Verlag Langgaffe 21
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Samstags 6. Januar 1917.
Kbend-klusgabe.
Nr. 10. . 63. Jahrgang.
Neue grotze Fortschritte gegen die berethlinie.
Oer Sereth an mehreren Stellen erreicht!
weiteres Vordringen auch an der Moldausront.
Oer Tagesbericht vom 6. Januar.
W. T.-B Großes Hauptquartier, 6. Januar.
(Amtlich.) -
Westlicher Kriegsschauplatz.
In den Abendstunden starker Feuerkampf im Vpernbogen, auf beiden Somme Ufern und in einzelnen Abschnitten der Champagne- und Maasfront.
Bei S e r r e, nördlich der Ancrr, drangen im Nachtangriff einige Engländer in den vordersten Graben. Unsere Stoßtruppen holten in der Gegeild von Massiges und an der llfordostfront von B e r d u n Gefangene aus den französischen Linien.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bavern.
Nach Scheitern seiner Vorstöße am gestrigen Morgen wiederholte der Russe nach heftiger Artillerievorbereitung seine Angriffe mit frischen Kräften zwischen der Küste und der Straße M i t a u - R i g a. Östlich der B-a r drang er über gefrorenen Sumpf in Bataillonsbreite in unsere Stellung; an allen übrigen Punkten wurde er abgrwirsen. Bei Gegenstößen blieben 9 0 0 Mann und mehrere Maschinengewehre in unserer Hand.
Angriffe kleinerer russischer Verbände an zahlreichen Stellen der Dünafront und nördlich des M i a d z i u l - Sees hatten keinerlei Erfolg.
Front des Generalobersten Erzherzog Joseph.
Im Südteil der Waldkarpathen starker Fener- kampf. Österreichisch-ungarische Truppen schlugen nordöstlich von K i r l i b a b a russische Bataillone zurück.
Südlich des T r o t o s u l - Tales stürmten staherische und österreichisch-ungarische Regimenter ausgedehnte Verteidigungsanlagen des Feindes zwischen Cotumba und Mt. Faltucanu. Zn den schweren blutigen Verlusten des Gegners kommt die Einbuße von über 3»« Gefangenen.
Zwischen Mgr. C a s i n u l i u und S u s i t a - Tal wurden mehrere Stützpuntte genommen. Deutsche Kolonnen dringea nach Säuberung der Höhenstellungen s ü d ö st l i ch von Svveja längs der Täler nach Nordosten vor.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.
Nach wirksamer Fcuervorbereitung stürmten unter dem Befehl des Generalleutnants Kühne die Divisionen des Generalleutnants Schmidt von Knobelsdorfs (Heinrich) und von OetingerLie stark ausgebaute, >uit Drahthinderniffen und Flanirrungsanlagen versehene Stellung der Russen vom Tartaru bis Rimnizeni, nahmen die Ortschaften und drangen über den versumpften Flußabschnitt gegen den Sereth vor. Der Gegner hält dort noch einige Dörfer, von denen aus er vergebliche Borstoße führt. .
Bei diesen Kämpfen zeichnete sich das magdebnrg- i s ch e Infanterie-Regiment Nr. 26 aus.
Weiter südöstlich nahm das verstärkte Kavalleriekorps des Generalleutnants Graf von Schmettow Olaneasca, G u l i a n c a und M a x i m e n i. Bortruppen erreichten den Sereth.
Bor der Donanarmee des Generals der Infanterie Kosch gab der Russe weiteren Widerstand südlich deS Sereth in der Rächt vom 4. znm 5. Januar auf und ging, starke Nachhuten opfernd, ans das Nordufer zurück.
In B r a i l a drangen vom Westen deutsche und bulgarische Reiter, vom Osten über die Donau deutsche und bulgarische Infanterie ein. Die wichtigste Handelsstadt R u m ä n i e ns ist damit in der Hand der Verbündeten.
In der D-brudscha hat die dritte bulgarische Armee, der deutsche, bulgarische und osmanische Truppen angehören, unter Führung des Generals Nerezoff ihre Aufgabe schnell und endgültig gelöst. Kein russischer oder rumänischer Soldat befindet sich noch im Lande!
Die beabsichtigten neue» Operationen sind e i n - geleitet. Galatz liegt unter unserem Fener.
Mazedonische Front.
Im Cernab,gen Artilleriefeuer. An der Struma Patrouillengrpläukel.
