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Mittwoch» 10. Januar 1917.
klbend-klusgabe.
Nr. 17. ♦ 65. Jahrgang.
Rücktritt des russischen Ministerpräsidenten Trepow.
IV. T.-B. Petersburg, 10. Jan. (Drabtbericht.) Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur: Ministerpräsident und Bcrkehrsminisirr Trepow und Unterrichtsminister Graf Ignatiew wurden in den Ruhestand versetzt. Senator und Mitglied des Reichs- ratcs Fürst Golizyn wurde zum Ministerpräsidenten ernannt, Senator Kultschitsk^i mit der Führung des Unterrichtsministeriums betraut. Der Gehilfe im Ministerium des Austern Neratow wurde zum Mitglied des Reichsratrs ernannt.
verZein- zwischen Zocsani u.§unLein hinter den Senth zurückgedrSnct.
Nördlich Zocsani das linke putnaufer von uns erreicht.
Weitere 1150 Gefangene.
Der Feind auch nördlich und südlich des basinntales zurückgetrieben.
Oer Tagesbericht vom 10. Januar.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 10. Januar. (Amtlich.)
Weitricher Kriegsschauplatz.
Bei Sturm und Regen blieb dir GefechtStätigkeit gering. Nur an der Ancre lebhafte Artilleriekämpfe.
(stlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bauern.
Starke russische Angriffe südwestlich Riga sowie zahlreiche Vorstöße kleinerer Abteilungen zwischen Küste und Narocz-See blieben auch gestern ohne jeden Erfolg.
Front des Generalobersten Erzherzog Joseph.
Vergeblich versuchten Russen und Rumänen die ihnen entrissenen Höhen st ellungen beiderseits des S u s i t a - Tales zurückzugewinnen. Unter blutigsten Verlusten scheiterten die mit starken Kräften auögeführten Gegenangriffe. Nördlich und südlich des Cas inu-Tales wurde der Feind weiter zurnckgetrieben. In den Kämpfen der beiden letzten Tage fielen 6 Offiziere, 900 Mann und drei Maschinengewehre in unsere Hand.
Heeresgruppe des Generälfeldmarschalls v. Mackensen.
Nördlich von F o c s a n i gelang es uns ans dem linken Putnaufer Fuß zu fassen.
Zwischen Focsani und Fundeni zwangen wir den geschlagenen Gegner, seine Stellungen hinter der P u t n a aufzugeben und hinter den S e r e t h zurückzu- gchen. 550 Gefangene wurden eingcbracht.
An der R i m n i c u l - Sarat-Mündong hielten wir im Angriff errungene Fortschritte gegen mehrere feindliche Vorstöße.
Mazedonische Front.
Nächtliche Angriffe an der Struma wurden abgewiesen. Der erste Generalquarti-cmeister: Lndeadorff.
*
Der deutsche Abendbericht.
W. T.-B. Berlin, 9. Jan., abends. _ (Amtlich.)
Im Westen geringe GefechtStätigkeit.
Bei Riga und Jaeobstadt blieben russische Angriffe rrsolglos.
*
Der Sieg in der fünftägigen Schlacht am Pntna.
W. T.-B. Berlin, 9. Jan. (Amtlich.) über die letzten Kämpfe vom 4. bis 8. Januar meldet das Armeeoberkom- mando 9: Der Sieg in der fünftägigen Schlacht am Pntna ist errungen. Der Gegner war in einer von Natur starken, gut ausgebauten Stellung, deren Hauptteile die Brückenköpfe Fundeni und Focsani bildeten, anzugreifen. Nach Beendigung der Angriffsvorbereitungen wurden am 4. Januar die Vorstellungen genommen. Am 5. Januar brachen deutsche Divisionen in den Brückenkopf Fundeni ein. Am 6. Januar seyte ein groß angelegter, mit starken Massen geführter russischer Gegenangriff in 25 Kilometer Breite ein. Der Plan der Russen war, die Mitte der 9. Armer zu durchbrechen; er scheiterte an dem zähen Wider st and unserer Truppen und an der Stoßkraft bewährter w e st - preußischer Bataillone, die den Feind zum Stehen brachten und die durch einen vorübergebenden Erfolg des Feindes geschlagene Lücke schlossen. So konnte unser Angriff am 7. Januar fortgesetzt werden. Die unter den Generalmajoren Hüller und M e l m s und dem Feldmarschalleut- nant G o i g i n g e r fechtenden deutschen und österreichischungarischen Truppen brachen in die Focsani-Stellung ein, stießen tief durch überrannten die zweite Linie, während gleichzeitig die deutschen Gebirgstruppen den Feind aus
den Waldbergen des O d o b e st i - Stockes warfen. Damit war die Schlacht entschieden. Die Mitte und der linke Flügel hpr Milcovu-Stellung waren nicht mehr zu halten. Am 8. Januar fiel Focsani als Siegespreis sowie das gesamte rechte Putna-Ufer in unsere Hand. Neben schweren blutigen Verlusten büßte der Feind noch 99 Offiziere, über 5409 Gefangene, 3 Geschütze und 10 Maschinengewehre ein.
