Verlag Langgaffe 21
„TagtlLllhaus".
tzckaltrr-Halle geöffnet, von 8 lldr morgens bis 7 Uhr abends.
wöchentlich
Bezugs-Preis für beide Ausgaben: DU.1.- monatlich, Ml. 3— vierteljährlich durch den Verlag Langgasse 21. ohne Bringerlohn. Mk. 4.05 vierteljährlich durch alle deutschen Postanstalten, ausschließlich Bestellgeld. — Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- marckrmg 19. sowie bie Ausgabestellen in allen Teilen der swdt; in Biebrich: die dortigen Ausgabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tag blatt-Träger.
Auzeig«
mittags
13 Ausgaben.
Fernruf:
„T-gbl«t>haus" Nr. 6650-63.
Sou g Uhr morgens bis 7 Uhr abends, anher Sonntags.
Anzeigen-Preis für die Zeile: 15 Psg. für örtliche Anzeigen im -Arbeitsmarkt" und Kleiner Anzeiger" »-in einheitlicher Satzsorm; 20Pfg. in davon abweichender satzausführung, iowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen; 3» Pfg- für alle auswärtigen Anzeigen; 1 Mk. für örtliche Reklamen; 2 Mk. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Setten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. — Bei wieberhoüer Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Siachlaß.
; N^dttM^rgew.Ä^g^iisLUr'ngchmiuag^ Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlins., Potsdamer Str.121Il. Fernspr.: Amt Lützow 6202 u. 6203. Tagenünd Pl^enwird'känes-währ^bernoEm!
Dienstag, 9. Ianuar 1917.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 14. . 65. Jahrgang.
Der große Kriegsrat in Rom.
Nachdem in London und Paris, den beiden Zentralen des Zehnverbandes. eine erkleckliche Anzahl großer und allergrößter Kriegsräte stattgefunden hatte, die sämtlich die „einheitliche Front" Herstellen, unwiderruflich die „Entscheidung" in diesem Weltkriege bringen sollten, aber nicht hergestellt, nicht gebracht haben, war es nur ein Gebot der Parität, daß jetzt auch die Hauptstadt Italiens an die Reihe kam. Man war in der Siebenhügelstadt schon eifersüchtig. Und so ist denn der große Heerbann mit Lloyd G'eorge an der Spitze und den Paladinen Briand usw. aufgeboten gewesen. Freilich ist ein Staat des Vierverbandes, nämlich R u ß l 2 n d, nur sehr schwach vertreten gewesen. Während die drei anderen mit den Ministerpräsidenten und Generalstabschefs paradieren, hat sich das Zarenreich mit seinem Pariser Vertreter General Galitzin begnügen müssen; denn das Wort, alle Wege führen nach Rom, gilt zurzeit für Rußland nickt. Völlig unvertreten sind endlich die sechs anderen Mitglieder des Zehnverbandes. Japan ist uninteressiert, und die kleinen Trabanten dürfen wohl niittaten, aber nicht mitraten. Das ist eine lehrreiche Erläuterung zu der Behauptung der italienischen Presse, daß die Konferenz in Noin u. a. „die Rechte und die Freiheit der kleinen Staaten schützen" soll.
Ganz besonders offenbar Griechenlands. Und so sind denn auch der englische Gesandte in Athen, Elliot, General Milner und der Militärattache Fairholm in Rom eingetroffen, um darüber zu beraten, wie mau den Strick um den Hals des Hellenenvolkes noch fester und wirksamer anziehen könnte. Dies? Frage hängt ja eng zusammen mit dem Saloniki- Abenteuer. In England fürchtet man, daß sich der Sarrail-Feldzug zu einem zweiten Gallipoli gestalten könne, und noch mehr ist den Italienern dabei bänglich zumute. Wer die Franzosen haben sich allzu stark in Griechenland engagiert, und sie möchten wohl.auch Saloniki auf alle Fälle als Austauschobjekt gegen Calais behalten, wo ihre lieben Engländer sich häuslich niedergelassen haben.
