige Verabschiedung des „starken Mannes".

Br. Berlin, 10. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die plötz­liche Ersetzung des erst am 24. November v. I. berufenen ruffischen Ministerpräsidenten Trepow durch einen politisch fast unbekannten Mann, den Fürsten G a l i z y n, hat überall E r st a u n e n hervorgerufen. Zwar ließ der Wider­stand, den Trepow in der D n m a fand, und seine Unfähig­keit, die Unstimmigkeit zwischen Regierung und Volksver­tretung zu beseitigen, darauf schließen, daß demnächst eine Personenveränderung eintreten werde. Aber eine so schnelle und ungnädige Verabschiedung des starken Mannes hätte niemand erwartet, und es muß auffallen, daß in der amllichen Bekanntmachung nichts von Amts­müdigkeit oder Krankheit gesagt wird, sondern die Un­zufriedenheit des Zaren mit feinem ersten Regie- rnngsbeamten offenbar ist. Sollte seine Abberufung mit den Ereignissen in Moskau, die ja in ganz Ruß­land große Empörung hervorriefen, in Zusammenhang stehen, so mag in der Form, in der sein Rücktritt bekannt ge­geben wird, vielleicht Absicht liegen.

Der neue Ministerpräsident Fürst Petrowitsch Galizyn- M u r e w l i n ist am 6. Dezember 1868 geboren. Er ist mehr bekannt geworden durch seine Betätigung in allerlei gemein­nützigen Besttebungen als durch seine Schriftstellerei, die er unter dem Namen Mnrewlin betrieb. Dem Reichsrat gehört er erst seit wenigen Jahren an. Verheiratet ist er seit 1886 mit Olga Haritonow. Der Fürst gehört einer der ältesten Familien des ruffischen Hochadels an und zählt zu den ver­trautesten Persönlichkeiten des Zarenhofes. Er gilt fiir einen Mann von gemäßigter konservativer Ge­sinnung, der nach allem, was von ihm bekannt ist, das Plazet des Herrn Buchanan finden wird. Zweifel­los ist seine Berufung auf innerpolitische Vor­gänge znrückzuführen, mit Angelegenheiten der äußeren Politik, des Krieges oder Friedens hat die Absetzung Trepows und des Unterrichtsminifters I g n a t i e w schwerlich etwas zu tun. _

Var Ergebnis der Rom-Uonferenz.

Demnächst wird in den illustrierten Zeitschriften nnd Blättern der Vierverbandspresse wieder jenes interessante Bildchen prangen: Die Konferenz der

Alliierten. Um einen Riesentstch 20 Stühle. Darauf die Größen der Erstente. Diesmal in der Consulta zu Rom, in dem zweistöckigen Barockgebände an der Piazza del Quirinale, in der Sala Rosta, deni Prunksaal mit der roten Damasttapete und den Louis XIV.-Möbeln; Cavour, Crispi und die anderen einstigen Freunde Deutschlands, deren Gemälde an den Wänden hängen, mögen verwundert genug auf das tolle Treiben ihrer Nachfolger herabgeblickt haben. Es war eine Hetzjagd von Beschlüssen und die amtliche Mitteilung des „Er­gebnisses" dementsprechend dürftig, ja kläglich. Wenn erreicht worden wäre, weswegen Lloyd George und Briand gekommen waren, nämlich die Beteiligung Italiens an der Westfront und in Griechen­land durchznd rücken, dann hätte es der amtliche Be­richt sicherlich frohlockend verkündet. <co aber klingt es einfach albern, wenn die italienischen Zeitungen schrei­ben, die gefaßten Beschlüsse seien nicht in die Öffent­lichkeit gelangt, damit sie der Feind nicht erfahre. Der Feind weiß genug. Es sollte eine große Schau für die alliierte und neutrale Welt sein- Seht, wie wir zu- saminenhaltenl Seht, wie wir uns „entwickeln". Ew