B»n See werden alltäglich die griechischen Küstenstädte zwischen Struma- und Nestamündung durch Schikke der Entente beschossen. ' T
Der erste Generalqnartiecineister: Ludendorsf.
amtliche bulgarische Bericht. 1390 Gefangene im Nordwestzipfel der Dobrudfcha.
W. T.-B. Sofia, 5. Jan. Bericht des Generalstabes vom
Die „Morgenpost" schreibt: Braila ist der bedeutendste rumänische Donauhafen und für seine Entwicklung hat die rumänische Regierung durch Anlage großer Lagerhäuser und riesiger Getreidedocks so viel getan, daß Galatz längst überflügelt ist.
/7/e Jbefestigte Seret/rtin/e
Ein kennzeirhnrnder rumänischer Heeres- ^ befchl.
Der folgende rumänische Heeresbefehl, der einen Einblick in den Geist und die Organisation des rumänischen Heeres gestattet, wurde von deutschen Truppen aufgesunden:
8. Division des Generalstabsdienstes an 8. Artillerie- brigadc.
Ich beehre mich, Ihnen die telegcaphischc Order Nr. 7 vom 2. (15.) Oktober des Gruppenkommandeurs der Nordarmeen mit Nr. 1210 vom 4. (17.) Oktober 1916 der Nordarmee n zwecks genauer Ausführung und Absicht zu übermitteln.
Auf Befehl der Chef des Generalstabes der 8. Division (gez.) Major Dimitrescu.
Es wird den Offizieren aller Grade vollständig untersagt, sich über die Kampfmittel des Feindes noch zu unterhalten, um varzustellen, daß sich ihre Überlegenheit über unsere Mittel ergibt. Die Tatsache an sich ist unrichtig, denn die schwere Artillerie, die einzige Waffe, über welche wir nicht im gleichen Maße wie der Feind verfügen, ist ans ebenen Flächen sogar von einer wirklich nur mittelmäßigen
5. Januar:
Mazedonische Front: An einigen Frontab
schnitten schwaches Feuer der feindlichen Geschütze. Im Cerna- Bogen hat der Fliegerleutnant B r a n d e k seinen zweiten feindlichen Fesselballon abgeschoffen, der brennend bei Nego- tschin herabstürzte.
R u m ä n i s ch e F r o n t: In der Dobrudfcha gingen die bei Marin und I i j i l a geschlagenen Russen gegen Braila zurück. Bulgarische und deutsche Truppen verfolgten sie bis an das rechte Donauufer und besetzten das Dorf Cecet, gegenüber von Braila. Der linke Flügel des Feindes hat versucht, sich in dem nordwestlichsten Winkel der Dobrudfcha bei B a c a r e n i und der Höhe 162 zu halten. Trotzdem wurde auch hier der Feind durch einen heftigen Vorstoß unserer tapferen Infanterie-Regimenter Nr. 35 und 36, die von der Artillerie wirksam unterstützt wurden, auf den schmalen Geländestreifen an der Straße nach Gala» zurückgeworfen. Die Zahl der hier gemachten Gefangenen belänft sich auf 13 6 0 M a n n. Bei I s s a c r e a beiderseits Geschützfeuer. Feindliche Monitore haben T u l c e a beschossen.
Die Einnahme von Braila.
Berlin, 6. Jan. (zb.) Zur Einnahme der Hafenstadt Braila sagt die „Boffische Zeitung": Braila und Galatz sind Rumäniens Getreide st apelplätze. Rumäniens Goldwerte werden von den Mais- und Weizenfeldern eingebracht. Wie im Petroleumgebiet in Ploesti die Engländer sich im Vernichtungswerk betätigten, so haben in Braila und sicher auch in Galatz die Russen alles daran gesetzt, um das Getreide entweder fortzuschaffen oder doch i n Flammen aufgehen zu lassen. Das soll uns jedoch nicht in unserer Siegesfreude stören. Die Kunde von Braila kommt gerade zurecht als Gruß ans dem Osten an die zum Kriegs rat in Rom versammelten Vertreter der feindlichen Staaten und Heere. Dobrudfcha und Walachei sind erledigt. Mackensens Blitzzug durch Rumänien hat zu einem neuen wichtigen Kriegsabschnitt geführt. Eine der beiden binnenländischen Seestädte am rumänischen Donauufer, Braila, ist erreicht, die zweite, Galatz, gegen die unsere Kanonen auch schon donnern, kann sinken über Nacht. Von Norden nach Süden, von Westen nach Osten, wurde die Walachei in unaufhaltsamem Siegesmarsch durchquert. Mit der Eroberung des Hafens in seiner Südostecke ist sie in ihrem ganzen Umfang in die Hände der Eroberer gelangt. Das benachbarte Galatz liegt bereits in der Moldau. Diese gerät nicht bloß von hier aus, sondern auch in der Richtung auf Foscani sowie von den Karpathen her durch ostwärts vorrückende Armeen arg ins Gedränge.
