Einzelbild herunterladen
 

'(SgjglWd

3 Der Roman, f

s

& . »i Morgen-Vellage der Wiesbadener Tagblatts. ta--sai

Ur. 3 .

$reftag, 5. Januar.

1917.

(18. Kortsetzung.1

Der Bojar.

Roman aus Rumänien von Mite Kremnltz.

(Nachdruck »«Voten.;

Ms Nicu am Abend nach Hause kam. ging Paula ihm mit vollem Herzen entgegen. Er sah elend aus, große Ringe lagen um 'eine oraunen, lieben Augen. Sie fühlte Weh um ihn.

J$tku, sagte sie sanft, sie wußte nicht recht, wie beginnen und zitterte am ganzen Körper. es

wahr, - -du Frau Bert liebst?"

Nicu lachte allzu laut:Wer hat dir solchen Unsinn in den Kopf -gesetzt?"

Paula atmete einmal schwer auf und biß dir Zähne zusammen:

Sag mir die Wahrheit, ich will das Leid mit dir teile,!."

Wahrheit ist, daß ich nur dich liebet'"

Paula schwieg «inen Augenblick, dann wieder­holte sie:

Ich bitte, ich beschwöre dich, gesteh' es mir ein!"

Ich Hab» nichts einzugestehen! Willst du mir um jeden Preis beweisen, daß ich lüge?"

Zu viel! Tränen stürzten hervor.

Nicu stand auf imd redete sich in eine furchtbare Heftigkeit. Da erhob sich Paula, jetzt ganz ruhig, und gab ihrem Mann sein eigenes Billett:Frau Veri

schickte es mir heute im Lause des Nachmittags. Sie rtrt mir, ich solle versuchen, meinen Mann zur Ver­nunft znrückzubringen. Ich werde es nicht versuchen. Pis morgen will ich überlegen, was weiter geschehen soll."

Ricu stand erstarrt. Ihm war, als müsse der Zorn ihn ersticken. 9frtr wußte er nicht recht, gegen wen er wütete: ob gegen Paula oder gegen Cleopatra. . . .

Cleopatra hatte keinen Grund mehr, eifersüchtig zu sein; sie teilte fortan Nim mit niemand. Zwischen Paula und ihrem Manne wurde seit jenem Abend kein Wort mehr ohne Zeugen gewechselt. An, Tage nach der Katastrophe ihrer Ehe schrieb Paula ihrem Gatten, er möge sich kiinftig durchaus frei fühlen. Das einzige, was sie verlangte, wäre, daß kein Fremder vorläufig erfahren sollte, wie getrennt sie lebten. Nicu war eL nur willkommen, daß Paula ihn, das kompromittierende Billett wiederyegeben hatte. So hatte sie also keinen vor Gericht gültigen Beweis gegen ihn und Cleopatra in Händen!

Wach der ersten Empörung empfand Paula keinen Schmerz. Sie war nicht im Herzen getroffen. Es wurde ihr mählich klar: Sie hatte sich lieben lassen, aber ge­liebt hatte sie Nicu nicht. Eine Trauer blieb, weil sie jhn nicht mehr achten konnte. Resolut, wie sie war, riß Tie das letzte Gefühl der Zuneigung für den verlorenen Mann aus ihrem Herzen. Er hatte ihr Vertrauen miß- braucht. und sie an ihn ein schweres Herzensopser ver­geudet. Das konnte sie nicht verzeihen. Mit der gan- int Innigkeit hingen ihre Gedanken an George.

Wäre George damals in ihrer Nähe gewesen, ihr Übervolles Herz hätte im ersten Augenblicke überfließen Müssen. Nun aber samnielte sie ihre Energien. Sie tvußte, was sie zu tun hatte. Makellos mußte sie blei­

ben: der Gedanke an das komniende Kind wurde zur Pflicht. Wie dann das spätere Leben alles wächst, nichts bleibt stehen sich entwickeln würde, daran dachte sie jetzt nicht.

George Belesen hatte kein Bekenntnis nötig, um zu sehen, wie alles stand. Sah er Paula auch nicht oft, so glaubte er sich doch hin und wieder die Freude, sie zu besuchen, von der^ klatschenden Welt erkaufen zu dürfen, Durch häufige Spazierfahrten mit seiner Frau, durch Geschenke an Sofie, durch all die kleinen Scheinbeweise der Liebe hielt er die gute öffentliche Meinung aufrecht, er sei der liebcndste Gatte der Stadt. . . .

Man gerät so leicht vom ersten Schritt der Falsch­heit in das Dickicht der Verlogenheit! George fragte sich, warum er den ersten Schritt getan? Es dünkte ihm, er sei unzurechnungsfähig gewesen, als er sich der- lobte. Wozu das alles? Hatte er in der Folge etwas geleistet, um dessentwillen es sich verlohnte, gut mit der Welt zu stehen? Zwei Möglichkeiten hätte er sich recht­zeitig klar machen sollen- die eine war, daß er der Liebe lebte und alles andere in, Sttch ließ aber er hatte damals an Paulas Gegenliebe noch nicht geglaubt, sie selbst nicht einmal!, die andere: nach einem großen Ziel zu streben, recht zu tun und nichts zu scheuen. Die Einsicht kan, zu spät. Nun hatte er so gehandelt, daß ihm jede Glücksmöglichkeit versperrt war. Was sollte daraus werden? Täglich in seine Sitzungen gehen und die Abende mit Sofie in großer Gesellschaft verbringen: )var das ein menschenwürdiges Dasein? Unbedacht war seine Heirat gewesen, ein fluchwürdiger Leichtsinn» und kindisch handelte er, als er sich von der Politik znrück- zog und, kaum gewählt, sein Kammermandat nieder­legte! Er, der eine Überzeugung zu vertreten hatte, was doch nur wenige Polittker Rumäniens von sich sage» konnten. ....

Daß ein ausländischer Fürst auf den Thron berufen werde, ein rechtlich denkender Mensch, der den, Lande endlich Ruhe und Sicherheit brachte, strebte er das an? Nun konnte er, der Privatmann, für die Sache weiter nichts tun, als hin und wieder einen Zeitungsartikel schreiben und den Fürsten Demeter bewachen.

Zu Paula klagte er über sein verfehltes Leben. Er konnte es nicht fassen, daß sie in glücklicher Frauenart in den Tag hineinlebte.Seitdem ich d,ch liebe, George", sagte sie dann,bin ich immer froh Weil ich dich sehe, weil du da bist, wenn ich dich auch nicht sehe; denn ich denke an dich!" Wohl sich sie, wie ruhe­los der Geliebte war, wohl erkannte sie, daß seine leb­hafte Natur in der ihnen aufgezwungenen Lag« litt doch sie konnte nach ihrer Art nicht anders: alles über­gab sie der helfenden Zeit. . .

Ein Fürst war gewählt worden. Er schlug den Thron aus. Jetzt stand ein anderer in Frage. Doch in der Bevölkerung der Provinz regte sich eine starke Bewegung, die die Auflösung der jungen, nationalen Gemeinschaft anstrebte. Die Provinz-Hauptstadt sollte wieder Residenzstadt werden, unter den Kleinbürgern