Doch die griechische Frage und das Sarrail-Aben- teuer bilden nur einen Teil des Rom-Programms, an dessen Spitze dieselben Fragen stehen, die schon auf allen Londoner und Pariser Konferenzen behandelt wurden, nämlich- 1. die Frage: Wie g e st a I t e n wir die Front einheitlich? und 2. die noch wichtigere: Wie siegen wir? Ja, wenn das Rezevt nur so leicht zu finden wäre. Freilich meint das offiziöse „Giornale d'Jtalici". daß „die römische Konferenz ein neuer Beweis der Übereinstimmung der Entente ' sei. Wer wir folgern umgekehrt, daß sie ein neuer Beweis der Nicht- Übereinstimmung der Entente ist. Denn wenn die Londoner und Pariser .Konferenzen die proklamierte Einheitlichkeit gebracht hätten, wäre ja die römische Konferenz überflüssig.
Geradezu kindisch sind die von uns probeweise schon mitgeteilten Hymnen, welche die italienische Presse der Konferenz singt. Der „Corriere della Sera" versichert, es werde damit „ein neues und zenttales Organ geschaffen, dem nichts Gegenwärtiges und Zukünftiges entgehen könne". „Meffaggero" erblickt in der Konferenz die „Besiegelung der Hoffnung auf den baldigen Endsieg". Ebenso versichert die „Stampa", die Konferenz werde „in der ewigen Stadt das G e h e i m n i s des Sieges finden", wobei nur zu bedenken ist, daß man es dort schon ewig gesucht und nicht gefunden hat — siehe die noch immer nneclöstcn Provinzen.
. . . Diese h 0 h l e n P h r a s e n, an denen sich die italienische Presse berauscht, erinnert an Heines Wort: „Als Roms Legionen gefallen waren, schickte es Dogmen in die Provinzen."
„Jetzt wollen wir aus dem Schlachtfelde siegen (nachdem die Entente bisher mit Worten gesiegt hat!), eine ungeheure Offensive muß kommen", verkündet „Secolo", indem er versichert, daß die Einheit der Front jetzt Wirklichkeit werden wird. Wer „du heiliger Sankt Florian, verschon' mein Haus, zünd's andere an". Gerade „Secolo". der bisher ffir die rückhaltslose Beteiligung am Welttriege eintrat, muß jetzt auftragsgemäß erklären, „aus der Einheitlichkeit der Front ist nicht zu schließen, daß man italienische Truppen auf anderen Kriegsschauplätzen verwenden werde". Wenn also, wie anzunehmen, eine Pression zur Absen- düng italienischer Truppen aus den westlichen Kriegsschauplatz eines der Hauptziele der Rom- Konferenz war, so wird dies Ziel nach den offiziösen Auslassungen zu schließen, nicht erreicht werden. Schon dieser Umstand zeigt, daß die verkündete einheitliche Front eine hohl? Phrase ist, eine ebenso hohle wie die proklamirte „Organisation des endgültigen Sieges". Mag der Zebnverband sich weiter an der Phrase berauschen. Wenn die Entente uns ange- .stchts der römischen Konferenz wnreden will. Koma
locuta est, causa finita, das heißt: nachdem Rom gesprochen hat, ist die Sache beendigt, io werden wir auf diese Worte, Reden und Konferenzen wie bisher durch Taten antworten, durch jene Taten, welche unsere siegreichen Heere seit 2*4 Jahren in die Kriegskarte eingezeichnet haben.
*
Tie Diskussions-Fragen.
Br. Genf, 8. Jan. (Erg. Drahtbericht. zb.) Die Fragen, die in Rom bei der Konferenz zur Beratung standen, gliederten sich, wie der „Matin" aussührt, in zwei Hauptterle. 1. jene, die einer unaufschiebbaren Lösung bedürfen, 2. solche, die die für die West - und O st front notwendigen Entschließungen für das Jahr 1917 erforderten. Der ersten Kategorie zählt der „Matin" die durch die kritische Lage Rumäniens dringend gewordenen militärischeil Operationen zu sowie auch den Schutz der beßarabi- schen Flanke, ferner das mit den griechischen Wirren zusammenhängende Programm.
Der Verlaus der Konferenzen.
Boselli kündigt bei einem Frühstück den nnausbleib- lichcn Sieg an.