Der „Berliner Lokal-Anzeiger" schreibt: Der Umstand, daß von Braila aus die in der nördlichen Dobrudfcha noch stehenden russischen Srreitkräfte unter Benutzung dieser Straße im Rücken gefaßt werden konnten, gab der Stadt einen strategischen Wert, der in dem Räumen der russischen Stellungen vor der Cernuvoda-Constantza-Linie bereits deutlich zutage trat, noch ehe Braila unmittelbar bedroht war. Für die Verteidigung der Sereth-Linie oder den Angriff auf diese kam unseres Erachtens Braila k a u m i n B e - tracht, da es von dem linken Flügelpunkt dieser Linie, Galatz, durch sumpfiges Gelände, durch das allerdings eine Eisenbahnverbindung hergestellt ist, getrennt war. über dem militärischen Wert dieser Stadt steht jedoch himmelhoch die Bedeutung des Ortes als einem der wichtigsten Haupt- ausfuhrplätze Rumäniens, Galatz und Braila.
Wirkung gegenüber den Truppen und im Gebirge noch weniger wirksam. Aber selbst wenn die Sachen so ständen, wie sie aufgeregte Gei st er in erhitzter Einbildung übertreiben, welchen praktischen Nutzen hat es, sie zu übertreiben? Die Situation ist derart, daß der Kampf zu Ende geführt werden muß, wie auch immer die Verhältnisse sind. Angesichts des Feindes bindet uns die Pflicht, ihn aufzuhalten oder sogar zurückzuwerfen. Dieser Pflicht, der sich niemand, ohne schwer bestraft zu werden, entziehen kann, zwingt uns alle, alles in Bewegung zu setzen, was in unserer Kraft steht, um zu siegen. Die erste Bedingung, um zu siegen, ist jedoch der unabänderliche Wille zu siegen.
Die Offiziere, die nichts anderes als Bewunderung für die Überlegenheit der Mittel des Feindes haben, zeigen nicht nur selbst Mutlosigkeit, sondern sie begehen tatsächlich ein Verbrechen gegenüber dem Vaterlande, wenn sie auch anderen den Mangel ihres unabänderlichen Glaubens an den Sieg mitteilen.
Ich verlange, daß in den gegenwärtigen Zeiten alle Offiziere ernsthaft an ihre Mission denken. Sie haben die Pflicht, den Leuten die Überzeugung beizubringen, daß die scheinbare Überlegenheit und die Aufsehen erregenden technischen Hilfsmittel des Feindes in jedem einzelnen von uns den unabänderlichen Willen zu sieqen nur noch stärken müssen.
Die Deutschen hatten 1870 nur eine halb so gute Gefechtswaffe gegenüber jener der Franzosen und haben dennocü gesiegt, denn sie waren durchdrungen vom Willen zu siegen. In den Reihen des Heeres befanden sich keine Offiziere, welche in der t e ch n i k ch e n Ü b e r l e g e n h e i t des Feindes ein Hindernis zum Siege fanden. Wenn über die technischen Hilfsmittel des Feindes schon gesprochen wird, dann darf dies ausschließlich nur von dem Gesichtspunkte aus geschehen, das geeignete Verfahren zu ergründen, um so viel als inöglich ihre Wirkung abzuschwächen.
Ich bifte daher alle Kommandeure, obne Nachsicht und in strengster Weise Pflichtverletzungen des gegenwärtigen Befehls eutgegenzutreten. Es ist nicht zu vergessen, daß jeder zaudernde Schritt von u n s den Feind einen Schritt vorwärts bringt auf dem Boden unseres Landes, den unsere Vorfahren zu verteidigen wußten, ohne daß sie angesichts des Feindes von Furcht befallen wurden, selbst dann nicht, wenn sie an Zahl und Mitteln in der Minderheit waren.
Der Kommandeur der Gruppe der Nordarmeen.
Wez.) Divisionsgeneral Avereöcu.