*>er amtliche bulgarische Bericht.
W. T.-B. Sofia, 10. Jan. (Trahtbericht.) , Bulgarischer Generalstabsbericht: Mazedonische
Front: Englische Kompagnien versuchten im nördlichen Teil der Ebene von Serrth gegen Barakli- D e ch u m a j a und deren Umgebung vorzurücken. Wir vertrieben sie durch Artilleriescuer. An gewissen Punkten der Front spärliches Artlllcriefener von beiden Seiten und stellenweise vereinzelte Schüsse des Feindes. Rumänische Front: Ein feindlicher Monitor beschoß vom Kilia-Arm ans die Stadt Tulcea. Wir versenkten durch Arttlleriefeuer ein feindliches Transportschiff westlich von Tulcea.
Galatz von der Zivilbevölkerung geräumt.
Stockholm, 10. Jan. (zb.) Großfürst Georg Michai- l o w i t s ch ist mit besonderer Mission vom Zaren in Rumänien eingetroffen und im rumänischen Hauptquartier in Gesellschaft des Königs Ferdinand angelangt. Wie die Zeitungen aus Odessa mitteilen, berichten Flüchtlinge, daß ganz Galatz bereits geräumt ist. Der Stadtpräfekt von Galatz hat durch Maueranschiag der Bevölkerung mitgeteilt, daß die Stadt bedroht sei. Alle Schulen sind nach Jassy übergeführt worden. Die Zeitungen haben das Erscheinen eingestellt.
Die Rumänen fürchten um den Rest ihres
Landes.
London, 10. Jan. (zb.) Der „Times" wird vom 3. Jan. gemeldet, daß man in wissenden Kreisen in Jassy nicht daran zweifelt, daß die Deutschen das ganze rumänische Gebiet zu erobern beabsichtigen. Um das zu erreichen, werde die Offensive mit der größten Energie fortgesetzt. Alles weise auf eine kräftige Winterkampagne hin.
Die kümmerlichen Reste der rumänischen Armee.
In einem Bericht der „Franff. Ztg." aus dem Kriegs- pressequartier heißt es: Die Beute seit dom 1. Januar ist auf 14 500 Mann gestiegen, darunter hauptsächlich Russen, da nur noch in den Karpathen rumänische Brigaden kämpfen und die übrigen Verbände reorganisiert werden sollen. Von der rumänischen Armee sind einschließlich der Verwundeten kaum 100000 Mann übrig, idie durch neue Aus- hobungen auf höchstens 300000 Mann ergänzt werden sollen. Dazu bedarf es 150 000 neue Gewehre und 800 neue Geschütze und ebenso viel Maschinengewehre, Munition und neue Trains. Die russische Industrie kann dies nicht leisten. Der Transport über See und die Ausbildung dauert Monate.
Für die Entscheidung über das Schicksal der Moldau kann kein Zweifel besahen, daß die Entente beschloß, aufs rascheste alle. Mittel zugleich anzuwenden, die unseren Niederbruch her- beifiihren könnten. In neutralen und inländischen Friebens- erörterungen wurde ein Waffenstillstand erwähnt, doch sei darauf hingewiesen, daß ein Waffenstillstand insbesondere dank ungefährdeter Ausnützung des Seetransportes ausschließlich einer Retablierung unserer Gegner frommt, daher für die Mittelmächte ein Waffenitillstand während etwaiger Friedensverhandlungen undiskutabel I ist. Für den bevorstehenden Entscheidungskampf ist es wertvoll, daß unsere öurch Rumäniens Kriegserklärung von 1300 Kilometer (von Riga bis Kirlibaba) auf 2700 Kilometer mehr als verdoppelte Ostfront Riga-Warna durch Erreichung der Putna-Seretblinie um 800 Kilometer auf die -gegenwär- tige 1900 Kilometer lange Front Riga-Donaumündung fast um ein Drittel verkürzt, gleichzeitig aber die russische Front durch die erzwungene Übernahme der bisher rumänischen Front um 600 Kilometer von 1300 auf 1800 verlängert und in der Richtung Beharabren wesentlich empfindlicher und schutzbedürftrger wurde.
was Rumänien in unserer Hand bedeutet.