• Br. Lugano, 8. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) Über den Verlauf der Konferenzen wird noch folgendes gemeldet: Die englische Marinemission unter Admiral Thursburh kam in Rom an. Ihr Eintreffen hängt gleichfalls mit dem Umstand zusammen, daß die Konferenz entscheidende Entschlüsse gefaßt hat. Wie die „Stampa" erfährt, wurde der Plan der Entente, ihre künftigen Aktionen auf zwei Fronten, nämlich ans der italienischen und de: Balkcenfront, konzentrieren, aufs lebhafteste erörtert. Demselben Blatt zufolge dürfte die Konferenz einen politischen Na ch t r a g zu ihrem Antrag ans die - Friedensnote veröffentlichen. Ebenso ist es möglich, daß die Konferenz eine Erklärung diplomatischen Charakters über Wesen und Zweck der Zusammenkunft abgeben wird. Gestern fand im „Excel- sier-Hotel" ein großes Frühstück statt, bei dem Boselli nn Namen Roms den unausbleiblichen Sieg verkündigte. „Secolo" versichert, die Konferenz habe mehr erreicht als in zwei Monaten die diplomatischen Korrespon- .denzen. Es sei zu wünschen, daß solche Konferenzen sich häufiger wiederholten. Denn vor allem für die innere Politik Italiens seien Energie und Opferwchigkeit dringend notwendig. _
Oer Krieg über See*
Das unverzagte Gtandhalten unserer orrafrikanischcn Helden gegen den übermächtigen Feind.
XV. T.-B. London, 8. Jan. Amtlicher Bericht aus Ostafrika: In der Verfolgung des Feindes, der sich nach dem
Rufidschital zurückzog, besetzten wir am 4. Jan. das deutsche Lager am Tschogowali-Fluß und erreichten am Morgeck des 5. Jan. Kibambam auf dem Nordufer, während der Feind das Südufer hielt. Während der ganzen am 1. Jan. im M g e t a t a l begonnenen Unternehmungen wurde der Feind scharf angefaßt. Unsere in M k a I i n s 0 stehende Streitmacht griff kleine feindliche Abteilungen an, die sich ihren Posten näherten, machte Gefangene und erbeutete beträchtliche Vorräte. Im westlicherl Abschnitt wurde eine feindliche Abteilung, die sich von Lupenbre ostwärts gegen Mahenge zurückzog, durch unsere verfolgenden Streit- kräste östlich von Mfirika in einen Kampf verwickelt.
Verschleppung deutscher Gefangenen von Blantire nach Indien.
Eine neue englische Brutalität.
XV. T.-B. Berlin, 8. Jan. (Drahtbericht.) Bei der Berliner Mission sind Briefe eingelaufen, aus denen her- vorgeht, daß von Gefangenen, die sich in Lagern in B l a n t i r e im Schtzrehochland befanden, 85 Männer im Oktober von ihren Familien getrennt und nach Indien abgeschleppt wurden. Dabei wurde auch der ordinierte Geistliche und andere, die nie unter den Waffen gestanden haben, wie Kriegsgefangene behandelt. End« Oktober holte sie ein Dampfer in Beira, der über Daressalam und Zansibar am 5. November in Mombassa einlief. Hier sollen sie auf ein nach Indien gehendes Schiff übergeführt werden. Diese Maßnahme gehört zu dem Empörendst e n, wes sich England gegen die deutschen Missionare ge- lristet hat. Erst schleppte man ohne jeden ernsthaften Grund von den etwa 49 evangelischen und katholischen Missionsstationen in Njassaland die friedlichen und wehrlosen Männer, Frauen und Kinder auf eine Entfernung weiter, als von München nach Danzig ohne ausreichende Fürsorge und ließ sie an dem ungesundesten Platz wochenlang verweilen. Ihre Stationen ließ man aus- plündern und verwüstete so eines der schönsten Stücke deutscher Missionsarbeit gründlich. In Blantire aber befanden sich die Gefangenen wenigstens auf einem gesunden Platz. Jetzt aber trennte man plötzlich die Männer von ihren Frauen und Kindern, ließ letztere im Herzen Afrikas allein »nd bringt die Mötmet, die fast alie einen langen Dienst im Äquatorial-Afrika, darunter 2 % Kriegsjahre, hinter sich
haben, in das ungesunde A h m e d n a g a r in Indien, d. h. eben dahin, von wo man vor einem Jahre die deutschen Missionare wegführte, weil ihre Anwesenheit in Indien ein« Gefahr für das Land sei. Diese neue Brutalität wird in deutschen Miffionskreisen und gewiß auch in manchen neutralen gerechte Empörung Hervorrufen.
Oie „§rieöens"-Zrage.
Unwahre Angaben über angebliche Äußerungen unseres Washingtoner Bot schafters.
tBonuusererBerlinerAbteilung.)
I-. Berlin, 8. Jan. (Eig. Meldung, zb.) In der feindlichen Presse wurden angebliche Äußerungen des Boffchasters B e r n st 0 r f f in Washington über Friedensbedingungen Deutschlands verbreitet. Der Botschafter soll n. a. gesagt haben, Deutschland erkenne an, daß es Belgien eine Ent'chädigungs summe schulde. Wie uns von zuständiger Seite mitgeteilt wird, sind solche Erklärungen niemals von Bernstorfs abgegeben worden.
Der Haag und Wilsons FricdenSnote.
Eine Unstimmigkeit.
XV. T.-B. Haag, 8. Jan. (Drahtbericht.) Dem Korrespon- denzburean wurde auf seine Nachfrage von dem Ministerium des Äußern geantwortet, daß der Text der Friedensnote Wilsons an die Kriegführenden im Haag nicht, wie cs in Madrid geschehen zu fein scheine, mit dem Ersuchen um Unterstützung dem Minister des Äußern mttgeteilt, sondern einfach durch den amerikanischen Gesandten Landen ohne irgend ein Ersuchen um Unterstützung aus. gehändigt wurde.
Eine neue Erklärung des norwegischen St orthing-Präsidenten.
XV. T.-B. Christiaaia, 8. Jan. (Drahtbericht.) Die Press« der Hauptstadt veröffentlicht eine Erklärung des Storthing- Präsidenten Mowinckel, der die von dem Londoner Berichterstatter der Zeitung „Tidens Tegen" gegen ihn gerichteten Angriffe wegen seiner Äußerung zum deutschen Friedensangebot als schimpfliche Beschuldigung und grundlose kränkende Verdächtigung kräftig zurück w e i st. Er habe ausschließlich im Interesse des Landes versucht, in den beiden kriegführenden Lagern das Verständnis für die s ch w i e r i g e L a z e Norwegens zu erwecken.
Eine leicht zu ertragende Drohung.
Ter Zehnverband in Unruhe wegen des angeblich geplanten südslawischen Staates.
tLwahroericht unseres Il-Sonderberichterstatters.)
17. Rotterdam, 8. Jan. (zb.) Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" berichtet aus London: „Manchester Guardian"
schreibt: Sollte die Mitteilung deutscher Zeitungen zutteffen, daß der Vierbund einen südslawischen Staat unter ungarischer Herrschaft zu gründen plane, seien alle Fric- densversuche umsonst. Die Verbaildsmächte würden nie Montenegros Auflösung und Serbiens Verteilung dulden.
Volk in Not.
Hart auf Hart?
Br. yaag, 8. Jan. (Gig. Drahtbericht. zb.) Der „Daily Telegraph" meldet ans Athen: In einigen Tagen werden die Vertreter der Verbündeten die diplomatischen Beziehungen mit der Athener Regierung a b brech e n. Die Regierungen der Vevbünideten sind entschlossen, die in ihrem Ultimatum erhobenen Forderungen aufrecht zu erhalten, obwohl in Athener Regievungskreifen die Meinung herrscht, daß man diese wegen des Widerstands der öffentlichen Meinung nicht anneihmen könne. Die Ratgeber der Krone glauben, daß Griechenland die Blockade wohl eine Zeitlang ertragen könne, und :n-' zwischen werde die Regierung Zeit gewinnen.
Ereignisse zur See.
Französischer Postdampfer unter dem Geschützfeuer eines U-Bootes.
XV. T.-B. Maorid, 8. Jan. (Drahtbericht. Reuterbureau.) Die drahtlosen Stationen Bilbao, Ferrol und Coruna erhielten Funtentelegramme von dem französischen Postdampfer „Bille de HaVre", in welchen der Dampfer Hilfe erbittet, da er von einem deutschen Unterseeboot beschossen werde. Die Hilferufe hielten 2ft Stunden an. Ein holländischer Dampfer fuhr zur Hilfe.
Der Vernichter des Linienschiffes „Ganlois". *
Br. Berlin» 8 . Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) Ein See- held, dessen Namen auch unvergessen bleiben wird, ist der Oberleutnant zur See Steubauer. Wie man uns sagt, ist er der Kommandant des Unterseebootes, das im Mittelmeei das französische Linienschiff „Gaul ois" und den Truppentransportdampfer „Jvernia" versenkte. Oberleutnant Steubauer ist ein Sohn des parlamentarischen Mitarbeiters der „Kölnischen Zeiturgz".