Wie weitblickende Englands r schon vor Beginn der entscheidenden Begebenheiten in Rumänien über die Bedeutung einer etwaigen Besetzung des Landes durch unsere Truppen dachten, das ergibt sich aus dem bemerkenswerten Artikel einer englischen Kolonialzeitung. der in Singapur erscheinenden „Straits Times", die in ihrer wöchentlichen Beilage vom 1. Dezember einen Aufsatz veröffentlicht, betitelt: „Was Rumänien bedeutet." Der Aufsatz ist vom 24. November geschrieben, also bevor der rumänische Stein ins Rollen kam: er trägt natürlich die Marke des allgegenwärtigen Argwohns und der Deuffchfeindschast, die heute jedem Briten zur zweiten Natur geworden ist. Es heißt in ihm u. a.:
Professor B a s: I e s c o, ein Mtglisd des rumänischen Parlaments, sandte einen langen Brief an die „Times", in dem er über die
Natur des Kampfpreises,
um den Deuifchlvnid ficht, folgendes sagt: Durch die Besetzung Rumäniens würde sich Deutschland ungeheure Vorräte an Korn, Petroleum, Benzin, Erdölen, Salz und Bauholz verschaffen, ferner ein gutes E i s e n b a h n s h st e m un» die Donau als Wasserweg, außer der gesamten Ernte, die Rumäniens fvuchrbarer Boden hervovbringt. Der Popanz der Hungersnot würde für immer aus dem Deutschen Reich verbannt sein. Wenn die Deutschen jemals Rumänien in ihre Hände bekommen könnten, wüvden sie es niewieder aus ihren Fingern los lassen! Sie wisien weit besser als die Rumänen selbst, wie unerschöpflich seine Hilfsquellen sind und wie hart und zäh feine Bauern arbeiten. Für einen derartigen Preis wie Rumänien würde ihnen kein Opfer zu schwer sein. So Professor Bafilesco.
Es sind das nicht die übertriebenen Gesichtspunkte eines rumänischen Patrioten, es stehen dahinter n üch te r n e Tatsachen, und es ist gewiß, daß ein Sieg in Rumänien Deutschland instand setzen würde, den Krieg gewaltig zu verlängern, und «eine Aassichten vermehren rvürde, ihn in einer Weffe zu beendigen, die ihm als wesentlicher Ersatz geilten könnte für andere Dinge, die etwa verloren sein könnten. Aber wir müssen keine solchen Befürchtungen in unterem Geist aufkommen lassen! Roch sind die ungeheuren Menschenvorräte Rußlands verfügbar; sic brauchen nur ausgerüstet und geführt zu werden, uin den S'vg zu sichern. Die Z u k u n f t Rußlands hängt außerdem so sehr davon ab, den Marsch Deutschlands nach Osten zu hemmen, daß man an seinen kräftigsten Bemühungen nicht zu zweifeln braucht, die es im Vereirr mit Großbritannien, das ja schließlich fast noch mehr am Endsieg interessiert ist, machen wird. Wir fürchten nur tatsächlich, daß die schweren Hi n d e r n i s s c, die noch zu überwinden sind, die Konzentrierung der vussischcn Streitkräfte in Rumänien so sehr hindern werden, daß eiu großer Teil «des Landes in ieiachliche Hände fallen wird, bevor man den Einhalt gebieten kann. Wir hatten alle die Hoffnung, daß das nächste Jthr 'das Ende des Kriegs sehen würde, aber der Fall Rumäniens würde die
Wirkung der englischen Blockade halb zunichte machen.
Wir müssen nun zugeben, daß noch zwei Jahre kaum genügen werden, um den verzweifelten Kampf zu einem Abschluß zu bringen, und müssen uns nochmals vor Augen hakten, daß die Finanzfrage eine der schwierigsten ist, mit der die verbündeten Nat'onen zu rechnen haken. Ob Großbritannien so fortfahren kann, wie es angefar-gen bat, alles ur bar zu bezahlen, ist zweifelhaft. Wir müssen eine sehr schwere Vermehrung der Steuern für das nächste Jahr ins Auge fassen; sie ist unvermeidlich. Wir hoffen zuversichtlich, drß auch diese Kolonie (die Straits Settlements) das anerkennen und darnach ihre Pflicht tun, >oie wir hoffen, daß das ganze Reich dem A u f r u f n a ch einer äußersten Anstrengung entsprechen wird. Die Grausamkeiten in Belgien und Polen, wo Tausende von ihren Häusern weg in die Sklaverei geschleppt werden, (!) erwecken eine tiefe Bewegung in den neutoiien Ländern und lassen sie sehen, wessen der Militarismus fähig ist, und wie alle die, die ihre Freiheit scbäyen, dagegen ankämpfen müssen. Aber offen gestanden, wir hoffen auf nicht piek Sympathie mehr und wünschen sie auch gar rächt. Rumänien beweist jetzt, daß Alliierte eine sehr schwere Verlegenheit sein können.
Wenn in weiten Kreisen einsichtiger englischer Politiker vor beinahe zwei Monaten, als die Operationen gegen Rumänien doch erst in ihren Ansangsstadien waren, die Meinung herrschte, die in.vorstehendem Auszug aus den „Straits Times" wieder gegeben ist, wie mag da jetzt, nachdem bereits mehr wie zwei Drittel des fruchtbaren Landes mit seinen ungeheuren Bodenschätzen in unsere Hand gelangt sind, -nachdem wir die Hauptstadt Bukarest und die große Handelsstadt Braila nebst zahlreichen anderen wichtigen Handels- und Verkehrspunkten erobert haben und nachdem wir den hochwichtigen Wasserweg der Donau i»,
